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25. Januar 2016 1 25 /01 /Januar /2016 19:04

Ist es dumm...

Ist es dumm

wenn ich immer noch weine

über das, was gewesen

nicht nur das Eigene,

sondern alles

was getan wurde

von Menschen an Menschen

Unschuldig Blut vergossen

von brauner Hand

und wenn ich weine

dass ich manchmal Angst habe

dass es wieder geschieht

oder anders

und wenn ich sehe

wie Blut vergossen wird

an weitere Unschuldige, heute

wegen der Gier einiger Wenige

Warum bin ich so?

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Published by Fernweh
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18. November 2015 3 18 /11 /November /2015 14:14
Glücklich für einen Moment!

Ich hab die letzten Tage viel über das Glücklichsein nachgedacht. Jedenfalls, vor lauter Nachdenken, hab ich gemerkt, der Mensch kann gar nicht immer glücklich sein. Obwohl er sich scheinbar ständig darum bemüht. Falls ihm nicht selber einfällt, wie er zum immerwährenden Glücklichsein kommt, nimmt er schon mal einen Ratgeber zur Hand. Mönsch, das hab ich noch nie gemacht. Aber helfen tun die anscheinend nicht, die Ratgeber, denn es kommen ja ständig neue heraus,-) War wohl keiner dabei, der mal das Patentrezept hatte.

Ich bin ja der Meinung oder besser gesagt, glücklich ist der Mensch nur immer für Momente im Leben. Da kann jetzt Vieles aufgezählt werden. Die erste Verliebtheit, das Jawort vor dem Traualtar, die Geburt des ersten Kindes usw.usw.. Dann hofft man, dass das Glück bleibt. Aber es bleibt nicht. Meistens nicht. Großereignisse im Leben geschehen auch nicht so oft. Also muss anders nach dem Glück geschaut werden. Oder noch besser, es einfach passieren lassen, dass es kommt, ganz unerwartet, irgendwann im Tagesablauf, bei irgendeiner Tätigkeit, wo du niemals daran gedacht hast, dass es ein glücklicher Moment für Dich werden könnte.

So einen kurzen Moment, Augenblick, hab ich heute erlebt. Und ich bin jetzt noch ganz erfüllt davon.

Ich besuche oft alte Menschen oder Kranke, helfe ihnen ein wenig bei all dem, was sie selber nicht mehr tun können. Heute war ich bei einer alten Dame. Sie hat einen großen Garten, den sie selber nicht mehr pflegen kann. Also hab ich mir Besen und Schaufel genommen und versucht bei dem Sturm die Blätter einzufangen. Es war die reinse Sisyphos-Arbeit. Ehrlich! Kaum hatte ich einen Haufen zusammengekehrt, begann an einer anderen Stelle, schaute zurück, da war der vorige, schön zusammengekrhte schon wieder vom Winde verweht. Es begann ein Spiel zwischen mit und dem Sturm und den Blättern. Es war die wahre Pracht. Ich hab tüchtig lachen müssen.

Die Blätter lagen aber auch überall herum, Terrasse, Rasen, Kellertreppe. Genau, die Kellertreppe, die musste frei werden, all die weil Rutschgefahr und so,-) Ich also die Treppe erop und eruner, wie man in Kölle so schön zu sagen pflegt.

Ganz unten angekommen sah ich sie. Die recht große, graue Spinne mit fünf Beinen. Ihr kleiner Leib, ein kleiner grauer runder Punkt, oben auf zwei noch kleinere schwarze Punkte. Haben Spinnen Augen? Auf jeden Fall! Ich hab gegoogelt,-) Jedenfalls, ich hab ne Pause gemacht mit dem Kehren des Laubes. Ich hab mich auf die Treppe gesetzt und der Spinne zugeschaut. Wobei? Tja, die arme, große, kleine Spinne wollte da raus, da unten, aus ihrem Gefängnis. Sie krabbelte am Fusboden entlang, immer nah bei der gekachelten Wand, streckte hin- und wieder eines ihrer fünf Beine aus und befühlte die Fläche der Kachelwand. Tasends, vorsichtig. Sie wollte abklären, ob es möglich ist, diese Wand empor zu klettern. Habs genau gesehen. Immer, wenn sie einen Punkt gedacht gefunden zu haben, versuchte sie die Wand heraufzuklettern. Das ging aber nur ein paar Zentimeterchen und bums....lag sie wieder unten. Nach jedem Sturz verharrte sie eine kleine Weile, wohl überlegend, so dachte ich jedenfalls, wie nun weiter. Hey man, das denke ich auch so oft im Leben. Ich geh und geh und komm nicht weiter, bleibe stehen oder sitzen und denke, wie jetzt?

Schon allein zu beobachten, welche Akrobatk sie mit ihren fünf Beinchen vollzig, eins nach oben gestreckt, eins seitwärts, alles berührend und tastend, so wunderlich und herrlich anzusehen. Die Natur ist schon ein großes Wunder. Wir blicken es nur so oft nicht mehr. Ich hab dem ganzen Procedere noch vier, fünf Mal zugeschaut. Dann dachte ich, ihr muss geholfen werden. So ist es doch. Manchmal schaffts der Mensch ja auch nicht allein. Glück, wenn dann einer da ist, der helfend unter die Arme greift:)

Ich hab sie einfach auf meine Besenschaufel geladen und hab sie ganz ganz vorsichtig nach oben getragen und am Anfang der Terrassenfläche abgesetzt. Schwupsdibubs, da saß sie. ICh weiß nicht, ob ich mir das nur gedacht habe, aber ich glaube, sie war verdattert. Denn still saß sie da, regungslos und konnte ihr Glück wohl kaum fassen. Ich bin sicher, sie hat mich angeschaut, so wie ich sie angeschaut habe:) Einen langen Moment haben wir uns einfach nur angeschaut, ein stilles Zwiegespräch geführt. Hehe, wenn Ihr das lest, denkt ihr vielleicht, dat Röschen, dat spinnt doch,-) Aber ich bin ganz sicher, dass wir ein Zwiegespräch hatten, eine Verbindung geschaffen haben, sie, die Spinne und ich:)

Als sie imemr noch nicht beganng, ihren Weg weiter zu ziehen, sprach ich sogar mit ihr. Ich sagte:" Komm mach hinne, geh und finde Deinen Weh, wohin er Dich auch führt",-) Dabei hab ich ihr ein Kusshändchen zugeworfen:) Ich bin son Typ:) Und was soll ich Euch sagen? Sie ist tatsächlich weiter gekrabbelt. Rumdideldei, geradeaus, Richtung Blumenbeet:)

Ich bin sitzen geblieben und hab ihr nachgeschaut. Kurz bevor sie die Terrasse verließ, um ins herrlich warme, mit Blättern angefüllte Beet zu entschwinden, blieb sie noch einmal stehen. Oha, dachte ich. Was nun. Was soll ich sagen...Ich bin mir auch hier sicher...sie schaute mich noch einmal an, jetzt aus der Entfernung, wie, als wenn sie einerseits immer noch nicht begreifen konnte, dass ihr Jemand geholfen hat, andererseits, mir gleichzeitig einen Dank übermittelte. Ich sagte zu ihr:" Gern geschehen" und lächelte ihr hinterher, aber jetzt mach auch, dass du weiterkommst Spinnlein, so meine Worte an sie. Und, ihr habt es nicht gesehen, aber es war so, in dem Moment, wo ich die Worte aussprach, krabbelte sie weiter. Ich war baff:)

Und schwupdiwupp war sie fort:) Ich verweilte noch einen Augenblick und dann zog über mein ganzes Gesicht ein Strahlen. Hey man, dachte ich, das war schön. Ich bin glücklich:)

Nahm den Besen wieder zur Hand, säuberte die letzten Reste auf der Terrasse und schon war auch die zeit gekommen, wo ich Mantel, Mütz und Schal nahm und wieder meiner Wege zog. Jetzt ist es schon paar Stunden her und ich bin immer noch glücklich:)

So kanns gehen...mit dem Glücklichsein. Eigentlich ganz einfach:)

Published by Fernweh
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8. Oktober 2014 3 08 /10 /Oktober /2014 10:26

Die "Meinung" ist ja grundgesetzlich geschützt, von Verfassungsrang. Sie heißt übrigens Meinung, weil ich sie mir zu eigen mache, weil es die Meinige wird. Aber nichts leichter als das, die Meinungen liegen praktisch auf der Straße herum, mitsamt den dazugehörigen Scheinargumenten. Heb sie auf, nimm sie in Besitz! Und wenn du ganz mutig bist, dann vertrete sie! Eventuell gegenüber deinem Friseur, oder gegenüber einem Anverwandten.
 
