Ich schreibe einfach gern:)
Ähm... Schon mal was vom Bruttonationalglück gehört? Ich jedenfalls noch nie. Das Wort kannte ich bisher nicht. Bruttosozialprodukt... das schon eher. Obwohl es seit 1999 ja jetzt Bruttonationaleinkommen heißt. Wird ja, wie ich las, zweimal im Jahr von Wirtschaftsweisen ermittelt, um vorauszuberechnen, wie viel Einkommen der Mensch eines Landes wohl in nächster Zeit zur Verfügung hat. Ist ganz wichtig für unsere Volkswirtschaft,-) Von den Resultaten ausgehend kann die Wirtschaft aufbauen,-)...Für die Zukunft planen und so. Für die Politiker wohl ziemlich wichtig.
Wie viel ich verdiene, was ich zum Leben habe und darüber hinaus, ist schon wichtig, finde ich. Aber, wie ich auch erfahren habe, trägt es nicht unbedingt zu meinem Lebensglück bei. Es gibt Menschen mit hohen Einkommen, die nicht unbedingt glücklich sind mit dem, was sie haben. Andere wiederum haben sehr viel weniger, leben am Existenzminimum, sind aber durchaus glücklich. Sie machen den Wert ihres Lebensglück nicht vom Materiellen abhängig. Jetzt kann man sich fragen, was braucht der Mensch, um sich glücklich zu fühlen. Aber wer fragt sich das schon noch? Wen interessiert das überhaupt. Wenn ich manchmal so in die Welt schaue, mir das Leben der Menschen anschaue, denke ich mir oft, ob sie glücklich sind. Ob sie überhaupt danach fragen? Ob überhaupt, wenn nicht sie selber, irgendein anderer Mensch daran interessiert ist, zu erfahren, ob das Gegenüber glücklich ist oder was ihm zum Glücklichsein fehlt? Wen interessiert in unserer Gesellschaft eigentlich, ob die Menschen mit all dem, was sie haben und umgibt, mit der Art, wie sie leben, glücklich sind?
Stellt Euch vor, es gäbe in unserer Regierung ein Amt, das zuständig ist für die Ermittlung des Glücks seiner Bürger! Gell! Das ist doch ein total unmöglicher Gedanke. Auf so was würde man doch nie kommen, oder? Unsere Politiker in diesem unserem schönen Lande würden sich dafür interessieren, wie sieht es in unserem Lande aus, wie leben unsere Bürger, was sind ihre Wertigkeiten, wo mangelt es, welche Be- und Erschwernisse haben sie, Sorgen, Nöte, mit welchen Gegebenheiten kommen sie nicht zurecht, was würden sie gern verändern wollen in Gesellschaft und Politik, wenn sie könnten, worin bestehen die kleinen und großen Freuden ihres Lebens? Nicht wahr! Kaum vorstellbar, dass so etwas in Deutschland möglich wäre und ist. Hier interessiert nur das Wachstum der Wirtschaft und das Voranschreiten der Technik. So ist das doch. Albern, das Feilschen um Mindestlöhne, die zwar ausschließen, dass Dumpinglöhne gezahlt werden, aber eben noch lange nicht das sichern, um den immer teurer werdenden Lebenshaltungskosten (Nahrungsmittel, Mietpreise, öffentliche Verkehrsmittel, Teilnahme am kulturellen Leben) gerecht zu werden. Ein Witz ist das, oder?
