Sind sie auch mit dem Pfadfinderspruch:“Jeden Tag eine gute Tat“ groß geworden. Ich eigentlich nicht und trotzdem hat man ihn irgendwie verinnerlicht. Es gehörte wohl zu den Tugenden der Pfadfinder, Menschen zu helfen, wo man sah, dass es nötig war, oder woher kommt der Spruch sonst her?
Die kleinen freundlichen Handlungen im Alltag können einen schon selber sehr glücklich machen, oder? Manchmal denke ich, Mensch, es ist schon eine gute Tat an sich, wenn man seine Freundlichkeit gegenüber Menschen behält, die einem griesgrämig, verbittert und mürrisch gegenübertreten.
Jedenfalls hatte ich heute ein Erlebnis, dass mich an diesen Spruch erinnerte und ich musste in mich hineinlächeln.
Ich saß also in der Mittagspause am Computer, arbeitete so ruhig vor mich hin, gab Bestellungen ein, im Laden befand sich nur ein einziger Kunde Plötzlich kam ein Mann herein, so ungefähr um die fünfzig. Er trat vor mich hin hielt mir 1? hin und fragte:“ Haben Sie auch Karten, die nur 1? kosten?“
Wirklich, ich bin ein grundsätzlich überaus freundlicher Mensch, aber es gibt so Momente, da bin ich so in Gedanken oder wie in diesem Moment auf meine Arbeit konzentriert und da kann es mir passieren, dass von dieser herzlichen Freundlichkeit nicht sofort etwas zu spüren ist. Jedenfalls antwortete ich ihm, zwar nicht unfreundlich, aber doch etwas distanziert und kühl:“ Da müssen Sie rausgehen, auf dem Ständer stehen Karten ohne Umschläge, die kosten nur 1?!“ Ich spürte meine Distanziertheit sofort. Er jedoch ließ sich nicht beirren und erzählte mir eine Geschichte, die ich skeptisch in meinem Inneren abwog.
Er sagte, er bekäme mit seiner EC-Karte am Geldautomaten kein Geld, und er hätte nur noch diesen 1? und er bräuchte aber unbedingt eine Geburtstagskarte. Ihm war es anscheinend peinlich, doch er hörte mit seinen Erklärungen nicht auf. Ob ich das nicht auch blöd fände, dass man mit der von ihm innehabenden Karte nicht an jedem Automaten Geld abheben konnte. Er könne doch jetzt nicht extra nach Bonn fahren, um dort Geld abzuheben.
Ich verstand ihn nicht so wirklich, hörte ihm aber weiterhin zu und verwies ihn nochmals auf die Kartenständer vor der Tür. Mittlerweile hatte sich der im Laden andere befindliche Kunde an die Kasse gestellt und wartete auf Abfertigung.
Der Mann ging also raus, ich erledigte das Geschäft mit dem Kunden. Dann stand ich eine Weile versonnen in mich herum, dachte an den Mann und hatte irgendwie das Gefühl, noch einmal nach ihm schauen zu müssen.
Ich ging also vor die Tür und da stand er an einem Ständer, drehte ihn hin und her, nahm die eine oder andere Karte in die Hand und schaute sie sich an. Ich sprach ihn an und fragte ihn, ob er was gefunden hätte. Ehrlich, so ein bisschen hatte ich auch den Verdacht, vielleicht will er vielleicht heimlich was einstecken. Das ist ja bei uns keine Seltenheit, dass die Karten vor der Türe hier und da auch schon mal geklaut werden.
Na ja, jedenfalls sagte er mir, er könne sich nicht so richtig entscheiden. Ich sah ihm an, dass er doch sehr begehrlich auf eine Karte im Nebenständer schaute, die mit lauter roten Rosen bemalt war und in einem Umschlag steckte. Sie waren auf jeden Fall teurer als 1?.
Als ich ihn so ansah, tat er mir plötzlich sehr leid. Mein Herz zog sich zusammen und ich dachte, Mensch, so ne Karte ist doch nicht die Welt. Also sagte ich ihm:“ Wissen Sie was! Nehmen sie sich einfach eine Karte, die ihnen gefällt, auch wenn sie teurer ist, ich schenke sie Ihnen!“ Er schaute mich an und diesen Blick werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen! „Wirklich?“ fragte er noch mal. „Ja, alles gut“! antwortete ich ihm.
Da nahm er die Karte mit den roten Rosen und kam auf mich zu, nahm meine Hand und küsste sie! Dann ging er weg. Ich ging hinein, spürte seinen Kuss auf meiner Hand und in diesem Moment fühlte ich mich ganz aufgewühlt. Ein paar Tränen stiegen mir sofort in die Augen.
Meine Kollegin kam in diesem Moment aus der Pause zurück und fragte, was ist denn mit dir? Ach, sagte ich, nichts, gar nichts, alles gut!
Aber irgendwie fühlte ich mich ganz glücklich, ja richtig froh. Mit wie wenig man doch manch einem Menschen eine Freude machen kann. Und ich dachte noch weiter, bestimmt hat er die Karte mit den Rosen seiner Angebeteten schenken wollen. Auf jeden Fall war es eine sehr wichtige Person für ihn. Ich begleitete ihn innerlich noch den ganzen Nachmittag und dann fiel mir der Spruch ein:“ Jeden Tag eine gute Tat!“ Stimmt, da ist wirklich wa