Muss ich ein schlechtes Gewissen haben? Wenn ich die politischen Artikel so lese, fällt mir auf, dass ich viel zu wenig informiert bin! Ich frage mich jetzt öfters,war ich vielleicht zu desinteressiert? Grübel, grübel! Nach langem Hin und Her bin ich zu der Feststellung gekommen, dass mir die Zeit fehlte! Aber was mache ich jetzt! Hätte ich mir nicht die Zeit nehmen müssen, um wirklich immer über alles gut informiert zu sein. Will ich da mitreden? Muss ich immer überall mitreden können? Ist es meine Bürgerpflicht? Der Anspruch erschlägt mich oft!
Wo fange ich bloß an. Die Programme aller Parteien! Die neuesten Gesetzesentwürfe, Verabschiedungen und Vorschläge! Puh, das haut mich um! Dann die kleinen und größeren Intrigen. Wer hat wo mit wem fusioniert! Wer hat unterschlagen! Wer ist jetzt in den oder jenen Aufsichtsrat gewählt! Welche Firmen machen welche Umsätze!
Manche wissen viel, kennen sich selber aber nicht! Und von ihrem Nächsten noch weniger! Viele vergessen vor lauter Wissen das Umsetzen!
Dann die Außenpolitik. Die Konfliktherde auf der ganzen Welt. Afghanistan, Iran. Die Politik Amerikas. Israel. Intifada! Islamismus! Kampf der Kulturen! Mir brummt der Kopf!
Der Bürger muss sich mehr engagieren, höre ich. Wo soll ich anfangen? Wann soll ich mir die Zeit nehmen, mich wirklich ausführlich zu informieren. Zeitungen lesen, die ausführlich informieren und Stellung nehmen. Möglicherweise Bücher zur Hand nehmen, die über die jeweiligen Hintergründe aufklären?
Immer wieder frage mich, will ich das überhaupt? Ist das wirklich meine Pflicht?
Was hab ich denn getan in all den vergangenen Jahren? Ja klar, wenn Wahlen waren, habe ich mich recht und schlecht über Parteiprogramme informiert und mein Stimmchen abgegeben. Klar, war ich enttäuscht, wenn die Versprechungen nicht eingehalten wurden. Aber werden sie das jemals? Wie soll ich mich denn dann verhalten? Beim nächsten Mal die andere Partei wählen? Ich kenne sogar welche, die nicht mehr wählen. Hat man ja auch in den letzten Jahren gesehen, dass die Wahlbeteiligung sehr geschwankt hat. Sie haben resigniert!
Ich stelle fest, ich bin diesbezüglich nur ein kleines Licht. Ich habe Familie gelebt. Die Kinder erzogen. Mich in Kindergarten, Schule und anderen Gremien beteiligt. Vor Ort! Hab Kinder berufstätiger Mütter mit versorgt. Sie nach dem Kindergarten mit nach Hause genommen. Hab die Arbeit getan, in Gremien, die sie nicht tun konnten. Aus Zeitmangel! Das hat mir was gebracht! Da hab ich auch was bewegt! Ich hab versucht, so zu leben, dass ich der Umwelt nicht all zu großen Schaden angerichtet habe. Ich habe versucht, die Familie zusammenzuhalten, für Freunde, Bekannte und Nachbarn da zu sein, wenn sie mich brauchten. Aber anscheinend habe ich versäumt, allumfassend an der Problematik des Staates in dem ich lebe, mitzuarbeiten und mich schlau zu machen. Oft lese ich die Schlagzeilen im Politikteil und stell mal wieder fest, jetzt fehlt ne ganze Menge Hintergrund, um wirklich eine Meinung dazu zu äußern. Da halte ich mich doch lieber zurück!
Und überhaupt? Hätte ich was geändert, wenn ich mehr gewusst hätte? Gut, ich hätte vielleicht mitreden können. Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass es viele Wege gibt, diese Welt zu ändern. Es gibt Menschen, die wissen alles über alles! Sie können überall gut mitreden. Sie kennen die Hintergründe sämtlicher politischer und wirtschaftlicher Machenschaften! Respekt! Aber ist das wirklich wichtig? Ändert es etwas, sich jeden Tag mit den Ereignissen dieser Welt zu beschäftigen?
Ich bin ein ganz normaler Bürger! Ein kleines Licht! Ich weiß nicht allzu viel. Doch hab ich viel geschafft! Politiker wissen oft zu wenig, über den Alltag eines ganz normalen Menschen . Sie kennen nicht den Alltag des „kleinen Mannes“ der geprägt ist vom Schaffen der eigenen Lebensbedingungen, in denen ihre kleinen Familien vernünftig leben können. Der Unterschied ist zu groß zwischen dem was sie sagen und beschließen, zu dem wie es im realen Alltag des Einzelnen aussieht. Man könnte sie ja mal einladen einen Monat in einer Kleinfamilie mit zwei oder drei Kindern zu leben. Mit einem Monatsgehalt von ca. 2.5oo,--? auszukommen und das ist schon hoch angesetzt. Sie sollten mal versuchen mit einer Rente von 860,--? zu leben, wenn die Miete schon 4oo,--? beträgt. Von den vielen Sozialfällen gar nicht zu reden.
Alles Wissen der Welt nutzt nichts, meine ich. Ich bin dann zwar schlauer, aber hilft es mir in meinem Alltag?
Die Sorgen und Nöte in meinem Alltag erfordern viel Kraft. Ich bin viel zu viel damit beschäftigt einfach zu leben, so dass mir wohl auch weiterhin die Zeit fehlen wird, überall und immer mitreden zu können.
Ich geb zu, ich hab von vielem einfach Null-Ahnung! Na und?