Overblog Alle Blogs Top-Blogs People
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

Ich schreibe einfach gern:)

Werbung

5. Etappe Baden-Baden - Strassburg

An diesem Morgen bin ich das erste Mal total erholt erwacht aus dem Bett gesprungen.
Jedoch hatte ich in der Nacht ein sehr sehr merkwürdiges Erlebnis. Es ist immer so, dass mir auf allen meinen Touren etwas Unerklärbares begegnet. Etwas worüber ich lange nachsinne, aber keine Antwort finde, was da eigentlich geschehen ist. Etwas, das zwischen der Welt, die wir sehen und dem geheimen Verborgenen liegt.
 
So auch dieses mal. Ich wachte in der Nacht auf und fühlte mit meiner rechten Hand an meine linke. Warum ich das tat, ich weiß es nicht. Ich mach so was ja sonst nie. Ich tastete mich zu meinem linken Ringfinger und bemerkte, dass der Ring, der dort immer saß, nicht mehr da war. Ich schwöre, dieser Ring sitzt seit Jahren an meinem linken Ringfinger. Er geht eigentlich gar nicht mehr ab, man muss schon ordentlich dran herumzerren, manchmal hilft nur Wasser und Seife. Mir hat das nie etwas ausgemacht. Er gehört zu mir, weil er voller Erinnerungen ist. Er war ein Geschenk. Ich tastete und tastete, konnte es nicht begreifen, dass er nicht mehr da war und sinnierte drüber nach, wie das passieren konnte. Wo ich ihn verloren hatte. Aber das wiederum, so erklärte ich mir, konnte doch gar nicht passiert sein, denn gerade beim Radeln lag meine Hand immer auf dem Lenker. Ich verstand es einfach nicht. Ich spürte Traurigkeit in mir aufsteigen, dass er nun fort war. Ich lag eine ganze Weile wach, konnte nicht mehr richtig einschlafen. Drehte und wendete mich immer noch in Gedanken versunken. Plötzlich drehte ich mich zur linken Seite, wollte meine linke Hand unter meinen Kopf legen und da spürte ich ihn. Den Ring. Er lag da einfach neben mir. Ich konnte das alles nicht verstehen. Ich schüttelte den Kopf, nahm den Ring und zog ihn mir wieder über den linken Ringfinger. Es ging nicht einfach. Genauso schwierig, wie ich ihn hätte abzuziehen versucht. Dann ließ ich es dabei beruhen und schlief wieder ein. Noch jetzt, wo ich darüber schreibe, ist mir das ganze unerklärlich. Ich muss es wohl dabei belassen.
 
Taschen wieder gepackt und ab aufs Rad. An einer kleinen Bäckerei an der Strasse halte ich kurz für ein Frühstück, habe noch ein nettes Gespräch mit einem altern Herrn und dann gehts los. Die Stadt ist schon recht lebendig. In der langen Allee, durch die ich bei meiner Ankunft geradelt bin stehen die alten Oldtimer. Jetzt wurde mir auch klar, wieso ich am vorherigen Abend hin- und wieder mal einen alten Autoklassiker bestaunen konnte. Es war Internationales Oldtimertreffen in Baden Baden. Wie ich später nachlesen konnte, waren ca. 350 alte blinkend-funkelnde Liebhaberstücke angemeldet. Der große Autofan bin ich nun nicht, jedoch diese alten Karren zu sehen, hat echt Spaß gemacht.
 
Alle Baustellen umfahrend durch die Stadt am Bahnhof angekommen, versuche ich mich an den Radwanderwegen zu orientieren und wähle die Richtung nach Sinzheim aus. Der Weg führt über Landstrassen, teils mit befahrbaren Radwegen, viel Verkehr ist nicht. Ich muss mich ein wenigg durchwurschteln durch die vielen kleinen Dörfer bis ich in die Richtung nach Greffern entdecke, wo mich kurz danach das blaue Strassenschild mit 12 gelben Sternen darauf hinweist, dass ich in 1000 m in Frankreich angelangt bin.
 
