Also, diese Frage stell ich meistens immer Menschen, die ich treffe. Besser gesagt, frage ich, was liest Du gerade? Und in Bus und Bahn verbiege ich mir immer Kopf und Kragen, um zu schauen, was die Fahrgäste da so vor sich hinlesen,-) Das ist einfach meine Neugier, schon aus Berufsgründen.
Was lese ich gerade? Also, ich les ja immer zwei, drei Bücher nebeneinander. Zum einen wäre da gerade eine neue Hesse-Biographie. Vielleicht dazu später mehr.
Gestern abend dann fertig und ausgelesen, zur Seite gelegt, aber mit Wehmut, denn es hat mir Spaß gemacht, dieses kleine Büchlein zu lesen. "Wohin mit mir"...von Sigrid Damm ist eine empfehlenswerte Lektüre gerade auch für alle, die schon einmal in Rom waren. Die aber nicht nur dort waren, sondern das Gefühl Rom sehen, Rom riechen, Rom erleben, jetzt aber nicht gleich sterben,-), kennen.
Ich war nur mal kurz dort. Im Vatikan zu Christi Himmelfahrt. Das war anstregend. Dennoch hab ich den einen oder anderen Blick bei der Durchfahrt mit dem Reisebus erhaschen können. Ich glaub für Rom bräuchte man ein ganzes Jahr, um all die antiken, geschichtlichen Orte, Museen, Kirchen, etc.. , kennenzulernen. Und man will ja nicht nur in Bildung und Kultur;-) Das unschuldige Herumstreunern durch Straßen, Gassen und Vororte würde allein mich schon interessieren. Und natürlich sollte der Sinnesgenuß der Tafelfreuden auch nicht zu kurz kommen.
Wie auch immer...ich war noch niemals richtig in Rom. Aber jetzt, nach dem Lesen des Büchleins von Sigrid Damm hab ich ein Stückchen Rom miterleben können. Und natürlich so nebenher Einiges über den ollen Goethe und seinen Aufenthalt in Rom und anderen Orten in Italien erfahren. Erst beim dritten Anlauf hat der olle Haudegen Italien erreicht. Zweimal ist er wohl auf dem Gotthardt wegen Ängstlichkeit umgekehrt,-)
Denn dort hatte Sigrid Damm im Jahre 1999 ein Stipendiat im Goethe-Museum in Rom als Aufenthalt bekommen. Nachdem ihr Buch "Christiane und Goethe" über Nacht zu einem Bestseller wurde, was damals vom Verlag niemals vorausgesehen hätte werden können. Und dort stand es auf der Hype-Bestseller-Liste des bekannten Magazins S....über eine lange Zeit. Ich muß gestehen, ich habs nicht gelesen. Ich hatte wohl nicht so das rechte Interesse an Goethe... damals jedenfalls. Über Goethe kann man sich ja streiten. Natürlich hat er Literatur vom Feinsten geschrieben. Nicht ümmesonst müssen die Kiddys in der Schule sich mit Wahlverwandschaften, Iphigenie von Taurus und Die Leiden des jungen Werther herumschlagen. Vielleicht auch deswegen die Abneigung gegen freiwilliges Lesen der Goethe-Lektüre,-)
Aber man nimmt in Sigrid Damms Büchlein nicht nur an den Spaziergängen und Erlebnissen ihres Aufenthalts in Rom teil, sondern auch ein wenig an ihrem Leben, ihren Auseinandersetzungen mit sich selber und den Menschen. So nebenbei erfährt man, dass sie eine Liebe zu Lappland hat und gerade in dieser Zeit ihres Aufenthalts in Rom mit ihren beiden Söhnen an einem Buch über dieses einsame Land arbeitet.
Oder kleine Anekdötchen und Geschichten von Ingeborg Bachmann und Hans-Werner Hentze. Ingeborg Bachmann, die Frau, deren Lyrik ich so mag, die aber Zeit ihres Lebens auf der Suche nach sich selbst und der Liebe war. Die in Rom gelebt, aber auch gestorben ist. Und keines schönen Todes, ein heftiges Unglück damals.
Und last but not least erfährt man so manches über den Literaturbetrieb um den Suhrkamp-Verlag herum. Und wie Autoren so damit umgehen. Mit Angeboten zu Lesungen, Medienverstanstaltungen anderer Art. So hatte Sigrid Damm mal eine Einladung zu Gottschalks "Wetten dass" bekommen, die sich ablehnte, dafür war sie sich zu schade. Oder eine Einladung in ein Fünf-Sterne-Hotel zu einer Kurzlesung ihres Goethe und Christiane-Romans mit anwesenden Medienriesen wie Stern, Focus, Spiegel usw.usw.usw...Wie sie gekämpft hat, um Zu- oder Absagen und sich selber nicht untreu geworden ist.
Ein halbes Jahr lebte Sigrid Damm in Rom...Immer wieder Besuche ihrer beiden Söhne, mit denen sie an ihrem Lappland-Buch arbeitet, welches ich mir jetzt ebenfalls auf jeden Fall einverleiben werde,-). Ein kleines Zimmer bewohnte sie im Goethe-Museum. Dort hatte sie auch die Obhut des Museums in den Nächten oder an geschlossenen Tagen. Der Lärm hatte ihr zu schaffen gemacht. Wie anders das Rom zu Zeiten Goethes war. Immer wieder wurde sie damit konfrontiert. Die Zeiten ändern sich halt,-) Und hin- und wieder sehnt man sich nach der Beschaulichkeit und der Fähigkeit zur Muße der Menschen damals zurück.
Sigrid Damm jedenfalls zeigt in ihrem Büchlein auch auf, wie man als Tourist und kurzzeitigem Aufenthalt in einem anderen Land oder einer anderen Stadt, mit wirklich sehenden Augen die Umgebung, Land, Leute, Kultur, Traditionen in sich aufnehmen kann, so dass man sie nie mehr vergißt.
Manchmal frage ich mich nämlich, wenn ich so auf meinen Reisen unterwegs war oder auch hier in Frankfurt, egal...oder auch Kölle, ob die Menschen wirklich noch das sehen, was sie eigentlich sehen wollten. Ob nicht der permanente Blick auf Handy, I-phone, I-pad, Fotokamera, sie davon abhält, das Wesentliche zu bestaunen. Naja...das ist ein anderes Thema.
Jedenfalls möchte ich es allen Lesern meines kleinen Blogs hier empfehlen, dieses Büchlein von Sigrid Damm "Wohin mit mir"....Sigrid Damm wußte es am Ende:-) Eine Frage, die man sich in bestimmten Lebensphasen selber ja auch immer mal wieder gestellt hat.
Viel Vergnügen
Sigrid Damm
Wohin mit mir
Insel Verlag
978-3458175292
22,95€