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30. September 2016 5 30 /09 /September /2016 13:09
Botschaften an Fremde!

Im Museum für Kommunikation in Frankfurt gibt es noch eine Sonderausstellung " Mit dem Strom und gegen die Zeit Treib_Gut Flaschenpost"

Ich habe schon einige Flaschen und diverse Treibgutstücke auf und in Seen, Flüssen und Meeren herumschwimmen gesehen, jedoch niemals bin ich in die Lage gekommen, einem der Stücke nahe bzw. es in die Hand zu bekommen.

Der Kölner Künstler Joachim Römer hat an die 2000 Botschaften bisher gesammelt. 400 davon zeigt er in dieser Ausstellung. Viele dieser Botschaften wurden in diversen Behältern im und am Rhein gefunden, ist ja klar. Römer hat über die Jahre hinweg ein gutes Gespür dafür entwickelt, wo diverses Treib_Gut angeschwemmt wird. Er kennt sich aus. Alle diese Botschaften handeln von allerlei Lebensgeschichten, Geständnissen, Einsichten, Reue, Hilferufe, Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, manche von Suchenden nach einem Partner, aber auch einfach so dahinformulierte Gedanken, humvorvoll, ernst, konnte er in ihnen finden.

Als ich von der Ausstellung las, dachte ich, da musst du hin Roeschen, das ist was für Dich. Bin ich doch ein großer Fan des Geheimnisvollen, Unerwarteten, Schicksalshaften oder Zufälligem. Und selbst Botschaften, die mich berühren von Unbekannten, gehen nicht spurtlos an mir vorüber, denn sie bringen mich zum eigenen Nachdenken über dasmein Handeln Reden oder Erlebten. Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Mensch weiß, egal, was passiert, Gutes oder Schlechtes, es passiert einem nicht allein, allen Menschen geht es so. Und Suchende sind wir doch alle nach etwas, letzten Endes nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens. Obwohl ich mittlerweile erkannt habe, dass der Sinn des Lebens nicht schwer zu finden ist, nämlich im einfachen täglichen Leben Tag für Tag, mit all dem, was damit zusammenhängt, Zufriedenheit, mal mehr oder weniger glücklich zu sein, Traurigkeiten anzunehmen und mit den sich oft auch entgegenstellenden Widrigkeiten klar zu kommen und das Beste draus zu machen. Ich bin halt einfach gestrickt,-)

Es ist eine hübsche, übersichtliche, kleine Ausstellung, die denke ich jedenfalls, auch Jedem gefallen wird,der sich aber vielleicht vorher noch nie Gedanken über Botschaften aus fremden Welten von fremden Menschen gemacht hat. Der vielleicht wie ich, zwar immer mal ein Treib_Gut an sich hat vorüberziehen gesehen, es jedoch nicht weiter vorgezogen hat, sich einmal damit zu beschäftigen.

Frisch poliert und ordentlich aneinandergereiht können die teilweise sehr hübschen Gefäße bewundert und bestaunt werden. Viele der Absender haben sich große Mühen gemacht, ihre kleinen Botschaften liebevoll zu gestalten. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Selten hat ein Mensch einfach so hineingesteckt und zu und ab. Da wurde vorher kreativ gestaltet, gemalt und geschnibbelt. Mich hat das berührt:)

Ein Text lautete: "Der größte Fehler war, Dich gehen zu lassen. Ich liebe Dich!"

Ich machte mir Gedanken über diesen unbekannten Menschen. Ob es ihm wohl geholfen hat, diese kleine Botschaft loszulassen und was er sich gedacht über den Menschen, der sie finden wird. Vielleicht irgendein Mensch, der gerade selber in Trennungsabsichten steht? Dem er sagen möchte, kämpfe um ihn/sie! Und war er nicht vielleicht blind für die Wirklichkeit? Ich meine, wenn ein Mensch gehen will, ist das doch meistens nicht mehr zu ändern, wenn die Absicht fest in ihm ist. Ist es nicht gar eine Form von Größenwahn von sich zu denken, man kann noch etwas dagegen tun, es irgendwie aufhalten? Ich glaub das nicht. Und fast stimmt es ja traurig an, dass dieser Mensch vielleicht gerade an dem Punkt, wo der Andere gegangen ist, erst feststellt, wie sehr er ihn oder dass er ihn überhaupt geliebt hat. Nun ja...viele Gedanken rühren sich da.

Ich will auch nur ein kleines Schmankerl als Beispiel geben. Es finden sich viele, viele andere Botschaften, die nachdenkenswert sind.

Wir leben in einem Zeitalter, wo uns das Internet Tausende Möglichkeiten bietet, uns Unbekannten zuzuwenden, mit ihnen zu kommunizieren, ihnen Fragen zu stellen, oder sich selber einfach nur mitzuteilen. Wir meinen, das ist ganz neu in dieser Welt. Jedoch zeigt uns die Ausstellung, dass es wohl schon immer so war, dass der Mensch nach Auswegen gesucht hat, nach Loslassen des Erlebten in der Hoffnung, irgendwo an einem anderen Ort wird es empfangen und es ist gar nicht so wichtig, ob dieser Empfänger gekannt wird.

Und es zeigte mir auch, dass Menschen, die so eine Möglichkeit wahrnehmen, wohl in ihrer eigenen kleinen Umwelt Niemandem das anvertrauen können, was wirklich in ihnen webt und arbeitet, sie traurig macht oder glücklich. Es gibt so wenig Menschen, denen wir zutrauen können, dass das, was wir sagen, auch wirklich für sie von Bedeutung ist. Vieles wird geredet, aber wenig wird gesagt, ist oft mein Denken. Und mit dieser Erkenntnis, die ja auch ein wenig traurig daherkommt, nutzt man einfach diese Möglichkeit, zumindestens loszulassen und vielleicht ist ja da draussen in der großen weiten Welt ein Mensch, der versteht, was man sagen möchte, wie es einem geht, wie man fühlt, lebt, leidet und sich freut und ja, ich glaube, dass es diesem Menschen helfen kann.

Und in all dem, wenn ein Mensch zu einem solchen Weg greift, liegt ja auch ein gewisser Zauber, eine Magie, etwas geheimnisvoll Webendes zwischen der Welt des Absenders und des Empfängers. Und letzten Endes ist es vielleicht genau das, was gewollt ist, dass aus diesem Zauber etwas Neues entsteht, an einem selber, beim anderen, bei dem es ankommt und dadurch Veränderungen des Lebens geschehen bei Beiden, auch wenn sie nie voneinander mehr erfahren werden oder sich gar begegnen. Weiß man´s?

Jedenfalls ein Leben, dass keinen Zauber mehr enthält, wäre doch sehr langweilig oder? Wenn wir nur noch das täten, was wir selber im voraus berechnen könnten? Wenn wir uns nicht mehr einlassen würden auf das ganz Unerwartete in unserem Leben! Ich denke jedenfalls so und ich glaube, die Menschen, die solche Treib-Güter versenden, sind ebenfalls solche Denker. Und es ist schön, dass ich nicht allein damit bin.

Also...Museum für angewandte Kunst, Frankfurt, Deutschherrenufer....Die Ausstellung läuft noch bis zum 16. Oktober. Lohnenswerte Stunden, die bewegen und nachdenklich stimmen.

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28. September 2016 3 28 /09 /September /2016 15:09
Zooimpressionen


Manchmal überfällt mich eine Idee, dieses oder jenes zu tun, aber ich weiss nicht so richtig warum. Ein Impuls. Ich gebe gerne Impulsen nach, obwohl das manchmal sich auch als nicht gut erweist. Jedoch, immer nur vorsichtig durchs Leben zu gehen, wäre doch auch langweilig.

Am frühen Morgen diesen Tages bei meinen Runden im Schwimmbad hatte ich plötzlich eine dieser Ideen. Und wie so immer, überleg ich hin und her, warum, wieso, weshalb gerad dieses tun zu wollen. Dieses Mal hatte ich Glück. Ich erinnerte mich nämlich an einen Satz, den ich einmal in einem Buch las: Wer eine Stadt verläßt, sollte sich unbedingt immer mal den Zoo ansehen. Ich glaub, es war in dem Buch "Alle sterben, auch die Löffelstöre. Aber sicher bin ich mir nicht mehr. Ist ja auch egal. Die Sätze, die ich behalte sind mir wichtiger. Also, dachte ich, probier ich das doch mal aus. Warum nicht. So was mache ich öfter.)

Ich muss voranschicken, grundsätzlich besuche ich nicht gerne zoologische Gärten. Ich bin da zwiegespalten. Einerseits möcht ich schon gern ein mal so ein Tier von ganz nah sehen, andererseits überfällt mich immer auch eine gewisse Traurigkeit wegen der Unfreiheit, in der sie leben, sich nicht gemäß ihrem Naturell bewegen können.