Ich fühle mich fast ein wenig euphorisch. Abgesehen vom Suchen und Finden des Weges war es eine erfrischende Fahrt an Wald und Feldern vorbei, die Hitze noch nicht so stark, denn es war gerade mal 11.00 Uhr. An der Fähre gab es ein kleines Bistro. Autos standen schon in der Schlange und warteten. Ich fragte einen Autofahrer, wie oft die Fähre fahre, sah sie auf der anderen Seite liegen. Ständig hin und her, gab man mir zur Antwort. Na dann, dachte ich, kann ich mich beruhigt auf ein kühles Wässerchen noch ins Bistro setzen. Zwei Franzosen begrüßten mich mit dem ersten Bonyour. Das Bonjour  hüpfte mir weich und zart entgegen. Ja, so empfand ich es. Eine wunderschöne Sprache, das Französisch. Sie redeten irgendwas weiter, was ich natürlich nicht verstand, aber es klang alles sehr freundlich. Ich ging davon aus, dass sie wissen wollten, woher ich kam und erzählte mit Händen und Füßen, dass ich mit diesem meinem Rad, das neben mir stand, von Köln gekommen bin. Ich war fest davon überzeugt, dass sie mich verstanden hatten. Und da das miteinander Reden in unserer beiden Sprachen recht fließend ging, sprach ich sie auf das am Sonntag stattfindene Endspiel Frankreich / Kroatien an. War klar, das hatten sie absolut verstanden. Wir lachten und ich drückte meine Daumen in ihre Richtung und sagte: vive la france und verabschiedete mich, denn die Fähre legte an und ich zog mit meinem Rad davon. Ein schöner Service übrigens, man brauchte nichts zu zahlen. Wo gibts heutzutage noch was umsonst.
 
Ruhig schipperte die Fähre über den Rhein ans andere Ufer, immer noch war ich ganz von Glücksgefühlen durchwärmt. Jetzt kann es ja nicht mehr weit sein, dachte ich. Einen entgegenkommenden Radfahrer fragte ich sicherheitshalber, ob der Weg jetzt hier am Rhein direkt nach Strassburg führte. Jaja, meinte er, zeigte mit der Hand immer geradeaus. Na dann. Ich schwang mich auf und fuhr los. Kein asphaltierter Weg, Schotter und Gestein. Jösses, das jetzt noch 40 km und die Sonne stand nun schon wieder hoch am Himmel und warf ihre Glut zur Erde. Kein Schatten nicht, nirgendswo. Naja, fahrn wir mal dachte ich. Schön war es ja, der Rhein glitzerte ruhig in der Sonne, funkelnde Sterne auf dem Wasser, wie ich sie liebe, ab und an wabberte ein Schiff daher und rechts Baum und Strauch.
 
So fuhr und fuhr ich, keine Menschenseele zu sehen.  irgendwann kam mir ein Radler entgegen, schon älter, bisserl geschafft sah er aus. Ich hielt an und fragte ihn, ob das alles noch seine Richtigkeit habe mit dem Weg, es sei sehr müßig. Und dann legte er sofort los, welche Hindernisse mir nun bevorstehen würden. An einer Sandfabrik müsse ich vorbei bzw. mich durch dichten Sand schleppen bis zu einer Brücke. Über die müßte ich, um auf die andere Rheinseite zu kommen, damit ich dort ein Stück entlang fahren könne, um später wieder die Seiten zu wechseln. Dazu hatte ich nun eigentlich gar keine Lust. Die Brücke sagte er, sei schwierig zu überwinden. Es führe eine so schmale Treppe nach oben, fünf Stockwerke lang, dass man Rad mit Packtaschen nicht hinaufbekäme. Man müsse beides separat nach oben tragen und auf der anderen Seite wieder runter. Ich ahnte Fürchterliches.
Auf solche Hindernisse verbunden mit Riesenanstrengung hatte ich nun wirklich keine Lust mehr. Ob ich denn nicht anders fahren könne. Aber das wußte er nicht. Manchmal ist es doch gut, auf sein Bauchgefühl zu hören. Ich mach das nicht, dachte ich mir, den nächstbesten Weg herunter vom Damm und dann versuchen über die Dörfer weiter zu kommen.
 
