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28. November 2016 1 28 /11 /November /2016 11:11
Alltagspoesie - Entschuldigung


Kinder sind einfach herrlich. Ohne Kinder wäre für mich jedenfalls das Leben ein großes Stück ärmer. Jetzt sind meine Kinder erwachsen, dennoch bleiben sie ja auch immer meine Kinder, so wie ich immer ihr Mutter bleibe. Da kannste nix dran ändern. Und das ist auch gut so:)

Jedenfalls, weil meine Kinder schon erwachsen sind, mache ich nichts lieber als Kinder zu beobachten in allen Lebenslagen. Kinder ziehen unweigerlich meinen Blick auf sich. Egal, wo ich mich befinde, auf der Strasse, in Cafes, in Geschäften, kurz überall einfach:)

Nun hat mir der Himmel zu meinem Glück auch noch einen Blick vom Balkon aus auf eine Kindertagesstätte geschenkt. Manche mögen ja sagen, auweia, da hast Du aber schön Lärm zu manchen Zeiten. Also, ich will mal was sagen, Kinderlärm ist für mich überhaupt kein Lärm, sondern wie Musik in meinen Ohren. Ich kann die Menschen nicht so recht verstehen, die Kinder als einen Lärmfaktor bezeichnen. Gut, es mag vielleicht ein paar wenige geben, an die der Nerv der Zeit schon ordentlich rüttelt. Ja, das verstehe ich. Dennoch, ist meine bescheidene Ansicht, sollten diejenigen etwas an dem Geschehen und an dem Ausgeliefertsein dieses Nerves ändern. Irgendetwas loslassen, sich nicht mehr gefangen nehmen lassen vom Übel des Nerves der Zeit,-). Ich meine, da geht doch immer was,-) Und schwupsdibubs geht ihnen ein Licht auf und sie merken, oha, das was ich dachte, mich empfindlich zu stören, war und ist gar nicht meinen Empfindlichkeitsnerv belästigend. Kann ja sein, oder?

Nun denn, ich schweife mal wieder ab, wie es so meine Art ist beim Schreiben jedenfalls:)

Also, ich habe diesen schönen Blick auf die Kindertagesstätte hinter meinem Haus von meinem Balkon aus. Da war ich ja stehengeblieben. Jetzt in der Witterungszeit des herannahenden Winters, wo die Temperaturen doch in den letzten Tagen sehr schwankend waren, sind die Pänz, wie die Kölner so schön und liebevoll sagen, gar nicht immer draussen. Schade, denk ich oft. Ob die das so wollen oder ob das die Ängstlichkeit der Betreuer innehat, dass sie vielleicht schnupfend von den Eltern abgeholt werden, wenn sie sie den Tag in ihren Freistunden draussen herumtoben lassen. Klar, verstehe, dann gibt es vielleicht Vorwürfe seitens der Elternschaft. Wie konnten sie nur...das wird ja gekannt, das Übel,-) Betreuer haben es oft schwer, was sie auch tun, es ist immer einer da aus der Elternschaft, der ihr Tun kritisiert. Kritisieren, des Deutschen schönste Leidenschaft,-) Wobei ich natürlich nicht verhehlen will, manchmal ist sie ja schon auch angebracht,-)

Also, heute aber, heute war eine kleine Schar der Pänz draussen auf dem davorliegenden Spielplatz ihres Kindergartenwohlfühlortes,-) Dick eingemummelt, hab ich genau beobachtet, Mützen, Schals, Handschuhe, Botzen, dick und wasserabweisend. Also, für den, der es nicht weiß, Botzen das sind Hosen, so werden die nämlich hier in Köln genannt.

Also wohlig warm und geborgen eingepackt tobten die dort draussen herum. Ich stand auf dem Balkon um eines meiner wenigen den Tag über rauchenden Zigarettchen zu genießen und beobachtete das muntere Treiben. Herjeh, ist das schön, sie hopsen, springen, lachen, tanzen, ja auch weinen zu sehen und zu hören. Das ganze pralle Leben kommt mir da entgegen. Ich könnte glatt vor Freude mit quitschen, ja nicht nur das, auch springen, tanzen, hüpfen und mich krümelig lachen:)

Plötzlich jedoch gab es ein Missverständnis wohl. Man kennt das ja, im Leben kommt das schon mal vor zwischen Menschen, so auch bei Kindern. Ein falsches Wort oder Handlung, schon schaut der eine dumm aus der Wäsche, fühlt sich beleidigt, gekränkt oder verärgert und alle Harmonie des Miteinanders ist verschwunden. Im günstigsten guten Falle wird das Problem ausgeräumt. Leider klappt das nicht immer und plötzlich sind die Wege getrennt, Schubladen geöffnet, einsortiert und bums aus die Maus,-) Schade, denk ich dann immer.

Jedenfalls da unten war auch was los. Ich weiss es gar nicht so genau. Die Entfernung ist dann doch zu weit weg, als dass ich es genau mitbekommen habe. Ich hörte nur plötzlich: Du Doofer!..Ich spiel nicht mehr mit Dir! So what,-) Ich konnte mir ja ein Schmunzeln nicht verbeissen. Oha dachte ich, will doch mal sehen, wie es jetzt weitergeht mit denen Zweien da. Ob da jetzt richtig was abgeht, so mit Puffen und Drücken und Schubsen. Kinder sind ja so, da geht das schnell und plumps liegt einer auf dem Rücken und der anderen oben auf.

Aber denkst was, ne, gar nix ging, bzw. es ging doch was. Sagte der *Doofe* zum `*Beschimpfer* doch glatt: Entschuldige bitte, herjeh, auch noch das Wörtchen *bitte* hinterdrein, ich konnte es kaum fassen. Entschuldige bitte, sagte er, ich wollte das nicht, es ist mir nur so rausgerutscht, ich dachte, ich dürfte das jetzt, ich mach das auch nicht wieder. Genauso kamen seine Worte hier oben bei mir an. Na gut, sagte das ihn vorher mit *Doofer* beschimpfende Kind, fangen wir noch mal an:)

Cool, genau, das Wörtchen kam mir in diesem Moment in den Sinn, obwohl ich ja nicht so ein Verfechter dieser coolen Wörter bin,-), aber manches hängt halt doch drin, da kann ich mich manchmal nicht vor verwehren. Plötzlich ist es da, das Wörtchen und macht mit mir was es will. Also, cool fand ich das von dem Kind. Echt richtig fein, nett, freundlich, liebevoll, versöhnlich und entgegenkommend. So einfach kann es gehen. Ein kleines Wörtchen, in diesem Falle *Entschuldigung* kann das Leben zwischen zwei Menschen eben verändern. Wo vorher noch Gram und Ärger hausierten, ziehen wieder Freundlichkeiten und weiteres Miteinander ein. Das ist schön. Ist doch eigentlich kein Problem oder?

