Gut, ich hatte ne anstrengende Woche. Ehrlich, ich war froh, dass ich, als ich gegen 16.oo Uhr nach Hause kam, endlich für eine kurze Zeit mal die Beine hochlegen konnte. Erst mal abschalten, Revue passieren lassen, runterkommen von der Anspannung, die sich über die Woche angesammelt hat.
Aber dann rief ja doch noch die Pflicht. Der Kühlschrank war leer, der Speiseplan fürs Wochenende stand noch nicht. Also raus, auf die Uhr schauend, 18.oo Uhr! Geht ja noch. Wie war das noch mit den Ladenöffnungszeiten in den Vororten, fragte ich meine Tochter, die schon wieder ihr auf dem Sprung war. Ach ja, bis 2o.oo Uhr. Gott sei Dank, dachte ich, gemach, da kann ich mir Zeit lassen.
Gegen meine inneren Widerstände, noch einmal in die Kälte zu müssen, schnappte ich mir die Tasche und erst mal zum EC-Automaten, denn die Geldbörse war auch leer. Wie ich da so durch die Straßen ging, die Menschen beobachtend, die an mir vorbeigingen, dachte ich auch, wie hier im Blog auch schon des Öfteren angesprochen wurde.“Früher war alles besser“. Stimmt das?
Und obwohl ich jetzt, gerade in diesem Moment davon profitierte, dachte ich genau das für diese Situation. Ja, früher war zumidenst das besser. Ich hatte vor o9.oo Uhr samstags schon eingekauft, bevor ich an die Arbeit ging. Die Läden machten um o7.3o Uhr auf. Das hat sich jetzt verschoben, vor o9.oo Uhr bekommt man nichts mehr, außer Brötchen.
Das Leben hat sich nach hinten verschoben. Im Gewühle im Supermarkt schaute ich mir die Leute an! Wer geht da noch alles so einkaufen um diese Zeit? Sind die alle berufstätig, so wie ich? Ich staune nicht schlecht, denn ich sehe viele alte Leute mir ihren Wägelchen durch den Gang schlendern. Wieso gehen die jetzt einkaufe, mein Gedanke! Da muss ich schon ein bisschen gegen das „innere bewerten ankämpfen. Wahrscheinlich, weil sie nun die Möglichkeit haben, ihrer Einsamkeit noch einmal zu entfliehen, bevor sie ihre Türe endgültig schließen.
Auch viele junge Leute, die noch ihren Single-Haushalt oder ein Essen für Zwei organisieren müssen. Ob die wohl am Morgen etwa lange geschlafen hatten, womöglich noch um 13.oo Uhr im Cafe saßen, um zu frühstücken, wie ich das manchmal natürlich auch tue, wenn ich endlich samstags mal frei habe? Ein kleiner Stich des Neides durchfährt mich.
Ich schaue mir die Gesichter um mich herum an. Hetze und Nervosität in vielen!
Zurück auf der Strasse, es ist nun schon dämmerig geworden, die Lichter blinken von überall, die Motoren der Autos dröhnen immer weiter, Fußgänger huschen einfach so, schnell über die Straße. Getrieben, hier und da noch etwas kaufen zu müssen! Ich treffe die alte Nachbarin, begrüße sie und frage wie es ihr geht! Sie war in der Kirche und da fiel ihr ein, dass sie noch ein paar Dinge vergessen hatte. Das gab es früher doch auch nicht, oder? Man vergaß selten etwas. Der Einkaufszettel war gemacht und wurde abgehackt.
Ich lasse mich ein wenig müde nach Hause treiben. Doch! Früher war zumindest das besser. Ab 14.oo Uhr war Ruhe auf der Straße, oft waren sie sogar menschenleer, als wenn die Bürgersteige hochgeklappt wären. Der Verkehr ruhte, nur wer noch unbedingt musste, fuhr mit dem Auto noch wo hin. Man bereitete sich auf den Sonntag vor!
Und sogar der Sonntag ist nicht mehr wie früher. Wege werden gesucht, wie man die Ladenöffnungszeiten an diesem heiligen Tag umgehen kann. Auch in Nippes steht nun einer bevor. Ich werde wohl auch arbeiten müssen! Wehmut und Resignation in meinem inneren, man kann sich nicht wehren. Es geht immer weiter und weiter. Nichts steht mehr still. Einkaufen als Glücksgefühl und Freizeitbeschäftigung nehmen immer mehr überhand.
Ich komme endlich zuhause an. Die Wohnung liegt im Dunklen. Ich zünde die Kerzen an, lege eine Pat Metheny auf, zünde ein Räucherstäbchen an, räume den Einkauf weg und lass mich einfach aufs Sofa fallen und versinke in meine Gedanken und Träume.
Und doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das „Draußen“ nicht ganz „draußen“ bleibt, dass die ewige Unruhe mit ihren Energien ganz ungehindert und schleichend durch die Tür- und Fensterritzen schleicht. Man kann es nicht vermeiden! Es ist schwer ganz still zu werden, viel schwererer, als es früher war. Und in diesem Moment sehne ich mich nach meinem Häuschen in der Eifel, wo die Stille in den Ohren ungewohnterweise am Anfang, bev or man sich dran gewöhnt hat, schon weh tut