Gesagt getan und das ging auch alles recht problemlos, denn es gab tatsächlich auch hier Radwanderschilder in Richtung Strassburg, denen ich nur folgen mußte. Straßen und Dörfer, die ich durchfuhr, unterschieden sich in keiner Weise von den vorherigen am Vormittag befahrenen in Deutschland. Alles gähnend leer. Immer wieder frage ich mich wo das Leben hier in den Dörfern stattfindet. Alle scheinen sich hinter ihren Häusermauern verschanzt zu haben. Natürlich passierte es einmal wieder, dass ich ein Richtungsschild übersah und fuhr über La Wantzenau in die verkehrte Richtung. Merkte es, weil nun kein Radwanderschild mehr sichtbar war. Dennoch fuhr ich weiter bis ich in ein kleines Dörfchen kam, wo mir ein junges Ehepaar begegnete, Ich hielt an und fragte sprachbarrierend überwindend  nach dem Weg. Es klappte tatsächlich und sie erklärten mir, dass ich bis nach La Watzenau zurückmüsse und von dort an der Strassenkreuzung zeige sich dann wieder der Weg nach Strassburg auf. 12 km umsonst gefahren, 12 km auch wieder zurück. Nun ja, es muß ja bald ein Ende haben.
Fehler machen kannste ja Roeschen, so dachte ich, nur musst du sie auch wieder glattbügeln, wie in diesem Falle, auch wenns weh tut.
 
An der Strassenkreuzung aber fand ich die Richtung und sah, es waren nur noch 12 km bis nach Strassburg. Hurrah. Langsam kehrte das euphorische Glücksgefühl wieder und ich radelte, was das Zeug hielt.
 
Ich kam im Norden der Stadt an, wo auch bei Ill und Rhein-Marne-Kanal das Europaviertel angesiedelt ist. Sogleich entdeckte ich auch das Palais de´l Europe. Die vielen Fahnen der europäischen Nationen flatterten im Wind. Es fühlte sich merkwürdig an vor dem Gebäude zu stehen und daran zu denken, dass hier der Europarat mit mittlerweile 47 Mitgliedstaaten über Wohl und Wehe entschied. Der Bau wurde übrigens 1976 fertiggestellt. Drum herum befinden sich dann das IPE, Gebäude des europäischen Parlamentes und  IPE I und II, die Büros der Parlamentarier. Es hatte ja Zeit, das alles noch zu erkunden. Zuerst einmal wollte ich ins Zentrum, um von dort zu erforschen, wo genau denn nun meine Jugendherberge ansässig war.
 
Die Innenstadt war leer und bevor ich mich wunderte, erfuhr ich auch sogleich auf meine Frage nach dem Weg, gerichtet an drei junge Leute, die mir deutsch zu sprechen schienen, dass ja heute Nationalfeiertag sei. Sie hätten es auch nicht gewußt, wollten shoppen und nu ging nix. Total hilfsbereit die drei. Mit meinem Smarthphone konnte ich leide rnichts schauen, all die weil ich kein  Auslandsinternet habe. Einer von Ihnen erklärte sich daher bereit auf seinem einmal die Karte zu studieren. Als ich meine Lesebrille herausholte, um mir aufzuschreiben, was er mir an Strassen, die ich zu befahren habe, ansagte, noch mal ein kleines Unglück. Ja, wirklich Unglück. Denn ohne Brille beim Lesen bin ich schäl wie ne Ühl, wie wir hier in Kölle zu sagen pflegen. Ein Brillenglas war rausgefallen und ein Seitenbügel gebrochen. Na toll. Wenn eins nicht klappt,.dann das andere auch nicht. Ich bemühte mich mit der Brille an einem Ohr und dem Spinxen auf einem Auge irgendwas zu Papier zu bringen, es war chaotisch, denn ständig fiel das noch übrig gebliebene von der Brille herunter. Jedenfalls hatten wir mächtig Spaß. Immerhin.
 