Für uns Erwachsene wohl schon, jedenfalls sehr oft, so erlebe ich das wenigstens, auch im Rückblick aufs Leben, das ich schon hinter mir habe. Ein einfaches kleines Wort, dennoch oft sehr schwer auszusprechen. Ich weiss nicht genau, woran es wohl liegt. Der Stolz? Das Eingeständnis, dass man sich gegenüber ja erst mal selbst zulassen muss, die Scham, dass man etwas Falsches gesagt oder getan hat? Vielleicht ja auch beides zusammen. Möglicherweise kommt ja auch an einem Missverständnis zwischen zwei Menschen heraus, dass dem einen am anderen gar nicht so viel liegt. Es hatte sich vielleicht so ergeben, dass zusammen etwas gemacht wurde in der Arbeit, der Freizeit, da kommt das schon mal vor. Begegnungen, die flüchtig sind und denen oft nicht ausgewichen werden kann, weil, die sind einfach da, die Menschen und es muss sich mit ihnen zurechtgefunden werden, ob man will oder nicht, sonst gehen die Dinge halt nicht, die man an diesen Orten verrichten will.

Ich denke jedoch, es ist wurscht, wo und wie Begegnungen zustandekommen. Sind sie da, stehen sich zwei Menschen mit Gedanken, Gefühlen und einer Lebensgeschichte gegenüber, von denen wir ja zumeist nicht all zu viel wissen. Und da ist es m.E. nie zu viel, dieses kleine, einfache Wörtchen einfach auszusprechen: Entschuldigung, für dieses oder jenes...Es reisst soviele Barrieren ein, finde ich. Und es macht so viel möglich für die Zukunft. Und wenn dann, so wie es mir hin- und wieder schon einmal passiert ist, entgegenet wird: Es gibt nichts zu entschuldigen. Ach, dann ist es ja um so schöner:)

Also, die Pänz sind dann mittlerweile wieder in ihr warmes Häuschen verschwunden, Mittagessen, rief eine der Betreuerinnen und auch ich habe mich wieder, immer noch schmunzelnd, in meine warme Stube zurückgezogen. Schön war dieses kleine Erlebnis am heutigen Montagmorgen und eine Alltagspoesie all zu mal.

Entschuldigung! Geht ganz einfach:) Von Kindern können wir viel lernen:)

27. November 2016 7 27 /11 /November /2016 08:25
Feierlichkeit

Sie brennt
die Kerze
die erste nun

Feierlichkeit liegt im Raum
und schwebt vom Himmel herab

ob ich glaube
oder nicht
ist das denn wichtig?

die Tragik der Welt
wie ein Nebelschleier
webt sie über allem

Götterdämmerung
wäre eine Möglichkeit

Hinhören jedoch
auf all das, was gesagt wird
über das Heilige
das gewesen sein soll
und für die Zukunft
prophezeit wird
ist nicht umsonst

denn was sonst
schafft Veränderung
wenn nicht das Heilige
in Dir und in mir

Das Anklagen, das Zerreden,
das unsinnige Treiben der Vielen?

Die Zyniker brauchen Mitleid
die Spötter Barmherzigkeit

es ist ihre Schwäche,
ihre Angst
die sie verstecken
unter ihren Worten

einfach so leben
ohne Hoffnung?

die Kerze brennt,
die erste nun,
Feierlichkeit
liegt über allem
und kommt vom Himmel herab

will nicht ohne Hoffnung leben
vielleicht ist das ja Glaube

Published by Fernweh - in lyrik
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25. November 2016 5 25 /11 /November /2016 09:53
Ist das Kunst?

Ist das jetzt Kunst?

Also, ich bin son Typ. Ich fühle mich immer verantwortlich. Aus den Schuhen kann ich nicht raus, ist so! Also, wenn irgendwo was rumliegt, was da nicht hingehört, heb ich es auf. Ich kann da nicht anders. Oder, wenn ein Mensch einem andern was Unrechtes sagt, dann misch ich mich ein. Das ist nunmal so. Gut, ich gebe zu, manchmal fehlen mir glatt die Worte, dann muss ich erst mal nachdenken oder einen Schritt zurücktreten, aber es kommt schon was, immer, ganz gewiß,-)

Jedenfalls, in meiner Strasse, an der Ecke, da steht ein Laternenpfahl. Laternenpfähle sind ja oft die letzte Rettung für das Fahrrad. Denn Autos stehen überall rum, egal, auch da, wo sie eigentlich nicht hingehören oder stehen dürfen. Die kann ich dann ja nicht wegtragen,-) Aber wenn ich denjenigen sehe, wie er es da abstellt, an die Stelle, wo es nicht hingehört, dann ... Ihr wisst schon,-)

Also, an dieser Ecke, da, wo der Laternenpfahl steht, kam ich neulich, morgens in der Früh, vorbei und sah es. Das Fahrrad, lag da auf der Strasse, weggerutscht, umgefallen, wie es passiert ist, weiss ich ja nicht. Und nun ja, normalerweise pack ich sofort an, also, aufheben, richtig hinstellen, damit alles wieder seine Ordnung hat. Ich weiß auch nicht, was mich da geritten hat. Ein kurzes Stückchen weiter standen zwei Leute, die standen da und tratschten, dachte, hehe, die müssen das doch auch eigentlich sehen. Warum die denn nicht, muss ich wieder?

Also, es verhielt sich so, dass mich der Gedanke überfiel, jetzt, heute mal nicht, aufheben, hinstellen, der Ordnung halber wegen,-) Ich dachte, nö, lass mal, mal gucken, wie lang das so geht, mit dem Fahrrad, das da liegt,-) Gedacht, für richtig befunden und einfach mal weiter gegangen.

Als ich zurückkam von meinem Einkauf, lag es immer noch da. Oha, na dann, jetzt ziehste das durch Roeschen, so dachte ich und ging nach Haus. Abends dann, auf meinem täglichen noch einmal kleinen Rundgang vor dem Türe-zu-und draussen-bleiben-Welt-Gefühl, lag es immer noch da, unangerührt, wie bestellt und nicht abgeholt,-) Also, ich habe Geduld, ich hab da einen langen Atem.