Das Wetter versprach heute noch einmal so richtig golden herbstlich zu werden. Also machte ich mich auch gegen meine Zwiespältigkeit mit meinem Rad auf den Weg in den Frankfurter Zoo.

Jedenfalls hatte ich am Eingang angelangt auch eine gewisse Vorfreude auf diesen Besuch. Ich dachte, auf jeden Fall ist es ein schöner Spaziergang durch baum- und strauchbewachsene Alleen, deren Laub nun langsam anfing rostrot, gelb oder orange zu leuchten. Wie ich das liebe am Herbst. So begann ich also meinen Rundgang. Obwohl, ich halt mich nie an die vorgeschriebenen Empfehlungen, sondern laufe lieber planlos herum, auch wenn das nach sich zieht, dass ich an Stellen zwei oder gar drei Mal vorbeikomme. Das macht ja nichts. Es gibt immer Veränderungen, Begebenheiten, die vorher nicht zu sehen waren.

Als Kölnerin hab ich bei einem Zoobesuch immer dat Liedchen : "Ene Besuch im Zoo" im Kopf, das ist doch klar. Und in der ersten Strophe heißt es, wenn de rin küst, siehste de Kamele, nä wat sind die jroß...usw.usw.,-)..Hier im Frankfurter Zoo waren jedoch keine Kamele und das fand ich auch gut. Du willst ja nicht gleich von einem großen Tier überrascht werden, so dachte ich, lieber klein anfangen, wie im Leben auch, die kleinen Dinge sind es, aneineinadergereiht, die das große Ganze ausmachen,-)

Jedenfalls spazierte ich erst einmal gemütlich an einem See vorbei, auf dem ein Fischreiher seine Aufwartung machte und stolz und stark auf einem Felsen in der Gegend herumguckte. Ich beobachte gerne Fischreiher, sie sind manchmal auch am späten Abend hier am Mainufer zu sehen. Wie sie ewig lange regungslos verharren, den Blick stur gerade auf etwas gerichtet, was man selber nicht erkennen kann und dann plötzlich aus dem Stand einen Anflug starten Richtung Wasser und hinein und dann wohl sicherlich mit einem Fang im Schnabel ein Plätzchen zum Verzehren suchen. Das ist Meditation pur.

So stand ich eine Weile da, schaute ihm zu, bis ich direkt vor meiner Nase auf dem Brückchen, auf dem ich verweilte, plötzlich zwischen all den bewegungslosen herabgefallenen Blätter auf der Wasseroberfläche, ein einziges grosses Blatt sah, welches Dank eines ihm vorantreibenden Hölzchens frech an allen andern Blättern durch das Wasser schwamm. Mir gefiel dieses Bild des dahingleitenden Blattes, vorbei an allen anderen, bei denen keine Bewegung mehr geschah. Wie im Leben dachte ich. Manche Menschen leben so vor sich hin und keine Aktivität mehr in ihnen, so, als wenn sie sich aufgegeben hätten. Und vielleicht brauchen sie ja auch manchmal nur eine treibende Kraft, eine Hilfe, eine Stütze, die es ihnen möglich macht, sich wieder in Richtung Lebendigkeit zu bewegen. Naja, vielleicht ist das ja auch komisch, was ich manchmal so vor mich hindenke,-)...In diesem Moment hat es mir aber gefallen.

Ausserdem hab ich noch bei meinem Rundumblick eine Stelle im Wasser entdeckt, direkt vor mir, die mir erst nicht aufgefallen war, weil die Konzentration auf das treibende Blatt mich ganz in Beschlag genommen hatte, in denen ein großer Schwarm kleiner roter Fische schwamm, die Köpfe fast aus dem Wasser gestreckt, zu mir hochblickend, als wenn sie etwas von mir zu erwarten hätten. Ich weiss nicht, was es für Fische waren, es stand ja auch nirgendwo,-) Wer interessiert sich auch sonst ausser mir schon an kleinen Fischen,-) Und klar war mir dann auch sofort, diese Zuwendung galt nicht mir als Person,-) sondern einfach nur als ein Mensch von Vielen, denn die Fische waren schlau,-), sie wussten genau, hier an diesem Ort fiel manchmal was für sie ab, Brotkrummen oder sonstige Leckereien. Ich griemelte amüsiert vor mich hin, streckte ihnen die Zunge raus und rief ihnen zu: Von mir jibbet nix,-) und zog weiter meines Weges,-)

Jetzt kamen die großen Wilden. Der indische Löwe, der prachtvoll majestätisch sein Haupt der Sonne entgegenstreckte. Schon schön anzusehen, dieses Prachtexemplar. Zufrieden sah der auch aus, dachte ich. So ein Löwe machts doch richtig, wenn der gefressen hat, ruht der einfach. Da kommt dann erst mal ganz lange nix,-) Nicht wie diese merkwürdigen kleinen Erdmännchen, die ich später sah, die ständig und immer wie wild in der Erde herumbuddelten. Ich weiß nicht wieso. Ob die einfach ihrem Naturell nachgingen und ständig und immer ihre unterirdischen Höhlen buddelten, weil sie sonst nix zu tun hatten, denn Höhlen auf dem kleinen Raum, wo sie sich verkriechen konnten, gab es ja genug. Eigentlich war ja nix mehr zu tun. Es soll ja auch Menschen geben, die niemals zur Ruhe kommen können. Warum? Keine Ahnung, sicherlich gibt es da viele Gründe. Ich gehöre dem Himmel sei Dank nicht dazu,-) Ich bin da eher wie ein Löwe,-)

Nach einer Weile kam ich an die Robbenklippen. Schön angelegt war das Terrain für sie, muss ich schon sagen. Eigentlich wie alle Gehege, recht liebevoll ge- und ausgestaltet waren, die ich bisher in Augenschein genommen habe. Eine wirklich kleine Oase dieser Frankfurter Zoo. Und an so einem Tag wie heute, wo nicht viel los war, weil, ist ja Alltag und der Normalmensch geht seiner Arbeit nach, kann sich hier richtig erholt werden, inmitten einer lauten von Autoschlangen überall umgebenden Stadt.

Ach, diese Robben sind auch einfach nur herrlich, denen kann ich auch stundenlang zu sehen, wie sie verspielt durch das Wasser gleiten, ihre Purzelbäume unter Wasser schlagen, sich drehen und wenden und ihnen angesehen werden kann, dass es ihnen einfach Freude macht, das sie gar nicht anders können. Da könnten wir Menschen uns auch mal was von abgucken, dachte ich noch so. Plötzlich stand ein junger Mann neben mir und sprach mich an, meinte, schön... nicht wahr. Er trug vor seinem Bauch seinen kleinen Sohnemann in einem Tragesack und erzählte mir, dass er mit all seinen Kindern, die beiden Größeren waren nun schon in Kindergarten und Schule, immer zwei, dreimal in der Woche in diesem Zoo herumspaziert ist. Er kannte alle Tiere und die Geschehnisse um sie herum und erzählte mir so dies und das. Zwischendurch fiel sein Blick immer wieder auf mein Emblem meiner Kapuzenjacke. Mir fiel das auf. Und siehe da, irgendwann fragte er mich plötzlich: Finisterre??? Nur ein Emblem oder waren sie dort? Klar sagte ich, gekauft in Finsterre nach Absolvierung des gesamten Jakobsweges:) Und so war unser Gespräch plötzlich ganz weit weg von Zoo und Tier. Und er offenbarte mir, irgendwann, wenn die Kinder mal aus einem gewissen Alter heraus sind, dann will er das auch in Angriff nehmen. Na klar, sagte ich ihm. Einmal im Leben muss ein solcher Weg gegangen werden. Egal welcher, es macht so viel mit dem Menschen und ich gab ihm alle meine Wünsche mit für die Zukunft. Schön war dieses nette Gespräch mit dem jungen Mann.

Weiter gings und endlich war es so weit. Da sind se ja, die Kamele. Ich mag Kamele so was von. Zwei standen gemütlich herum, beschnupperten sich gegenseitig und eines lag da wie tot auf der Seite und hielt wohl seinen Mittagsschlaf. Huch, sagte plötzlich eine ältere Dame neben mir. Ist der tot? Das sieht aber merkwürdig aus. Ich beruhigte sie und erklärte sie, Kamele schlafen oft so. Ach ja, meinte sie, das habe sie ja noch gar nicht gewusst. Ja, sagte ich, entweder sie liegen auf ihren eingezogenen Pfoten oder sie rollen sich auf die Seite. Warum auch nicht, machen wir ja auch;-) Entweder liegen wir auf dem Bauch, die Hände und Füse gestreckt oder rollen uns auf die Seite. Ich bin ja mehr der Seitenlieger,-) Und schwupps die wupps waren wir in ein Gespräch über eine gute Lage beim Schlafen:) So kanns gehen, auch in einem Zoo. Nein, dazu kam natürlich, dass sie mir erzählte, dass sie sehr gerne Tiersendungen im Fernsehen sieht und dass sie so gern mal einen Elefanten richtig von Nahem sehen würde und ihn vielleicht auch mal anfassen möchte. War ja klar, dass ich dann nicht an mich halten konnte und ihr erzählte, ich wäre schon mal auf einem geritten und sogar gebadet hätte ich mit ihm. Also, ich kann nix dafür, aber sie beneidete mich in dem Moment ein wenig, das sagte sie auch. Ich hab natürlich Einhalt geboten und gesagt, dafür habe sie sicherlich auch ganz andere schöne Dinge in ihrem Leben erfahren und erlebt. Wohl wahr sagte sie und erzählte mir dann auch Einiges, aber das würde jetzt hier zu lang werden.

