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28. Januar 2017 6 28 /01 /Januar /2017 12:36

Früh am Morgen. Du drehst deine Runden durch den dunklen Park. Erinnerst dich an die Worte, Mutti mach das nicht. Aber was soll schon passieren. Um diese Zeit. Alles schläft doch. Das Laufen in der Morgendämmerung tut dir gut.

Zuhause die kleinen Handgriffe. Das Frühstück. Es schmeckt viel besser dann.

Das Rauschen des Computers, der an ist. Ein Blick hinein, nach dort und da. Soviel geschehen überall. Du kannst nicht alles aufnehmen. Es nutzt ja auch nichts. Du kannst eh nicht viel ändern.

Die Musik spielt deine Lieblingssongs. Was wäre dein Leben ohne Musik. Musik mein guter Liebhaber. Ich gehe auf den Balkon, die Frühstückszigarette. Gegenüber steht der Mann, der auch immer auf dem Balkon dem blauen Dunst für eine Weile verfallen ist. Manchmal winken wir uns zu. Bist guter Dinge, tanzt ein wenig zur Musik.

Es wird Zeit zu gehen. Nach den Einkäufen zu sehen. Türen auf, geschaut, was fehlt. Den Schal umgewickelt, die Mütze auf, den Computer ausschalten und raus in die Welt. Die Sonne scheint. Es ist freundlich wärmer als die Tage zuvor.

Du gehst ein paar Schritte und denkst, das Licht der Sonne läßt auch nichts vergessen. Im Gegenteil, alles siehst du noch klarer und stärker. Es ist in Ordnung. Die leeren Strassen überwindest du und findest dich wieder im Einkaufsstrassengewimmel.

Alles durcheinander. Menschenzoo, Autos, Dekorationen, Irritationen. Du willst deinen Tunnelblick üben. Es gelingt jedoch nicht. Mal wieder. Alles stürmt auf dich ein.

Etwas weiter vor dir steht eine junge Frau. Sie starrt auf das kleine vierecke Ding und lächelt. Du siehst es. Denkst, glaub ihnen nicht, den Worten. Es fängt vielleicht mit guten an, doch endet es zumeist in einem Betrug. Du willst zwar nicht dran glauben, doch immer wieder geschieht es. Hinter allem steckt ein Plan in Worten aus viereckigen Geräten. Vielleicht, manchmal, geht es gut aus. Du sagst ihr aber insgeheim, pass auf dich auf.

Du schaust aus deinem Konkon in diese bunte Welt. Im Schaufenster da vorn sitzen Frauen und halten ihre Hände hin. Wozu? Der Lackt macht Hände nicht schön. Sie sind es nur, wenn sie zärtlich streichen über Haar und Haut, trösten und umsorgen.

Die Welt bleibt dir einfach fremd. Alle laufen hinter dem selben her. Und du sehnst dich nach einem Ort der Weite, Meer und lange Wege am Strand. Flucht vor der unwirklichen Wirklichkeit. Allein mit Dir. Nichts Störendes.

Doch der Brief in deiner Tasche erinnert dich hier zu sein und weiter zu gehen. Es ist nicht neu, dass du Briefe schreibst, aber es ist neu auch welche zurück zu bekommen. Es fühlt sich gut an. Ein kleiner Schatz in deiner Schatulle des Lebens.

Schlange stehen. Normal bei der Post. Eine Frau kommt auf dich zu, fragt nach einem 5o-cent-Stück für Briefmarken am Automaten. Damit sie nicht anstehen muss wegen einer einzigen Marke für einen Brief der vielleicht wichtig ist. Du wühlst in deiner Geldbörse. Sie ist ganz froh. Warten ist nicht immer einfach. Daher Erleichterung bei ihr.

Die Schlange rückt vor. Da steht sie plötzlich wieder. Die Frau. Sie ruft in den grossen Raum hinein. Es kommt nichts raus aus dem Automaten. Geld ist drin, aber Briefmarken kommen nicht. Sie müssen warten, sagt der Schalterbeamte bis der zuständige Bearbeiter kommt. Der wird ihnen helfen.

Du stehst da, beobachtest, lauschst und denkst. Auch Menschen sind wie Automaten. Du steckst viel in sie hinein und meistens kommt nichts raus. Gestört, kaputt, überholungsbedürftig. Kein Gefühl. Nur Automatismus, doch auch der, nur wenn es funktioniert. Ansonsten tot, keine Reaktion mehr. Merkwürdige Gedanken, denkst du.