Gestern waren wir im Kino, der Freund meines Vertrauens und meine Wenigkeit. "What Happiness is" so der Titel dieses Filmes. Wer fragt? Das Ministerium für Glück im Königreich Bhutan schickt seine Mitarbeiter acht Monate quer durch das Land, um die Menschen zu befragen, wie sie leben, wovon sie leben, wie es ihnen geht und...ob sie glücklich sind? Und wenn ja, was sie glücklich macht oder umgekehrt, was ihnen zum Glücklichsein fehlt. Grund dieser Befragung ist zum einen, dass das Königreich Bhutan, bisher abgeschottet, sich der Welt öffnen möchte, aber ohne seine Seele an den Materialismus zu verkaufen oder zu verlieren, was in langen Traditionen und ihrer Kultur den Menschen Halt und Sinn gegeben hat. Zurzeit leben ungefähr 700.000 Menschen in Bhutan, das über eine Fläche die in etwa der Größe der Schweiz entspricht. Die Beamten sind unterwegs bis in die abgelegensten Winkel ihres Landes, in den Städten und Dörfern, um diese Fragen an Alt und Jung, Reich oder Arm, in der Hand ihren Fragebogen, der 1000 Fragen beinhaltet und alle Bereiche des Lebens berücksichtigt, Gesundheit, Ehe und Familie, Sexualität, soziales Gefüge und Miteinander in der Gemeinschaft außerhalb der eigenen Familie, Einkommen, Wohnsituation, Zustand der Gesellschaft ihres Landes allgemein, Zufriedenheit mit der Regierung usw.usw.. Und weiterer Grund ist, was kann die Regierung tun, wo kann sie helfen, vermitteln, beseitigen. Wo muss die Politik ansetzen.
Ich war und bin immer noch begeistert von diesem Film, nicht nur, weil ich Himalaja-Tibet-Buddhismus-Fan bin,-), denn man sieht natürlich auch herrliche Aufnahmen der Natur, sondern über die Authentizität und der Einfachheit der Menschen in Bhutan und wie ich schon oben angeführt habe und von der Idee einer Regierung, die sich für das Leben seiner Bürger interessiert, um das Leben lebenswerter zu machen, so dass alle alles haben, was sie zum Leben brauchen und andererseits, sie davor zu bewahren, in eine Sklaverei zu geraten.
Sind sie glücklich und wo würden sie ihr Lebensglück, wenn sie es bewerten müssen, auf einer Scala von 1 bis 10 ansiedeln, so der erste Bildausschnitt, in dem der Interviewer einem jungen Polizisten diese erste Frage stellt. Ich hab mir eben noch einmal den Trailer des Films angeschaut, immer wieder diese Szene, den Blick des Mannes auf den Fragesteller, und es hat mich zutiefst berührt, zu sehen, dass er mit einer solchen Frage überhaupt niemals gerechnet hätte und dass er absolut herausgefordert ist in diesem Moment über sich selber nachzudenken. Denn ist es nicht so, das Leben passiert oft einfach, man tut und macht und handelt und agiert, weiter, immer weiter, man fragt nicht oder kaum nach seinen Gefühlen oder ob man glücklich ist bei all dem, was man tut.
Jede Befragung eines Menschen dauert an die drei Stunden. Die Interviewer werden immer wieder von ihren Vorgesetzten befragt, wie es gelaufen ist, wo sie sich noch verbessern müssen, um wirklich inhaltsreiche Antworten zu bekommen. Sie müssen oft bei jeder Frage erst einmal eine kleine Einleitung für die Menschen geben, damit sie erkennen, worum es bei den Fragen geht, müssen Beispiele nennen. Eine riesige Herausforderung auch für die Fragestellenden, denen der allerhöchste Respekt gilt.
Zwischendurch ist mir immer wieder mal das Herz aufgegangen, wenn z.B. eine alte Frau erzählt, wie gut es ihr geht, dass sie alles habe, was sie brauche, dass ihr nichts fehlen würde, obwohl man selber denkt, wenn man sieht, wie sie lebt, ob man so antworten würde. Ob sie Angst habe, wenn sie abends im Dunkeln noch vor die Tür gehen würde. Nein, sagt sie ganz klar. Ob sie Angst vor wilden Tieren habe, wenn sie allein unterwegs ist. Auch hier ein klares Nein. Ob sie überhaupt vor irgendetwas Angst habe. Auch hier ein klares Nein und dabei strahlt sie über das ganze Gesicht und man sieht ihr das Vertrauen in das Leben an. Das berührt und trifft mich zutiefst. Denn sofort denke ich, Mannomann, was hatte ich hin und wieder für eine Angst, wenn ich in der Frühe um 4.00 Uhr zur Frühschicht aufgebrochen bin und die besinnungslos Besoffenen immer noch durch die Straßen irrten. Oder wenn man spürt, dass die Botschaften von Überfällen, Übergriffen in den Medien einem doch mal zu schaffen machen, wenn man durch unwegsames Gelände oder eben in der Nacht noch allein nach Hause kommt.