Wir meinten dann Beide abschließend, ach diese Tierwelt ist doch schon ein großes Wunder. Mir kam dann noch der Gedanke, früher, als die Welt noch geheimnisvoller war, weit weg von uns, da saßen wir, ich jedenfalls, als Kinder an unseren Büchern, schauten uns die Bilder an und träumten uns dahin, wo sie war, diese schöne Welt, die wir gerne einmal besuchen würden oder den Tieren, denen wir gerne mal auf freier Wildbahn begegnen würden. Früher, so sagte ich, da wollten die Menschen den Wundern noch wirklich begegnen, wer es nicht mehr aushielt, der machte sich auf den Weg, einem zu begegnen, einem Wunder. Heute holen wir uns die Wunder nach Hause durchs Fernsehen und Internet. Und wir meinen dann, eines der Wunder begriffen zu haben. Da machen wir uns nur was vor. Nur wer ein Wunder wirklich selbst berührt, weiss was es ist. So ist das! Da rück ich nicht von ab,-) Wir recht sie haben, meinte dann die ältere Dame. Immerhin:)

Nun waren fast 3 Stunden vergangen, so viel hatte ich noch gar nicht gesehen und dennoch war es so reich an Erlebtem. Daher gehorchte ich meinem knurrigen Magen, gönnte mir eine Portion Pommes mit Majo,-), setzte mich auf einen Felsen vor den Robbenklippen und schaute während des Essens den vorbeispazierenden Menschen zu. Und was soll ich sagen. Auch ein schöner Zoo dieser Anblick, weiter will ich mich dazu nicht äußern,-) Aber vielleicht wird sich mein geneigter Leser meiner kleinen Impressionen denken können, was ich meine. Ich muss ja auch nicht alles verraten, was ich denke,-)

Mir hats gereicht für heute. Vielleicht geh ich noch einmal durch diese liebevoll gestaltetete Tierwelt. Auch wenn ich den Gedanken hatte, natürlich ist das schon einmal ein wichtiges Fundament eine liebevolle Umgebung zu haben. Für Mensch und auch für Tier. Aber für Beide darf nicht fehlen, was wirklich von existenieller Wichtigkeit ist, nämlich die Möglichkeit, ein Stück Freiheit zu leben und die Liebe derer, mit denen sich Beide umgeben.

Ich radelte zurück in meinen Frankfurter Vorort, setzte mich in mein Liebslingscafe, aß ein Riesenstück Schokoladentorte mit einem Latte Macchiato und las in meinem vorher erworbenen neuen Buch von Friedrich Ani "Der einsame Engel"... So ein schöner Ausklang des Tages, dachte ich. Und nun sitze ich hier zuhause, schreibe meine Gedanken auf, die mir gleichzeitig Reflexion des Erlebten sind und fühle mich wohl in meiner Haut und mit mir. Ich fühle mich nie einsam, dem Himmel sei Dank. Es gibt so viel Schönes auf der Welt und in der kleinen Welt in mir:)

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11. September 2016 7 11 /09 /September /2016 12:54
Ein unspektakulärer Spätsommersonntag

Vielleicht ist das heute ein letzter Sommersonnensonntag. Jedenfalls dachte ich das in dem Moment, wo ich aufwachte und in den blauen Himmel schaute. Keine Wolke am Himmel. Sehr verheissungsvoll. Ich kann das. Direkt in den Himmel schauen. Ich verdunkle mich meistens nie. Ich mag es, wenn ich aufwache, den Himmel sehen zu können.

Springausdembett, ne, das ist nichts für mich. Ich lieg erst mal so rum. Ich muss zu mir kommen, in den Tag hineinfinden. Die Gedanken kommen von allein.

Es ist ja Sonntag. Ich muss nichts, kann jedoch Vieles, das ist schön. Von der Strasse sind schon Geräusche der Autos und der Strassenbahn zu hören. Hin- und wieder klingt noch ein von der Nacht übrig gebliebener Schrei aus dem Ballermannviertel herauf. In dem seiner Haut möcht ich jetzt nicht stecken.

Jeden Morgen bedauere ich, mitten in der Stadt lebend, keine Vögelchen zu hören. Selten sind sie Gast in den Bäumen meiner Strasse. Denen gefällts hier auch nicht, denk ich.

Egal, es ist wie es ist. Mach was aus deinem Tag, denk ich, Roeschen. Frühstück ist doch ein guter Anfang. Und gucken was meine Leidenschaft macht. Das Schachspiel.

Aus den Zeitungen weiß ich, dass es viele Angebote gibt, hier in Frankfurt an diesem vielleicht letzten Sommersonnenstag. Dippemess, Ruderbootfest am Yachthafen, Ausstellungen. Es ist ja so viel. Der Mensch muss sich immer entscheiden. Da ich bei all diesen Angeboten jedoch immerr die Massen der Menschen vor Augen habe, die sich an so einem Tag durch diese Angebote wühlen, meide ich sie lieber.

Viel lieber nehme ich mir einen meiner liebsten Lebensbegleiter, mein Fahrrad, und radele los. Noch ist die Sonne nicht all zu heiß. Ein leichter Wind weht an den Ufern des Mains und im Schatten ist es wohlig auszuhalten bei der Fahrt. Eigentlich fahr ich drauf los, hatte gar keinen Plan. An mir vorbei ebenfalls die frühsonntäglichen Ausflugsradler mit ihren tollen Rädern, Rennräder, Bikes und andere wie neu ausschauende. Meins dagegen scheppert und klappert, aber es fährt, immerhin. Mir egal, denk ich.

Und am Ruderbootfest vorbei geht meine Fahrt dann Richtung Stadtwald. Genau, denk ich, das hast schon lang nicht mehr gemacht Roeschen. Auf zum Maunzenweiher. Idyllisch liegt der nämlich, ca. 2 Hektar groß, am südöstlichen Rand des Frankfurter Stadtwaldes. Früher war ich fast drei Mal die Woche dort. Ein wenig ist das eingeschlafen. Um so mehr freue ich mich, als ich die altbekannten Wege entlangradele, vorbei an dem Grillplatz, an dem sich fast zu jeder Jahreszeit Menschen aller Kulturen treffen, um Familienfeste zu begehen oder einfach nur mit Freunden zusammen zu hocken. Ich schau da gern immer hin, wenn ich vorbei komme. Ich kann mich erfreuen an dem gemeinschaftlichen Miteinander der Menschen, ohne eine Spur von Wehmut zu empfinden, dass ich ja allein bin. Jedenfalls hier in Frankfurt. Ich weiß nämlich auch, dass alles menschliche Miteinander auch immer kompliziert werden kann. Zumeist hab ich da keine Lust drauf. Ist so.

Und nach einer nicht so langen Fahrt komme ich an. Das Schild Maunzenweiher steht sogar noch dort. Ich weiß nicht, wie oft das schon geklaut wurde. Hier sollen ja die Katzen des Nachts versammelt gewesen sein und ihr Miauen und Maunzen soll bis weit gehört worden sein. So kommt ein Teich zu seinem Namen.

Und da ist auch schon mein Bänkchen. Ich sage immer "mein", obwohl es mir natürlich nicht gehört. Doch da sitzt schon Jemand. Eine Frau. Gemein, denke ich. Um diese Zeit in der Früh.

Dieses Mal scheue ich mich nicht, sie zu fragen, ob es sie stört, wenn ich mich dazu setze. Sie schaut so aus, als wenn sie nicht viel reden würde, daher wage ich es. Sie hat ihren Hund dabei, der liegt unter der Bank und knurrt mich an. Die ist ziemlich dick, die Frau, denk ich. Nein, sie ist unglaublich dick. Sofort rattert es in meinem Kopf, wieso, weshalb, warum. Egal. Nicht mein Leben.

