Manches kommt ganz unverhofft. Heute hatte ich eigentlich meinen freien Tag, na ja, so ganz frei war er dann doch nicht, denn der Morgen war für die Mutter in Bergheim reserviert. Arztbesuch, Einkäufe, Wohnungsputz usw.usw. Manchmal fällt es mir schwer, gerade wenn die letzten Tage auch arbeitsmäßig voll waren. Aber manchmal muss man sich einfach überwinden und das schaffe ich ja immer ganz gut.
Gegen 13.oo Ur trat ich dann die Heimreise an und fuhr zufrieden nach Hause. Unterwegs schaltete ich das Radio an und hörte einen meiner Lieblingssender, Funkhaus Europa. Ich mag gerne Musik und Berichte aus anderen Ländern hören, das ist immer eine schöne Mischung. Heute wurde unter anderem über die Preisverleihung des Internationalen Nachwuchswettbewerbes, für Werbespots, TV-Design und Kurzfilme der Medienhochschule Köln in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des WDR berichtet. Der Wettbewerb wurde 1998 wurde Stephan Boeder, der von 1992 bis 2000 Professor für elektronische Bildgestaltung, Fernsehdesign an der Kunsthochschule für Medien, in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien Köln und dem Westdeutschen Rundfunk, tätig war.
Auslöser für den Wettbewerb waren die seit den 80er-Jahren immer häufiger auftretenden visuellen Kurzformate im Fernsehen, wie Programmwerbung, Sendehinweise oder Werbespots mit Kanalbezug sowie aufwändig gestaltete Vorspanne von TV-Produktionen. Damit entwickelte sich eine neue und eigene Bildsprache. Auch Werbespots wurden mehr und mehr zum festen Bestandteil der Fernsehlandschaft. Mittlerweile sind diese filmischen Kurzformate allgegenwärtiger Bestandteil der TV- und Filmindustrie.
Ich muss sagen, ich fand es mal wieder eine Bereicherung, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Als ich so auf der Aachener Straße im Stau stand, hörte ich plötzlich, wie angekündigt wurde, dass zwei Karten für den Abend verlost wurden. Eine Telefonnummer wurde durchgesagt und aufgerufen, einfach anzurufen und an der Verlosung teilzunehmen. Hösch, wie man in Kölle so schön sagt, griff ich zu meinem Handy, ich weiß, das darf man nicht im Auto, und wählte blitzschnell die Nummer. Eine freundliche Frau meldete sich und sagte, vielen Dank, dass sie teilgenommen haben, sie werden informiert.
Es war eher so ein Reflex von mir. Aber schon nach einer halben Stunde klingelte mein Handy und ich erfuhr die freudige Nachricht, dass ich gewonnen hatte. Juchhu, und dann für zwei Personen!
Wen nehme ich mit! Zuhause angekommen natürlich zuerst die Frage an den Mann! Nö, keine Lust, heute Abend kommt doch Fußball. Zweiter Versuch, den Sohn! Nö, komme gerade aus der Uni, bin schachmatt. Dritter Versuch, ne Freundin, nö, keine richtige Lust, bin faul. Ich hatte die Faxen dicke.
Nun denn, alleine macht es auch Spaß, sowieso. Also setze ich mich gegen 19.3o Uhr aufs Rad und fuhr in Richtung Cinenova. Der Vorraum war gut gefüllt, wohl alles Kunststudenten, dachte ich. Ich ergatterte mir ein Bierchen an der Theke und siehe da, treffe ich doch eine alte Bekannte aus der Waldorfschule. Ne, die Welt ist klein. Voller Erwartung, sie war nämlich auch zu diesem Abend eingeladen worden, setzten wir uns ins Kino und warteten auf die Dinge, die da kamen.
Und ich muss sagen, ich war mal wieder beeindruckt, wie dieser Tag für mich zu Ende ging. Der Ausdruck und die künstlerische Gestaltung vieler Filme haben mich sehr schnell in den Bahn gezogen.
Da war z.B. eine Film, der nannte sich „Familienporträt“. Man sah zuerst eine nackte Wand, die sich plötzlich bewegte und förmlich explodierte und aus der langsam die Köpfe von Menschen hervorkamen. Die Aufnahmen waren in schwarz-weiß gehalten. Schwarz-Weiße Bilder haben für mich eine sehr starke Ausdruckskraft. Farben verhindern für mich jedenfalls oft, dass die Seele des Dargestellten offen gelegt wird. Das schwarz-weiß Bild hat eine klarere Struktur und lässt das Wesen des Menschen offener erkennen. Nach einer Weile, sah man eine Familie versammelt, wie ein Bild aus den 2oer Jahren. Der Moment, wo das Bild still stand, hatte eine unglaubliche Dichte. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, erkennen zu können, dass diese Familienidylle verlogen war. Schwarze Löcher der Vergangenheit und der Gegenwart suchten sich ihren Weg. Und ich fand, obwohl es nur ein ganz kurzer Moment war, vielleicht 1 Minute, hat dieser kleine Film genau das dargestellt, was in so vielen Familien passiert! Dass die Fassade eben nicht nur heil und harmonisch ist, sondern dass dahinter so manches Elend wuchert.
Dann ein kurzer Film: Man sah eine Landschaft, ihre Weite, etwas im Nebel gehalten und davor ein Buch mit einer aufgeschlagenen leeren Seite. Nur diese beiden Dinge machten es möglich, in sich selber eine ganze Geschichte dabei zu erfinden. Dieses aufgeschlagene Buch machte auf mich den Eindruck, als stehe in ihm die ganze Menschheitsgeschichte.
Ich könnte jetzt von allen Filmen erzählen, aber das würde sicher den Rahmen sprengen. Interessant fand ich die Interviews mit den preisgekrönten jungen Leuten. Immer wieder wurden sie auf die Hintergründe, ihre eigenen Projektionen und ihre Botschaft, die sie durch die Filme vermitteln wollten, angesprochen. Aber in fast allen Fällen sprachen die Studenten nur von der Technik. Sie waren von der Technik fasziniert, von der Möglichkeit, was möglich war, um solche Bilder zu schaffen. Kunst ist oft wohl doch zuerst nur Schaffen und die Botschaft erfindet jeder Betrachter für sich selbst. So hab ich das an diesem Abend mal wieder erlebt. Kunst hat wirklich ein reines Herz, wenn ich das so sagen darf, sie will nicht manipulieren, sie will freilassen, für jeden einzelnen Menschen, dessen Auge auf sie fällt.
Beglückt und froh verließ ich das Kino, setzte meinen I-Pod auf und fuhr mal wieder durch die klare kalte Luft nach Hause, die Bilder in mir mitnehmend und war dankbar, dass der Tag für mich eine so unerwartete Überraschung bereitgehalten hatte. Manches wird eben belohnt, ohne das man Belohung erwartet!