Wie ist ihr Vertrauen in die Mitmenschen ihrer Umgebung, wird da ein jüngerer Mann gefragt. Absolut, antwortet er. Er habe zu jedem Menschen Vertrauen. Man...ich konnte es gar nicht fassen. Würde ich eine solche Antwort geben können. Nö, ganz sicher nicht. Ich weiß, dass ich meinem Freund meines Vertrauens und meiner Familie, vielleicht noch den einen oder anderen Freund, vertrauen kann, aber im Allgemeinen bin ich eher vorsichtig, wenn auch nicht gleich zutiefst misstrauisch. Immerhin hab ich mich doch schon auch des Öfteren allein durchs weite fremde Land getraut. Gut, ich habe, Gott sei Dank, immer gute Erfahrungen gemacht. Aber leider hab ich die Grunderfahrung gemacht, dass ich in meine Herkunftsfamilie Null Vertrauen haben konnte, dass gerade dort, wo man es als Kind auf eine gute Obhut angewiesen ist, das Vertrauen missbraucht wurde. Vertrauen aufzubauen, es praktisch neu zu erlernen, war dann eine schwierige Angelegenheit und ist es zum Teil heute noch. Aber dieser junge Mann dort, der hat keine Ressentiments, keine Zweifel. Das hat mich einfach umgehauen. Dass so etwas möglich ist.
Natürlich gibt es nicht immer Antworten, die einen erfreuen. Z.B. erzählt ein behinderter junger Mann, dass er sich nicht am Glück der Anderen erfreuen kann, weil er selber mit seiner Behinderung keinen Frieden geschlossen hat und weil er darunter leidet, was die Anderen denken, wenn sie ihn, den Krüppel, sehen und sich dabei vielleicht fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, dass er nach der Geburt gestorben wäre. Oder ein Anderer erzählt, dass er oft unter seiner Aggression, seinem Ärger und seiner Wut leidet, weil er sieht, dass andere Familien glücklicher miteinander leben, sich gerne mögen, was bei ihm nicht der Fall ist.
Aber auch ganz profane Probleme werden zur Sprache gebracht. Das Fehlen einer richtigen Straße, damit man den Nachbarort besser erreichen kann, dass die Ratten und Mäuse einem zu schaffen machen, dass die Nachbarskühe manchmal in den eigenen Garten stromern und die Beete zerstören, die Wildschweine in der Nacht das Angepflanzte auffressen, dass das Geld nicht reicht, sogar das ein Handymast fehlt oder das viel, viel Geld glücklicher machen würde. Sicher, so was kommt auch. Aber überwiegend erlebt man Menschen in dieser Befragung, die mit sich und ihrem Leben zufrieden sind, obwohl sie gemessen am Wohlstand der restlichen Welt an der Armutsgrenze leben und über keinen Luxus verfügen.
Schlicht und ergreifend, ich will ja nicht den ganzen Film erzählen, sondern zum Anschauen animieren,-), hat mich der Film sehr nachdenklich gemacht. Ich finde es einfach großartig, dass die Regierung eines Landes es sich zur Aufgabe macht, nach dem Wohlergehen seiner Mitbürger zu fragen und, wovon ich eben auch ausgehe, diese Antworten ausarbeiten und dementsprechend auch Veränderung zu schaffen. Davon können wir hier in unserem schönen deutschen Lande oder wo auch immer, lernen. Und ganz sicher spricht der Film einen auch deshalb ganz persönlich an, weil es absolut wichtig und nötig ist, über eine Menge in unserem Leben immer mal wieder nachzudenken und sich ab und zu immer mal wieder die Frage stellen, ob man eigentlich glücklich ist, damit man nicht einfach so dahinlebt und plötzlich ist man am Ende seines Lebens angekommen und erkennt, dass man eine Menge bereut.
Ein wirklich schöner, berührender, Nachdenkens werter Film, der über den eigenen Tellerrand hinweg schauen lässt, der einen mit nimmt in eine ganz andere Welt, wo Menschen doch noch behutsamer miteinander umgehen, wo Druck, Zwang, Ängste, die in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung sind keinen Platz haben und auch keinen finden sollen.
What Happiness is http://www.whathappinessis.de/