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Die Straße - Cormac McCarthy -

Bei meinen Radtouren jetzt im Urlaub, sind mir viele Gedanken durch den Kopf gegangen, gerade auch durch und wegen der vielen Diskussionen und Beiträge hier im Blog, Klimaschutz, Kampf der Kulturen, Egoismus der Menschen usw.usw.. Ist unsere Erde noch zu retten? Wird am Ende die Vernunft und die Einsicht über Geldgier, Macht und Egoismus siegen? Welchen Einfluß hat der einzelne Mensch wirklich auf das Geschehen, auf das was fließt? Sicher, ich hab mich Zeit meines Lebens damit auseinandergesetzt, aber es ist auch gut, sich immer wieder neu vor diese Fragen zu stellen!
 
Aber wie immer sind in meinem Kopf nur große Fragezeichen geblieben. Wieder bin ich zu dem gleichen Ergebnis gekommen, dass ich mich, wie viele andere, ohnmächtig fühle. Der Mensch befindet sich in Abhängigkeit einiger wenige, die die Herrschaft haben und ich kann nur hoffen und beten, dass diese Menschen zu einer Umkehr gelangen und eine Politik betreiben werden, die zum Wohle aller und zur Rettung und Erhaltung der Schöpfung dienlich sein wird. Was ich tun kann, ist es in meiner kleinen Umgebung weiter zu versuchen, es zu leben, meinen Mund aufzumachen, wo es angebracht ist. Und gut so!
 
Das Leben der Menschen hängt an einem seidenen Faden! Eine einzige Minute, ein falsches Wort, eine falsche Sichtweise, ein falsches Gefühl, ein unguter Geist der sich den Herrschenden bemächtigt, und schon macht es "peng" und unsere Erde verwandelt sich in eine ausgebrannte, düstere Landschaft ohne Licht und ohne Leben. So schnell kann das gehen. Schon dieser Gedanke allein haut mich um.
 
Um so intensiver habe ich das fühlen können, als ich nun mit dem Fahrrad unterwegs war und meine Seele und mein Herz jeden Tag aufs neue eingetaucht waren in das Wunder unserer Natur, unserer Schöpfung. Und gerade in diesen Tagen habe ich ein Buch gelesen, das genau von dem erzählt, was möglich ist und wie die Tage danach sein könnten.
 
Das Buch wurde geschrieben von Cormac McCarthy. Er wurde 1933 in Rhode Island geboren. Seine Romane handeln überwiegend vom Leben einzelner Menschen, die am Rande der amerikanischen Gesellschaft leben. Er wurde für seine Werke mit mehreren Preisen geehrt, z.B. dem Faukner Award, dem American National Book-Award und jetzt aktuell für sein Buch "Die Straße" mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Zu recht wie ich finde, denn das Buch hat mich vom ersten Moment an absolut fasziniert und ich konnte es nicht abwarten, am Abend langsam Seite für Seite in eine andere Welt einzutauchen. In eine Welt, die das Leben am Tag danach beschreibt. Worum geht es?
 
McCarthy beschreibt in seinem Buch eine Welt, in der es kein Leben mehr gibt. Vater und Sohn wandern eine Straße entlang, bewaffnet mit einer Pistole, die nur noch 2 Kugeln besitzt, im täglichen Kampf um ihr Überleben und im Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Die Bilder, die er beschreibt, sind so ungeheuerlich, düster und beeindruckend, kein Buch für zarte Gemüter, da sie noch lange nachwirken.
 
Die Erde trägt keine Früchte mehr, die Sonne nicht mehr sichtbar, alles liegt hinter einem rauchigen, schwarzen Dunstschleier. Nahrung ist nicht mehr zu finden. Ab und an haben Beide, Vater und Sohn, das Glück, in einem unversehrten Haus, einem Keller, einem Garten auf einen Lagervorrat aus einer anderen Welt zu stoßen. Wieder ein paar Tage das Leben verlängert. Immer wieder werden Beide auf ihrer Wanderung von den "Bösen" bedroht. Das hat mich am meisten fasziniert und sehr nachdenklich gemacht, dass in einer Welt, wo es nichts mehr zu holen gibt, der Kampf zwischen Gut und Böse bleiben wird. Die wenigen, die es überleben mögen, werden sich weiter gegenseitig bekämpfen, es wird auch dann kein Zusammenhalt geben, kein gemeinsames Kämpfen, gemeinsames Wiederaufbauen, alles wird so weitergehen, wie bisher. Jeder kämpft gegen jeden, der eine frißt den anderen.
 
Berührend ist auch zu lesen, wie der Vater, selbst dem Tode nahe, wohlwissens darum, dass er nicht mehr lange zu leben hat, dem Sohn mit seiner ganzen Kraft Mut macht, trotz allem. Wie er versucht, ihm die schaurigsten Dinge um sich herun, schön zureden, bis er am Ende nicht mehr lügen kann, weil der Sohn selbst zur Erkenntnis gelangt. "Sind wir die "Guten" Papa, immer wieder, die Frage des Sohnes! "Ja, wir sind die Guten, mein Sohn", die Antwort. Somit ist es auch ein Vater-Sohn-Roman und er hat mich ein bißchen an die Geschichte bzw. den Film "Das Leben ist schön" von Benigni erinnert.
 
Die Beiden kämpfen sich vor, jeden Tag ein Stück weiter, um ans Meer zu gelangen. Einmal noch das Meer sehen, vielleicht findet man dort das "Unversehrte", das Paradies. Ich möchte das Ende nicht vorwegnehmen, ich kann nur soviel sagen, ich bin kein Freund von unlogischen Happy-Ends. Und so läßt sich McCarthy nicht beirren, in logischer Konsequenz geschehen zu lassen, was nicht anders sein kann.
 
Für mich hat das Buch viele Fragen entstehen lassen, die man nicht nur stellt in Bezug auf ein solches Szenario, sondern die man ganz gleich auch auf jede unserer eigenen Alltagssituationen übertragen kann. Wieviel Hoffnung gibt es? Lohnt es sich weiterzuleben, auch wenn die Zukunft aussichtslos ist? Wie lebe ich mit einer solchen Zukunftsperspektive? Was vermittle ich als Mutter/Vater meinen Kindern? Stecke ich sie möglicherweise mit meinem eigenen Pessimismus an oder bin ich in der Lage darüber hinwegzusehen, das Gute zu sehen, eine Kraft zu entwickeln, um in den Kindern die Hoffnung und das eigene Selbstvertrauen zu stärken? Wieviel emotinale und körperliche Kraft besitzt ein Mensch, um das "Unmenschliche" zu bezwingen?
 
Es ist auch ein zutiefst religiöses Buch, weil es sich der Frage stellt, wer befreit die Schöpfung aus ihrem Seufzen! Wer trägt die Sünden der Menschheit auf seinen Schultern?
 
Ich muß sagen trotz und gerade wegen der schönen Erfahrungen, die ich in meinem Urlaub in der Natur hatte, hat mich dieses Buch zutiefst erschüttert und ich habe an vielen Stellen mit meinen Tränen kämpfen müssen, über die Möglichkeit eines solchen Szenarios und der Traurigkeit und der Ohnmacht, die uns, die wir es nicht wollen, überfallen kann.
 
Cormac MacCarthy, Rowohlt, Reinbeck, 256 Seiten, 19,5o?. Ein absolutes Muß!
 
Lest es, es ist eine Mahnung an die Menschheit!

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