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Arbeit und doch kein Lob?

Lob und Anerkennung auszusprechen ist im Miteinander nicht mehr groß gefragt. Jedenfalls erleb ich es sehr oft, dass anerkennende Worte wenig gesagt werden. Dafür mag es viele Gründe geben! Immer öfter stelle ich fest, dass, wie auch in den Nachrichten, das Negative sehr schnell bemerkt wird und man dann auch groß ist, im Rundumschlag, wie man so schön sagt. Auch hab ich mal irgendwo gelesen, dass gerade die Deutschen sehr geizig mit lobenden Worten der Anerkennung sind. Gerade im Berufsleben fällt einem das ja oft am deutlichsten auf. Im Freundes- und Bekanntenkreis wird oft frustriert davon berichtet, wie Chefs ihre Angestellten mal wieder so richtig runtergeputzt haben, wenn etwas nicht geklappt hat, dagegen wenn etwas gelungen ist, wird kaum ein Wort darüber verloren. Grundsätzlich kann ich mich selber darüber eigentlich nicht beklagen, aber vor einigen Tagen ist mir folgendes passiert.
 
Ich bin grundsätzlich immer schon eine halbe bis dreiviertel Stunde früher bei der Arbeit. Nicht weil ich auf Lob aus bin, sondern weil ich es selber sehr gerne habe, am Morgen noch ein bisschen allein zu sein. Die gelieferten Bücher auszupacken und ich hab immer Freude daran, wenn die anderen kommen und das schon alles fertig ist und die Kunden, wenn sie dann schon an der gerade geöffneten Türe stehen, nicht lange auf ihre Bücher warten müssen. Ich krieg das auch nicht bezahlt, trotzdem, es macht mir selber Freude. Dieser Tage passierte also folgendes: Ich arbeitete ganz ruhig vor mich hin und da ging plötzlich die Tür auf und meine andere Kollegin kam, ungewöhnlich für sie, tatsächlich auch zwanzig Minuten früher als sonst. Mein Erstaunen war groß. Aber ich fand das sehr schön! So machten wir uns weiter zusammen an die Arbeit. Punkt 09.30 Uhr kommt die Chefin, macht die Tür auf, kommt rein, sagt nicht Guten Morgen, sondern in einem harschen Ton: Ihr habt das Licht im Eingang angemacht. Das ist blöd, weil dann die Kunden meinen, es sei schon auf und rennen voll gegen die Tür“! Dazu muss ich sagen, wir hatten das Schild „Geöffnet“ noch nicht rumgedreht.
 
Ich sah, wie meiner Kollegin, wie man so schön sagt, die Klappe runterfiel und ich selber war sprachlos! Auch ich bemerkte ein kleines Gefühl, das so etwas wie „ungerecht“ sagte! Ich hab aber einfach ganz ruhig weitergearbeitet und nichts gesagt. Ja, dann ging es erst mal ganz normal weiter. Nach zwei Stunden bin ich zur Bank gefahren, um Geld wegzubringen und dachte mir, bringste mal einen Kaffee mit, ach, und vielleicht ein Stückchen Kuchen für jeden. Vielleicht ist das heut mal angebracht. Gedacht, getan!
 
Kam dann also beladen mit den Köstlichkeiten ins Geschäft zurück und da gerade kein Kunde da war, machten wir es uns im Lager gemütlich. Die Kollegen freuten sich über die unerwartete Überraschung und auch die Chefin war guter Dinge. Als sie fragte, womit sie das verdiente, sagte ich scherzhaft, ach, nur so, ich dachte, das sei mal angebracht, heute! Dann sagte sie, stimmt, ich bin heut ein bisschen schlecht drauf! Ja, ja, sagte ich dann lachend, hat man gemerkt, heute morgen, anstatt rein zu kommen und sich zu freuen, dass die Angestellten schon früher bei der Arbeit sind, hast Du uns mal so richtig angemufft! Anstatt das Positive zu sehen, hast du das Negative herausgezogen und dich daran festgemacht! Wir mussten alle lachen und dann war die Luft raus und sie hat sich entschuldigt.
 
Nein, also im Ernst, ich kann mich selten über Anerkennung in der jetzigen Arbeitssituation beschweren. Aber ich habe das auch in der vorigen Stelle anders erlebt. Dort wurde jedes kleine Missgeschick unglaublich aufgebauscht und das überwiegend Positive rutschte in den Hintergrund, so dass man manchmal selber nicht mehr wusste, was überwiegt denn jetzt eigentlich, gute Arbeit, schlechte Arbeit!
 

Dabei ist Lob und Anerkennung doch ein täglich Brot für den Menschen, egal ob bei der Arbeit, in der Familie oder bei anderen Aktivitäten. Grundsätzlich bin ich der Meinung und handele auch danach, dass ich Freude daran habe, was ich tue und das gute Ergebnis, dass dann dabei herauskommt, ist schon Anerkennung genug. Aber ich muss ehrlich sagen, ein anerkennendes Wort ist dann doch oft die Krönung des ganzen. Schon Kinder motivieren wir ja mit guten Worten, nicht aufzugeben, wenn mal was daneben geht.
 
Schön sind auch die Sätze:“ Man, das hast Du aber gut gemacht, aber?..
Super, das hast Du gut gesagt, aber??
Hey, ich freue mich, dass du mir Blumen mitgebracht hast, aber?.
Ich glaube, jeder kennt solche Sätze im täglichen Leben, zuerst das Lob, danach gleich das Manko!
 
Aber-Sätze sind kein Lob sondern doch nur wieder gut verpackte Kritik.
 
Ich glaube, dass viel Missmut und manchmal auch das „Ausgebranntsein“ bei der Arbeit viel mit fehlender Motivation und Anerkennung zu tun hat. Gerade in Berufen, wo Menschen mit Menschen zu tun haben, fällt das besonders auf. Daher könnte eine kleine Veränderung in unserem täglichen Leben stattfinden, wenn wir alle wieder mal ein bisschen mehr die Leistung des anderen anerkennen würden!
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