Sie hat den Hund beruhigt und ich darf mich setzen. Ach, schön ist das. Eine wirkliche, kleine Oase. Ausser ihr, neben mir, Niemand da. Der Hund liegt jetzt verschlafen unter mir. Ach, ich könnt jetzt auch, einfach da so rumliegen und noch ein Nickerchen machen. Dicke Libellen umschwirren mich und ich erinnere mich an den ganz besonderen Septembertag vor vielen Jahren, als ich auch dort sitzend, die letzte Sommersonne des Jahres geniessend , wie sich die Libellen auf eine Stelle meines Schuhs versammelt hatten, weil genau dort die Sonneneinstrahlung am wärmsten war. Das war so schön. Ich hab mich nicht bewegt. Es hat mir so ein Gefühl des eins sein mit allem gegeben. Jetzt aber schwirren und brausen sie umher, weil Sonne noch überall ist. Ich werde wiederkommen, ganz bestimmt. Ich möchte das noch mal erleben. Manches im Leben will man gerne noch einmal erleben, manches lieber nicht. Meistens sind es die kleinen Dinge. So wie dieses Geschehen. Bei mir jedenfalls.

Enten sind dieses Mal nicht da und auch die Fischreiher haben sich nicht auf den beiden kleinen Bauminseln mitten im Teich versammelt. Jedoch die Fische springen lustig aus dem Wasser und lassen kleine Wellenkreise zurück. Hübsch ist das anzusehen. Jedes Leben hat seine eigene Fröhlichkeit.

Zwischendurch reden wir doch ein paar Worte miteinander, die Frau und ich. Erzähle ihr, dass ich schon lang nicht mehr hier war. Sie hatte neulich Urlaub, da war sie jeden Tag da. Ach, sagte ich, ein Urlaub am Maunzenweiher? Sehr unspektakulär und musste innerlich griemeln. Ja, sagte sie, aber sehr erholsam war es. Das glaubte ich ihr sofort. Das Erleben ist nicht immer mit Ferne verbunden. Das ist auch meine Erfahrung.

Der Hund sei schon alt. Zwischendurch steht er immer mal wieder auf, legt sich in die Sonne, kommt wieder zurück, wenn er genug hat, steht wieder auf, will etwas trinken, ist aber wasserscheu. Bloß nicht die Pfoten ins Wasser. Trinken tut er auch nicht viel, ein Schlapp und gut ist. Genügsam so ein Tier,-) Ich will auch genügsam sein, denk ich, das Leben ist dann so viel einfacher.

Als sie gehen, die Frau und ihr Hund, zieh ich mein Büchlein aus der Tasche und versinke in Truman Capotes "Die Grasharfe" Ach, ein so hübsches Büchlein, so dass ich Raum und Zeit um mich herum vergesse.

Als der Magen knurrt, packe ich alles ein, setze mich wieder aufs Rad und fahre heim. Mittlerweile füllt sich der Stadtwald mit den Menschen. Kindergetobe, Hundebellen und Gehopse überall. Ich bin froh, jetzt wieder in meine Höhle zu kommen.

Zu Hause gibt es Pasta. Lecker. Frische Tomaten, Oliven, Chilli, Ingwer dazu viel Olivenoel, fertig.

Zufrieden leg ich mich aufs Sofa und denke, wie unspektakulär Roeschen dein letzter Sommersonnentag,-)

Und warum ich das jetzt aufschreibe? Weil es so unspektakulär ist,-) und doch so erlebnisreich. Ihr müsst es nur finden:)

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25. Januar 2016 1 25 /01 /Januar /2016 19:04

Ist es dumm...

Ist es dumm

wenn ich immer noch weine

über das, was gewesen

nicht nur das Eigene,

sondern alles

was getan wurde

von Menschen an Menschen

Unschuldig Blut vergossen

von brauner Hand

und wenn ich weine

dass ich manchmal Angst habe

dass es wieder geschieht

oder anders

und wenn ich sehe

wie Blut vergossen wird

an weitere Unschuldige, heute

wegen der Gier einiger Wenige

Warum bin ich so?

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18. November 2015 3 18 /11 /November /2015 14:14
Glücklich für einen Moment!

Ich hab die letzten Tage viel über das Glücklichsein nachgedacht. Jedenfalls, vor lauter Nachdenken, hab ich gemerkt, der Mensch kann gar nicht immer glücklich sein. Obwohl er sich scheinbar ständig darum bemüht. Falls ihm nicht selber einfällt, wie er zum immerwährenden Glücklichsein kommt, nimmt er schon mal einen Ratgeber zur Hand. Mönsch, das hab ich noch nie gemacht. Aber helfen tun die anscheinend nicht, die Ratgeber, denn es kommen ja ständig neue heraus,-) War wohl keiner dabei, der mal das Patentrezept hatte.

Ich bin ja der Meinung oder besser gesagt, glücklich ist der Mensch nur immer für Momente im Leben. Da kann jetzt Vieles aufgezählt werden. Die erste Verliebtheit, das Jawort vor dem Traualtar, die Geburt des ersten Kindes usw.usw.. Dann hofft man, dass das Glück bleibt. Aber es bleibt nicht. Meistens nicht. Großereignisse im Leben geschehen auch nicht so oft. Also muss anders nach dem Glück geschaut werden. Oder noch besser, es einfach passieren lassen, dass es kommt, ganz unerwartet, irgendwann im Tagesablauf, bei irgendeiner Tätigkeit, wo du niemals daran gedacht hast, dass es ein glücklicher Moment für Dich werden könnte.

So einen kurzen Moment, Augenblick, hab ich heute erlebt. Und ich bin jetzt noch ganz erfüllt davon.

Ich besuche oft alte Menschen oder Kranke, helfe ihnen ein wenig bei all dem, was sie selber nicht mehr tun können. Heute war ich bei einer alten Dame. Sie hat einen großen Garten, den sie selber nicht mehr pflegen kann. Also hab ich mir Besen und Schaufel genommen und versucht bei dem Sturm die Blätter einzufangen. Es war die reinse Sisyphos-Arbeit. Ehrlich! Kaum hatte ich einen Haufen zusammengekehrt, begann an einer anderen Stelle, schaute zurück, da war der vorige, schön zusammengekrhte schon wieder vom Winde verweht. Es begann ein Spiel zwischen mit und dem Sturm und den Blättern. Es war die wahre Pracht. Ich hab tüchtig lachen müssen.

Die Blätter lagen aber auch überall herum, Terrasse, Rasen, Kellertreppe. Genau, die Kellertreppe, die musste frei werden, all die weil Rutschgefahr und so,-) Ich also die Treppe erop und eruner, wie man in Kölle so schön zu sagen pflegt.

Ganz unten angekommen sah ich sie. Die recht große, graue Spinne mit fünf Beinen. Ihr kleiner Leib, ein kleiner grauer runder Punkt, oben auf zwei noch kleinere schwarze Punkte. Haben Spinnen Augen? Auf jeden Fall! Ich hab gegoogelt,-) Jedenfalls, ich hab ne Pause gemacht mit dem Kehren des Laubes. Ich hab mich auf die Treppe gesetzt und der Spinne zugeschaut. Wobei? Tja, die arme, große, kleine Spinne wollte da raus, da unten, aus ihrem Gefängnis. Sie krabbelte am Fusboden entlang, immer nah bei der gekachelten Wand, streckte hin- und wieder eines ihrer fünf Beine aus und befühlte die Fläche der Kachelwand. Tasends, vorsichtig. Sie wollte abklären, ob es möglich ist, diese Wand empor zu klettern. Habs genau gesehen. Immer, wenn sie einen Punkt gedacht gefunden zu haben, versuchte sie die Wand heraufzuklettern. Das ging aber nur ein paar Zentimeterchen und bums....lag sie wieder unten. Nach jedem Sturz verharrte sie eine kleine Weile, wohl überlegend, so dachte ich jedenfalls, wie nun weiter. Hey man, das denke ich auch so oft im Leben. Ich geh und geh und komm nicht weiter, bleibe stehen oder sitzen und denke, wie jetzt?

