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Der Junge im gestreiften Pyjama

Die Tage haben eingeladen zur Muße, Musik hören und natürlich auch zum Lesen. Vier Bücher hab ich geschafft. Ich meine natürlich nicht im Sinne von Leistung, dass, mit dem "geschafft". Es hat sich so ergeben.

Viele Lese-Exemplare stehen bei mir im Regal und so hab ich mir eines nach dem Zufallsprinzip gezogen und bin, oh Wunder, wieder mal auf ein unglaublich spannendes und bewegendes Jugendbuch gestoßen. In einem Rutsch hab ich es durchlesen können, es hat mich gepackt, gefesselt. Es war so, wie es sein muß, bei einem guten Buch. Man vergißt das Drumherum, lebt ganz in der Geschichte mit all den eigenen Bildern von Personen, Orten, den Gefühlen, die in ihnen geherrscht haben und sieht die vom Autor beschriebene Welt, in der sie gelebt haben, mit ihren Augen.

Das Buch, von dem ich spreche, ist von einem Autor ausDublin,  John Boyne , geboren 1971 in Dublin, Irland. Er studierte Englische Literatur und Kreatives Schreiben in Dublin und Norwich. Veröffentlich wurden schon einige seiner Kurzgeschichten und drei Romane. Der Durchbruch gelang ihm mit dem von mir gelesenen Roman " Der Junge im gestreiften Pyjama". Dieser ist nun für eine Verfilmung vorgesehen, ausgezeichnet wurde das Buch mit Iris Book Award - Bestes Kinderbuch des Jahres - Nominiert ist es für den Carnegie Medial, den Ottakar´s Book Prize und den Premio Paolo Ungari. Zu Recht wie ich finde, auch wenn ich gerade nicht auf dem laufenden Stand bin, ob die vorgeschlagenen Nominierungen zum Erfolg geführt haben.

Zum Buch:

Der Autor erzählt die Geschichte eines neunjährigen Jungen, der mit seiner Familie, Vater, Mutter und eine 12 Jahre alte Schwester in Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus aufwächst. Er lebt in seiner heilen, kleinen Welt, gefangen in den damaligen moralischen, politischen und sozialen Verhältnissen. Eines Tages kommt er von der Schule heim und sieht, wie all seine Sachen gepackt werden. Er muß akzeptieren, sein Haus, seine Umgebung, seine Freunde, zu verlassen. Es steht ein Umzug an. Es geht nach "Aus Wisch!". Der Vater hat einen höheren Auftrag bekommen, ein Arbeitsplatz ist ihm zugewiesen worden, in "Aus Wisch!"

Die kindliche Sprache, Gefühls- und Begriffswelt schildert der Autor in einer Weise, die einerseits sehr klar und nüchtern ist, andererseits die Seiten der eigenen Gefühlswelt zum Klingen bringt.

Sie ziehen also um, in das große neue Haus in "Aus Wisch", abgeschieden, getrennt von allem, was ihm das Leben gab, die Freunde, die Schule, das lebendige und fröhliche Leben der Menschen in den Straßen seiner Stadt Berlins.

Einsam ist er, Tag für Tag. Ein Blick auf das hinter seinem Fenster sich zeigende Lager gibt ihm Rätsel auf. Wie leben die Menschen dort? Was machen sie da? Warum haben sie all die gleichen Kleider an? Warum leben sie hinter einem Zaun? Niemals, getraut er sich, diese Fragen an seine Eltern oder seine Schwester zu richten. Er spürt, dass das Konsequenzen hätte, vielleicht auch, dass er niemals begreifen würde. Wie auch, er ist erst 9 Jahre alt.

Eines Tages macht er sich auf den Weg um seine Einsamkeit zu durchbrechen, ja, aber auch um zu forschen. Forscher will er ja schließlich einmal werden. Er geht entlang des Zaunes und da trifft er "ihn". Endlich. Einen Freund, wenn auch jenseits des Zaunes. Es beginnt eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen den ungleichen beiden Jungs, die in einer so unterschiedlichen Welt leben. Spielen können sie nicht, aber miteinander reden. Nie hat er einen solchen Freund gehabt, mit dem er nur reden konnte.

Niemand erfährt von dieser Freundschaft, nur einmal, da hätte er sich beinahe verraten und schwenkt über, ein imaginärer Freund sei es, versichert er seiner Schwester.....

Wie das Buch endet, verrate ich natürlich nicht.... aber es raubt den Atem, dass kann ich versprechen......

Ein unbeschreiblich gutes Buch, dass die Gesinnung, die Haltung, die Gehorsamkeitspflicht, die Verirrungen der Menschen damals, ihr Gefangensein in ein System, ihre Feigheit, ihre Unfähigkeit zum Mut das Schreckliche anzusprechen, sich zu verweigern, aus kindlicher Sichtweise beschreibt und einen ganz anderen Eindruck, eine ganz andere neue Erkenntnis in einem zurückläßt und die Frage aufwirft, wie haben Kinder diese Zeit erlebt, gelebt und gefühlt.

Am selben Tag sind sie geboren, die beiden Jungen, sie könnten Zwillinge sein, meint er, Bruno, der eine. "Schmuel", ein ungewöhnlicher Name, meint er, Bruno. Bruno aber auch, meint er, Schmuel. Schmuel....sagt Bruno, klingt schön....wie, wenn der Wind weht.....

Ja, meint Schmuel, Bruno auch.... klingt so, als würde sich jemand die Arme reiben, um sich zu wärmen.

Und irgendwie wärmen diese beiden Jungen sich in ihrer ganz verschiedenen Welt der Aussichtslosigkeit und der Kälte.

Ein berührendes Buch über das, was gewesen ist, und was wir hoffen, was niemals wieder geschieht.

John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama

Fischer-Verlag
13,9o €

- Isbn: 978-3596852284 - [/f]


 

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R
Erika, das ist Gänsehaut treibend, was muss das für eine schreckliche Zeit gewesen sein und was müssen die Menschen damals gelitten haben, unvorstellbar....Lieber Gruß Regina
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