Wir leben in einem Rechtsstaat, in einer Demokratie. Hier darf jeder seine Meinung sagen. Also Schnauze! Früher hätte man gesagt: "Dann geh doch nach drüben!" Heutzutage, im Zeitalter der Globalisierung, weiß man gar nicht mehr so recht, wo "drüben" eigentlich sein könnte.
 
Nein, Spaß beiseite, man darf eine Meinung wirklich wiedergeben. Der Punkt ist aber, dass sich kein Mensch dafür interessiert. Deshalb ist man in Sachen Meinung relativ kulant. Warum soll man dem kleinen Mann nicht eine Meinung gönnen? Solange der Krankenstand im Rahmen bleibt, solange keine Ordnungswidrigkeiten einreißen, solange ist gegen eine temporäre Identifikation mit einem der zahlreichen Meinungsangebote nichts einzuwenden. Ein gewisser Meinungsverschleiß gehört in unserer modernen Gesellschaft einfach dazu, wird sogar als erwünscht angesehen. Nur wenn eine Meinung chronischen Charakter annimmt, dann spricht der Psychologe gern von einer ideologischen Fixierung, die sich bremsend auf das allgemeine Marktgeschehen auswirken kann. Nein, der Laden soll brummen. Und eine Verbohrtheit ist das letzte, was wir gebrauchen können.
 
Heikel wird es, wenn Meinung in einen politischen Willen umschlägt. Nach Meinung des Alt-Sonderministers Egon Bahr (Ministerium Sonderbar) ist dann entweder die CDU oder aber die SPD zuständig, abwechselnd, als Träger der relevanten Meinung. Das klingt sehr nach anno tubak, hat aber ziemlich lange halbwegs funktioniert.
 
Ob ein Josef Beuys mit seinen Filz- und Fett-Installationen eine Meinung "transportieren" wollte? Am Ende gar damit im Sinn hatte, die Fettlebe des politischen Filzes anzuprangern? Quatsch, Fett und Filz sind sehr dichte Materialien, zum einen dicht gepackte chemische Energie, zum anderen ein gepresstes und unentwirrbares Fasergut. Solcherart Stuff ist elementar, braucht nicht das Anhängsel einer Meinung, um für sich zu sprechen.
 

Thats it:)

Published by Fernweh - in ansichten
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6. Oktober 2014 1 06 /10 /Oktober /2014 06:21

Ein Fingerhut Benzin brennt mit kraftloser Flamme ab. Erzeugt man hingegen in einem Gefäß ein Luft-Benzin-Gemisch, z.B. durch Schütteln, so genügt ein kleiner Zündfunke, um eine gewaltige Explosion auszulösen...
 
Es waren bevorzugt Tüftler im deutschsprachigen Raum, die sich als Pioniere darum bemüht haben, diese Kraft zu bändigen und für den Menschen nutzbar zu machen. Wer von den alten Haudegen hätte aber gedacht, dass nach einigen Jahrzehnten fast der ganze Globus mit wunderlichen Vehikeln überschwemmt ist, die sich im Grunde immer wieder genau diesen billigen Knalleffekt zunutze machen.
 
Der Stoff, aus dem die Träume sind
 
Heute stehen weltweit etwa 1 Milliarde (!) solcher "Kraftfahrzeuge" bereit, mit deren Hilfe sich der Erdbewohner an einen Ort B befördern lassen kann, möglicherweise weil ihn am Ort A die Empfindung plagt, dass er nicht zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Es geht dabei in erster Linie um die rein physische Anwesenheit, also um ein elementares taktisches Problem, mit dem sich auch der klassische Torjäger und Abstauber im Fußball häufig konfrontiert sieht.
 
Der Stoff, aus dem die Träume sind, muss in den meisten Fällen aus fernen Ländern "eingeholt" werden. George Bush sen. hat zu Beginn des ersten Golfkriegs in einem seltenen Augenblick der Wahrheit erklärt, warum amerikanische Soldaten am persischen Golf stehen. Er sagte wörtlich, dass es um die Verteidigung des westlichen Lebensstils ginge. Es ist fast unnötig, hinzuzufügen, was diesen Lebensstil im Wesentlichen ausmacht: Öl, Öl, Öl...
 
Eine unintelligente Technik
 
Beim Erdöl handelt es sich um einen wertvollen fossilen Rohstoff, dessen Entstehung Jahrmillionen in Anspruch nimmt. Der Mensch verbraucht es im großen Stil, verbrennt es und pustet die dabei anfallenden Schadstoffe in die Atmosphäre. Eine unintelligentere Technik kann man sich kaum vorstellen...
 
Wenn man sich unsere Städte anschaut, fühlt man sich stark an den technischen Bereich einer Bundeswehrkaserne erinnert: Einsatzfahrzeuge in Reih' und Glied. Wirklich jedes Haus scheint eine ganze Reihe von Knatterprotzen zu beherbergen. Ein Außerirdischer würde sich bei diesem Anblick an den Kopf fassen.
 
Der öffentliche Raum ist den Blechkarossen vorbehalten. Überliefert ist der Fall eines Autohassers im Süddeutschen, der mitten auf einer belebten Kreuzung in der Innenstadt ein Tischlein aufgestellt hat, um dort eine zünftige Brotzeit abzuhalten. Ihm ist ein unglaublicher Hass entgegengeschlagen. Wer sich dem Vorankommen - sei es auch nur im buchstäblichsten Sinne des Wortes - entgegenstellt, der muss mit dem Schlimmsten rechnen.
 
"CRUISING WELCOME"
 
Wenn auch vielleicht die deutschen Ingenieure in Sachen Technik vorangegangen sind, so sind im Lifestyle doch die Amerikaner tonangebend. Wer sich in den USA in einem geparkten Fahrzeug aufhält, macht sich nicht nur bei den Cops verdächtig: "NO LOITERING". Wer hingegen mit seinem Straßenkreuzer stundenlang um das Karré kurvt, der ist wohlgelitten: "CRUISING WELCOME".
 
Hat früher noch ein Führer gesprochen, um die vor den Volksempfängern lauschende Gemeinschaft zusammenzuschweißen, so wird heute das Wir-Gefühl durch eine Frontberichterstattung zur Verkehrslage gefestigt. Selbst am italienischen Badestrand erstirbt unter den deutschen Urlaubern augenblicklich das Gespräch, wenn der heimatliche Verkehrssender mit vertrautem Klang die Staulängen am Autobahnkreuz Oberhausen durchgibt...
 
Gefühl von Freiheit und Marlboro-Country
 
Merkwürdig, dass das Phänomen gern mit dem Ausdruck "Individualverkehr" belegt wird, handelt es sich in Wirklichkeit doch um eine Massenbewegung, um eine Gleichschaltung... In industriell gefertigten Massenprodukten, die dem Volk zugeteilt werden, dürfen sich die "Kraftfahrer" auf speziellen Pisten bewegen, vorausgesetzt, dass es wegen schierer Überfüllung nicht zum völligen Stillstand kommt... An dieser Tatsache kann auch ein am Kühler angebrachtes "Bullengitter" nichts ändern, welches ein Gefühl von Freiheit und Marlboro-Country vermitteln soll. Rinderherden auf deutschen Autobahnen sind immer noch die Ausnahme.
 
An den Tankstellen riecht es wie in einer Formel 1 - Boxengasse. Nur sind dort attraktive Boxenluder eher selten. Bevorzugt geben sich dort spießige Herren die Ehre, Ritter von der traurigen Gestalt, oft mit Hut und Bierbauch, die dort mit der größten Selbstverständlichkeit ihren Kraftstoff einholen, vergleichbar mit dem Kasten Bier zum Wochenende. Sie tun dies in dem ungemein beruhigenden Bewusstsein, ein Millionenheer von Gleichgesinnten hinter sich zu wissen.
 
Wie in Abrahams Schoß
 
Natürlich fügen sich nicht alle "Kraftfahrer" in dieses Klischee. Oft sieht man auch ausgesprochen zarte Geschöpfe am Steuer eines richtigen Boliden sitzen. Geländegängig, mit Allradantrieb, geschätzte vier Liter Hubraum, man fühlt sich an den Schützenpanzer Marder oder an ein Papamobil erinnert. Mit einem solchen Teil werden Brötchen besorgt oder die Kinder vom Hort abgeholt. Immerhin, die Kleinen können sich wie in Abrahams Schoß fühlen, wenn Mama sie so durch die Gegend schaukelt.
 
In Deutschland sind zur Zeit etwa 50 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, allein der ADAC hat ca. 17 Millionen Vereinsmitglieder... Diese Zahlen kann sogar eine römisch-katholische Kirche nachdenklich machen, der in der Bundesrepublik etwa 25 Millionen Menschen angehören. Zumal die Automobilisten ihre Ersatzreligion wirklich leben, von Tag zu Tag, von Stau zu Stau und vor allen Dingen von Zahlung zu Zahlung...