Der nächste Tag. Ich traute meinen Augen nicht. Nicht nur, dass das Rad noch immer dort unangetastet vor sich hin dümpelte und in den Tag träumte, ne, da hatte doch einer den Mut, oder, hat das nichts mit Mut zu tun, ich weiss es gerade nicht, ich würde eher sagen, die Frechheit besessen, sein Fahrrad einfach auf das schon am Boden liegende draufzustelen. Es gibt einfach Dinge, die gibt es nicht, oder sollte es nicht geben. Ich meine, es sind ja nur Gegenstände. Aber auch Gegenstände wollen pfleglich behandelt werden, oder? Ich stand eine Weile da und sinnierte über die Gedankenwelt des Draufstellers. Vielleicht war es spät, Mitternacht oder früher Morgen. Er müde und deshalb keine Lust oder Kraft mehr, da erstmal Ordnung zu schaffen. Also, das Rad aufheben, es hinstellen, vernünftig, seins daneben, abschließen, einen Blick werfen und dann nach Hause gehen. Der Gedanke, dass er einfach keine Lust hatte, so ein, sch...was drauf mir doch egal-Gefühl besaß, wollte mir einfach nicht gefallen. Also, dem unbekannten Draufsteller gedanklich Wohlwollen nachsagend, schaute ich mir das eine Weile an.

Jetzt war es wohl auch für mich zu spät. Ich meine, aufheben, richtige Schritte zu tun, also das eine auseinanderposementieren von dem darunter liegenden, beide in eine gute Stellung bringen, damit sie ungehindert für den daherschreitenden Fussgänger ihren Platz machten und selber auch vor Beschädigung bewahrt wurden. Hm, was tun, dachte ich. Nun ja, ich entschied mich, abwarten und weiterTee trinken. Schauen was nun passiert,-) Mittlerweile fand ich es recht lustig, wenn auch ein klein wenig Empörung in mir mitschwang. So was, was es nicht alles gibt, mein letzter Gedanke und ging zu meiner eigenen Tagesordnung über, also weitergehen, erst mal nicht weiter kümmern, nur gucken:)

Das geht jetzt mittlerweile schon seit einer Woche so weiter. Ich tue einfach nix. Aber der, der Draufleger, hat in der Zwischenzeit was getan. Nämlich, sein Fahrrad wieder heruntergeholt von dem darunterliegenden und ist in seinen Alltag gefahren. Immer mal wieder, denn, so oft ich da vorbeikam, an der Ecke, lag das eine Fahrrad immer noch da, wie es eben da lag, von Anfang an und fristete seine eigene Fahrradrumliegeneinsamkeit und dann wieder stand das drauflegerangeschlossene Fahrrad wieder oben auf. Gibts doch nicht, jedes Mal mein Gedanke, als ich die aufgetürmten zwei Räder dort liegen sah. Die Welt ist ein merkwürdig Geschehen, wenn Menschen was tun oder nicht. Jedenfalls, das, was dabei herauskommt.

Jetzt sind es insgesamt drei Wochen her, seit ich dieses merkwürdige Treiben beobachte. Verändert hat sich immer noch nichts. Stutzig macht mich nur, dass der Besitzer des untenliegenden Fahrrades es wohl zur Zeit nicht braucht und daher gar nichts weiss von seinem schönen in der Strasseneckeneinsamkeit umgefallenen sein Dasein fristet. Und ein Wunder ist es wohl auch, dass alle Personen, die an diesem Schauspiel vorbeilaufen, wohl keine Motivation verspüren, irgendetwas zu tun. Und wie immer rätsele ich, ob wenigstens ein Gedanke daran verschwendet wird und nur die Lust fehlt, etwas zu tun oder ob mittlerweile die Leuts, so wie ich nun zu dem Schluss gekommen bin, denken, oha...das lassen wir mal so.

Das...lassen wir mal so...entstand nämlich irgendwann in mir...weil... ich dachte, wenn ich mir das Ganze von weitem und nahem so anschaue, dann hat es gar einen Kunstansatz. Ja genau, ich laß das jetzt mal so und tue weiter nichts dazu und denke...Ach schön, einfach Strassenkunst,-) Vielleicht ist es ja wirklich ein Künstler, der dieses Schauspiel dort veranstaltet,-) Weiss mans... Vielleicht kommt ja noch ein Drittes dazu...weiss mans,-) Ich werde dann auf jeden Fall berichten,-)

24. November 2016 4 24 /11 /November /2016 17:31
Nervensäge

Nervensäge


Den Nerv der Zeit
treffen
wird gesagt

wegen dem Erfolg

er... folgt ...dem Nerv
der Zeit
dann hat er Erfolg

er kann mich mal
der Nerv der Zeit

der Nerv der trampelt
auf meinem Nerv
herum

nervöse Nerven
sind nicht zu gebrauchen

für den Nerv der Zeit
hab ich einfach keinen Nerv

ich nerve lieber rumgedreht
den Nerv der Zeit

bevor die Nerven
blank da liegen

zerre ich am Nerv
der Zeit

und geh ihm auf
auf die Nerven

denn auf den Nerv
der Zeit
falle ich nicht rein

eine Nervensäge
der Nerv der Zeit

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23. November 2016 3 23 /11 /November /2016 08:55
Überraschung

Überraschungen
kommen, wann sie wollen
Über-Raschungen
kommen rasch
über einen

nicht erwartet

vom Himmel gefallen
vom heiteren
werden sie geschickt

können auch
nichts Gutes verheißen
warum dann heiter?

Ein Moment
des Schreckens
oder des Glücks
für immer

Gefühle durcheinander
suchen ihren Halt
im Moment der Über-raschung

ein Hut wäre gut
für unliebsame Über-raschungen
oder Schirm

rasch rasch
aufgesetzt und aufgespannt

gegen das Über des raschen
unerwarteten Moments

ein Seufzen für immer
Liebe
könnte auch
Überraschung sein

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22. November 2016 2 22 /11 /November /2016 09:56
Der Morgen

Der Morgen

Ich stehe auf
schaue um mich herum
draussen die Welt
bei mir nur meine Welt
all die Dinge die mein sind
die Uhr tickt leise vor sich hin
der Kaffeekocher wartet
auf mich
später dann

duftet er in meiner Tasse
der Kaffee
während ich auf dem Balkon stehe
und schaue
wartet die Welt auch
auf mich?
soll ich gehen oder lieber bleiben
hier bei mir
in meiner eigenen Welt
hör ich Don Quichotte
mit seinem Gesang
mir das Herz zerreisst
der Kaffee ist halb getrunken
die Zigarette geraucht
kämpfen will ich nicht mehr
vorbei
nur ein Aufschrei
wenn es nötig ist
dann geh ich wieder
nach Hause zu mir
zu meinen Dingen
die auf mich warten
ich darf sie benutzen
aber nicht die Menschen!

