Der Tod, ein beklemmendes Wort, ein Wort, dass man nicht gern in den Mund nimmt, über den man noch weniger gern spricht. Und doch ist er präsent in unserem Leben! Wir neigen dazu ihn zu verdrängen, aber gerade das führt oft dazu, dass wir an uns und aneinander vorbeileben. Würden wir ihn immer bei uns haben, ihn als unserren Freund betrachten, um wieviel intensiver, bunter, fröhlicher wäre das Leben jedes Menschen. Davon handelt auch das Buch, dass ich Euch gerne vorstelle möchte.
Es ist ein Biulderbuch für Kinder, von Wolf Erlbruch. Erlbruch studierte Grafik-Design an der Folkwang-Hochschule. Er leitete den FAchbereich Architektur-Design-Kunst an der Fachhochschule Düsseldorf als Professor für Illustration. Erst in den 8oer Jahren beganng Erlbruch Kinderbücher zu illustrieren und zu schreiben. Seine Arbeiten umfaßten so große Themen wie die Schöpfungsgeschichte und die Frage nach dem Sinn des Lebens. Eines seiner wohl bekanntesten Kinderklassiker ist die Geschichte vom "Kleinen MAulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat!" EIn unbedingtes Muß!
Aber ich schweife ab. Das Buch "Ente, Tod und Tulpe" erzählt folgende Geschichte, die ich ausnahmsweise einmal ganz einstellen möchte, weil sie einfach nur schön ist und zu den Illustrationen kann ich nur sagen, schaut es Euch an! Es ist einfach wunderbar!
Also hier die Geschichte:
"Schön länger hatte die Ente so ein Gefühl. "Wer bist du - und was schleichst du hinter mir her?"
"Schön, dass du mich endlich bemerkst", sagte der Tod. "Ich bin der Tod."
Die Ente erschrak.
Das konnte man ihr nicht übel nehmen.
"Und jetzt kommst DU mich holen?"
"Ich bin schon in deiner Nähe, solange du lebst - nur für den Fall."
"Für den Fall?", fragte die Ente.
"Na, falls dir etwas zustößt. Ein schlimmer Schnupfen, ein Unfall - man weiß nie."
"Und dafür sorgst du jetzt?"
"Für den Unfall sorgt schon das Leben, wie auch für den Schnupfen und all die anderen Dinge, die euch Enten so zustoßen. Ich sage nur:Fuchs."
Daran mochte die Ente nicht einmal denken.
Davon bekam sie Gänsehaut.
Der Tod lächelte sie freundlich an. Eigentlich war er nett, wenn man davon absah, wer er war - sogar ziemlich nett.
"Wollen wir zum Teich?", fragte sie.
Das hatte der Tod befürchtet.
Nach einiger Zeit mußte sich der Tod eingestehen, dass seine Liebe zum Gründln Grenzen hatte. "Verzeih bitte", sagte er, "ich muß diesen feuchten Ort verlassen:"
"Ist dir kalt?", fragte die Ente. "Soll ich dich wärmen?"
Ein solches ANgebot hatte ihm noch niemand gemacht.
Sehr früh am Morgen wachte die Ente als Erste auf.
"Ich bin nicht gestorben!", dachte sie bei sich.
Sie stieß den Tod in die Seite. "ich bin nicht gestorben!", quakte sie hochzufrieden.
Der Tod hob den Kopf: "Das freut mich für dich", sagte er und reckte sich.
"Wenn ich aber gestorben wäre.....?"
"DAnn hätte ich nicht ausschlafen können"; gähnte der Tod.
Das war nicht nett, fand die Ente.
Obwohl sie sich vorgenommen hatte, von nun an nichts mehr zu sagen, wurde sie bald wieder gesprächig:
"Manche Enten sagen, dass man zum Engel wird und auf einer Wolke sitzt und runter auf die Erde gucken kann".
"Gut möglich" sagte der Tod. " Flügel habt ihr ja immerhin schon."
"Manche Enten sagen auch, dass es tief unter der Erde eine Hölle gibt, wo man gebraten wird, wenn man keine gute Ente war."
"Erstaunlich, was ihr Enten euch so erzählt - aber wer weiß:"
"Du weißt es also auch nicht!", schnatterte die Ente.
Der Tod schaute sie nur an.
"Was machen wir heute?", fragte er gutgelaunt.
"Heute gehen wir mal nicht zum Teich", sagte die Ente.
"Laß uns etwas wirklich Aufregendes machen!"
Der Tod war erleichtert.
"Auf einen Baum klettern?", fragte er spöttisch.
Tief unten war der Teich zu sehen.
Wie er so dalag, so still - und so einsam.
"So ist es also, wenn ich tot bin", dachte die Ente.
"Der Teich- allein. GAnz ohne mich."
Der Tod konnte manchmal Gedanken lesen.
"Wenn du tod bist, ist auch der Teich weg - zumindest für dich."
"Weißt du das genau?", fragte die Ente erstaunt.
"So genau, wie man es wissen kann"; sagte der Tod.
"Das ist tröstlich, dann muß ich ihm nicht nachtrauern, wenn...."
"du gestorben bist", sagte der Tod.
Über das Sterben zu reden fiel ihm leicht.
"Las uns runterklettern", bat ihn die Ente nach einer Weile, "auf Bäumen kommt man auf seltsame Gedanken."
In den nächsten WOchen waren sie immer seltener am Teich. Die meiste Zeit saßen sie irgendwo im Gras und redeten wenig.
Als ein kühler Wind ihr in die Federn fuhr, fror die Ente zum ersten Mal.
"Mir ist kalt," sagte sie eines Abends.
"Willst du mich ein bißchen wärmen?"
Zarter Schnee schwebte in der Luft. Etwas war geschehen. Der Tod schaute die Ente an. Sie atmete nicht mehr. Sie lag ganz still. Er strich ihr ein paar Federn glatt, die sich leicht gesträubt hatten, und nahm sie mit zum großen Fluß. Dort legte er sie behutsam aufs Wasser und gab ihr einen vorsichtigen Schubs.
Lange schaute er ihr nach. Als er sie aus den Augen verlor, war der Tod fast ein wenig betrübt.
Aber so war das Leben.
-Ende der Geschichte -
Was soll man noch sagen? Mir fiel das Buch in einem Moment des Schmerzes in die Hände. Nach dem Lesen war ich ganz still und ruhig. Ja so ist es wohl, mit dem Tod.
Ente, Tod und Tulpe,
Wolf Erlbruch,
Kunstmann-Verlag!
Vielleicht kann es auch zu einem Lieblingsbuch von Euch werden - groß und klein -