Published by Fernweh - in gedanken
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28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:08

Neulich fiel mir ein Buch in die Hand, das ich schon länger im Regal stehen habe.
Leider stehen sehr viele ungelesene Bücher in meinem Vorratsschrank. Manchmal, wenn ich keine Lust auf Neuheiten habe, greif ich mir eines der schon lange dort ruhenden Büchlein heraus. So auch dieses Mal.
 
Ich erinnere mich noch genau an den Kunden, der es mir empfohlen hatte. Wir sprachen über Lieblingsautoren und ich nannte ihm einen meiner, nämlich Imre Kertesz. Vor allen Dingen sein Buch "Roman eines Schicksalslosen" hat mich zutiefst berührt. So also kam ich zu dem Buch, von dem ich hier kurz berichten und es empfehlen möchte.
 
Ein kleines Taschenbuch. Schnell zu lesen, aber ebenfalls zutiefst berührend. Arthur Koestler hat es als kleines Meisterwerk in seinem Vorwort beschrieben. Und so hab ich es auch empfunden.
 
Der Roman beschreibt eine enstehende Freundschaft Anfang des Jahres 1932. Hans Schwarz, Sohn eines Arztes und jüdischer Eltern, und Konradin, Graf von Hohenfels, lernen sich auf dem Gymnasium kennen. Beide sind bisher ausgesprochene Einzelgänger. Dem adeligen Konradin traut sich so richtig keiner zu nähern. Kleinere Annäherungen, die unternommen werden, etwa von einem kleinen Kreis junger Bohemien schlägt der sehr eigene Konradin aus. Und auch Hans will man sich nicht so richtig nähern, ohne dass es dafür einen Grund gibt.
 
Die Beiden kommen sich jedenfalls nach einer langen Zeit, in der Hans versucht die Aufmerksamkeit Konradins auf sich zu ziehen, endlich näher. Es lag auch an der beiderseitigen Schüchternheit, dass das sich Näherkommen lang gedauert hat. Er hat es geschafft. Mit einem akrobatischen Sprung im Sportunterricht hat er seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nach der Schulstunde kommen die Beiden sich näher. Eine Freundschaft entsteht.
 
Beide entdecken, dass sie das gleiche Hobby teilen. Hans und Konradin sind leidenschaftliche Münzensammler. Sie tauschen sich aus. Konradin geht im Haus von Hans ein und aus. Hans hat einen hohen Anspruch an Freundschaft. Für den Freund muß man sein Leben hingeben, so deutet er an. Absolutes Vertrauen und Loyalität sind seine höchsten Tugenden, die er einfordert für ein Freundschaftsverhältnis.
 
Es entsteht eine Zeit intensiver Begegnungen und Austausch. Beide, 16 Jahre alt, sind auf dem Weg zu sich selber und ins Leben zu finden. Sie fixieren sich auf sich selber, bekommen kaum mit, was um sie herum geschieht. Nur leise hören sie von denen um sie herum stattfindenden politischen Unruhen. Es gibt erste Zusammenstösse zwischen Nazis und Kommunisten. Hakenkreuze erscheinen an den Wänden, die ersten jüdischen Mitbürger wurden belästigt.
 
Das Leben ging jedoch, nicht nur für die beiden alles in allem weiter. So kann man sich das wohl auch vorstellen, wenn man forscht und denkt, wie konnte das alles geschehen.
 
Den ersten kleinen Knacks bekommt die Freundschaft, als Beide, Hans und Konradin, mit ihren Eltern eine Opernaufführung besuchten. Hans unten im Saal sieht oben in der Loge Konradin und seine hochherschaftlichen Eltern, die von der gesamten Besucherschar Huldigungen entgegennahmen.
 
In der Pause will Hans es wissen. Er wartet auf seinen Freund, will sehen, ob er ihn wahrnimmt, ihn begrüßt, sich zu ihm bekennt. Enttäuschend für ihn das Erlebnis. Konradin schreitet mit seinen Eltern an ihm vorbei, nur ein ganz kleines Zeichen läßt erkennen, dass er ihn, seinen Freund Hans, erkannt und wahrgenommen hat.
 
Hans ist außer sich. Am anderen Tag stellt er seinen Freund zur Rede. Er will das nicht auf sich beruhen lassen. Konradin schweigt still und bekommt die Wut von Hans zu spüren. Bis es endlich aus ihm herausbricht. Ja, was er sich denn wohl gedacht hat. Was er für Schwierigkeiten im Elternhaus hat wegen seiner Freundschaft zu ihm, Hans. Seine Mutter, stammend aus einer königlichen polnischen Familie, haßt die Juden, empfindet sie als Abschaum. obwohl sie nie wirklich Berührung mit einem Juden hatte. Jetzt ist es heraus. Sie ist eifersüchtig auf den jüdischen Freund ires Sohnes. Sie wirft ihm vor, er sei vom Gedankengut seines Freundes schon beeinflußt. Hans hätte seinen Glauben untergraben. Sie sieht Hans im Dienste des Weltjudentums, dass sie gleichsetzt mit dem Bolschewismus.
 
Jetzt ist es heraus. Konradin beteuert, dass er ihn am Abend des Opernbesuches nicht angesprochen hat, weil er nicht wollte, dass man ihn, Hans beleidige. Er sei zu feige gewesen, dies alles ihm früher zu gestehen.
 
Von diesem Tag an gab es keine Besuche mehr von Seitens Hans bei seinem Freund Konradin. Beiden war nun klar, dass nichts mehr so sein würde, wie es war. Die Zeiten haben sich geändert, der Wind ist stärker geworden.
 
Das Leben ändert sich, auch im Gymnasium, nationalsozialistisches, judenfeindliches Gedankengut breitete sich auch dort aus. Konradin ging Hans aus dem Wege. Auch die anderen Klassenkameraden mieden ihn mehr und mehr und erste Übergriffe geschahen.
 
Hans Eltern schickten ihn in die USA. Sie wollten sein Leben retten. Dort kann er in Ruhe die Schule beenden und sein Studium zum Abschluß bringen. Hans reist ab.
 
In den USA bleibt er dann auch, lebt und arbeitet dort, sogar recht erfolgreich als Rechtsanwalt. Jeden Kontakt, den er beruflich oder privat zu Deutschen hat, klopft er vorsichtig ab. Nein... er will nicht mit einem Deutschen der Blut an seinen Händen trägt, Kontakte pflegen, wie auch immer. Seine Eltern sind tot. Es tröstet ihn, dass sie nicht in Ausschiwtz oder Belsen umgekommen sind. Sie hatten ihren Tod selbstbestimmt. Von Konradin? Hat er niemals mehr etwas gehört. Hin- und wieder denkt er dran, was aus ihm wohl geworden ist. Ob er noch lebt. Aber weitestgehend hat er ihn aus seinem Gedächtnis gestrichen.
 
Bis er eines Tages Post aus der deutschen Heimat bekommt. Ein Spendenaufruf seines ehemaligen Gymnasiums. An die Kriegsopfer soll gedacht werden. Namen sind aufgelistet. Hans geht sie durch von A bis Z, nur das H läßt er aus, von Hohenfels, das will er nicht zulassen.
 
Tage braucht er, bis er den Mut findet, zu schauen, was mit Konradin geschehen ist. Ob er bei den Opfern auftaucht?
 
Hier ende ich die Erzählung und lasse den neugierig und interessierten Leser in Ruhe. Ich will ja nichts vorwegnehmen. Aber eines kann ich verraten...er hat ihn wiedergefunden...
 
Ein lesenswertes Büchlein wie ich finde, dass mich bewegt hat.
 
Fred Uhlman
Der wiedergefundene Freund
Diogenes Taschenbuch
7,90 Euro

28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:04

Das sagt man heute gar nicht mehr, oder? Dass ein Mensch für etwas Feuer und Flamme ist. Allenfalls werden neue Beziehungsobjekte als "neue Flamme" bezeichnet. Naja...das drückt schon allles aus. Wenn die Flamme erlöscht? Was dann? Nun..ich will ja nix über Beziehungen schreiben;-)
 
Ich jedenfalls bin Feuer und Flamme für's Schachspielen. Noch nicht so lange. Seit ca. einem halben Jahr bin ich jetzt dabei, so es die Zeit erlaubt. Leider hab ich immer zu wenig davon, auch für die vielen anderen Dinge, die mir so im Kopp herumgehen. Daher muß ich Prioritäten setzen.
 