Schon allein zu beobachten, welche Akrobatk sie mit ihren fünf Beinchen vollzig, eins nach oben gestreckt, eins seitwärts, alles berührend und tastend, so wunderlich und herrlich anzusehen. Die Natur ist schon ein großes Wunder. Wir blicken es nur so oft nicht mehr. Ich hab dem ganzen Procedere noch vier, fünf Mal zugeschaut. Dann dachte ich, ihr muss geholfen werden. So ist es doch. Manchmal schaffts der Mensch ja auch nicht allein. Glück, wenn dann einer da ist, der helfend unter die Arme greift:)

Ich hab sie einfach auf meine Besenschaufel geladen und hab sie ganz ganz vorsichtig nach oben getragen und am Anfang der Terrassenfläche abgesetzt. Schwupsdibubs, da saß sie. ICh weiß nicht, ob ich mir das nur gedacht habe, aber ich glaube, sie war verdattert. Denn still saß sie da, regungslos und konnte ihr Glück wohl kaum fassen. Ich bin sicher, sie hat mich angeschaut, so wie ich sie angeschaut habe:) Einen langen Moment haben wir uns einfach nur angeschaut, ein stilles Zwiegespräch geführt. Hehe, wenn Ihr das lest, denkt ihr vielleicht, dat Röschen, dat spinnt doch,-) Aber ich bin ganz sicher, dass wir ein Zwiegespräch hatten, eine Verbindung geschaffen haben, sie, die Spinne und ich:)

Als sie imemr noch nicht beganng, ihren Weg weiter zu ziehen, sprach ich sogar mit ihr. Ich sagte:" Komm mach hinne, geh und finde Deinen Weh, wohin er Dich auch führt",-) Dabei hab ich ihr ein Kusshändchen zugeworfen:) Ich bin son Typ:) Und was soll ich Euch sagen? Sie ist tatsächlich weiter gekrabbelt. Rumdideldei, geradeaus, Richtung Blumenbeet:)

Ich bin sitzen geblieben und hab ihr nachgeschaut. Kurz bevor sie die Terrasse verließ, um ins herrlich warme, mit Blättern angefüllte Beet zu entschwinden, blieb sie noch einmal stehen. Oha, dachte ich. Was nun. Was soll ich sagen...Ich bin mir auch hier sicher...sie schaute mich noch einmal an, jetzt aus der Entfernung, wie, als wenn sie einerseits immer noch nicht begreifen konnte, dass ihr Jemand geholfen hat, andererseits, mir gleichzeitig einen Dank übermittelte. Ich sagte zu ihr:" Gern geschehen" und lächelte ihr hinterher, aber jetzt mach auch, dass du weiterkommst Spinnlein, so meine Worte an sie. Und, ihr habt es nicht gesehen, aber es war so, in dem Moment, wo ich die Worte aussprach, krabbelte sie weiter. Ich war baff:)

Und schwupdiwupp war sie fort:) Ich verweilte noch einen Augenblick und dann zog über mein ganzes Gesicht ein Strahlen. Hey man, dachte ich, das war schön. Ich bin glücklich:)

Nahm den Besen wieder zur Hand, säuberte die letzten Reste auf der Terrasse und schon war auch die zeit gekommen, wo ich Mantel, Mütz und Schal nahm und wieder meiner Wege zog. Jetzt ist es schon paar Stunden her und ich bin immer noch glücklich:)

So kanns gehen...mit dem Glücklichsein. Eigentlich ganz einfach:)

Published by Fernweh
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8. Oktober 2014 3 08 /10 /Oktober /2014 10:26

Die "Meinung" ist ja grundgesetzlich geschützt, von Verfassungsrang. Sie heißt übrigens Meinung, weil ich sie mir zu eigen mache, weil es die Meinige wird. Aber nichts leichter als das, die Meinungen liegen praktisch auf der Straße herum, mitsamt den dazugehörigen Scheinargumenten. Heb sie auf, nimm sie in Besitz! Und wenn du ganz mutig bist, dann vertrete sie! Eventuell gegenüber deinem Friseur, oder gegenüber einem Anverwandten.
 
Wir leben in einem Rechtsstaat, in einer Demokratie. Hier darf jeder seine Meinung sagen. Also Schnauze! Früher hätte man gesagt: "Dann geh doch nach drüben!" Heutzutage, im Zeitalter der Globalisierung, weiß man gar nicht mehr so recht, wo "drüben" eigentlich sein könnte.
 
Nein, Spaß beiseite, man darf eine Meinung wirklich wiedergeben. Der Punkt ist aber, dass sich kein Mensch dafür interessiert. Deshalb ist man in Sachen Meinung relativ kulant. Warum soll man dem kleinen Mann nicht eine Meinung gönnen? Solange der Krankenstand im Rahmen bleibt, solange keine Ordnungswidrigkeiten einreißen, solange ist gegen eine temporäre Identifikation mit einem der zahlreichen Meinungsangebote nichts einzuwenden. Ein gewisser Meinungsverschleiß gehört in unserer modernen Gesellschaft einfach dazu, wird sogar als erwünscht angesehen. Nur wenn eine Meinung chronischen Charakter annimmt, dann spricht der Psychologe gern von einer ideologischen Fixierung, die sich bremsend auf das allgemeine Marktgeschehen auswirken kann. Nein, der Laden soll brummen. Und eine Verbohrtheit ist das letzte, was wir gebrauchen können.
 
Heikel wird es, wenn Meinung in einen politischen Willen umschlägt. Nach Meinung des Alt-Sonderministers Egon Bahr (Ministerium Sonderbar) ist dann entweder die CDU oder aber die SPD zuständig, abwechselnd, als Träger der relevanten Meinung. Das klingt sehr nach anno tubak, hat aber ziemlich lange halbwegs funktioniert.
 
Ob ein Josef Beuys mit seinen Filz- und Fett-Installationen eine Meinung "transportieren" wollte? Am Ende gar damit im Sinn hatte, die Fettlebe des politischen Filzes anzuprangern? Quatsch, Fett und Filz sind sehr dichte Materialien, zum einen dicht gepackte chemische Energie, zum anderen ein gepresstes und unentwirrbares Fasergut. Solcherart Stuff ist elementar, braucht nicht das Anhängsel einer Meinung, um für sich zu sprechen.
 

Thats it:)

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6. Oktober 2014 1 06 /10 /Oktober /2014 06:21

Ein Fingerhut Benzin brennt mit kraftloser Flamme ab. Erzeugt man hingegen in einem Gefäß ein Luft-Benzin-Gemisch, z.B. durch Schütteln, so genügt ein kleiner Zündfunke, um eine gewaltige Explosion auszulösen...
 
Es waren bevorzugt Tüftler im deutschsprachigen Raum, die sich als Pioniere darum bemüht haben, diese Kraft zu bändigen und für den Menschen nutzbar zu machen. Wer von den alten Haudegen hätte aber gedacht, dass nach einigen Jahrzehnten fast der ganze Globus mit wunderlichen Vehikeln überschwemmt ist, die sich im Grunde immer wieder genau diesen billigen Knalleffekt zunutze machen.
 
Der Stoff, aus dem die Träume sind
 
Heute stehen weltweit etwa 1 Milliarde (!) solcher "Kraftfahrzeuge" bereit, mit deren Hilfe sich der Erdbewohner an einen Ort B befördern lassen kann, möglicherweise weil ihn am Ort A die Empfindung plagt, dass er nicht zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Es geht dabei in erster Linie um die rein physische Anwesenheit, also um ein elementares taktisches Problem, mit dem sich auch der klassische Torjäger und Abstauber im Fußball häufig konfrontiert sieht.
 
Der Stoff, aus dem die Träume sind, muss in den meisten Fällen aus fernen Ländern "eingeholt" werden. George Bush sen. hat zu Beginn des ersten Golfkriegs in einem seltenen Augenblick der Wahrheit erklärt, warum amerikanische Soldaten am persischen Golf stehen. Er sagte wörtlich, dass es um die Verteidigung des westlichen Lebensstils ginge. Es ist fast unnötig, hinzuzufügen, was diesen Lebensstil im Wesentlichen ausmacht: Öl, Öl, Öl...
 
Eine unintelligente Technik
 
Beim Erdöl handelt es sich um einen wertvollen fossilen Rohstoff, dessen Entstehung Jahrmillionen in Anspruch nimmt. Der Mensch verbraucht es im großen Stil, verbrennt es und pustet die dabei anfallenden Schadstoffe in die Atmosphäre. Eine unintelligentere Technik kann man sich kaum vorstellen...
 
Wenn man sich unsere Städte anschaut, fühlt man sich stark an den technischen Bereich einer Bundeswehrkaserne erinnert: Einsatzfahrzeuge in Reih' und Glied. Wirklich jedes Haus scheint eine ganze Reihe von Knatterprotzen zu beherbergen. Ein Außerirdischer würde sich bei diesem Anblick an den Kopf fassen.
 
Der öffentliche Raum ist den Blechkarossen vorbehalten. Überliefert ist der Fall eines Autohassers im Süddeutschen, der mitten auf einer belebten Kreuzung in der Innenstadt ein Tischlein aufgestellt hat, um dort eine zünftige Brotzeit abzuhalten. Ihm ist ein unglaublicher Hass entgegengeschlagen. Wer sich dem Vorankommen - sei es auch nur im buchstäblichsten Sinne des Wortes - entgegenstellt, der muss mit dem Schlimmsten rechnen.
 
"CRUISING WELCOME"
 
Wenn auch vielleicht die deutschen Ingenieure in Sachen Technik vorangegangen sind, so sind im Lifestyle doch die Amerikaner tonangebend. Wer sich in den USA in einem geparkten Fahrzeug aufhält, macht sich nicht nur bei den Cops verdächtig: "NO LOITERING". Wer hingegen mit seinem Straßenkreuzer stundenlang um das Karré kurvt, der ist wohlgelitten: "CRUISING WELCOME".
 