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21. November 2016 1 21 /11 /November /2016 17:17
Paterson *Jim Jarmusch*

Endlich ist Sonntag. Seit Wochen nun warte ich auf diesen Tag. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste. Ich kann mich sowas von auf etwas freuen, dass ich mich manchmal selber nicht aushalten kann mit der ganzen Vorfreude:)

Und ich frag mich immer, was sind das für Menschen, die mit Filmen von Jim Jarmusch nix anfangen können,-) Ich meine, ich hab nix gegen Leute, die gerne Mainstream-Filme gucken, mach ich ja auch manchmal. Auch dort finde ich zu weilen Perlen.

Für mich gibt es jedoch nur zwei Regisseure, für deren Filme ich meilenweilt gehen würde und das sind Kaurismäkki und Jarmusch. So ist es. Beide haben diese Liebe zum Detail, ihre Filme wirken wie ein einziges grosses Bild in das sich vertieft und so viel herausgelesen werden kann.

Und Sonntag war es jetzt endlich soweit. Ich hatte Karten reserviert, um auf Nummer sicher zu gehen. Da ich meinem Sohnemann zum Geburtstag Zeit geschenkt habe zu einer gemeinsamen Unternehmung, sind wir zusammen ins Kino. Die Fahrt mit der Strassenbahn war vergnüglich und ging wie im Flug herum, weil ein netter Herr mich einlud, mit auf seiner Karte zu fahren als er sah, wie der Automat ein bisserl zickig war und nicht so wollte, wie es es gern brauchte,-) Und erzählt hat der, jösses, ich weiss jetzt Bescheid, über alles,-)

Im Kino angekommen schon Schlangenbildung. Herjeh, so was hab ich lange nicht mehr erlebt. Meistens sitz ich mit 8 bis 10 Leuten im Vorführsaal. Aber das war ja auch Frankfurt, da kann man ja auch nix anderes erwarten,-) Köln ist da schon anders:)

Und da sitze ich nun in der vierten Reihe und beweg mich keinen Milimeter mehr und das bleibt auch so während des ganzen Films. Nur einmal, ganz kurz, da schau ich nach rechts, nein, es war sogar zwei Mal, weil...ich hörte, wie eine von den beiden Frauen, die neben mir saßen, so merkwürdige Geräusche von sich gab. Ein Pffff.....und chhhhhh....ich wollte meinen Ohren nicht trauen, da musste ich ja gucken,-) und tatsächlich ihr Kopf war auf die Rücklehne gesunken, die Augen zu, schnarchte sie vor sich hin. Ganz schnell, aber wirklich ganz schnell musste ich mir ein Prusten unterdrücken, es war zu komisch:) Unfassbar, dachte ich, wie kann bei diesem Film eingeschlafen werden. Irgendwann wurde es wieder still, ich schaute nochmal und da war sie in einen tiefen und festen Schlaf überhegangen, kein Geräusch mehr. Gut, ich wollte auch nicht weiter abgelenkt werden,-)

Denn der Film war ein Traum. Jedenfalls, ich fühlte mich wie in einem Traum, in dem ich dem ruhigen und stillen Leben des Protagonisten namens *Paterson*, der in einer Stadt mit gleichem Namen, Paterson, sein Leben lebte, nicht allein, sondern mit seiner Frau *Laura*, die er liebte. Woran man Liebe erkennt fragt der Mensch sich doch manchmal. Jarmusch hat es gezeigt. Beim Aufwachen beider Liebenden. Wie sie am Morgen beim Erwachen nebeneinander liegen und der eine zärtlich beim anderen ist, ohne viel Worte. Jedenfalls es ist ein Merkmal der Liebe, finde ich jedenfalls. Und da der Film an sieben aufeinanderfolgenden Tagen im Leben von Paterson spielt, zeigt er jeden Morgen das Erwachen dieser beiden Liebenden, in kleinen abgewandelten Szenen. Ein wenig erinnerte mich diese Einstellung an die beiden liebenden Vampire im Film Only Lovers left alive von Jarmusch. Aber das macht gar nichts, weil es so ein inniges Bild ist, dass es ruhig mehrere Male verwendet werden darf und kann, da es an Ausdruckskraft gar nicht mehr zu toppen ist.

Paterson erwacht jeden Morgen um die selbe Zeit, zieht sich an, nimmt sein Frühstück zu sich, geht jeden Morgen den gleichen Weg zu seiner Arbeitsstelle, einem Busbahnhof, wo er seinen Bus abholt. Dort erwartet ihn jedes Mal ein Kollege, der ihm auf Patersons Nachfrage Tag für Tag eine neue Leidensgeschichte seines Lebens erzählt, die zwar inhaltsreich, dennoch in nur einem Satz erzählt wird. Das wars. Der Film ist auch wortkarg. Vor seiner Fahrt schreibt Paterson in sein geheimes Notizbuch ein Gedicht. Paterson ist nämlich ein Poet, er schreibt Gedichte. Und das ist schon die Poesie schlechthin, ein Busfahrer, der Gedichte schreibt. Ich dachte, es ist nur ein Film, jedoch, der Mensch darf nicht unterschätzen, was so in manchem Zeitgenossen, der einer ganz normalen Beschäftigung nachgeht, noch so alles schlummert und was er in seiner Freizeit für Charismen lebt, damit meine ich jetzt Nicht Baumärkte und Hobbykeller,-). Obwohl, auch Paterson hat einen Hobbykeller, in den er nach seiner Arbeit manchmal entschwindet. Aber dort liegen alle seine Schätze, seine Lyrikbände seiner sämtlich von ihm geliebten Lyrikern, allen voran * William Carlos Williams*, der in seiner Heimatstadt Paterson/New Jersey gelebt und gedichtet hat. Somit setzt Paterson seiner täglichen Routinearbeit ein Gegengewicht. Gegengewichte zu schaffen im Leben ist sehr wichtig, denn wenige Menschen besitzen die Freiheit, einer Arbeit nachzugehen, in der sie wirklich aufgehen. Zumeist ist die Arbeit ein Broterwerb, ohne die es nicht geht und in vielen Fällen sind es eben Beschäftigungen, die nicht vom Zauber und der Freude durchdrungen sind, jedoch genau diese Gegengewichte ermöglichen es dem Menschen zu tun, was getan werden muss, so empfinde ich das jedenfalls.

