Es ist 6.00 Uhr und ich werde wach. Wach, aber ein wenig zerschlagen. Aber ein neuer Tag und ich muss weiter. Nun ja, theoretisch gibt es immer kein *muss*, doch hab ich meinen Zeitrahmen, also sage ich, ich will weiter.
Frühstück ist voll in Ordnung. Wie immer pack ich mir eine Semmel für unterwegs ein, schnüre meine Päckel und ab gehts. Ich nehme nicht den steinig-gerölligen Weg runter, sondern eine Landstrasse, die natürlich ebenfalls zur Herberge heraufführt. Es geht in Serpentinien runter nach Rüdesheim, wo mittlerweile ein munterer Betrieb herrscht.
Ich bin froh, dass ich davonfahren kann. Es geht Richtung Ingelheim, recht hübsch an einem Weg am Rhein entlang. Ruhig ist es und still und ich habe das Gefühl ich komme ein wenig zu Kräften. Ich kann mich an dem romantisch sich schlängelnden Rheinwindungen mit dem vielen grün am Uferrand, der durch die Windstille ganz ruhig fließt, nicht sattsehen. Immer mal wieder mach ich ein kurzes Päuschen und sitz einfach nur da.
Ingelheim, gehört zum Landkreis Mainz-Bingen und ist in sechs Stadtgebiete aufgeteilt. Die Stadt hat ihren Namen von einem Franken namens Ingilo, der sich schon anfang des 6. Jahrhunderts hier niederließ. Später folgte das für Rheinhessen typische *heim* dazu.
Ich hab mich aber nun nicht weiter mit der Stadt beschäftigt. Interessant zu erwähnen ist vielleicht noch, dass Fritz Teufel, ploitischer Aktivist der Studentenbewegung in den 60ern hier geboren wurde. Ich wollte einfach weiter.
Um so hübscher begegnete ich dann der Rheinpromenade in Eltville am Rhein. Die Stadt selber fand auch hier eine frühe Erwähnung um das 4.ten Jahrhundert. Die gesamte Promenade ist von Platanen beschattet und man entdeckt den Eltzer Hof und den dahinter liegenden Turm der kurfürstlichen Burg. Ich habe mir dort ein hübsches Plätzchen gesucht und mir ne schöne Apfelschorle genehmigt. Es ist ja so, du fährst und fährst, kilometerlang, machst Rast und denkst ja nicht daran, was noch vor dir liegt. Das ist, wie im Leben auch, ganz gut so, sonst würden wir sofort einknicken, manchmal jedenfalls. Und am heutigen Tage ist bis auf einige kleinere Umwege alles gut gelaufen. Zu erwähnen ist sicher aber noch, dass Eltville nicht nur Sekthochburg ist, sondern auch Rosenstadt genannt wird. Die Rosen der Stadt sind weltweit bekannt und sogar der Zarenhof in St. Petersburg soll sich der Eltviller Rosenpracht bedient haben. 2006 wurde eine neu gezüchtete Rosen auf den Namen *Johannes Gutenberg* zu seinen Ehren getauft.
Eine schöne Sache entdeckte ich am Rande der Promenade. Dort fand ich einen Bücherschrank. Klar, dass mir da das Herz aufging. Es war ein alter Anhänger, auf dem überdacht ein Bücherregal stand mit vielen schönen Werken. Ich hab mich ein wenig gewundert, an einem solchen Ort solches zu finden, aber der Betreiber des Bücherwägelchens sagte mir, es kämen tagsüber viele Menschen hier vorbei. Die Bücher seien grundsätzlich zwar umsonst, aber er sammle Spenden für ein afrikanisches Dorf, an die er das Geld schickte. Eine schöne Idee. Kurz dahinter befand sich eine schöne Strandbar, die meinme Aufmerksamkeit weckt mit Liegestühlen, die einem das Gefühl gaben, man läge nicht am Rhein am Strand sondern irgendwo in der Karibik, natürlich nur, wenn der Himmel blau war und strahlte und die Getränke erfrischend kühl waren, so wie an diesem Tage.
Aber weiter, Richtung Mainz, wo ich mich saumässig verfahren habe, weil die Hinweisschilder mal wieder total durcheinander mal in die, mal in die andere Richtung zeigten. Und eh ich mich versehen hatte, war ich nicht mehr am Rhein, sondern am Main angelangt. Ich habs aber schnell gemekt. Manchmal hatte ich auch nen Tunnelblick und hab einen falschen Weg zui spät bemerkt. Es war aber auch ein Irrgarten, den Weg rüber auf die andere Rheinseite zu finden, Brückenüberquerung war notwendig, aber vorerst galt es kleinere Brücken zu überwinden, die zur großen Brücke führten. Gelobt sei die Polizei, dein Freund und Helfer, die ich antraf in ihrem Streifenwagen und die mir den richtigen Weg wiesen. So ging es dann schnurrstracks hinüber und nun befuhr ich die linke Seite des Rheins.
