Ich schreibe einfach gern:)
Ich hab heut ein Jubiläum zu feiern. Auf den Tag genau, fahre ich nun 33 Jahre Auto. Wow. Unfallfrei, kann ich nicht sagen. Denn da war doch, damals, diese Sache mit der roten Ampel. Jeden Morgen fuhr ich Richtung Südstadt, um meine Kinder und die der Familien, die kein Auto besaßen, in den Waldorf-Kindergarten zu karren. Wir waren schon verrückt damals. Morgens um 8.00 Uhr hin, mittags um 12.00 Uhr wieder abgeholt. Will sagen, das Leben fand zu dieser Zeit mehr auf der Straße statt, für mich jedenfalls, denn die Fahrten mit dem Auto bezogen sich ja nicht nur auf das Hinbringen und Abholen vom Kindergarten. Nein! Auch Verabredungen an den Nachmittagen mußten per Auto erledigt werden, da die Freundschaftskontakte immer mit Entfernungen verbunden waren. Die Familien kamen aus den unterschiedlichsten Stadtteilen, auch aus den Vororten. Nun denn.... und so geschah es eines Morgens, im Eifer, im Streß, dass ich, wie immer, was ja grundsätzlich eine gute Einstellung ist, aber beim Autofahren nunmal gefährlich sein kann, vorausschauend eine grüne Ampel sah, aber die davor sich befindliche rote einfach schlicht und ergreifend übersah. Plötzlich knallte es und ich befand mich samt meiner im Auto sitzenden Kinderschar an einem Laternenpfahl.
Schockschwerenot. Herausgeholt aus der Routine, dem täglichen Wahnsinn. Da saß ich hinter dem Steuer, die Tränen liefen mir die Wangen herunter. Das Auto war gerade eine Woche alt, neu also. Das erste wirklich gute Auto, dass wir jemals besessen haben. Merkwürdigerweise hat es mir gar nichts ausgemacht. Ist ja nur Blech, dachte ich, hauptsache es war den Kindern und mir nichts passiert. Nur, wie brachte ich es Herrn Röschen bei? Handy hatte ich damals ja noch nicht. Und so konnte ich erst später meinem Mann telefonisch mitteilen, dass unser gerade neu erworbenes, wunderschönes Auto, obwohl ich mich ein wenig schämte, ein solches Auto zu fahren, ich als altes Hippimädchen, war nämlich gar nicht damit einverstanden, ein solches zu erwerben:" Du! Hör mal! Unser Auto ist Schrott! Totalschaden!" Denn so war es, obwohl und Gott sei Dank, kein Personenschaden, aber das schöne, neue Auto war hin. Abschleppdienst, und weg war er. Gott sei Dank waren wir Vollkasko versichert, damals.
So war das damals. Danach hatte ich nie wieder einen Unfall, jedenfalls nichts schwerwiegendes und auf einem Fehler meinerseits beruhend. Ich kann also auf eine recht gute Zeit zurückblicken. Und selbstverständlich war das eigentlich gar nicht, dass ich überhaupt den Führerschein bekam.
Ich erinnere mich gerade heute noch an das Desaster bei den Prüfungen. Ich hab nämlich Prüfungsangst und das vom Feinsten. Ich kann lernen und lernen, weiß alles, aber im Moment, wo es drauf ankommt, Blackout, mein Gehirn scheint leer zu sein, kein Ort, wo ich abrufen kann, was ich eigentlich sonst weiß.
So machte ich mich damals herzklopfend und mit schweißnaßen Fingern auf den Weg zu meiner ersten Fahrprüfung. Soweit so gut, es ging doch, eigentlich. Bis ich irgendwo auf einer Autobahnraststätte anhalten sollte und mit der Fahrlehrer mitteilte, ich hätte doch den Sicherheitsabstand beim Einfahren auf die Autobahn nicht eingehalten. Na dann.. Was nutzt einem da das gute Zureden des Fahrlehrers, man hätte auch...anders entscheiden und so.... Den Kopf gebeugt zog ich ab.....
Ein wenig später dann der erneute Anlauf. Ich fuhr, wie ein Weltmeister, meinte ich, damals jedenfalls, die Angst einigermaßen im Griff, parkte ich, so wie der Prüfer es mir befohlen hatte, gleich da vorne, rechts. Hat sofort geklappt, ich war ganz stolz. Die Ernüchterung war groß....sie parken im Halteverbot...meinte er....Das war´s dann...
Für mich sollte es tatsächlich so sein. Das war´s dann.... Einen dritten Anlauf wollte ich nicht noch einmal machen. Aber gesegnet sei mein Fahrlehrer, an den ich heute noch mit Dankbarkeit zurückdenke, natürlich Röschen, meinte er damals, natürlich versuchst du es noch ein drittes Mal. Wirst sehen, diesmal klappt es. Mir sauste nur das Wort Idiotentest durch den Kopf. Hey, ich bin doch kein Idiot:-), ich hab nur Prüfungsangst.