Hat früher noch ein Führer gesprochen, um die vor den Volksempfängern lauschende Gemeinschaft zusammenzuschweißen, so wird heute das Wir-Gefühl durch eine Frontberichterstattung zur Verkehrslage gefestigt. Selbst am italienischen Badestrand erstirbt unter den deutschen Urlaubern augenblicklich das Gespräch, wenn der heimatliche Verkehrssender mit vertrautem Klang die Staulängen am Autobahnkreuz Oberhausen durchgibt...
 
Gefühl von Freiheit und Marlboro-Country
 
Merkwürdig, dass das Phänomen gern mit dem Ausdruck "Individualverkehr" belegt wird, handelt es sich in Wirklichkeit doch um eine Massenbewegung, um eine Gleichschaltung... In industriell gefertigten Massenprodukten, die dem Volk zugeteilt werden, dürfen sich die "Kraftfahrer" auf speziellen Pisten bewegen, vorausgesetzt, dass es wegen schierer Überfüllung nicht zum völligen Stillstand kommt... An dieser Tatsache kann auch ein am Kühler angebrachtes "Bullengitter" nichts ändern, welches ein Gefühl von Freiheit und Marlboro-Country vermitteln soll. Rinderherden auf deutschen Autobahnen sind immer noch die Ausnahme.
 
An den Tankstellen riecht es wie in einer Formel 1 - Boxengasse. Nur sind dort attraktive Boxenluder eher selten. Bevorzugt geben sich dort spießige Herren die Ehre, Ritter von der traurigen Gestalt, oft mit Hut und Bierbauch, die dort mit der größten Selbstverständlichkeit ihren Kraftstoff einholen, vergleichbar mit dem Kasten Bier zum Wochenende. Sie tun dies in dem ungemein beruhigenden Bewusstsein, ein Millionenheer von Gleichgesinnten hinter sich zu wissen.
 
Wie in Abrahams Schoß
 
Natürlich fügen sich nicht alle "Kraftfahrer" in dieses Klischee. Oft sieht man auch ausgesprochen zarte Geschöpfe am Steuer eines richtigen Boliden sitzen. Geländegängig, mit Allradantrieb, geschätzte vier Liter Hubraum, man fühlt sich an den Schützenpanzer Marder oder an ein Papamobil erinnert. Mit einem solchen Teil werden Brötchen besorgt oder die Kinder vom Hort abgeholt. Immerhin, die Kleinen können sich wie in Abrahams Schoß fühlen, wenn Mama sie so durch die Gegend schaukelt.
 
In Deutschland sind zur Zeit etwa 50 Millionen Kraftfahrzeuge zugelassen, allein der ADAC hat ca. 17 Millionen Vereinsmitglieder... Diese Zahlen kann sogar eine römisch-katholische Kirche nachdenklich machen, der in der Bundesrepublik etwa 25 Millionen Menschen angehören. Zumal die Automobilisten ihre Ersatzreligion wirklich leben, von Tag zu Tag, von Stau zu Stau und vor allen Dingen von Zahlung zu Zahlung...

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28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:08

Neulich fiel mir ein Buch in die Hand, das ich schon länger im Regal stehen habe.
Leider stehen sehr viele ungelesene Bücher in meinem Vorratsschrank. Manchmal, wenn ich keine Lust auf Neuheiten habe, greif ich mir eines der schon lange dort ruhenden Büchlein heraus. So auch dieses Mal.
 
Ich erinnere mich noch genau an den Kunden, der es mir empfohlen hatte. Wir sprachen über Lieblingsautoren und ich nannte ihm einen meiner, nämlich Imre Kertesz. Vor allen Dingen sein Buch "Roman eines Schicksalslosen" hat mich zutiefst berührt. So also kam ich zu dem Buch, von dem ich hier kurz berichten und es empfehlen möchte.
 
Ein kleines Taschenbuch. Schnell zu lesen, aber ebenfalls zutiefst berührend. Arthur Koestler hat es als kleines Meisterwerk in seinem Vorwort beschrieben. Und so hab ich es auch empfunden.
 
Der Roman beschreibt eine enstehende Freundschaft Anfang des Jahres 1932. Hans Schwarz, Sohn eines Arztes und jüdischer Eltern, und Konradin, Graf von Hohenfels, lernen sich auf dem Gymnasium kennen. Beide sind bisher ausgesprochene Einzelgänger. Dem adeligen Konradin traut sich so richtig keiner zu nähern. Kleinere Annäherungen, die unternommen werden, etwa von einem kleinen Kreis junger Bohemien schlägt der sehr eigene Konradin aus. Und auch Hans will man sich nicht so richtig nähern, ohne dass es dafür einen Grund gibt.
 
Die Beiden kommen sich jedenfalls nach einer langen Zeit, in der Hans versucht die Aufmerksamkeit Konradins auf sich zu ziehen, endlich näher. Es lag auch an der beiderseitigen Schüchternheit, dass das sich Näherkommen lang gedauert hat. Er hat es geschafft. Mit einem akrobatischen Sprung im Sportunterricht hat er seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nach der Schulstunde kommen die Beiden sich näher. Eine Freundschaft entsteht.
 
Beide entdecken, dass sie das gleiche Hobby teilen. Hans und Konradin sind leidenschaftliche Münzensammler. Sie tauschen sich aus. Konradin geht im Haus von Hans ein und aus. Hans hat einen hohen Anspruch an Freundschaft. Für den Freund muß man sein Leben hingeben, so deutet er an. Absolutes Vertrauen und Loyalität sind seine höchsten Tugenden, die er einfordert für ein Freundschaftsverhältnis.
 
Es entsteht eine Zeit intensiver Begegnungen und Austausch. Beide, 16 Jahre alt, sind auf dem Weg zu sich selber und ins Leben zu finden. Sie fixieren sich auf sich selber, bekommen kaum mit, was um sie herum geschieht. Nur leise hören sie von denen um sie herum stattfindenden politischen Unruhen. Es gibt erste Zusammenstösse zwischen Nazis und Kommunisten. Hakenkreuze erscheinen an den Wänden, die ersten jüdischen Mitbürger wurden belästigt.
 
Das Leben ging jedoch, nicht nur für die beiden alles in allem weiter. So kann man sich das wohl auch vorstellen, wenn man forscht und denkt, wie konnte das alles geschehen.
 
Den ersten kleinen Knacks bekommt die Freundschaft, als Beide, Hans und Konradin, mit ihren Eltern eine Opernaufführung besuchten. Hans unten im Saal sieht oben in der Loge Konradin und seine hochherschaftlichen Eltern, die von der gesamten Besucherschar Huldigungen entgegennahmen.
 
In der Pause will Hans es wissen. Er wartet auf seinen Freund, will sehen, ob er ihn wahrnimmt, ihn begrüßt, sich zu ihm bekennt. Enttäuschend für ihn das Erlebnis. Konradin schreitet mit seinen Eltern an ihm vorbei, nur ein ganz kleines Zeichen läßt erkennen, dass er ihn, seinen Freund Hans, erkannt und wahrgenommen hat.
 
Hans ist außer sich. Am anderen Tag stellt er seinen Freund zur Rede. Er will das nicht auf sich beruhen lassen. Konradin schweigt still und bekommt die Wut von Hans zu spüren. Bis es endlich aus ihm herausbricht. Ja, was er sich denn wohl gedacht hat. Was er für Schwierigkeiten im Elternhaus hat wegen seiner Freundschaft zu ihm, Hans. Seine Mutter, stammend aus einer königlichen polnischen Familie, haßt die Juden, empfindet sie als Abschaum. obwohl sie nie wirklich Berührung mit einem Juden hatte. Jetzt ist es heraus. Sie ist eifersüchtig auf den jüdischen Freund ires Sohnes. Sie wirft ihm vor, er sei vom Gedankengut seines Freundes schon beeinflußt. Hans hätte seinen Glauben untergraben. Sie sieht Hans im Dienste des Weltjudentums, dass sie gleichsetzt mit dem Bolschewismus.
 
Jetzt ist es heraus. Konradin beteuert, dass er ihn am Abend des Opernbesuches nicht angesprochen hat, weil er nicht wollte, dass man ihn, Hans beleidige. Er sei zu feige gewesen, dies alles ihm früher zu gestehen.
 
Von diesem Tag an gab es keine Besuche mehr von Seitens Hans bei seinem Freund Konradin. Beiden war nun klar, dass nichts mehr so sein würde, wie es war. Die Zeiten haben sich geändert, der Wind ist stärker geworden.
 