Über Mainz könnt ich nun natürlich auch viel erzählen, aber da ich auch hier wirklich nur vorübergefahren bin, laß ich es. Natürlich ist es eine hübsche Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, Geschichte usw..., die ich auch kenne, weil ich zur Zeit, als ich in Frankfurt lebte, dorthin mal eine Tagestour gemacht hatte. Mannheim war noch weit. Es ist nur lustig, wenn ich Mainz höre, denke ich automatisch auch immer an Mainz wie es singt und lacht und an Margot Spohnheimer und ihr...gell du hast mich gelle gern, gelle i di a oder wie das geht:) das ist so in mir drin, ich kann mir da nicht helfen. Es gibt einfach so Dinge aus der Kinderzeit die haften an dir und du wirst sie nicht mehr los.
Und für alle meine geneigten Leser mal ein urig drollig altes Video von der ollen Margot:
So am Rhein entlang komm ich an ein Brückchen, dass den Namen eines von mir hochgeschätzten Kaberettisten trägt, nämlich Hanss-Dieter-Hüsch-Brücke. Darüber freue ich mich über alle Maßen, hier in Gedanken dem ollen Hüsch zu begegnen, der am Niederrhein groß geworden ist und ein Mensch voller Humor und gutem Geist war. Seine Biografie hab ich schon 2 mal gelesen. Ich wußte zwar, dass er zum Ehrenbürger der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz gekürt wurde, dass sie ihm auch eine Brücke gewidmet hatten, war mir bisher nicht bekannt. Ich erinnere mich vor allen Dingen an sein schönes Büchlein *Das Schwere leicht gesagt* Es war nach dem Lesen sozusagen ein Mantra von mir. Denn es gibt so Vieles, dass wir nicht auszusprechen wagen, weil es uns zu schwer erscheint, aber es gibt eine Leichtigkeit, die erlernt werden kann und die besteht darin, keine Angst zu haben vor den eigenen ausgesprochenen Worten, keine Angst zu haben vor Ablehnung, keine Angst zu haben vor dem, was an Schwerem geschieht und das erzählt werden will. Ein schönes Büchlein.
Aber nun genug von Hüsch es geht weiter Richtung Weisenau, Nackenheim nach Nierstein am Rhein entlang, jedenfalls bis Nackenstein. Dort bricht der Weg ab und führt an den Bahngleisen entlang hinauf in die Weinberge bis nach Nierstein. Ich laß mich von der Höhe direkt nach Nierstein hineinrollen. Hübsche kleine Strässchen durchfahrend führen mich zu einem kleinen Cafe auf einem Plätzchen, an dem ich anhalte und mir eine selbstgemachte Kürbis-Tomaten-Ingwer-Suppe servieren lasse, die saugut ist. Nette Leute die Cafebetreiber, mit denen ich noch ein wenig plaudere und die mir den weiteren Weg Richtung Mannheim weisen. Oha, meinen sie, da haben sie aber noch was vor sich.
Und nun wirds nochmal richtig richtig anstrengend. Denn der Weg führt über einen Damm, der nicht asphaltiert ist mit schmaler Spur und das in der Gluthitze, mittlerweile ist es 13.30 und kein Schatten in Sicht, kein Lüftchen weht. Auweia. Ich fahre und fahre, Kilometer um Kilometer, irgendwann find ich den Weg runter vom Damm wenigstens auf die unterhalb gelegene asphaltierte Radstrasse, der zwar wunderschön ist aber nicht aufzuhören scheint, immer geradeaus und weiter und weiter, kein Plätzchen, um sich mal kurz zu verkriechen oder gar irgendwo noch einmal eine Apfelschorle zu Gemüte zu führen. Nix...Ich bin so froh, dass ich dann ab Oppenheim wieder an den Rhein gelange, denn hier steht ab und an mal ein Baum rechter Hand und vom Wasser her weht immer mal ein Lüftchen. Ich glaube, ich habs bald geschafft, denk ich so für mich hin, denn nun tauchen auch die ersten Schilder Worms und Mannheim auf. Hurrah.
Auf noch recht gut befahrbaren Wegen mit guter Aussicht komme ich dann aber auf die Strecke, an der auf der rechten Seite das Industriegebiet bis nach Worms hineinreicht und linker hand der Rhein liegt. Mühselig ist es, aber nun nicht mehr weit. Ludwigshafen noch zu überwinden und dann hab ich es geschafft und laufe in Mannheim ein. Total am Ende für heute, ehrlich.
Ich hatte von unterwegs kurz meine Unterkunft in der Herberge abgesagt, weil ich wußte, dass ich dort kein Zimmer für mich allein habe und etwas anderes gesucht. Eine Bed & Breakfest Übernachtung nicht weit vom Rhein entfernt. Entlang des Stephanienufers in Mannheim liegt die Waldparkstrasse, zu der ich nach einigen Malen nachfragen dann auch hinfinde.
Bisserl geschockt bin ich dann doch, all die weil es schon heftig ist. Mein Zimmer liegt im Keller, ganz oben im Raum die vergitterten Fenster. Da hat Jemand wohl alles aus seinem Haus herausholen wollen. Es ist sauber und ordentlich wohl, aber miefig und keine Dusche und WC auf dem Zimmer. Nun denn...auch hier muss ich durch. Ich bin sowieso so ko, dass ich nicht mehr raus will am Abend, dusche noch, eß noch ein Brötchen, dass ich mir unterwegs erstanden habe und schlafe schnell weg.
Ein Blick am Abend auf meinen Kilometerzähler, zeigte mir 145 km an. Jösses. Ich habs gemerkt.