Zur Zeit herrscht bei mir das Schachspielen vor. Ich hab mich gefragt, kann man im Alter das Königsspiel eigentlich noch erlernen? Man kann, auf jeden Fall. Sagen auch die Schachexperten. Neulich las ich sogar, dass das Schachspielen eine gute Vorbeugung gegen Demenz ist. Der Geist wird durchs Schachspielen wach gehalten, und das Gehirn rostet nicht ein;-)
 
Auf jeden Fall muß man Mut haben. Meine ich jedenfalls. Man muß es aushalten können, dass man Partie für Partie in Ohnmacht fällt. Wegen all der dummen Züge, die man gemacht hat. Warum auch immer. Am Anfang hat man Schwierigkeiten, überhaupt drei, vier Züge im voraus zu denken. Dann legt man sich einen Plan zurecht und kalkuliert nicht ein, dass der Gegner ja auch einen hat. Einen Plan. Und man hat sich keine Taktik erdacht, wie man gleichzeitig seinen eigenen Plan durchsetzen kann und noch dem Plan, der Taktik, der Strategie des Gegners entgegenwirken kann, so dass man am Ende "matt" sagen kann. Man will ja schließlich auch gewinnen. Wäre schon merkwürdig, wenn es einem egal wäre, ob man gewinnt oder verliert. Taktik und Strategie. Auweia...hört sich an wie Krieg. Aber auf dem Schachbrett ist ein Krieg erlaubt.
 
Am Anfang jedoch ist es, so meine Erfahrung, aber erstmal wichtig, verlieren zu können. Spielen um des Spielens willen. Lernen, lernen und nochmal lernen. Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel. In meinem Spiel zur Zeit hab ich jetzt erstmal eine Sicherheit in der Eröffnung bekommen. Hin und wieder hat es sogar geklappt, dass ich darüberhinaus auch weitergekommen bin, also tatsächlich einmal "matt" hab sagen können. Aber von ca. 1oo Partien, die ich bisher gespielt habe, war das höchstens eine oder zwei Hände voll;-) ich weiß es gar nicht mehr. Ich zähl jetzt nicht so nach. Aber ein Sieg ist schon ein herrliches Gefühl.
 
Manche sagen ja, das Schachspiel ist nicht nur ein Könisgsspiel, es ist ein Spiel, in dem man fürs Leben lernt. Das kann ich nun wirklich unterstreichen.
 
Was man fürs Spielen nämlich absolut braucht, ist Ruhe, Übersicht, Weitsicht, Achtsamkeit, Gelassenheit und Klarheit der Gedanken. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich ständig und ständig über sich selber oder den Gegner ärgert. Verlorene Partien dürfen einem schon was ausmachen, aber man sollte sich nicht all zu viel darüber grämen.
 
Beim Schachspieler, so hab ich gelesen, zeigt sich allzu zu deutlich der Charakter des Menschen. Auch dem stimme ich absolut zu. Jedenfalls, nicht, dass ich mich vorher nicht kannte, aber es wird mir doch deutlicher, wo meine Schwächen und Stärken sind. Wobei...wenn man im Leben gern hergibt, ist das beim Schachspielen nun mal keine besonders günstige Eigenschaft;-) Material einzustellen bedeutet meistens, gerade wenn es schon in der Eröffnungsphase geschieht, dass man die Partie schon verloren hat, bevor es überhaupt richtig losgeht. Stellt man die Dame ein, kann man theoretisch schon aufgeben. Machen auch viele. Ich nicht!
 
Hier kommt mein Charakter auch zum Vorschein. Ich hab im Leben noch nie aufgegeben, also tu ich das beim Schachspielen auch nicht. Hab ich auch sogar schon mal Glück dabei gehabt. Trotz verlorener Dame eine Partie gewonnen. So kanns gehen.
 
Oder...wie man eine Eröffnung spielt...was es alles für Möglichkeiten gibt. Die einen spielen defensiv, die anderen spielen offen. Was ist mir gemäß? Auch das mußte ich erstmal in Erfahrung bringen. Ich hab mich für die offene Stellung bei der Eröffnung entschieden. Sie bietet vielmehr Möglichkeiten. Allzu sehr in der Defensive hat sich bei mir als nachteilig erwiesen. Also nix wie raus mit e4, gefolgt von d4, Sf3, Le2 vielleicht, und dann erstmal rochieren, und jetzt kann es losgehen. Natürlich nur, wenn es der Gegner zuläßt.
 
Wo ich die größten Probleme habe ist, nehme ich oder nehme ich nicht. Welches Figurenopfer macht wirklich Sinn und welches bringt mir eher Nachteile als Vorteile.
 
Sicherheit ist ganz wichtig beim Schachspielen. Man muß wissen, was man will und wohin man will. Ist im Leben ja auch so. Aber wenn ich so drüber nachdenke, bin ich mir eigentlich gar nicht immer so sicher, wohin es geht. Dann denke ich wieder, will ich das überhaupt, immer mit Sicherheit wissen, wohin es geht? Wichtig ist doch erstmal das Aktivwerden, sich in Bewegung setzen und das richtig. Und ich glaube, mit meiner Eröffnungsweise bin ich da auf dem richtigen Weg.
 
Jedenfalls, wie ihr merkt, ich bin noch nicht all zu weit trotz ca. 1oo gespielter Partien gekommen. Wieviel Möglichkeiten es beim Schachspielen aber auch gibt. Unglaublich! Man darf gar nicht anfangen diese Möglichkeiten auszurechnen. Was man alles lernen muß. Und hin und wieder denkt man tätsächlich, ich gebs auf, ich lern es nie. Dann macht mir der Freund meines Vertrauens schon mal Mut und sagt, Roeschen, ich sehe Fortschritte. Ich aber nicht.
 
Aber so ist es wohl im Leben auch oft, man sieht selber gar nicht, dass man einen Schritt weitergekommen ist, sich verändert hat. Nur der neutrale Beobachter, der Außenstehende sieht, was ist. Daher heißt die Parole:"weitermachen";-) Was mir im Leben meist ja auch nicht schwer fällt.
 
Sicherlich ist es so, die einzige Wahrheit die es gibt im Leben, kann man im Schach finden. Da gibt es nix zu tuscheln, zu heucheln oder zu täuschen. Zug ist Zug. Und wohin der führt, das sieht man dann.
 
Bewundernd stehe ich immer davor, wenn so ein richtiger, langjähriger Schachspieler mir erzählt, in welchen Partien er und sein Gegner, wann, welche Züge gemacht hat und das gesamte Diagramm mit den Stellungen herunterbeten kann. Dann lehn ich mich demütig zurück und denke, auweia, das ist noch ein weiter Weg bei Dir Roeschen. Naja...ich hab ja auch sonst noch tausend andere Dinge im Kopf. Schon allein das Abgezogensein durch Arbeit macht den Kopf nicht so frei, wie ich gern möchte.
 
Jedenfalls soweit ist es schon. Ich träume vom Schach, sehe Türme auf mich zukommen, Bauern, die mich bedrohen und Springer, mit denen ich angreife. Und wenn ich in meiner Küche sitze und auf die Kacheln schaue, sehe ich Springtiere hopsen und Damen Bahnen ziehen. Ob ich mir jetzt Sorgen machen muß;-)
 
Also, ich sag Euch was, Schach ist ein schönes Spiel, von dem ich mich gern mit Haut und Haaren verschlingen lassen würde, wenn ich es könnte. Und es gibt ja auch nix Schöneres im Leben als immer mal wieder so ein richtiges Spielkind zu sein. Siegbert Tarrasch hat einmal gesagt:
 
"Das Schachspiel hat wie die Liebe, die Musik, die Fähigkeit, den Menschen glücklich zu machen. Ich habe ein leises Gefühl des Bedauerns für jeden, der das Schachspiel nicht kennt, so wie ich jeden bedaure, der die Liebe nicht kennt."
 
Und Stefan Zweig behauptet sogar:
 
"Schach ist wie Liebe - Allein macht es weniger Spaß." Und das ist doch auch ein schönes Bild für das Leben finde ich, wer spielt schon gern mit sich allein oder ist gern allein. Das Ich findet sich immer erst im DU. Und noch etwas...eigentlich bin ich ja dem Internet in letzter Zeit sehr skeptisch gegenüber eingestellt. Aber zum Schachspielen ist es eine tolle Sache, man findet immer einen Gegner irgendwo in der großen, weiten virtuellen Schachwelt. Man muß gar nicht mal vor die Tür gehen und sich groß mit dem Gegenüber beschäftigen. Man spielt eine Partie zusammen, sagt sich freundlich Auf Wiedersehen...vielleicht bis zum nächsten Mal...und läßt das Spiel auf sich wirken.
 
Es hat natürlich auch Nachteile. Die haben mit dem Vertrauen zu tun. Man weiß ja nicht, ob der Gegner daheim bei sich zuhause parallel einen Schachcomputer laufen hat. Das holt einen dann schon ziemlich runter, wenn man sich chancenlos gegen einen Computer spielen sieht.
 
Was man gar nicht groß anfangen sollte, obwohl es eigentlich unumgänglich ist, ist das Analysieren seiner Partie. Auweia...da kann man sich Stunden vergraben und verliert sich. Also...hin- und wieder, aber nicht so dolle.
 