Das Leben ändert sich, auch im Gymnasium, nationalsozialistisches, judenfeindliches Gedankengut breitete sich auch dort aus. Konradin ging Hans aus dem Wege. Auch die anderen Klassenkameraden mieden ihn mehr und mehr und erste Übergriffe geschahen.
 
Hans Eltern schickten ihn in die USA. Sie wollten sein Leben retten. Dort kann er in Ruhe die Schule beenden und sein Studium zum Abschluß bringen. Hans reist ab.
 
In den USA bleibt er dann auch, lebt und arbeitet dort, sogar recht erfolgreich als Rechtsanwalt. Jeden Kontakt, den er beruflich oder privat zu Deutschen hat, klopft er vorsichtig ab. Nein... er will nicht mit einem Deutschen der Blut an seinen Händen trägt, Kontakte pflegen, wie auch immer. Seine Eltern sind tot. Es tröstet ihn, dass sie nicht in Ausschiwtz oder Belsen umgekommen sind. Sie hatten ihren Tod selbstbestimmt. Von Konradin? Hat er niemals mehr etwas gehört. Hin- und wieder denkt er dran, was aus ihm wohl geworden ist. Ob er noch lebt. Aber weitestgehend hat er ihn aus seinem Gedächtnis gestrichen.
 
Bis er eines Tages Post aus der deutschen Heimat bekommt. Ein Spendenaufruf seines ehemaligen Gymnasiums. An die Kriegsopfer soll gedacht werden. Namen sind aufgelistet. Hans geht sie durch von A bis Z, nur das H läßt er aus, von Hohenfels, das will er nicht zulassen.
 
Tage braucht er, bis er den Mut findet, zu schauen, was mit Konradin geschehen ist. Ob er bei den Opfern auftaucht?
 
Hier ende ich die Erzählung und lasse den neugierig und interessierten Leser in Ruhe. Ich will ja nichts vorwegnehmen. Aber eines kann ich verraten...er hat ihn wiedergefunden...
 
Ein lesenswertes Büchlein wie ich finde, dass mich bewegt hat.
 
Fred Uhlman
Der wiedergefundene Freund
Diogenes Taschenbuch
7,90 Euro

28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:04

Das sagt man heute gar nicht mehr, oder? Dass ein Mensch für etwas Feuer und Flamme ist. Allenfalls werden neue Beziehungsobjekte als "neue Flamme" bezeichnet. Naja...das drückt schon allles aus. Wenn die Flamme erlöscht? Was dann? Nun..ich will ja nix über Beziehungen schreiben;-)
 
Ich jedenfalls bin Feuer und Flamme für's Schachspielen. Noch nicht so lange. Seit ca. einem halben Jahr bin ich jetzt dabei, so es die Zeit erlaubt. Leider hab ich immer zu wenig davon, auch für die vielen anderen Dinge, die mir so im Kopp herumgehen. Daher muß ich Prioritäten setzen.
 
Zur Zeit herrscht bei mir das Schachspielen vor. Ich hab mich gefragt, kann man im Alter das Königsspiel eigentlich noch erlernen? Man kann, auf jeden Fall. Sagen auch die Schachexperten. Neulich las ich sogar, dass das Schachspielen eine gute Vorbeugung gegen Demenz ist. Der Geist wird durchs Schachspielen wach gehalten, und das Gehirn rostet nicht ein;-)
 
Auf jeden Fall muß man Mut haben. Meine ich jedenfalls. Man muß es aushalten können, dass man Partie für Partie in Ohnmacht fällt. Wegen all der dummen Züge, die man gemacht hat. Warum auch immer. Am Anfang hat man Schwierigkeiten, überhaupt drei, vier Züge im voraus zu denken. Dann legt man sich einen Plan zurecht und kalkuliert nicht ein, dass der Gegner ja auch einen hat. Einen Plan. Und man hat sich keine Taktik erdacht, wie man gleichzeitig seinen eigenen Plan durchsetzen kann und noch dem Plan, der Taktik, der Strategie des Gegners entgegenwirken kann, so dass man am Ende "matt" sagen kann. Man will ja schließlich auch gewinnen. Wäre schon merkwürdig, wenn es einem egal wäre, ob man gewinnt oder verliert. Taktik und Strategie. Auweia...hört sich an wie Krieg. Aber auf dem Schachbrett ist ein Krieg erlaubt.
 
Am Anfang jedoch ist es, so meine Erfahrung, aber erstmal wichtig, verlieren zu können. Spielen um des Spielens willen. Lernen, lernen und nochmal lernen. Eröffnung, Mittelspiel, Endspiel. In meinem Spiel zur Zeit hab ich jetzt erstmal eine Sicherheit in der Eröffnung bekommen. Hin und wieder hat es sogar geklappt, dass ich darüberhinaus auch weitergekommen bin, also tatsächlich einmal "matt" hab sagen können. Aber von ca. 1oo Partien, die ich bisher gespielt habe, war das höchstens eine oder zwei Hände voll;-) ich weiß es gar nicht mehr. Ich zähl jetzt nicht so nach. Aber ein Sieg ist schon ein herrliches Gefühl.
 
Manche sagen ja, das Schachspiel ist nicht nur ein Könisgsspiel, es ist ein Spiel, in dem man fürs Leben lernt. Das kann ich nun wirklich unterstreichen.
 
Was man fürs Spielen nämlich absolut braucht, ist Ruhe, Übersicht, Weitsicht, Achtsamkeit, Gelassenheit und Klarheit der Gedanken. Nichts ist schlimmer, als wenn man sich ständig und ständig über sich selber oder den Gegner ärgert. Verlorene Partien dürfen einem schon was ausmachen, aber man sollte sich nicht all zu viel darüber grämen.
 
Beim Schachspieler, so hab ich gelesen, zeigt sich allzu zu deutlich der Charakter des Menschen. Auch dem stimme ich absolut zu. Jedenfalls, nicht, dass ich mich vorher nicht kannte, aber es wird mir doch deutlicher, wo meine Schwächen und Stärken sind. Wobei...wenn man im Leben gern hergibt, ist das beim Schachspielen nun mal keine besonders günstige Eigenschaft;-) Material einzustellen bedeutet meistens, gerade wenn es schon in der Eröffnungsphase geschieht, dass man die Partie schon verloren hat, bevor es überhaupt richtig losgeht. Stellt man die Dame ein, kann man theoretisch schon aufgeben. Machen auch viele. Ich nicht!
 
Hier kommt mein Charakter auch zum Vorschein. Ich hab im Leben noch nie aufgegeben, also tu ich das beim Schachspielen auch nicht. Hab ich auch sogar schon mal Glück dabei gehabt. Trotz verlorener Dame eine Partie gewonnen. So kanns gehen.
 
Oder...wie man eine Eröffnung spielt...was es alles für Möglichkeiten gibt. Die einen spielen defensiv, die anderen spielen offen. Was ist mir gemäß? Auch das mußte ich erstmal in Erfahrung bringen. Ich hab mich für die offene Stellung bei der Eröffnung entschieden. Sie bietet vielmehr Möglichkeiten. Allzu sehr in der Defensive hat sich bei mir als nachteilig erwiesen. Also nix wie raus mit e4, gefolgt von d4, Sf3, Le2 vielleicht, und dann erstmal rochieren, und jetzt kann es losgehen. Natürlich nur, wenn es der Gegner zuläßt.
 
Wo ich die größten Probleme habe ist, nehme ich oder nehme ich nicht. Welches Figurenopfer macht wirklich Sinn und welches bringt mir eher Nachteile als Vorteile.
 
Sicherheit ist ganz wichtig beim Schachspielen. Man muß wissen, was man will und wohin man will. Ist im Leben ja auch so. Aber wenn ich so drüber nachdenke, bin ich mir eigentlich gar nicht immer so sicher, wohin es geht. Dann denke ich wieder, will ich das überhaupt, immer mit Sicherheit wissen, wohin es geht? Wichtig ist doch erstmal das Aktivwerden, sich in Bewegung setzen und das richtig. Und ich glaube, mit meiner Eröffnungsweise bin ich da auf dem richtigen Weg.
 
Jedenfalls, wie ihr merkt, ich bin noch nicht all zu weit trotz ca. 1oo gespielter Partien gekommen. Wieviel Möglichkeiten es beim Schachspielen aber auch gibt. Unglaublich! Man darf gar nicht anfangen diese Möglichkeiten auszurechnen. Was man alles lernen muß. Und hin und wieder denkt man tätsächlich, ich gebs auf, ich lern es nie. Dann macht mir der Freund meines Vertrauens schon mal Mut und sagt, Roeschen, ich sehe Fortschritte. Ich aber nicht.
 
Aber so ist es wohl im Leben auch oft, man sieht selber gar nicht, dass man einen Schritt weitergekommen ist, sich verändert hat. Nur der neutrale Beobachter, der Außenstehende sieht, was ist. Daher heißt die Parole:"weitermachen";-) Was mir im Leben meist ja auch nicht schwer fällt.
 
