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Die Ermordung des Glücks

Ja das ist mal einTitel von meinem Lieblingskrimiautor Friedrich Ani. Ich muss vorwegnehmen, ich bin kein großer Krimileser. Aber von Ani habe ich alle gelesen.

Friedrich Ani ist deutscher Schriftsteller. Sohn eines Syriers und einer Schlesierin, geboren 1959 in Kochel am See. Schon kurz nach seinem Abitur hat er Hörspiele und Theaterstücke geschrieben. Geprägt hat ihn sicher auch seine zivildienstliche Arbeit in einem Heim für schwer erziehbare Jungen, als auch seine Arbeit als Polizeireporter, die beide sicherlich einige Abgründe des menschlichen Seins vor ihm aufgetan haben und derer er sich in seinen Büchern bedienen konnte.

Bekannt und erfolgreich wurde er durch seine Krimireihe um den Ermittler Tabor Süden, der als Ermittler bei der Kriminalpolizei nach vermissten Personen forschte, später dann als Privatdedektiv diese Arbeit weiter verfolgte. Nach dem Abschluß seiner Süden-Reihe entwickelte er die Figur des Polonius Fischer, ein ehemaliger Mönch und einen blinden Kommissar namens Jonas Vogel und dessen Sohn Max, der in der Mordkommission arbeitete. Dass er ausgerechnet eine Figur, der einst ein Mönch war, spricht dafür, dass seine Texte in diesem Fall auch auf philosophische und zutiefst menschliche Erkenntniswelten zurückgreifen. Das macht seine Bücher für mich jedenfalls so interessant.

Hervorzuheben ist vor allen Dingen, dass seine Romane sich immer um die Gegenwart drehen, Ani greift Themenwelten auf, die unsere Zeit im Heute aufzeigen. Er beschäftigt sich mit aktuellen Geschehnissen, vor allen Dingen wird das deutlich in seinem Roman *German Angst, für den er 2001 den Deutschen Krimipreis erhielt. Kein deutschsprachiger Autor ist so oft wie Ani mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet worden. Und der Deutschlandfunk meinte in seiner Besprechung seines neusten Buches, dass ich heute empfehlen möchte *Die Ermordung des Glücks* dass auch dieses ebenfalls wieder preisverdächtig sei.

In *Ermordung des Glücks* sein zweiter Roman um den pensionierten Kriminalkommissar Jakob Frank wird das Glück ermordet aufgefunden. Das Glück ist der fröhliche Sohn einer Familie, der nicht nur ein großes Fußballtalent ist, sonern auch über eine musikalische Begabung verfügt namens Lennard. Lennard kommt an einem stürmisch-regnerischen Nachmittag von der Schule nicht heim und wird 34 Tage danach ermordet aufgefunden.

Jakob Frank, der ins einer Dienstzeit schon die Aufgabe innehatte, die Nachricht vom Tod eines Menschen an die Hinterbliebenen zu überbringen, geht dieser Aufgabe auch nach seiner Pensionierung nach. So auch hier im Falle des kleinen ermordeten Lennard. Frank ist ein zutiefst sensibler, nachdenklicher und reflektierender Mensch. Er weiß nicht nur um die Abgründe des Menschen sondern auch um erlittenen Schmerz. Und es geht ihm um so mehr darum, Menschen zu helfen, das Erlittene irgendwie ertragen zu können. Und er kann nicht von seiner Arbeit lassen, so scheint es mir. Er hat sie gern getan. Das Aufklären von Morden. Vier seiner Fälle sind im Unaufgeklärten verblieben. Bei diesem Mord möchte er auch seinen Kollegen helfen, dass der Mörder gefunden wird. Und so mischt er sich in der Ermittlungen ein. Die Ermordung des Glücks nenne ich einen Ermittlerkrimi. Es geht nicht um thrillerartigen Blutrausch, Morde am Stück, sondern um feinfühliges Hinterfragen der möglicherweise in Frage kommenden Täter, aber auch um Empathie mit den Hinterbliebenen. Aus dem Buch heraus kann gelesen werden, wie geht eine Familie, in diesem Fall mit dem Verlust des einzigen Sohnes, um. Diese Frage kann auf jedwede andere Lebenssituation angewandt werden. Wie gehen Menschen mit Verlust und Trauer um. Können sie sich herausholen aus der schwarzen Nacht des Schmerzes? Und wie kann das gehen?

Wortgewaltig empfinde ich diesen Roman, wortgewaltig in dem Sinne, dass er Worte findet für das Unaussprechliche, im Geheimen Verborgene. Er sieht was andere nicht sehen. Das ist seine Gabe oder Begabung, wohl herauskristallisiert aus seinen eigenen Lebensverlusten. Er weiß einfach, was Menschen empfinden und was Leid mit ihnen anrichtet.

Und so versucht er diesen Fall, der scheinbar bei der Spurensuche unlösbar auszusehen scheint, aufzudecken, den Mörder zu finden. Er kniet sich fast schon zwanghaft in Aussagen, Protokolle und Tatortsbesichtigungen hinein, um nach und nach dem Geschehen auf die Spur zu kommen.

Ob er am Ende den Mörder gefunden hat? Und ob das den Eltern des ermordeten Lennard hilft? Gibt es einen Frieden nach dem Schmerz im Menschen?

Aber lest selbst. Es lohnt sich. Die Ermordung des Glücks ist nicht nur ein Sofakrimibuch für schmuddelige Novembertage, sondern auch eine Anregung über wichtige Dinge des Lebens nachzudenken.

Eins ist sicher, es ist nicht immer der Tod, der dem Menschen das Glück raubt, es gibt sehr viele Dinge im Leben eines Menschen, die einem gestohlen werden können und somit das Glück vernichten. Es ist vor allen Dingen zu seinen Lebzeiten immer die Würde des Einzelnen, die ihm auf vielfältige Weise im Miteinander gestohlen wird und somit unmöglich macht, dass der Einzelne Zutrauen zu sich selber findet. Ich habe mich beim Lesen des Buches jedenfalls daran erinnert, in welchen Lebenssituationen mir das Glück für eine Weile gestohlen wurde.


Viel Vergnügen :thumbsup:

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