So...und jetzt hab ich überlegt, wohin mit meinem Blog? Vermischtes? Kultur? Sport? Ohjeh...er könnte wohl unter allen drei Rubriken stehen. Ich entscheide mich mal für Sport! So! Schach ist auch Denksport. Für jeden zugänglich, erlernbar, ob arm oder reich, jung oder alt, krank oder gesund. Schon so manchem hat das Schachspielen Trost in manch betrübter Lebenslange geschenkt.
 
Und wenn ich mal nen 2oooer bezwungen habe,-) dann sag ich Euch Bescheid.

28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:01

Ich muss jetzt rechnen, mal wieder, sehr sogar. Ein kleines Budget steht mir noch zur Verfügung. Bisher war es nie ein Problem, mir wenigstens an Lebensmittel das zu kaufen, was mir gut tut und mir schmeckt. Z.B. Vollkornbrot. Gut, es ist immer wieder ein Kampf dem allerbesten, allerliebsten Freund meines Vertrauens klar zu machen,-), dass Vollkornbrot tausendmale besser ist, als der Weißmehlquatsch, dem die Kleie entzogen wurde, ein guter Ballaststoff für den Körper, Verdauung Jedes und jedes Mal, wenn wir beim Einkauf sind, gehen die Debatten von vorne los.
 
Ich weiß, wenn ich mal nicht den Einkauf mache, dann kostet es ihn jedes Mal eine Überwindung, mir, dem allerliebsten Roeslein,-), das von ihr gewünschte Vollkornbrot mitzubringen. Nicht nur, weil es ihm nicht munden will, sondern weil er sich auch jedes Mal über den erhöhten Preis ärgert und widerwillig das Geld dafür ausgeben will. Ich sag ihm jedes Mal, kuck mal, wenn ich zwei Scheiben Vollkornbrot esse, dann bin ich pappesatt,-) Du mußt dafür drei oder vier Scheiben von dem Pappbrot essen, damit Du ein Sättigungsgefühl hast. Es schmeckt ihm aber besser, sagt er immer. Ich kann das nicht verstehen, ehrlich.
 
Neulich erst, hat er mir erzählt, stand er wieder an der Brottheke. Vor ihm ein junger Mann, der sich - anscheinend völlig angstfrei - ein super-knusper-frisches Krustenbrot kaufte, für 1,65 Euro. Er verfolgte den Kauf des Brotes an den jungen Mann mit sehnsüchtigen Augen. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen, sagte er mir, als er sah, wie der das Brot einsteckte. Nä, dachte er sich, was für´ne Qual, der geht jetzt mit dem leckersten Brot heim, dass er sich vorstellen konnte und was muß er tun? Anweisung vom allerliebsten Roeslein! Vollkornbrot!!! Denn mit der Furcht vor´m allerliebsten Roeslein und dem falschen Brot nach Hause zu kommen, ist nicht gerade ein gutes Gefühl und erstrebenswert,-) Er sagt, das habe ihm zu denken gegeben. Auweia,-)
 
Ich meine: So ein richtig gutes Dinkel-Vollkornbrot, vielleicht noch angereichert mit Nüssen, Kürbiskernen und Möhrchen,-), das hat doch Geschmack, Aroma und Würze. Das zergeht doch auf der Zunge. Vielleicht noch ein bisserl gute Butter druff, nen leckeren Frischkäse mit Tomate und Gurke, ach, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
 
Jetzt aber, bin ich selber knickrig geworden und ärgere mich auch, über den Preis des guten Brotes. Natürlich, ich werde lieber auf anderes verzichten, als dass ich es aufgebe, mir ein gutes Brot zu kaufen. Aber verstehen tue ich es trotzdem nicht.
 
Denn ein Vollkornbrot zu backen, muss doch erheblich weniger Aufwand sein, als so ein fades, wabbeliges Weißmehlbrot. Schon allein der Arbeitsvorgang, die Kleie zu entfernen. Vollkornbrot, da läßt dat Korn in die Mühle fallen und danach brauchste nur noch Hefe, Backferment oder was auch immer, die Gewürze und Beilagen dazu, feddisch. Seh ich das falsch?
 
Neulich bei meiner Rechechere im Internet las ich, man müsse auch die Kosten bedenken, die für die Herstellung anfallen. Aber wieso Mehrkosten, wenn Arbeitsgänge wegfallen. Nee, das meinten die nicht. Es ging eher darum, dass man von Vollkornprodukten halt weniger herstellt, weil es weniger kaufen, daher müsse der Preis eben höher sein. Weißmehrprodukte gingen halt mehrheitlich und überwiegend über die Ladentheke. Man. Das ärgert doch noch mehr. Denn, wie blöd muss Mensch denn sein, dass er auf etwas verzichtet, was deutlich höhere Qualität hat, als das, was er vorgesetzt bekommt. Ist halt wie immer und überall in jedem Bereich des Lebens, die Lück kaufen und tun, was man ihnen vorsetzt und was von ihnen verlangt wird.
 
Ich kann da richtig wütend werden. Verdammt, der Kunde hat es doch in der Hand und in den Füßen, die Welt zu verändern. Er muss nur einfach mal nachdenken und nicht einfach mechanisch kaufen. Ich möchte mit meinem Blog mal dazu auffordern, Leute kauft mehr Vollkornprodukte, damit es billiger wird,-), damit ich es mir auch noch leisten kann, wenn im Geldbeutel weniger als sowieso drin steckt.

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28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:00

Da ist ein junger Mann, der dem Tode näher ist, als dem Leben! Warum? Was kann einen jungen Menschen dazu veranlassen sich vom Leben, von dieser Welt, die er gerade erst im Begriff ist zu erkunden, zu verabschieden? So denkt man vielleicht, wenn man von einem noch jungen Menschen hört, der Selbstmord verübt hat. Unfassbar für den, der selber am Leben hängt, vielleicht sogar im Moment dafür kämpft, dass ihm sein Leben noch etwas erhalten bleibt.
 
Der junge Mann, von dem ich erzähle, ist ein Romanheld aus Haruki Murakamis neuestem Buch, dass ich, obwohl ich es mir eigentlich gar nicht leisten kann, erworben habe. Ich kann da einfach nicht Nein sagen, wenn es um Bücher geht. Und schöne Bücher muss ich einfach besitzen,-). Wenn ich daran mal nicht bankrott gehe,-)
 
Aber nun weiter…Warum also magert der junge Mann bis an die Grenzen ab, spinnt Gedanken, wie er aus dem Leben scheiden kann und nur die tägliche Routine, Vorlesungen an der Uni, ein Rest von Nahrungsaufnahme, seine Wäsche, hält ihn davon ab. Ein Rhythmus des Alltäglichen ist es, der ihn am Leben hält. Und er schafft es. Er hält am Leben fest. Die Ursache, die seine Todessehnsucht, sein Wunsch zu Sterben ausgelöst hat, liegt im Verlassenwerden.
 
Er ist 16 Jahre alt und findet Anschluss zu einer Clique gleichaltriger Schüler in der Oberstufe. Zwei Mädels, drei Jungen, ganz unterschiedlicher Charaktere. Dennoch harmonieren sie vorbildlich, sind unzertrennlich. Jede freie Minute verbringen sie gemeinsam. Es gibt ein unausgesprochenes Gebot! Niemals, nie darf sich aus dieser Gruppe heraus ein Pärchen bilden. Das würde diese vollkommene Gemeinschaft zerstören, so empfindet der junge Mann namens Tsukuru Tazaki und auch die anderen vier. Und sie tun alles, um das zu vermeiden. Diese Gemeinschaft ist ihre Heimat, ihre Sicherheit in einer unbeständigen, voller Gefahren lauernden Zeit des Heranwachsens. Es geht soweit, dass sie nach der Schule ihren Heimatort nicht verlassen wollen, um sich nicht zu verlieren. Tazaki ist anders als alle anderen, meint er, so empfindet er jedenfalls. Alle haben etwas vorzuweisen. Ein besonderes Talent, Witz, Humor und Schönheit. Nur er selber empfindet sich als leer. Kann nichts vorweisen, außer seiner Leidenschaft zu Bahnhöfen. Langweilig denkt er. Auch sein Name ist langweilig, denn er bedeutet nichts anderes als „etwas schaffen“… Hingegen die Namen der Vier bedeuten Farben… Rot, Blau, Weiß und Schwarz.
 