Sicherlich ist es so, die einzige Wahrheit die es gibt im Leben, kann man im Schach finden. Da gibt es nix zu tuscheln, zu heucheln oder zu täuschen. Zug ist Zug. Und wohin der führt, das sieht man dann.
 
Bewundernd stehe ich immer davor, wenn so ein richtiger, langjähriger Schachspieler mir erzählt, in welchen Partien er und sein Gegner, wann, welche Züge gemacht hat und das gesamte Diagramm mit den Stellungen herunterbeten kann. Dann lehn ich mich demütig zurück und denke, auweia, das ist noch ein weiter Weg bei Dir Roeschen. Naja...ich hab ja auch sonst noch tausend andere Dinge im Kopf. Schon allein das Abgezogensein durch Arbeit macht den Kopf nicht so frei, wie ich gern möchte.
 
Jedenfalls soweit ist es schon. Ich träume vom Schach, sehe Türme auf mich zukommen, Bauern, die mich bedrohen und Springer, mit denen ich angreife. Und wenn ich in meiner Küche sitze und auf die Kacheln schaue, sehe ich Springtiere hopsen und Damen Bahnen ziehen. Ob ich mir jetzt Sorgen machen muß;-)
 
Also, ich sag Euch was, Schach ist ein schönes Spiel, von dem ich mich gern mit Haut und Haaren verschlingen lassen würde, wenn ich es könnte. Und es gibt ja auch nix Schöneres im Leben als immer mal wieder so ein richtiges Spielkind zu sein. Siegbert Tarrasch hat einmal gesagt:
 
"Das Schachspiel hat wie die Liebe, die Musik, die Fähigkeit, den Menschen glücklich zu machen. Ich habe ein leises Gefühl des Bedauerns für jeden, der das Schachspiel nicht kennt, so wie ich jeden bedaure, der die Liebe nicht kennt."
 
Und Stefan Zweig behauptet sogar:
 
"Schach ist wie Liebe - Allein macht es weniger Spaß." Und das ist doch auch ein schönes Bild für das Leben finde ich, wer spielt schon gern mit sich allein oder ist gern allein. Das Ich findet sich immer erst im DU. Und noch etwas...eigentlich bin ich ja dem Internet in letzter Zeit sehr skeptisch gegenüber eingestellt. Aber zum Schachspielen ist es eine tolle Sache, man findet immer einen Gegner irgendwo in der großen, weiten virtuellen Schachwelt. Man muß gar nicht mal vor die Tür gehen und sich groß mit dem Gegenüber beschäftigen. Man spielt eine Partie zusammen, sagt sich freundlich Auf Wiedersehen...vielleicht bis zum nächsten Mal...und läßt das Spiel auf sich wirken.
 
Es hat natürlich auch Nachteile. Die haben mit dem Vertrauen zu tun. Man weiß ja nicht, ob der Gegner daheim bei sich zuhause parallel einen Schachcomputer laufen hat. Das holt einen dann schon ziemlich runter, wenn man sich chancenlos gegen einen Computer spielen sieht.
 
Was man gar nicht groß anfangen sollte, obwohl es eigentlich unumgänglich ist, ist das Analysieren seiner Partie. Auweia...da kann man sich Stunden vergraben und verliert sich. Also...hin- und wieder, aber nicht so dolle.
 
So...und jetzt hab ich überlegt, wohin mit meinem Blog? Vermischtes? Kultur? Sport? Ohjeh...er könnte wohl unter allen drei Rubriken stehen. Ich entscheide mich mal für Sport! So! Schach ist auch Denksport. Für jeden zugänglich, erlernbar, ob arm oder reich, jung oder alt, krank oder gesund. Schon so manchem hat das Schachspielen Trost in manch betrübter Lebenslange geschenkt.
 
Und wenn ich mal nen 2oooer bezwungen habe,-) dann sag ich Euch Bescheid.

28. September 2014 7 28 /09 /September /2014 08:01

Ich muss jetzt rechnen, mal wieder, sehr sogar. Ein kleines Budget steht mir noch zur Verfügung. Bisher war es nie ein Problem, mir wenigstens an Lebensmittel das zu kaufen, was mir gut tut und mir schmeckt. Z.B. Vollkornbrot. Gut, es ist immer wieder ein Kampf dem allerbesten, allerliebsten Freund meines Vertrauens klar zu machen,-), dass Vollkornbrot tausendmale besser ist, als der Weißmehlquatsch, dem die Kleie entzogen wurde, ein guter Ballaststoff für den Körper, Verdauung Jedes und jedes Mal, wenn wir beim Einkauf sind, gehen die Debatten von vorne los.
 
Ich weiß, wenn ich mal nicht den Einkauf mache, dann kostet es ihn jedes Mal eine Überwindung, mir, dem allerliebsten Roeslein,-), das von ihr gewünschte Vollkornbrot mitzubringen. Nicht nur, weil es ihm nicht munden will, sondern weil er sich auch jedes Mal über den erhöhten Preis ärgert und widerwillig das Geld dafür ausgeben will. Ich sag ihm jedes Mal, kuck mal, wenn ich zwei Scheiben Vollkornbrot esse, dann bin ich pappesatt,-) Du mußt dafür drei oder vier Scheiben von dem Pappbrot essen, damit Du ein Sättigungsgefühl hast. Es schmeckt ihm aber besser, sagt er immer. Ich kann das nicht verstehen, ehrlich.
 
Neulich erst, hat er mir erzählt, stand er wieder an der Brottheke. Vor ihm ein junger Mann, der sich - anscheinend völlig angstfrei - ein super-knusper-frisches Krustenbrot kaufte, für 1,65 Euro. Er verfolgte den Kauf des Brotes an den jungen Mann mit sehnsüchtigen Augen. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen, sagte er mir, als er sah, wie der das Brot einsteckte. Nä, dachte er sich, was für´ne Qual, der geht jetzt mit dem leckersten Brot heim, dass er sich vorstellen konnte und was muß er tun? Anweisung vom allerliebsten Roeslein! Vollkornbrot!!! Denn mit der Furcht vor´m allerliebsten Roeslein und dem falschen Brot nach Hause zu kommen, ist nicht gerade ein gutes Gefühl und erstrebenswert,-) Er sagt, das habe ihm zu denken gegeben. Auweia,-)
 
Ich meine: So ein richtig gutes Dinkel-Vollkornbrot, vielleicht noch angereichert mit Nüssen, Kürbiskernen und Möhrchen,-), das hat doch Geschmack, Aroma und Würze. Das zergeht doch auf der Zunge. Vielleicht noch ein bisserl gute Butter druff, nen leckeren Frischkäse mit Tomate und Gurke, ach, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
 
Jetzt aber, bin ich selber knickrig geworden und ärgere mich auch, über den Preis des guten Brotes. Natürlich, ich werde lieber auf anderes verzichten, als dass ich es aufgebe, mir ein gutes Brot zu kaufen. Aber verstehen tue ich es trotzdem nicht.
 
Denn ein Vollkornbrot zu backen, muss doch erheblich weniger Aufwand sein, als so ein fades, wabbeliges Weißmehlbrot. Schon allein der Arbeitsvorgang, die Kleie zu entfernen. Vollkornbrot, da läßt dat Korn in die Mühle fallen und danach brauchste nur noch Hefe, Backferment oder was auch immer, die Gewürze und Beilagen dazu, feddisch. Seh ich das falsch?
 
Neulich bei meiner Rechechere im Internet las ich, man müsse auch die Kosten bedenken, die für die Herstellung anfallen. Aber wieso Mehrkosten, wenn Arbeitsgänge wegfallen. Nee, das meinten die nicht. Es ging eher darum, dass man von Vollkornprodukten halt weniger herstellt, weil es weniger kaufen, daher müsse der Preis eben höher sein. Weißmehrprodukte gingen halt mehrheitlich und überwiegend über die Ladentheke. Man. Das ärgert doch noch mehr. Denn, wie blöd muss Mensch denn sein, dass er auf etwas verzichtet, was deutlich höhere Qualität hat, als das, was er vorgesetzt bekommt. Ist halt wie immer und überall in jedem Bereich des Lebens, die Lück kaufen und tun, was man ihnen vorsetzt und was von ihnen verlangt wird.
 
Ich kann da richtig wütend werden. Verdammt, der Kunde hat es doch in der Hand und in den Füßen, die Welt zu verändern. Er muss nur einfach mal nachdenken und nicht einfach mechanisch kaufen. Ich möchte mit meinem Blog mal dazu auffordern, Leute kauft mehr Vollkornprodukte, damit es billiger wird,-), damit ich es mir auch noch leisten kann, wenn im Geldbeutel weniger als sowieso drin steckt.

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