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Ich schreibe einfach gern:)

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Meine Büdchenfrau


 
Meine Büdchenfrau kommt aus der Türkei. Ich kenne sie mittlerweile ganz gut. Sie erzählt mir immer von ihrer Familie, ihrem Weggang aus Ihrem Heimatland und dem Gefühl des Fremdseins, obwohl sie mittlerweile schon 2o Jahre in Köln lebt.
 
Meine Büdchenfrau lebt in ihrem Büdchen. Samt ihrer ganzen Familie, Kinder, Enkel und natürlich Ihrem Ehemann.
 
Ich geh gern zu ihr, sie strahlt immer über das ganze Gesicht. Trotz der widrigen Umstände, in denen sie mit ihrer Familie leben muss, hat sie die Lebensfreude nicht verloren.
 
Wie lebt sie, meine Büdchenfrau? Also, sie macht schon Morgens gegen 9.oo Uhr ihr auf, geschlossen wird meistens gegen 23.oo Uhr. Die ganze Zeit über lebt sie auf höchstens mal 8 qm, mehr schätze ich die Fläche ihres kleinen Kiosks nicht. Es ist eher ein schmaler Gang, rechts und links die Regale, in denen sich befindet, was Mann/Frau unbedingt braucht, Zigaretten, Schokolade, Bonbons, Kaugummi, aber auch das, was man vergessen hat manchmal, Toilettenpapier, Kaffee, Büchsenmilch, Tee und sogar Dosenfutter.
 
Die Kisten mit den Getränken lagert sie unter dem Kioskfenster und muss sich oft tüchtig anstrengen, um überhaupt an das Fenster zu gelangen um die geforderten Waren herausgeben zu können.
 
Manchmal ist viel zu tun am Büdchen, manchmal weniger. Dann sitzt sie hinten drin, hinter der Verkaufsfläche auf einem Stuhl in einem noch kleineren Raum, eher eine Nische. Dann klopft man auf die Theke des Büdchens, ruft Hallo, dann erhebt sie sich schwerfällig und kommt ans Büdchenfenster.
 
Im Sommer, wenn es warm ist, hat sie manchmal Stühle vor dem Büdchen stehen, da sitzen sie dann manchmal, sie, ihr Ehemann und andere Familienmitglieder und palavern. Die Enkelkinder turnen um sie herum und oft bekommt man mit, was gerade vorherrscht in der Familie an Problemen. Meistens wird gelacht, immer mal wieder auch gezankt, das merkt man und bekommt es mit, auch wenn sie in ihrer Heimatsprache schimpfen.
 
Ich wundere mich Tag für Tag, wenn ich sie besuche, um mir ein Eis, oder mal Zigaretten zu kaufen, wie das möglich ist. So ein Leben auf mal gerade höchstens 8 qm, wo sich alles abspielt, kein Rückzug, keine Ecke, wo man mal allein ist. Auch frag ich mich, wo sie wirklich wohnen, wenn sie das Büdchen schließen. Ich hab sie noch nie gefragt.
 
Auch frag ich mich oft, wie eine ganze Familie von so einem Büdchen leben kann und den Einkünften, die daraus zu erzielen sind. Anscheinend geht es wohl. Denke manchmal, sind die Goldenen Zeiten eines Büdchens nicht vorbei, wie damals in den 7oern, wo man sich tatsächlich hier und da an einem guten Standort eine goldene Nase verdienen konnte?
 
Das hab ich sie mal gefragt:" Sagen Sie mal, können Sie denn davon leben?" Recht und schlecht, hat sie mir geantwortet, aber dabei gelächelt, aber mit einem fast wehmütigen Lächeln. Am Schlimmsten sei es, es Tag für Tag zu machen, kein Sonntag, immer anwesend sein, 14 bis 15 Stunden am Tag.
 
Nur wenn es unbedingt nötig ist, Arztbesuch oder ähnliches, wird sie mal vertreten von einem Familienmitglied, ansonsten hält sie eisern die Stellung.
 
Ich bewundere sie wirklich, meine Büdchenfrau, wie sie das Leben ihrer Familie so meistert, ohne zu klagen, treu ergeben an das, was man nicht ändern kann.
 
Vielleicht hilft es ihr ja bei der Bewältigung ihres Alltags, dass sie in unserem Veedel angenommen ist, dass jeder mal einen Plausch mit ihr hält und sich nach Ihren Sorgen und Nöten erkundigt. Weiß man´s..
 
Mir würde sie wirklich fehlen. Überhaupt, so ein kleines Büdchen hat schon was Lebendiges. Gerade, weil es so klein ist und vollgestopft ist. Kein modernes, weites, großes Ladenlokal.
 
Als ich bei meiner Tochter in Innsbruck war, mußte ich feststellen, es gibt so etwas wie eine Büdchenskultur dort gar nicht. Und auch in anderen Städten ist es mir schon aufgefallen. Das scheint es nur in Köln zu geben, allenfalls noch in den Städten des Ruhrgebiets. Da erinnere ich mich recht gut dran, früher, als Kind, da hatten wir auch so ein Büdchen in unserer Siedlung. Da wurde ich oftmals losgeschickt und selbst wenn´s Geld knapp war, man konnte noch nen Zettel machen und am anderen Tag bezahlen, für ein Brot hat es immer gereicht und auch für nen Mohrenkopf, der dann als Siegerpreis beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiels in der Mitte darauf wartete, verspeist zu werden.
 
Ich würd sie vermissen, meine Büdchenfrau. Ich hoffe, sie bleibt uns erhalten, auch wenn die Geschäfte nicht gut stehen.
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