Die Schulzeit ist beendet. Die Zeit der weiteren Ausbildung fordert Entscheidungen. Trotz des sich gebunden fühlens an diese kleine Gemeinschaft, entscheidet sich Tazaki als Einziger für ein Studium in Tokio, fern vom Heimatort. Nur dort kann er in seinem Studienfach Ingenieurwesen Vorlesungen bei einem bekannten Professor hören, der sich auf Bahnhöfe spezialisiert hat. Die anderen nehmen es hin, Tazaki reist in jeder freien Minute und in seinen Ferien in die Heimat, um bei ihnen zu sein.
Alles ändert sich mit einem Schlag. Er kommt wie gewohnt nach Hause, sucht den Kontakt zu den anderen Freunden, die sich aber allesamt verleugnen lassen. Er ist verstört. Nach mehrmaligen Versuchen erreicht er einen der Vier, der ihm aber nur sagt, er solle sich nie wieder blicken lassen.
Eine Welt bricht für ihn zusammen. Es ist nicht nur das Ausgestoßen sein, es ist auch diese Ungewissheit…Warum? Niemand sagt etwas.
Aber, wie ich schrieb, er übersteht diese Zeit, in der sich fühlte, wie allein in schwarzer Nacht ausgesetzt in einem Boot im weiten Meer. Die Wunde beginnt zu heilen, er bleibt ein Einzelgänger. Nur einmal freundet er sich wieder an, aber auch diese Freundschaft zerbricht, weil der andere einfach aus seinem Leben verschwindet, ohne ein Wort zu sagen. Wieder verlassen. Dieses Mal trägt er es mit Fassung, stürzt nicht in sich zusammen. Er lebt weiter. Arbeitet mittlerweile in einem Ingenieurbüro für Bahnhofswesen, hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Auch Frauengeschichten hat er immer wieder, aber sie halten nicht lange. An einem Moment seines Lebens, er ist jetzt 36 Jahre alt, trifft er Sara. Das ist anders, als alles bis herige. Er fühlt, dass es ernster ist, dass er sich öffnen möchte. Aber es gibt ein Problem in seinem tiefsten Inneren. Sara erkennt das genau und sofort. Und sie sagt ihm, solange du nicht an dieses Problem herangehst, mit Deiner Vergangenheit nicht versöhnt bist, aufgedeckt hast, was damals war, wird das nichts zwischen uns. Sie ermutigt ihn nach so vielen Jahren Kontakt zu den Freunden aus der Vergangenheit aufzunehmen, um endlich zu erfahren, was damals geschehen ist.
 
Jetzt erzähl ich natürlich nicht weiter. Aber es ist einfach nur schön, wie Murakami diese Geschichte weiter erzählt. Das Eintauchen Tazakis, wenn auch zögernd und ängstlich, in seine Vergangenheit. Er besucht seine Heimat und seine dort noch lebenden Freunde und sucht das Gespräch. Sogar bis nach Finnland muss er reisen, weil sich eine der Mädels von damals dort verheiratet hat. Und ich kann es versprechen, am Ende hat er etwas geschafft!
 
Murakami beschreibt in seinem Buch, wie der Mensch von seiner Vergangenheit geprägt ist und wie es ihn daran hindern kann, die Gegenwart ganz zu leben, mit allen seinen Sinnen, seinem Tun und seiner Offenheit zu anderen Menschen. Er sagt, dass der, der seine Vergangenheit in wirklich wichtigen existentiellen Ereignissen nicht verarbeitet hat, sich niemals der Gegenwart und anderen Menschen ganz öffnen kann. Es bleibt immer eine Distanz, ein Vakuum zum Anderen. Der Mensch muss diese Angst überwinden. Erst dann erfährt er, wer er wirklich ist und dass er vielleicht ein Bild von sich hat, dass nicht mit dem übereinstimmt, dass die Anderen von ihm haben. Und wenn der Mensch wirklich „leer“ ist, was macht das schon. Aber er erzählt auch von der Illusion der Vollkommenheit einer Menschengemeinschaft. Nichts ist letztendlich vollkommen, oder nur dann, wenn jeder Einzelne seine eigene Unvollkommenheit anerkennt und damit das Gesamtkunstwerk Gemeinschaft vollkommenheit ist.
„Und selbst wenn du ein leeres Gefäß bist, was macht das schon? Wer kennt schon die Wahrheit über sich selbst? Es genügt doch, ein Gefäß mit einer wunderschönen Form zu sein. Das so unwiderstehlich ist, dass man unwillkürlich Lust bekommt, etwas hineinzutun. Meinst du nicht?“
Dieser Satz in einer Rezension über Murakamis neustes Buch war es, der mich verführt und berührt hat und ich halte ihn ganz fest, diesen Satz, weil er so wahr ist. Genauso wie ich
 
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
Haruki Murakami
Dumont Verlag
ISBN 978-3-8321-9748-3 |
22,99 Euro
 
In meinem Bücherregal wie einen Schatz hüten werde. Viel Spaß beim Lesen. Ich hab es in zwei Tagen verschlungen!

28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 07:58

Nach einem Einkauf fiel mein Blick auf die Litfaßsäule. Ein großes Bild vom alten Didi Hallervorden mit der Überschrift:“ Sein letztes Rennen“ glotzte mich an. Ich konnte mich gar nicht wehren. So geht Werbung. Schon machte ich mir Gedanken. Was das wohl für ein Film ist? Hm..dachte ich, bestimmt wieder so ein sich aneinanderreihender Slapstick-Fetzen. Bin ich kein Typ für, ehrlich gesagt. Ich meine, als ich jung war, ganz jung, da gab es Dick und Doof, Pat und Patachon , die kleinen Strolche und später dann Jerry Lewis. Da konnte ich mich kringeln, ehrlich. Vielleicht auch war ich damals so empfänglich dafür, weil das wirkliche Leben so schwer war und Ablenkung gut tat. Das hat aber irgendwann aufgehört, das mit dem Ablenken wollen. Ernst ging ich mein Leben an, aufarbeiten wollte ich und ganz präsent wollte ich im Hier und Jetzt sein. Denn es war hart. Daher, nö, mit so nem Slapstick-Kram war mir nicht beizukommen. Dafür hatte ich nur noch ein müdes Lächeln. Daher war ich auch für den ollen Hallervorden überhaupt nicht empfänglich. Fand das nur doof, diese Blödelei. Hinzu kam, ich hatte auch jahrelang kein Fernseher. Daher entging mir wohl auch Palim Palim Alle Welt redete davon, nur ich wusste nicht Bescheid. Erst jetzt, nach dieser Werbung auf dem Plakat hat mich der allerbeste, allerliebste Freund meines Vertrauens in die Weihen des Palim Palim Slapticks eingeweiht. Ehrlich musste ich zugeben, das war schon sehr, sehr lustig.
 
Aber „Sein Letztes Rennen“ war und ist kein Palim Palim. Das durfte ich erfahren. Er kann auch anders. Denn der allerbeste, allerliebste Freund meines Vertrauens ist ein wirklicher Hallervorden-Fan war und so haben wir ihn uns angeschaut den Film. Eine kurze Rezension in der Süddeutschen Zeitung hab ich mir noch einverleibt und dachte, gut, so schlecht kann der nicht sein, der Film. Lass ich mich mal drauf ein. Ich hatte ein gutes Gefühl, schon vorher.
Mein Gefühl hat sich wieder mal bestätigt. Es ist ein sehr, sehr guter und schöner Film mit einem wunderbaren Didi Hallervorden. Ich glaube, er hat sich in dem Film selber gespielt, daher hat er sich wohl auch so bei den Dreharbeiten und Vorarbeiten dafür eingesetzt. Hat sich richtig reingeworfen. 9 kg soll er abgenommen haben, als er für den Film das Laufen begann. In seinem Alter. Respekt. Denn so sportlich scheint der in seinem vorherigen Leben wohl nicht gewesen zu sein.
 
Jetzt ist es auch raus. Es geht nämlich ums Laufen, genauer gesagt ums Marathonlaufen. Hallervorden spielt die Rolle seines Lebens, wie ich finde. Er, der alte Paul Averhoff lebt noch mit seiner Frau in seinem Häuschen im Grünen. Aber es geht nicht mehr. Seine Frau ist pflegebedürftig. Averhoff schafft das nicht mehr. Die Tochter ist mit Beiden und ihrem eigenen Leben überfordert. Was bleibt ist das Altenheim. Schweren Herzens ziehen die Beiden um. Stumm und mit Widerständen versuchen sie sich einzuordnen. Seiner Frau fällt das scheinbar leichter. Sie weiß, dass ist ihre letzte Station. Da sitzen sie nun um den Tisch und sollen Kastanienmännchen basteln. Fürs Herbstfest. Auweia… Wie leblos und widerspenstig werkelt Averhoff herum, ist schließlich genervt und fragt, was das soll. Wie geht das denn weiter. Herbstfest, Winterfest, Frühlingsfest, Sommerfest. Das kann es doch wohl nicht sein. Schrecklich diese Möchte-gern-Dumpfbacken-arrogante –Entertain-Psychologin. Dieser Blick von ihr auf die Alten, denen sie ständig die Angst vor dem Dahinsiechen und dem Tod einreden will. Es läuft einem schauerlich über den Rücken, weil man denkt, genau solche Typen sind es, die einen einfach fertig machen wollen. Scheinbar hat die wohl selber ein Riesenproblem. Averhoff hat die Nase voll. Ich gehe, sagt er zu seiner Frau, und zwar nach Hause. Sie will nicht. Kannst ja nachkommen, sagt er ihr und marschiert davon. Ein Blick zurück, der gleichzeitig auch ein Blick auf die vielen Jahre ihres gemeinsam gelebten Lebens zum Ausdruck bringt, lässt ihn umkehren. Ne, das geht gar nicht. Also, was nun?
 