Du bist dran. Das Warten war dir nicht zu  lang. Jetzt bist du froh. Der Brief ist auf den Weg gebracht.

Du gehst weiter durch die Strassen. Siehst die Menschen, huscht an ihnen vorbei, hie und da ein Lächeln, wenn sich gestreift wird, wegen der Enge überall. Das kann passieren.

Im Bäckerladen wieder Schlange. Doch es duftet nach Brot und Kuchen. Und alles sieht so lecker aus. Angenehmes Warten. Du gibt deine Bestellung auf und packst sie in die Tasche. Der Preis wird dir genannt, du gibst es so, das Geld, wie es möglichst wenig Kleingeld zurückfordert. Die Verkäuferin lacht und sagt, das ist klasse, sie können hier anfangen. Wirklich sagst du. Ich suche Arbeit. Sie meint es ernst. Ja, bewerben sie sich, wir suchen immer Personal. Merkwürdig denkst du, schon das zweite Angebot für eine Arbeit, mit der du eigentlich nicht gerechnet hast. Naja, mal sehen, sagst du ihr, ich denk mal drüber nach.

Der Supermarkt muss auch noch sein. Ein paar kleine Dinge noch, dann bist du fertig. Das ist schnell getan. Du bist ja kein Gelegenheitskäufer. Nur das, was du wirklich brauchst. Schon stehst du an der Kasse. Schlange wieder. Die Welt ist so voll, überall. Wer Warten nicht gelernt hat, wird schnell unzufrieden.

Kurz bevor du an der Reihe bist klingelt es bei dir. In deiner Tasche. Umständlich holst du das Telefon hervor. Fremde Augen schauen dich an und denken, was kommt jetzt wohl. Normal heut, Voyeur der Intimitäten anderer zu sein. Manchen gefällts, mir nicht. Daher bin ich kurzgefasst. Sorry, steh an der Ladenkasse. Doch es passt mir grundsätzlich schon, nur gerad hier nicht. Meine Worte bei all der Butter, Brot und Eier. Was sollen die damit. Mit meinen Worten. Später, in der Sonne gern. Du zahlst und gehst

Du kaufst dir noch eine Zeitung deiner Stadt und freust dich, alles erledigt zu haben. Noch nicht ganz zu hause. Das Telefon läutet erneut. Ein freundlicher Mensch ist dran. Will hören, ob es dir gut geht und was du so machst, jetzt und am weiteren Tag. Du redest mit ihm, während du den Briefkasten aufschliesst, nach Post schaust, die Wohnungstür öffnest, die Tasche abstellst, mit einem Arm die Umhängetasche über den Kopf ziehst, den Mantel an der Garderobe abhängst und dich auf einen Stuhl setzt. Endlich Ruhe, wirklich was zu sagen.

Das Gespräch ist beendet und du schaust die Karte an, die in deinem Briefkasten war. Eine Einladung zu einem Essen. In einem ganz tollen Restaurant. Du merkst, wie du das Wort *toll* einfach nicht magst. Und auch Essen in Räumen mit vielen Menschen magst du nicht. Manchmal gibt es Ausnahmen. Aber meistens hast du Angst davor in fremden Räumen mit Menschen, die du nicht gut kennst, kein Wort zu finden. Und dann sitzt du da und schweigst, weil dir nichts einfällt, was zu sagen nötig wäre, aber die Umgebung es nicht möglich macht. Du denkst, du bist einfach ein komischer Mensch.

Und jetzt sitzt du da, an deinem Schreibtisch vor deinem Computer und schreibst alles auf. Warum? Einfach so? Sicher nicht. Es ist wie Frisch sagte: Wer schreibt, liest sich selbst. Und es lacht mich ja auch ganz anders an. Mein geschriebenes Wort, da vor mir in der virtuellen Welt, als wenn ich es in der Schublade verstecken würde. Und manchmal löst es ja was aus, bei denen, die es lesen. Dann bekomm ich eine Antwort. Das gefällt mir und entfacht oft einen anderen Blick oder schenkt einen neuen Gedanken.

Und jetzt, wo ich hier sitze und aufgeschrieben habe, die kleine Zeit des Unterwegsseins denke ich wie Sommerset Maughan: War es nicht vielleicht nur eine Fata Morgana? Bevor ich las, wie er das sagte, dachte ich auch schon so. Manchmal scheint mir das Leben wie ein Traumbild, nicht wirklich, und schon gar nicht die unwirkliche Wirklichkeit.

Vielleicht ist es ja doch bequemer, das Leben mit einem huhu, haha und hihi. Ich denk mal drüber nach,-)

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