Naja, so halbwegs hatte ich ein paar Hinweise. Der Tromb, Linie D ( es muss gesagt werden, in Frankreich sind die Strassenbahnlinien mit Buchstaben gekennzeichnet und die Busse mit Zahlen, so sagte es mir später der Rezeptionist meiner Jugendherberge) immer folgen, bis sie abbiegt und dann einfach mal weiter schauen. Ganz sicher hatte ich nicht damit gerechnet, dass es ca. 5 km waren, die da nochmal an den Stadtrand führten, direkt an den Rhein gegenüber der deutschen Stadt Kehl. Beide Städte sind mit der Trom-Brücke, die erst 2017 fertiggestellt und eingeweiht vom Altmaier, als Zeichen deutsch-französischer Freundschaft verbunden, so daß man bequem als Radler oder eben mit der Trom D über den Rhein nach Deutschland gelangt. Das erfuhr ich natürlich erst am Abend alles.
 
Nach einigem weiteren Durchfragen, sorry, überfiel mich ein derartiger Durst nach einem Kaltgetränk, dass ich an eine Tanke fuhr und mir eine Riesenflasche Zitronenwasser erstand, die ich fast in einem Zuge leertrank. Gibts nicht, gibts nicht, dachte ich so bei mir. Was muß, das muß. Immerhin, die Trom machte ihren Bogen zur Brücke, ich schaute ein wenig auf der stark befahrenen Autostrasse um mich und erhaschte tatsächlich ein Hiwneisschild zur Auberge de jeunesse. Erleichterung pur. Ich folgte dem Schild, das an einem großen Park vorbei an das Rheinufer führte und erblickte nach 1 km meine Jugendherberge. Angekommen. Seufz. Jetzt ist Ruhe angesagt.
 
Abwicklung an der Rezeption, man sprach englisch, wunderbar. Ich bekam meine Chipkarte für mein Zimmer und zog mit meinen Packtaschen in den zweiten Stock. Der erste Eindruck war ein wenig enttäuschend, durch die Vorerfahrung an Komfort in Jugendherbergen. Ich hatte zwar das Zimmer für mich allein, sicherheitshalber fragte ich nochmal an der Rezeption nach, denn im Zimmer standen drei Betten. Schreck laß nach, dachte ich noch, wenn ich hier mit zwei Leuten nun liegen muss, weil bei der Reservierung was schief gelaufen ist, dann lauf ich davon. Aber alles gut, hatte ich eben drei Betten, konnte ich gut meine Sachen drauf verteilen. War gut, dass die mal aus den Taschen kamen. Bett war so lalala, sehr hart und diese oft typische Gummiauflage in Jugendherbergen drunter, ich nahm einfach zwei Bettücher und stopfte die druff und dann einfach mal liegen lernen. Hab ich auch gemacht und war so wunderbar. Dachte bei mir, Roeschen, Roeschen, du warst in Indien, schlimmer gehts nimmer. Also nimm an, was ist und mach es dir so gemütlich, wie es nur geht.
 
Ich hab den Abend dann ausklingen lassen auf der angenehmen Gartenterrasse hinterm Haus, wo bei größter Hitze immer ein erfrischendes Lüftchen wehte und hab die letzten Tage noch mal an mir Revue passieren lassen. Alles war gut, wie es war.  Und ab Morgen sollen dann meine Strassburgspaziergänge folgen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Werbung
Zurück zu Home
Diesen Post teilen
Repost0
Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post