Ich bin nicht nur verliebt in den Film, sondern auch in den Protagonisten, weil....er ist ein Mensch, der ruhig und besonnen durch das Leben geht. Wenig Worte findet er zu allem, Meinungen und Ratschäge liegen ihm fern. Er ist ein Zuhörer und Beobachter. Als ich mit meinem Sohnemann nach dem Film ein wenig geredet habe, kam heraus, dass er von diesem Typ Mensch nicht so angetan sei. Ich glaube jedoch, er hat ihn nicht verstanden. Er war der Meinung, es sei eher kein gutes Merkmal, wenn ein Mensch zu nichts und allem eine Meinung vertreten bzw. nicht Stellung abgeben würde. Ich denke jedoch, dass das gar nicht so wichtig ist. Das Gewicht des Zuhörens wiegt viel schwerer. Das können nämlich die wenigsten Menschen. Und Paterson hat ja seine ganz besondere Art, eine Reaktion zu zeigen, auf alles, was er wahrnimmt. Er schreibt ja, seine Gedichte drücken seine Empfindungen und Gedanken aus. Und die Menschen, die ihn kennen, wissen das und schätzen ihn daher, sie erwarten auch gar nichts anderes von ihm. Sie wissen, was in ihm webt, welche Tiefen er hat. So zeigt Jarmusch auch, dass es Nähe zwischen Menschen geben kann, auch wenn der andere nicht viel zu sagen hat, jedenfalls direkt nicht, sondern auf seine indirekte Art und Weise. Und dann, wenn es wirklich einmal ganz besonders wichtig ist einzuschreiten, schreckt auch Paterson nicht zurück. Dies wird in einer Szene im Film sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, die ich nun aber nicht verraten möchte.

Mit seinen Gedichten drückt Paterson auch seine Liebe zu seiner Frau Laura aus. Er lehnt sich in diesem Bezug an den großen Dichter Petrarca an, der seine Liebesgedichte an seine Liebe, die ebenfalls *Laura* hiess, schrieb.

Die Liebe der Beiden ist groß, weil, unterschiedlich können Charaktere zweier Liebenden gar nicht sein. Paterson, der ruhige, stille und besonnene Mann und Laura, die extrovertierte, emotionsgeladene und ständig neue Ideen entwickelnde Lebenspartnerin. Keiner der Beiden möchte den andern verändern. In liebevoller Weise gehen Beide mit den Verschrobenheiten des anderen um, es gibt keine Kritik an irgendeinem Tun des anderen. Mein Sohnemann meinte nach dem Film, das ist doch komisch, man muss sich doch die Wahrheit sagen. Ich denke jedoch, was ist schon Wahrheit. Und ist sie denn immer hilfreich? Ich glaube es nicht. Manchmal ist ein Lassen ein stärkerer Ausdruck der Liebe, als ein Kritisieren. Und meistens kritisiert der Mensch ja eh nur, was er selber nicht versteht. Wer kann und will den Anderen denn schon verstehen. Ein schwierig Ding zumeist, und schlägt es fehl, wird oftmals viel zerbrochen und es gibt keine Zeit mehr, dass es heilen kann.

Nun, ich möchte nicht den ganzen Film erzählen, sonst schaut ihn sich mein geneigter Leser ja nicht an und das wär schade, denn man muss diesen Film, in dem man spazieren gehen kann, einfach gesehen haben. Hier findet eine Verzauberung statt, ein Leuchten in all den alltäglichen Dingen, die zu sehen sind. 7 Wochentage im Leben des Paterson, 7 Tage, in denen eigentlich nichts geschieht und dennoch 7 Tage, die erlebt werden können, die voller Spannung sind, mehr als ein Krimi, für mich jedenfalls, es in einem auslösen kann. 7 Tage, an dem jeder einzelne mit einem Gedicht beginnt.

Ach und einen Protagonisten hab ich ja ganz vergessen, der einfach absolut umwerfend ist,-) Paterson und Laura haben einen Hund, eine englische Dogge namens Marvin. Und welche gewichtige Rolle er in Jarmuschs Film spielt, verrate ich ebenfalls nicht, aber eines ist sicher, es kann sich nicht erwehrt werden, dass dieser Hund zum Lachen verleitet, und auch an den Stellen, wo es eigentlich nicht zum Lachen ist, jedenfalls den Protagonisten nicht. Jarmusch besitzt einfach die Gabe das in einem Augenblick erlebte Schwere in Leichtigkeit zu verwandeln, wenn nur in das Gesicht und die Bewegungen von Marvin geschaut wird. Einfach nur köstlich, wie er in einer Szene um die Ecke hereinschaut in einen Waschsalon, wo ein Rapper gerade seinen erdichteten Text rezitiert.

Musik und Lyrik, das ist der Stoff, aus dem das Leben ist, so empfinde ich das ja auch Tag für Tag in meiner kleinen Alltagspoesie. Gedanken sind nur in Dingen, so lautet eine Zeile des Gedichts *Paterson*, dass William Carlos William, Anfang der 40er Jahre geschrieben hatte. Und jeder Mensch ist sich selber eine ganze Stadt, auch dies seine Aussage.
Ich sag ja immer, in einem Menschen findet man die ganze Welt. Und wenn du keinen äußeren Reichtum hast, dann hast du immer noch den Reichtum in dir selbst, der dir das Leben lebendig und wertvoll erscheinen läßt.

Und so wie der Busfahrer Paterson mit seinem Erdichten ein Gegengewicht zur Alltagsroutine schafft, so ist dieser Jarmusch-Film für mich auch ein Gegengewicht zu meiner Alltagsroutine und gehört somit zur Poesie meines Alltags. Und sagte nicht der olle Nietzsche einmal: Leben ist auch ein Erdichten? Ich meine ja. Und alles, was dir begegnet ist es wert, erdichtet zu werden. Dichten ist gar nicht so schwer. William Carlos Williams hat es ganz einfach gemacht. Er hat gedichtet über Alltägliches. Das Alltägliche birgt viel Reichtum, der Mensch muss es nur zu entdecken wissen.

*Paterson* ein Film ohne viel Handlung und dennoch spannend und verzaubernd zugleich.

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21. November 2016 1 21 /11 /November /2016 07:35
Die Motorsäge

So mild die Luft
wie warmer Frühlingshauch
die Vögel
schwirren umher
jeden Morgen seh ich sie
sitzen auf einem Ast
und gucken in die Welt
was sie wohl vorhaben
zwei sind da
an jedem Tag
treiben sie ein Liebesspiel?
sie fliegt davon
er hinterher
doch noch nie
sah ich beieinander sie
er muss wohl noch viel werben
um dann etwas zu erben
und gelangt er dann ans Ziel
ist es dann Lust?
Nur die Motorsäge stört!

