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Sonntagssofavergnügen -Blind Sight - Carol O'Connell

 

520 packende Seiten sind zu Ende und Seite für Seite wird eine Spannung aufgebaut, die einen in den Bann ziehen und ein Nachmittag auf dem Sofa zu einem Ort des Vergnügens machen.
 
Es handelt sich um, wie ich immer sage, einen Ermittlerkrimi. Carol O'Connell hats drauf.  Es gibt 4 Leichen, die im Garten des Bürgermeisters auftauchen (warum?), denen der Mörder ihre Herzen entnommen hat und die seinem Auftraggeber als Beweis für die Tötung der Leichen per Post übersandt werden. Unter den Ermordeten findet sich auch eine Nonne, die früher einmal als Prostituierte gearbeitet hat. Weiterhin wird ein blinder Junge entführt, der der Ermordung der Nonne, wie sich herausstellt war sie seine Tante, als Zeuge beiwohnt. Daher muss auch er verschwinden. Der Junge.  Der Auftragskiller nimmt ihn in seine Gewalt. Lösegeldforderung? Warum wurden diese Menschen scheinbar wahllos ermordet?
 
Dier Ermittlerin Mallory, ist eine Mischung zwischen Lisbeth Salander, aus Stig Larssons Trilogie, und Saga Noran, der Ermittlerin, die aus der faszinierenden Krimiserie *Die Brücke* bekannt wurde. Sie hat den Adlerblick und sieht Dinge, die ihren Kollegen bei Spurensicherungen niemals auffallen. Da ist der Hund des Serienkillers der mit seinem Trinkwasser vergiftet wird. Nur ihr fällt auf, dass das Wasser keine klare Konsistenz hat, sonden einegfärbt ist. Sie ist die Perfektionistin schlechthin.
 
Mit ihrem VW-Beetle, der über einen Porsche-Motor verfügt, bringt sie ihren Kollegen ob ihres wahnsinnigen Fahrstils an den Rand des Abgrundes seiner Ängste. Von vielen ihrer Kollegen gehasst, nur wenige schätzen ihren Eifer, ihre Unerbittlichkeit und ihre Vorgehensweise bei ihren Ermittlungen, geht sie dennoch sturköpfig ihren Weg um diesen Fall, der über erhebliche Verstrickungen wie durch einen Irrgarten führt, zu lösen. Obwohl sie von ihren Kollegen eher als herzlos charakterisiert wird, zeigt sich dennoch in ihrem Handeln, dass ihr dieser Fall schon wegen des blinden Jungens eine Herzensangelegenheit wird. Man kann sich schnell täuschen in Handlunsgweisen eines Menschen, um ihm Herzlosigkeit zu unterstellen, nur weil er seinen Weg geht. Man wird schnell für sozial inkompatibel erklärt, wenn man nicht mit der Meute läuft und sich jeglichem Gekungel entzieht.  Wer nicht ist wie alle, muss das aushalten. Das kann Mallory.
 
Carol O'Connor zeichnet in ihrem Krimi eine Welt des Betruges, der Gier und einer Gleichgültigkeit, die uns mehr denn je durch die Augen des kleinen entführten blinden Jungens gezeigt wird. Der Bürgermeister, der in kriminellen Machenschaften von Hedgefond-Heuschrecken verwickelt ist. Ich weiß nun was ein Pump-and-Dump-Spiel bei Aktiengeschäften ist. Man lernt nie aus:) Und die katholische Kirche, die Dreck am Stecken trägt und last but not least die Polizei, die in sich verzweigt ein korrupter Haufen ist. Durch dieses Labyrinth der Unerträglichkeit des Handelns von Menschen in der Gesellschaft findet Mallroy einen Weg, diesen Fall aufzuklären. Nicht ohne ihre eigenen kleinen und größeren Verheimlichungen, die sie hinter dem Rücken ihrer Kollegen erforscht und ermittelt und die am Ende immer einen Aha-Effekt und Erstaunen seitens der Kollegen erweckt.
 
So ganz nebenbei erfahren wir auch Dinge, wie ein blinder Mensch durchs Leben geht. Wie er sich seinen Weg durch den Alltag bahnt, wie seine Sinne auf ganz andere Weise geschult sind, der Bub ist seit seiner Geburt blind, so daß für viele Nichtwissende ob seines Blindseins der erste Eindruck entsteht, er könne sehen. Mich haben diese Ausführungen besonders berührt, da ich selber in meiner vielfältigen Betreuungstätigkeit mit Blinden zusammen war und sie oft über längere Wegstrecken in ihrem Leben begleitet habe. Du lernst viel Neues, die Welt zu sehen, wenn du mit Blinden gehst.
 
Was sieht ein Blinder, wenn er die Augen zu macht? Diese Frage stellt ihm der Serienkiller, der mit ihm eine Weile zusammenlebt, bevor er den endgültigen Auftrag erhält, ihn zu töten und auch sein Herz als Todesbeweis den Auftraggebern übermitteln muß. Ist alles schwarz? Mach ein mal ein Auge zu, wird er antworten. Dann siehst du, was ist. Blinde...sie können nicht mal in ihren Träumen sehen. Wenn du weißt, was Blinde, zumindestens die, die seit ihrer Geburt blind sind, bei geschlossenen Augen sehen, dann weißt du auch wie der Tod ausschaut. Vielleicht?
 
Die Handlung spielt übrigens in New York und O'Connor erzählt ganz nebenbei über Veränderungen und Befindlichkeiten dieser Stadt. So erfährt man, dass im St. Mark Place-Viertel der Stadt früher einmal die Anarchisten- und Künstlertypen gelebt haben. W.H. Auden z.B. habe zwanzig Jahre lang im Haus Nr. 77 gewohnt und ein Stückchen weiter habe Manhattans allererster Mafiamord stattgefunden. Oder dass in der Strasse die Rolling Stones einen Song aus den 81er Jahren von ihrem Album Tattoo you * Waiting on a Friend* sitzend auf einer Treppe aufgenommen haben. Die St. Mark Place ist nicht nur eine Strasse, sondern eine ganze Epoche. Jedenfalls Mallorys direkter Kollege Sergeant Riker, kann hier viel erzählen.
 
In der Rezension des Deutschlandfunkes wird gesagt: Blind Sight - eine Carrol O'Connell* in Hochform. So ist es.
 
Viel Vergnügen!
Carol O'Connell
Blind Sight
btb-taschenbuch
ISBN: 978-3442-71642-5
10,00 Euro
 
 
 
 
 
 
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