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Jack Londons *Mord auf Bestellung*

 

 

 

 

 

 

Viel Vergnügen!

Da hat Jack London einen wunderbaren, zum Nachdenken und Schmunzeln, schönen Agententhriller geschrieben. Er spielt im Jahre 1911 in New York, in dem anarchistische Attentäter so präsent waren, wie heutzutage terroristische. Obwohl...erstens hat er ihn gar nicht vollendet, denn irgendwann verging ihm die Lust am eigenen Werk, das eigentlich einzig dazu dienen sollte, kurzfristig schnell ein wenig Geld zu verdienen. Er dachte, das ging am besten und schnellsten mit einem Krimi. Jedoch,  es verging ihm ebenso schnell die Lust am Schreiben. Erst im Jahre 1960 schrieb ihn Krimiautor Robert L. Fisch zu Ende. Nun ist dieses hochamüsante, aber auch philosophisch reiche literarische Werk in einer Neuübersetzung von Eike Schönfeld erschienen.
 
Achja...und zweitens...Schon nach einigen Seiten entdeckt man, daß es zwar Agenten gibt, aber keine Spione. Warum also der Manesse-Verlag sich des Genres *Agententhriller* bedient hat, kann ich Euch nun nicht sagen.
 
Und drittens...man sollte diees herrliche Buch unbedingt lesen. Es ist ein wunderbares Lesevergnügen. Gemütlich unterm Sonnenschirm, auf einer Bank am Fluß oder einfach bei Sommergewitterwetter liegend auf dem Sofa mit einem kühlen Getränk und Lust auf gute Unterhaltung.
 
Was geschieht?
 
Es geht um eine GmbH, die Attentate für Auftraggeber erledigt. Kopf der Firma ist der Russe Ivan Dragomilov. Persönlich nimmt er die Aufträge an, jedoch wird die Person, die getötet werden soll, einer strengen Überprüfung unterzogen. Die Fragen, die geklärt werden müssen beziehen sich auf den Grund der Tötung, ob diese gerecht und moralisch verantwortbar ist. Werden diese beiden Fragen bejaht, wird der Tötungsauftrag an einen der weiteren Mitarbeiter, genauer gesagt *Killer* der Agentur-GmbH weitergegeben und immer präzise und erfolgreich ausgeführt. Die Killer sind keine dumpfbackenden Tötungsmaschinen, sondern gehen ehrenwerten Berufen in Unternehmen oder Universitäten nach und beschäftigen sich allesamt, jeder hat sein eigenes Spezialgebiet, mit hochintellektuellen Fragen des menschlichen Seins und Moral.
 
Der Auftrag muß sofort gezahlt werden. Ein Widerrufsrecht gibt es nicht. Wenn es läuft, dann läuft es.
 
Nun aber kommt Dragomilov ein junger Mann entgegen, der wiederum der Geliebte und zukünftige Ehemann seiner Nichte ist. Glaubt man, zumindestens für einige Seiten lang, bis sich auch hier eine überraschende Wendung auftut.
 
Dieser junge Mann, Winter Hall mit Namen,  hat sich die Frage gestellt, was passiert da eigentlich bei all den Attentaten, wer sind die Hintermänner und stößt so auf Dragomilov, den er in einer langen Diskussion davon überzeugen kann, dass es keine gerechte Tötung eines Menschen gibt. Dragomilov muss sich geschlagen geben und nimmt den Auftrag Halls an, den Kopf der perfekten Tötungsmaschinerie zu ermorden. Hall weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts über die verwandschaftliche Verbundenheit Dragomilov zu seiner Geliebten Grunnya. Als er den wahren Grund der Verbindung dieser Beiden erfährt, möchte er den Auftrag zurückziehen, da er nun auch Dragomilov als sein Tötungsopfer erkannt hat. Jedoch ist das leider nicht möglich, denn es ist ein Statut der GmbH, einmal angenommene Aufträge werden ausgeführt, so sie den Grundsätzen der Firma entsprechen.
 
Und nun beginnt eine wahrlich herrliche Verfolgungsjagd auf Dragomilov von seinen eigenen Auftragskillern durch die ganze USA. Wie er sich geschickt durchlaböriert und einen nach dem anderen seiner eigenen Leute umbringt und auf welche intelligente und auf einem immer gut ausgeklügelten Plan beruhend versuchen will, mit dem Leben davon zu kommen, ist spannend und auch amüsant zu lesen. Denn, auch das ist eine Regel der Firma. Kann sich der zu Tötende über ein Jahr retten, wird also von keinem der Auftragskiller der GmbH gefunden, kann der Auftrag doch noch storniert und dem Auftraggeber das Geld zurückgezahlt werden. Der Preis übrigens richtet sich nach dem Wert der gesellschaftlichen Stellung des Opfers. Für das Töten einess Polzeichefs genügen schon 10.000 Pfund, ein erstrangiger Monarch dagegen das Zehnfache und für den König von England wären es gar sage und schreibe eine halbe Millionen.
 
Abgesehen von dem Spannungsbogen, den das Buch vorgibt, den interessanten, teils witzigen Dialogen über Moral und Metaphysik kann man gar nicht umhin kommen, sich selber mit dieser Frage zu konfrontieren. Gibt es eine Ehtik des Tötens? Oder anders gesagt: Kann Böses Gutes tun? Kriege haben darauf ihre eigenen Antrworten entworfen. Im zivilen Alltagsleben sieht das jedoch ganz anders aus.
 
Ich jedenfalls kann nur eines sagen. Wäre ich involviert in eine Situation, in der ein oder mehrere Täter andere Menschen mit dem Tod bedrohen oder gar einige schon getötet hätten und ich hätte die Möglichkeit und den Mut etwas zu tun, den Mörder selber zu erschießen oder anderweitig zu töten, ich würde nicht zurückschrecken und mich am Ende nicht als Mörder fühlen.
 
Jack London
Mord auf Bestellung
Manesse Verlag
24,95 Euro
Isbn: 978-3717524267
 
Viel Vergnügen!
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