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Wohin Du mich führst!

Ich les, obwohl es meine Pflicht wär, eigentlich nur noch selten Kinder- und Jugendromane. Die ganzen Potter etc.-Geschichten interessieren mich nicht. Selten gibt es mal eine Lektüre, die mich fesselt. Dennoch hab ich vor einiger Zeit einen Roman entdeckt, der mich gehalten hat, den ich in einem Rutsch sozusagen gelesen habe. Eigentlich sehr unbekannt, was ich schade finde. Jedesmal, wenn ich ihn empfehle, bekomme ich ein gutes Feedback, so muß das sein.
 
Der Roman, von dem ich spreche, ist von David Grossman einem isrealischen Schriftsteller, dessen Romane ich sehr schätze. Grossmann wurde 1954 in Jerusalem geboren und hat einige Romane, Essays und u.a. auch Jugendromane geschrieben. Er studierte Philosophie und Theaterwissenschaften, hat aber Jahre als Korrespondent einer israelischen Zeitung gearbeitet. Er ist über die Grenzen hinaus als Friedenaktivist und für seinen Einsatz im Nah-Ost-Konflikt bekannt geworden. Betroffen war ich im Jahre 2004, als er seinen Sohn im Libanon-Konflikt verlor, der durch eine Panzerabwehrrakete getroffen wurde. So viel zum Autor selber.
 
Das Buch hat mich deshalb angesprochen, weil es Werte anspricht, die gerade für einen Jugendlichen in der Pubertät von großer Bedeutung sind. Liebe, Freundschaft, Selbstwertgefühl und Toleranz Andersdenkender.
 
Kurz zum Inhalt:
 
Assaf. gerade 16 Jahre alt, will sich sein Taschengeld in den Sommerferien aufbessern und arbeitet für die Stadtverwaltung, in dem er herrenlose Hunde wieder ihren Besitzern zurückbringt. Eines Tages bekommt er also wieder einen solchen Auftrag und macht sich mit einem angeleinten Hund auf den Weg. Er findet über ihn zu einer alten Nonne, die völlig abgeschieden in einem Kloster lebt und die die Besitzerin kennt, Tamara heißt sie. Die Nonne erzählt so dies und das über das Mädchen, dass sich ebenfalls mit ihrem Hund auf die Suche nach etwas gemacht hat, nämlich ihrem Bruder, der verschwunden ist. Dabei verliert sie ihren treuen Begleiter. Über all das, was die Nonne ihm erzählt, macht er sich so seine Gedanken über das Mädchen, was für ein Mensch sie wohl ist. Er fühlt sich, obwohl nie gesehen, zu diesem unbekannten Mädchen hingezogen und wird in die Geschichte dieses Mädchens und ihres Bruders hineingezogen, der in eine dubiose Künstlerkommune hineingeraten ist, abhängig von Drogen, seine Freiheit verloren hat. Das Leben dieser beiden jungen Menschen, Assaf und Tamara, begegnet sich und es ist einfach schön zu lesen, mit welcher Behutsamkeit und Sensibilität Grossmann die Annäherung der Beiden beschreibt. Wie es ausgeht, verrate ich nicht:-))
 
Aber es lohnt sich, dieses Buch vielleicht noch einem geeigneten Jugendlichen unter den Weihnachtsbaum zu legen. Es kommen wunderschöne Sätze drin vor. Nur einen will ich kurz in Erinnerung rufen, weil er mich selber lange Zeit begleitet hat:" Gut ist, wenn man mit sich allein in einem Zimmer sein kann!"
 
Genau so ist es, dass schimmert in seinem Roman immer wieder durch, wie wichtig es ist, für junge Menschen, zu lernen, allein zu sein. Erst wer allein sein kann, kann in Gemeinschaft leben. Erst, wer die Kraft hat, sich zu widersetzen, sich nicht aus Angst fehlender Anerkennung, einer Gruppe anzuschließen, allein für sich und seine Meinung stehen kann, der wird wirklich "erwachsen" sein. Die Voraussetzung für Respekt und Toleranz und Achtung jedem anderen Menschen gegenüber überhaupt.
 
David Grossmann
"Wohin Du mich führst"
Hanser-Taschenbuch
8,5o €
- 978-342362138o -
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