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20. November 2016 7 20 /11 /November /2016 11:42
Poesie des Alltags - Herumstromern -

Ich stehe auf meinem Balkon und denke, gestern hab ich alles richtig gemacht. Es stürmt und pfeifft um die Häuser, dass es eine wahre Pracht ist. Selbst die Platane, die sich sonst nur leise in den Ästen wiegt, muss sich heute morgen verbiegen. Die Bucheckern lassen ihre kleinen Hubschrauber durch die Lüfte trudeln und ich erinnere mich an die Freude als Kind, wo wir uns die kleinen Flieger auf die Nase setzten und gejuchzt haben und wer einen kleinen Hubschrauber die längste Zeit auf der Nase behalten konnte, war der Hubschrauberkönig. Ach Kinder haben so herrlich Freude an den kleinen Dingen. Der Himmel ist grau und es schüttet aus allen Wolken und richtig hell wird es wohl heute nicht mehr. Aber das macht mir ja nichts aus, denn ich habs ja gemütlich in meiner Höhle und muckelig warm,-) und überhaupt, gestern hab ich alles richtig gemacht.

Gestern bin ich nämlich gestromert durch mein Veedel, wie es hier in Köln so gesagt wird. Stromern ist ein Vergnügen. Das hab ich schon als Kind immer gern gemacht und so manche Stunde vergessen und bin irgendwo angekommen, wo ich vorher niemals war. Zurückgefunden hab ich aber immer. Stromern heisst für mich, sich treiben zu lassen, keinen festen Plan zu haben. Pläne verhindern oft, dass man nicht sieht was sonst noch so ist, sondern sein Auge stets aufs Ziel gerichtet hat. Im Leben ist das ja auch so. Da guckste nicht nach links und rechts, sondern nur vorwärts marsch. Ich mag das nicht besonders.

Es war zwar lausig kalt gestern, aber ich war ja war eingepackt. Meine Kamera, das war der einzige Plan, den ich hatte, baumelte in Erwartung an meinem Handgelenk und ich maschierte los. Jemand fragt mich noch, welche Motive hast du denn im Auge Röschen. Keine, ich leg mich da nie fest, sondern lass mich vom Moment inspirieren. Und wer stromert, entdeckt eben auch viel.

Es ist Samstagmittag und die Menschen sind alle unterwegs und mit ihren Wochenendeinkäufen beschäftigt. Wie gut, dass ich alles erledigt habe. Ich brauch ja auch nicht viel. Und so biege ich schnell in die kleinen Seitenstrassen ab, um dem Gewimmel zu entfliehen. Still liegen dort die Strassen vor mir, hübsche Häuser, alt und neu nebeneinandergereiht und überall stehen Bäume an den Strassenrändern. Das hatte ich gar nicht erwartet. Früher hiess es immer, Mülheim, der Stadtteil, in dem ich jetzt lebe, sei trist und grau, man möchte da nicht wohnen, ausserdem, die schäl Sick, so wie die Kölner die rechte Seite des Rheins bezeichnen, war insgesamt kein Traum vom schönen Leben können. Ich entdecke nun sehr schnell, dass das falsch gedacht war und ist. Ich finde mich nach drei Wochen hier nämlich sehr gut zu recht und nicht nur das, ich fühle mich hier sauwohl. Es ist ja oft so im Leben dass Menschen ein Urteil fassen und nicht mehr davon abrücken. Selber schuld denke ich dann, sie verpassen was.-)

Nachdem ich so kreuz und quer durch die Strassen laufe, liegt vor mir eine lange Mauer und dahinter liegt ein kleiner Friedhof, wie ich dann entdecke. Ein evangelischer Friedhof. Ich war vorher nie auf einem evangelischen Friedhof. Wahrscheinlich weil ich immer in und an Orten gereist bin oder gelebt habe, die durchweg katholischer Gesinnung waren. Dieser Friedhof, so muss ich erstaunt feststellen, ist sogar einer der ältesten Friedhöfe Kölns, entstanden im 17. Jahrhundert. Er ist denkmalgeschützt. Fast über eine Stunde verbringe ich dort zu bei meinem Rundgang und kreuz und quer durch die überwiegend sehr hübsch und liebevoll gepflegten Gräber. Viele grosse und kleine Engelchen, Bilder von den Verstorbenen oder anderes Kleinod, irgendetwas was die Hinterbliebenen mit dem Verstorbenen verbindet, finden sich auf fast allen Gräbern wieder. So was berührt mich. Ich finde eine kleine Bank, auf die ich mich für eine kleine Weile trotz der Kälte setze und schau über den Friedhof, sehe auch hier viele kleine rote Lämpchen leuchten, Allerheiligen ist ja nicht lange her und morgen haben wir Totensonntag. Auch die Evangelen scheinen diesem Brauch nachzugehen. Ich mag sie auch, diese kleinen roten Lichter. Im Winter hab ich gern auch eins zuhause stehen vor den Bildern der Menschen, die ich schon verloren habe und die ich vermisse. Friedhöfe sind für mich kleine Paradiese, aber das schrieb ich ja schon einmal, Orte der Ruhe, Stille und des Nachdenkens. Auch ich werde hier mehr als sonst im Alltag mit meiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert, der ich gar nicht ausweichen will. Es ist nunmal so. Das Leben lieben und leben, mehr kann ich halt nicht tun.

Hinter dem Ausgang des Friedhofs beginnt direkt die über Köln hinaus berühmt gewordene Keupstrasse, leider nicht nur durch ihre vielen türkischen Geschäfte und Lokale, die beim Durchgang der Strasse das Gefühl vermitteln, man würde sich nicht in Köln, sondern auf einer belebten türkischen Basareinkaufsstrasse befinden, sondern auch durch den furchtbaren Bombenanschlag im Jahre 2004, bei dem Menschen schwer verletzt wurden und der einige Jahre später dann lt. Aufklärung einer rechten Terrorgruppe zugeordnet wurde. Ich habe einige der Berichte über dieses Geschehen gelesen und gesehen und so scheint es mir, ist es immer noch nicht ganz klar, wer, wie und was hinter allem dahinter steckt. Aber so ist das ja immer in der Politik.