Dennoch, mein Mut siegte und ich machte mich mal wieder auf den Weg zu meiner dritten Fahrprüfung. Es ging auch richtig gut an diesem Tag. Die Sonne schien, ich hielt alle Regeln ein. Meinte ich jedenfalls. Wir fuhren durch Kalk und plötzlich sagt der Prüfer zu mir." Warum halten sie denn hier, Frau Röschen?" Ich:" Na, hier ist doch ein Stoppschild!" "Und, warum haben sie das vor drei Minuten nicht gemacht und sind durchgefahren?" Ich wurde abwechselnd rot und blaß! Das war es, dachte ich. Ich hatte schon gestutzt, warum er mich zweimal die gleiche Straße entlang fahren ließ. Mir sank das Herz in die Hose, das war´s dann wohl.
Aber, man muß auch Glück haben. Später erzählte mir mein Fahrlehrer dann, dass er den Prüfer persönlich gekannt hat und dass er ihm vorweg schon von meiner Prüfungsangst erzählt hatte. So war der Mann guten Willens und ließ mich weiterfahren mit den Worten:" Jetzt sind se mal ganz ruhig Frau Röschen und fahren einfach so, wie sie es in der Fahrschule gelernt haben!" Also weiter und! Glückes geschick, kaum noch daran glaubend, hatte ich ein wenig später meinen "Lappen" wie man in Kölle so schön sagt, in der Hand.
Alles war vergessen. Von da an war ich stolze Besitzerin eines Führerscheins und ja, ich darf, bis auf diesen einen einzigen Unfall von mir sagen und behaupten, ich hab es gut hingekriegt, all die Jahre mit dem Fahren. Ich bin, wenn ich im Auto sitze, eine leidenschaftliche Autofahrerin, fahre eher zügig und manchmal ein wenig zu schnell, geb ich ja zu, aber dennoch sicher und kann ohne Probleme weite Strecken auch allein zurücklegen. Nein, Angst hab ich beim Autofahren danach niemals wieder gehabt. Sonst wär ich ja wohl auch nicht wieder eingestiegen, damals, nach dem Unfall. Aber das muß man wohl. Wenn man allzulange wartet, wird das nichts mehr. Der Unfall hatte mich zwar wachgerüttelt, ich hab ein wenig meine morgendlichen Fahrten reduziert, aber Angst hatte ich danach keine. So was passiert halt, Und es ist ja Gott sei Dank gut gegangen.
Heute nun ist mein Führerschein-Jubiläum. Und merkwürdigerweise sah ich vor ein paar Tagen bei Galileo eine Reportage über Menschen, die wie ich, schon seit Jahrzehnten den Führerschein besaßen, ebenfalls soweit so gut, unfallfrei gefahren sind, aber, sich einem Test angeschlossen hatten. Was wäre, wenn sie heute, jetzt, in diesem Augenblick zur theoretischen Fahrprüfung müßten. Würden sie bestehen? Würden sie alle Fragen richtig beantworten?
Und siehe und staune, fast die überwiegende Zahl fiel durch. Sie wußten die leichtesten Fragen nicht mehr. Darunter befanden sich nicht etwa Sonntagsfahrer, das Klischee der Frauen hinter´m Steuer. Nein! Sondern Berufskraftfahrer, Menschen, die täglich mit dem Auto unterwegs waren. Es war ja nur ein Test, ohne Folgen...
Aber ich mußte doch staunen und verschämt drückte ich mich in mein Sofa und dachte, mensch Röschen, was weißt du eigentlich noch von den allermeisten Verkehrsschildern, gerade auch bei den neu hinzugekommenen in all den Jahren. Eigentlich nix. Und, wie die getesteten Fahrer im Gespräch aufzeigten, konnte ich dem nur zustimmen, genauso ist es bei mir auch. Nach all den Jahren fährt man einfach, ohne noch groß zu überlegen, oder gar ein besonderes Augenmerk auf so manche Verkehrsschilder zu haben. Man weiß halt einfach wie es geht und wie es zu sein hat. Meistens jedenfalls.
Also! Ich würd doch glatt heut auch durchfallen. Ich werd sie mir mal anschauen, die neusten Fragebögen und mal sehen, was ich alles so nicht mehr weiß. Gerad heute an meinem Jubiläumstag. Man weiß ja nie!
Und so hoffe ich, doch noch weitere vielleicht nicht dreißig, aber doch noch 15, 20 Jahre unfallfrei fahren zu können, ohne Angst, sicher und weitsichtig.
Wer hätte das gedacht, damals, vor 33 Jahren! Ich jedenfalls nicht. Und Herr Röschen und all, die mit mir fahren, bestätigen mir doch immer wieder."Röschen Du fährst gut! Ich weiß, sag ich dann und lächele still vor mich hin.
Die Prüfungsangst muß man einfach besiegen, sonst geht es keinen Schritt weiter. Und jetzt hab ich schon wieder Prüfungsansgt. Die Fortbildung. Unaufhaltsam rückt der Termin näher. Da mußte durch Röschen. Naja, und wenn´s nicht klappt? Du weißt ja, dass du es kannst, Röschen, sag ich mir. Dein Leben hängt davon nicht ab. So ist es!