Er war ja der große legendäre Averhoff, der Marathon-Läufer, der Olympiasieger. Bilder des vergangenen Triumphes ziehen vor seinen Augen vorbei. Und da weiß er es. Er will und wird nochmal sein Bestes geben. Er will den Berlin-Marathon laufen. Herrlich. Doch, seine Frau und der Rest der Welt reagieren spöttisch, verständnislos, abwehrend, Einhalt gebietend. Er lässt sich nicht beirren und beginnt gegen alle Widerstände mit dem Training. Da kommt doch plötzlich Leben in die Bude. Gespannt verfolgen die Insassen, allesamt sympathisch, seine Läufe und ganz aus dem Häuschen sind sie, als Averhoff einen jungen Pfleger, dem man ansehen kann, dass er mit all den Abläufen von Zeitmanagement in der Pflege, dem Trübsinn, dem Fehlen von Menschlichkeit, sein Problem hat, herausfordert. 1o km sollen das Pensum sein. Wunderbar, was dann folgt. Seine Frau steht ihm wieder zur Seite. Sie war immer seine Trainerin. Geduldig sitzt sie auf der Bank mit der Stoppuhr in der Hand und spornt ihn an. Es ist hart, sehr hart. 3oo Mark und der Sieg ist dir, bietet ihm der junge Pfleger an. Aber da kennt man den legendären Averhoff nicht. Einen Sieg lässt der sich nicht schenken. Natürlich gewinnt er,-). Das Altenheim ist aus dem Häuschen. Da beginnt das Leben wieder zu flackern. Da kommt Hoffnung auf. Nicht nur für Averhoff, auch für sie, die sich schon ergeben hatten, stumm dem Getriebe des Seniorenalltags in einem Altenheim folgend.
 
Ich will jetzt den Film nicht zu Ende erzählen. Ihr sollt ihn Euch ja anschauen. Ihr müsst ihn Euch anschauen. Denn es ist zwar ein Film, nur ein Film. Aber in ihm entdeckt man so viel Wirklichkeit, das man gar nicht weiß, wo man anfangen soll mit dem Reden über all die Problematiken, die in einem langen Leben eines Menschen stecken und wie die Umwelt darauf reagiert, was sie entgegenzusetzen hat und wie man auch altes Leben noch gelingend und beglückend leben kann. Wie geht Leben. Wie geht gemeinsames Leben am Ende, wenn es schwer wird. Wie reagieren Angehörige. Wie sieht es in den Pflegeheimen aus.
 
Denn das, was Averhoff da in der letzten Phase seines Lebens noch einmal beginnt ist das Gegenteil von Resignation, Mutlosigkeit, Sprachlosigkeit und Bewegungsstarre. Es ist das pure Leben, prall voller Lebendigikeit, Glücksgefühle, Ernsthaftigkeit und Lebensfreude. Warum denn, verdammt noch mal auch nicht? Der Film hat eine Botschaft, eine ganz deutliche und klare.
 
Leben heißt nicht Stillstand. Leben bedeutet aktiv sein, sich bewegen, sich seinen Freuden und Leidenschaften, Hobbys , Talenten, Interessen mit all der Ernsthaftigkeit zuzuwenden, mit der man auch in jungen Jahren sein Dasein geführt hat. Und der Marathon ist doch letzten Endes in diesem Film nichts anderes wie ein Bild für das Leben des Menschen. Man startet, läuft los und dann geschieht all das unterwegs, was uns hochfliegen aber auch abstürzen lässt, was uns aufgeben lassen will, dann wieder Mut macht und weiter geht es. Es ist wohl nicht unbedingt der „Lauf in den Frieden“ wie der olle Erich Fromm es immer haben möchte. Ganz so ist es nicht, das Leben. Ich hab ja schon immer gesagt, das Leben ist auch Kampf, dass einem zuweilen unendlich viel Mühe kostet, aber wofür es sich lohnt, denn am Ende wartet doch auch der Siegeskranz. Wie dieser Siegeskranz für jeden Einzelnen ausschaut, ist sicher ganz individuell. Aber ganz bestimmt ist es ein Zurückschauen auf ein erfülltes Leben.
 
Schön ist der, der Film. Vielleicht schau ich ihn mir nochmal an. Dieter Hallervorden in einer ganz großen Rolle, wahrscheinlich der Rolle seines Lebens. Am Ende möchte man aufstehen, um ihm zuzurufen:“ Gut gemacht Didi“ Es liegt an uns, es gut zu machen, auch am Ende unseres Lebens!

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3. September 2013 2 03 /09 /September /2013 12:13

Ähm... Schon mal was vom Bruttonationalglück gehört? Ich jedenfalls noch nie. Das Wort kannte ich bisher nicht. Bruttosozialprodukt... das schon eher. Obwohl es seit 1999 ja jetzt Bruttonationaleinkommen heißt. Wird ja, wie ich las, zweimal im Jahr von Wirtschaftsweisen ermittelt, um vorauszuberechnen, wie viel Einkommen der Mensch eines Landes wohl in nächster Zeit zur Verfügung hat. Ist ganz wichtig für unsere Volkswirtschaft,-) Von den Resultaten ausgehend kann die Wirtschaft aufbauen,-)...Für die Zukunft planen und so. Für die Politiker wohl ziemlich wichtig.
 
Wie viel ich verdiene, was ich zum Leben habe und darüber hinaus, ist schon wichtig, finde ich. Aber, wie ich auch erfahren habe, trägt es nicht unbedingt zu meinem Lebensglück bei. Es gibt Menschen mit hohen Einkommen, die nicht unbedingt glücklich sind mit dem, was sie haben. Andere wiederum haben sehr viel weniger, leben am Existenzminimum, sind aber durchaus glücklich. Sie machen den Wert ihres Lebensglück nicht vom Materiellen abhängig. Jetzt kann man sich fragen, was braucht der Mensch, um sich glücklich zu fühlen. Aber wer fragt sich das schon noch? Wen interessiert das überhaupt. Wenn ich manchmal so in die Welt schaue, mir das Leben der Menschen anschaue, denke ich mir oft, ob sie glücklich sind. Ob sie überhaupt danach fragen? Ob überhaupt, wenn nicht sie selber, irgendein anderer Mensch daran interessiert ist, zu erfahren, ob das Gegenüber glücklich ist oder was ihm zum Glücklichsein fehlt? Wen interessiert in unserer Gesellschaft eigentlich, ob die Menschen mit all dem, was sie haben und umgibt, mit der Art, wie sie leben, glücklich sind?
 
Stellt Euch vor, es gäbe in unserer Regierung ein Amt, das zuständig ist für die Ermittlung des Glücks seiner Bürger! Gell! Das ist doch ein total unmöglicher Gedanke. Auf so was würde man doch nie kommen, oder? Unsere Politiker in diesem unserem schönen Lande würden sich dafür interessieren, wie sieht es in unserem Lande aus, wie leben unsere Bürger, was sind ihre Wertigkeiten, wo mangelt es, welche Be- und Erschwernisse haben sie, Sorgen, Nöte, mit welchen Gegebenheiten kommen sie nicht zurecht, was würden sie gern verändern wollen in Gesellschaft und Politik, wenn sie könnten, worin bestehen die kleinen und großen Freuden ihres Lebens? Nicht wahr! Kaum vorstellbar, dass so etwas in Deutschland möglich wäre und ist. Hier interessiert nur das Wachstum der Wirtschaft und das Voranschreiten der Technik. So ist das doch. Albern, das Feilschen um Mindestlöhne, die zwar ausschließen, dass Dumpinglöhne gezahlt werden, aber eben noch lange nicht das sichern, um den immer teurer werdenden Lebenshaltungskosten (Nahrungsmittel, Mietpreise, öffentliche Verkehrsmittel, Teilnahme am kulturellen Leben) gerecht zu werden. Ein Witz ist das, oder?
 