Heute scheint dieses Unglück sichtbar vergessen. Das ist auch gut so. Jetzt und hier blüht das Leben wieder. Viele türkische Familien mit ihren Kindern spazieren durch die Strasse und in die Geschäfte. Ich fühl mich wohl hier. Ich mag diese Viefalt und Buntheit. Die Menschen sind alle freundlich. Und wie gern lass ich mich von dem herrlichen Angebot aus einer der türkischen Bäckereien verführen und genieße die Süsse bei meinem Weitergang. Und sicher werd ich es mir auch bald einmal in einem der vielen türkischen Restaurants gut gehen lassen und den Genüssen der Küche erliegen,-) Vor einem Geschäft bleibe ich stehen. Dort befinden sich vor der Türe Rollen, auf denen durchscheinende Folien aufgerollt sind und eine Frau sich von dieser Rolle ein meterlanges Stück abschneiden läßt. Was machen sie damit, frage ich sie und den Verkäufer. Sie lacht mich freundlich an und erklärt mir, dass sie die Folie auf ihren Tisch legt, damit er nicht zu Schaden kommt. Wie fürsorglich das ist sage ich ihr. Mein Tisch daheim ist voller Lebensspuren, die mich an das, was an diesem Tisch passiert ist, erinnern. Ich möchte das gar nicht missen. Aber so ist jeder Mensch anders in seinem Umgang mi den Dingen des Lebens.

Mit vielen Bildern auf meiner Kamera lass ich mich weitertreiben durch die Strassen, entdecke hie und da an den Sträuchern sogar noch blühende Rosen, wenn auch vereinzelt, aber immer sind sie noch prächtig anzuschauen. Eine Litfasssäule weckt mein Interesse. Ich mag Litfasssäulen, leider sind sie aus unserem Strassenbild verschwunden und von buntblinkenden Werbetafeln abgelöst worden, die einem überall zudringlich entgegenleuchten, sogar wenn du an einer roten Ampel mit deinem Auto stehst, wirst du von ihnen vergewaltigt. Wie ich das hasse. Eingetrichtert werden soll dem Menschen, was er zu brauchen hat und woran er, wenn er mit der Zeit gehen will, nicht dran vorbeikommt. Ich empfinde diese Art der Werbung als gewalttätig. Werbung hat es ja schon immer gegeben, ohne Werbung keine Wirtschaft. Das ist mir schon klar. Das ist nun mal so. Mich interessiert Werbung zumeist nicht, weil ich eh nur das kaufe, was ich wirklich brauche. Bei Litfasssäulen jedoch bin ich gnädiger. Sie kommen eben unscheinbarer daher und ich kann mich entscheiden, ob ich ihnen mit einem Rundgang Besuch abstatte und mich interessiert den Dingen zuwende, die auf ihnen angebotenen werden. Und ausserdem erinnern sie mich auch wieder an die Kindheit, in der wir damals kleine Rundlauffangenläufe gespielt haben, solange bis wir abgekämpft uns an sie lehnten, aber glücklich waren.

Viele Bilder habe ich nun schon auf meiner Kamera und mittlerweile nagt an mir ein kleines Hungergefühl, auch ein wenig die Sehnsucht nach Aufwärmen und einem kleinen stillen Örtchen, dass jeder irgendwann einmal braucht. Aber es sieht gerae nicht nach einer Stätte aus, wo ich all das finde, vor allen Dingen das Letztere. Nur diese typischen türkischen Lokale, in denen Mänenr sitzen und Tee trinken, babbeln oder irgendeinem Blatt- oder Brettspiel nachgehen. Mir ist das jetzt wurscht, mein Bedürfnis ist groß und ich wage einen Schritt in eines dieser kleinen Lokale. Ich hab keine Angst. Warum auch. Frage den Wirt, ob ich mal benutzen dürfte. Selbstverständlich sagt er und zeigt mir den Weg, ist so freundlich. Ich sage Dank und wünsche allen noch viel Freude bei ihrem Tun und werde selber höchst nett verabschiedet.

An einem Kiosk kaufe ich mir eine Zeitung und nach einer Weile laufe ich auf *Die Mütze* zu, von der ich schon viel gehört habe. Ein Bürgerzentrum für die Menschen hier vor Ort, an dem sie sich treffen und bei kleinen Preisen zu gewissen Zeiten essen und trinken können. Viele Veranstaltungen finden hier ebenfalls statt, Kurse, Bands spielen hier, alles für kleines Geld und manchmal sogar ümmesonst. Auch eine Etage gibt es, wo gebrauchte Möbel und Haushaltswaren angeboten werden. Heute ist dort jedoch geschlossen. Aber ich werd noch mal schauen, denn zu Hause fehlt mir noch ein Kühlschrank. Das ist nicht schlimm, denn draussen ist es ja kalt und ich kann das Wenige, das ich habe, gut auf dem Balkon deponieren. Und die Eichhörnchen sind Vegetarier, da bin ich froh, denn sonst wäre es um meinen Käse vielleicht schon geschehen:)

In der Mütze lass ich mich nieder, wärme mich bei Pfefferminztee und einem Stück Marmorkuchen auf uns lese in der mir vorher gekauften Tageszeitung. Dann geht es nach einer guten Stunde wieder weiter. Eigentlich will ich jetzt langsam den Heimweg antreten.. Für heute reicht es eigentlich. Am Wienerplatz jedoch angekommen werde ich von einer sonderbar anmutenden, ich denke zuerst an eine Demonstration, Veranstaltung überrascht. Aus Lautsprechern klingen mir fremde Gesänge, die Menschen, Muslime, überwiegend in Schwarz gehüllt. Große grüne und rote Fahnen werden geschwenkt und auf manchen ist ein Kopf abgebildet von einem Mann, den ich natürlich nicht kenne. Der Gesang ist sehr eindringlich. Ich spüre sofort, auch wenn der ganze Anblick etwas befremdlich wirkt und ich ja noch überhaupt nicht weiss, worum es hier geht, dass es etwas Spirituelles sein muss. Ich scheue mich nicht und gehe auf die schwarzgekleidete Gesellschaft zu, stehe einfach da mitten drin und schaue und höre und mache hie und da ein Foto. Plötzlich, neben mir die junge Frau, ein schreckliches Weinen. Jösses, das geht mir zu Herzen, echt. Sie hört gar nicht mehr auf. Wer weint hat Schmerz, das Weinen eines Menschen lügt nie. Schrecklich die Eltern, die ihren Kindern manchmal sagen, weine doch nicht, ist nicht so schlimm. Doch es ist schlimm, in diesem Moment. Selbst Erwachsene bekommen das oft zu hören. Wie dumm.

Mich kümmert diese junge Frau und ich gehe auf sie zu und nehme sie einfach in den Arm, auch auf die Gefahr hin, dass das nicht stimmig für sie ist, sie mich erschreckt zurückweist. Aber das tut sie nicht. Im Gegenteil, sie lehnt sich an meine Schulter und weint dort einfach weiter. Ich halte sie fest in meinem Arm und streichel sie sanft über den Rücken. So stehen wir eine Weile da, wie zusammengeschweisst. Zwei Menschen aus anderen Kulturen, mit verschiedenen Lebenssituationen, Lebensgeschichten, aber es verbindet uns etwas in diesem Moment, das stärker ist als all das. Das Menschliche, die Anteilnahne, das den anderen sehen in seiner Not. Irgendwann beruhigt sie sich und ich kann sie fragen, worum es hier überhaupt geht. Ich erfahre dass jedes Jahr ein Trauermarsch gehalten wird von den Mitgliedern der Abess Alschakeri-Gemeinde. Betrauert wird der Tod eines Iman namens Hussain und seinen 72 Anhängern, darunter auch Frauen und Kinder, die gegen die damalige Terrorherrschaft Yazids aufbegehrt haben. In der Schlacht von Karbala vor 1400 Jahren für die Freiheit erlitten sie damals das Märtyrium. Es muss schrecklich gewesen sein. Die Ironie an diesem Geschehen liegt darin, dass die Gegner des Terrors sich ebenfalls als Muslime ausgaben, Und so sieht man, dass sich die Geschichte immer wiederholt. Auch heute wird der Islam von einer Bande fanatischer Terroristen, genannt ISIS, die in den Ländern Irak und Syrien ihr Unwesen treiben missbraucht. Und wir wissen ja, dass das Erschreckende auch ist, dass sich viele Europäer, auch aus Deutschland, diesem Terror anschließen. Und daher ist die Intention dieses Trauermarsches auch zugleich ein Aufruf an alle Menschen, nicht zu vorverurteilen, was den Islam betrifft, sondern gemeinsam gegen Terror und für die Freiheit des Menschen zu kämpfen.

Wir reden noch eine Weile miteinander. Ich lerne die Eltern der jungen Frau und den rest der Familie kennen und sie laden mich zu einem Glas Tee in ihr Zuhause ein, unweit des Wiener Platz gelegen. Ich gehe mit und empfange eine Gastfreundschaft wie lange nicht mehr. Eine Stunde reden wir gemeinsam über die vermeintlichen Unterschiede der Kulturen und Religionen, bis wir am Ende zu dem Schluß kommen, es gibt im Grunde viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Und ich finde es schön, wie eine andere junge Frau sagt, sie sei zwar Muslimin, habe dennoch genauso viel Respekt vor Jesus, dem die Christen anhängen, verehren und an ihn glauben. Und sie wünschte sich, dass es umgekehrt genau so ist. So, wie es heute zwischen uns in diesem Moment ja auch geht. Als ich gehe, wird mir noch ein Vers aus dem Koran vorgelesen:

*Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet* (5.32)

In diesem Moment erinnere ich mich an den Spruch aus Schindlers Liste, der aus dem Talmud hervorkommt
*Wer auch nur ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt*

Diesen gebe ich Ihnen mit beim Abschied und bedanke mich für das Gespräch, die Gastfreundschaft und all das, was ich mit diesen Menschen für eine kurze Zeit erfahren durfte. Jetzt, wo ich schreibe, ist es immer noch in meinem Herzen, es hat mich sehr berührt, die Umarmung, das Weinen, das Aufeinanderzugehen. Es hat etwas mit mir gemacht.

Beschwert, aber auch erleichtert sowie nachdenklich will ich jetzt aber doch endlich nach Hause. Es ist spät geworden und ich bin schon so lange unterwegs. Dann komme ich jedoch an einem urkölschen Wirtshaus vorbei und vor der Tür stehen mit dem FC-Schal geschmückte bunte kölsche Jungs,-) und Mädels, auch eine Religion,-) und da konnte ich dem Reiz nicht widerstehen, vielleicht auch, weil ich in diesem Moment etwas Abstand brauchte von dem Erlebten, die selbe zu betreten, um mir das Kölnderby anzuschauen. Ein wenig auch wegen der Liebe zu meinem Sohnemann,-) Und das war eine gut Entscheidung, denn auch hier wurde ich an einem Tisch mit netten Leuten gebeten, doch ruhig Platz zu nehmen und mit ihnen das Vergnügen des Spiels zu geniessen. Es gab ein Kölsch und eine lecker Gulaschsupp und am Ende einen Sieg. Na, das war doch ein erlebnisreicher Tag, dachte ich dann, endlich, auf dem Nachhauseweg.

7 Stunden war ich unterwegs. Und die Idee, noch zum Abschluß zu einem Punk-Rock´n Roll-Konzert zu gehen, hab ich dann zuhause schnell abgelegt, all die weil, es so schön gemütlich war dort und es muss ja auch nicht alles sein. Es gibt ja noch so viel Leben, das hoffe ich jedenfalls. Und die Dinge, die mir begegnet sind an diesem Tage brauchen auch eine Zeit, um verarbeitet werden zu können und sie nachklingen zu lassen.

Die Poesie des Alltags war an diesem Tag das Stromern durch meine kleine Veedelswelt mit all dem Erlebtem und Gefühltem und nichts gab es, was einen Schatten geworfen hat. Ich kann nur jedem empfehlen, doch auch einfach mal durch die Strassen, die Orte zu stromern, es gibt viel zu sehen und zu erleben, dazu braucht man nicht in die große weite Ferne,-) Und mittlerweile ist es doch trotz meines Unkens etwas heller und lichter draussen geworden. Das ist schön, denn bald will ich auch wieder fort zu neuen Taten aufbrechen,-)

15. November 2016 2 15 /11 /November /2016 16:46
Ewigkeit


Da draussen
ist es dunkel nun


Baum und Strauch
Silhouette nur


weiter weg
bunte Farben in den Fenstern


ob Menschen dort wohnen
die leuchtend wie sie
durchs Leben ziehen


ich stehe still
und schaue


atme die sanfte Luft
Erde Moos und Laub
verströmen ihren Duft


die Zukunft schwebt
wie eine Wolke namens Ungewiss
über mir


schön ist es
nicht an das Gestern
und an das Morgen
zu denken


nur dieser eine
Augenblick
die Gegenwart

ist Ewigkeit

Published by Fernweh - in lyrik
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