Gestern waren wir im Kino, der Freund meines Vertrauens und meine Wenigkeit. "What Happiness is" so der Titel dieses Filmes. Wer fragt? Das Ministerium für Glück im Königreich Bhutan schickt seine Mitarbeiter acht Monate quer durch das Land, um die Menschen zu befragen, wie sie leben, wovon sie leben, wie es ihnen geht und...ob sie glücklich sind? Und wenn ja, was sie glücklich macht oder umgekehrt, was ihnen zum Glücklichsein fehlt. Grund dieser Befragung ist zum einen, dass das Königreich Bhutan, bisher abgeschottet, sich der Welt öffnen möchte, aber ohne seine Seele an den Materialismus zu verkaufen oder zu verlieren, was in langen Traditionen und ihrer Kultur den Menschen Halt und Sinn gegeben hat. Zurzeit leben ungefähr 700.000 Menschen in Bhutan, das über eine Fläche die in etwa der Größe der Schweiz entspricht. Die Beamten sind unterwegs bis in die abgelegensten Winkel ihres Landes, in den Städten und Dörfern, um diese Fragen an Alt und Jung, Reich oder Arm, in der Hand ihren Fragebogen, der 1000 Fragen beinhaltet und alle Bereiche des Lebens berücksichtigt, Gesundheit, Ehe und Familie, Sexualität, soziales Gefüge und Miteinander in der Gemeinschaft außerhalb der eigenen Familie, Einkommen, Wohnsituation, Zustand der Gesellschaft ihres Landes allgemein, Zufriedenheit mit der Regierung usw.usw.. Und weiterer Grund ist, was kann die Regierung tun, wo kann sie helfen, vermitteln, beseitigen. Wo muss die Politik ansetzen.
 
Ich war und bin immer noch begeistert von diesem Film, nicht nur, weil ich Himalaja-Tibet-Buddhismus-Fan bin,-), denn man sieht natürlich auch herrliche Aufnahmen der Natur, sondern über die Authentizität und der Einfachheit der Menschen in Bhutan und wie ich schon oben angeführt habe und von der Idee einer Regierung, die sich für das Leben seiner Bürger interessiert, um das Leben lebenswerter zu machen, so dass alle alles haben, was sie zum Leben brauchen und andererseits, sie davor zu bewahren, in eine Sklaverei zu geraten.
 
Sind sie glücklich und wo würden sie ihr Lebensglück, wenn sie es bewerten müssen, auf einer Scala von 1 bis 10 ansiedeln, so der erste Bildausschnitt, in dem der Interviewer einem jungen Polizisten diese erste Frage stellt. Ich hab mir eben noch einmal den Trailer des Films angeschaut, immer wieder diese Szene, den Blick des Mannes auf den Fragesteller, und es hat mich zutiefst berührt, zu sehen, dass er mit einer solchen Frage überhaupt niemals gerechnet hätte und dass er absolut herausgefordert ist in diesem Moment über sich selber nachzudenken. Denn ist es nicht so, das Leben passiert oft einfach, man tut und macht und handelt und agiert, weiter, immer weiter, man fragt nicht oder kaum nach seinen Gefühlen oder ob man glücklich ist bei all dem, was man tut.
 
Jede Befragung eines Menschen dauert an die drei Stunden. Die Interviewer werden immer wieder von ihren Vorgesetzten befragt, wie es gelaufen ist, wo sie sich noch verbessern müssen, um wirklich inhaltsreiche Antworten zu bekommen. Sie müssen oft bei jeder Frage erst einmal eine kleine Einleitung für die Menschen geben, damit sie erkennen, worum es bei den Fragen geht, müssen Beispiele nennen. Eine riesige Herausforderung auch für die Fragestellenden, denen der allerhöchste Respekt gilt.
 
Zwischendurch ist mir immer wieder mal das Herz aufgegangen, wenn z.B. eine alte Frau erzählt, wie gut es ihr geht, dass sie alles habe, was sie brauche, dass ihr nichts fehlen würde, obwohl man selber denkt, wenn man sieht, wie sie lebt, ob man so antworten würde. Ob sie Angst habe, wenn sie abends im Dunkeln noch vor die Tür gehen würde. Nein, sagt sie ganz klar. Ob sie Angst vor wilden Tieren habe, wenn sie allein unterwegs ist. Auch hier ein klares Nein. Ob sie überhaupt vor irgendetwas Angst habe. Auch hier ein klares Nein und dabei strahlt sie über das ganze Gesicht und man sieht ihr das Vertrauen in das Leben an. Das berührt und trifft mich zutiefst. Denn sofort denke ich, Mannomann, was hatte ich hin und wieder für eine Angst, wenn ich in der Frühe um 4.00 Uhr zur Frühschicht aufgebrochen bin und die besinnungslos Besoffenen immer noch durch die Straßen irrten. Oder wenn man spürt, dass die Botschaften von Überfällen, Übergriffen in den Medien einem doch mal zu schaffen machen, wenn man durch unwegsames Gelände oder eben in der Nacht noch allein nach Hause kommt.
 
Wie ist ihr Vertrauen in die Mitmenschen ihrer Umgebung, wird da ein jüngerer Mann gefragt. Absolut, antwortet er. Er habe zu jedem Menschen Vertrauen. Man...ich konnte es gar nicht fassen. Würde ich eine solche Antwort geben können. Nö, ganz sicher nicht. Ich weiß, dass ich meinem Freund meines Vertrauens und meiner Familie, vielleicht noch den einen oder anderen Freund, vertrauen kann, aber im Allgemeinen bin ich eher vorsichtig, wenn auch nicht gleich zutiefst misstrauisch. Immerhin hab ich mich doch schon auch des Öfteren allein durchs weite fremde Land getraut. Gut, ich habe, Gott sei Dank, immer gute Erfahrungen gemacht. Aber leider hab ich die Grunderfahrung gemacht, dass ich in meine Herkunftsfamilie Null Vertrauen haben konnte, dass gerade dort, wo man es als Kind auf eine gute Obhut angewiesen ist, das Vertrauen missbraucht wurde. Vertrauen aufzubauen, es praktisch neu zu erlernen, war dann eine schwierige Angelegenheit und ist es zum Teil heute noch. Aber dieser junge Mann dort, der hat keine Ressentiments, keine Zweifel. Das hat mich einfach umgehauen. Dass so etwas möglich ist.
 
Natürlich gibt es nicht immer Antworten, die einen erfreuen. Z.B. erzählt ein behinderter junger Mann, dass er sich nicht am Glück der Anderen erfreuen kann, weil er selber mit seiner Behinderung keinen Frieden geschlossen hat und weil er darunter leidet, was die Anderen denken, wenn sie ihn, den Krüppel, sehen und sich dabei vielleicht fragen, ob es nicht besser gewesen wäre, dass er nach der Geburt gestorben wäre. Oder ein Anderer erzählt, dass er oft unter seiner Aggression, seinem Ärger und seiner Wut leidet, weil er sieht, dass andere Familien glücklicher miteinander leben, sich gerne mögen, was bei ihm nicht der Fall ist.
 
Aber auch ganz profane Probleme werden zur Sprache gebracht. Das Fehlen einer richtigen Straße, damit man den Nachbarort besser erreichen kann, dass die Ratten und Mäuse einem zu schaffen machen, dass die Nachbarskühe manchmal in den eigenen Garten stromern und die Beete zerstören, die Wildschweine in der Nacht das Angepflanzte auffressen, dass das Geld nicht reicht, sogar das ein Handymast fehlt oder das viel, viel Geld glücklicher machen würde. Sicher, so was kommt auch. Aber überwiegend erlebt man Menschen in dieser Befragung, die mit sich und ihrem Leben zufrieden sind, obwohl sie gemessen am Wohlstand der restlichen Welt an der Armutsgrenze leben und über keinen Luxus verfügen.
 
Schlicht und ergreifend, ich will ja nicht den ganzen Film erzählen, sondern zum Anschauen animieren,-), hat mich der Film sehr nachdenklich gemacht. Ich finde es einfach großartig, dass die Regierung eines Landes es sich zur Aufgabe macht, nach dem Wohlergehen seiner Mitbürger zu fragen und, wovon ich eben auch ausgehe, diese Antworten ausarbeiten und dementsprechend auch Veränderung zu schaffen. Davon können wir hier in unserem schönen deutschen Lande oder wo auch immer, lernen. Und ganz sicher spricht der Film einen auch deshalb ganz persönlich an, weil es absolut wichtig und nötig ist, über eine Menge in unserem Leben immer mal wieder nachzudenken und sich ab und zu immer mal wieder die Frage stellen, ob man eigentlich glücklich ist, damit man nicht einfach so dahinlebt und plötzlich ist man am Ende seines Lebens angekommen und erkennt, dass man eine Menge bereut.
 
Ein wirklich schöner, berührender, Nachdenkens werter Film, der über den eigenen Tellerrand hinweg schauen lässt, der einen mit nimmt in eine ganz andere Welt, wo Menschen doch noch behutsamer miteinander umgehen, wo Druck, Zwang, Ängste, die in unserer Gesellschaft an der Tagesordnung sind keinen Platz haben und auch keinen finden sollen.
 
What Happiness is http://www.whathappinessis.de/

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