Overblog Folge diesem Blog
Administration Create my blog
21. Februar 2017 2 21 /02 /Februar /2017 07:34

LIebe

Du fragst

was Liebe ist

Du willst sie befristen?

Das ist

eine Unmöglichkeit

Liebe hört

niemals auf

 

Liebe ist

dem Anderen

das Glück zu wünschen

 

Repost 0
Published by Fernweh - in lyrik
Kommentiere diesen Post
20. Februar 2017 1 20 /02 /Februar /2017 13:15

Paris - Amour Constitutionnell -
 
Eine Einladung nach Paris. Das war schon eine Überraschung, die gelungen ist. Warum Paris nun für mich jedenfalls die Stadt der Liebe ist, liegt auf der Hand. Denn wenn das nicht Liebe ist, so beschenkt zu werden, dann weiss ich es nicht.
 
Natürlich kann ich es nach meinem Besuch nun auch ganz allgemein sagen, warum Paris die Stadt der Liebe ist. Denn diese Liebe zeigt sich in so vielen kleinen Details in dieser Stadt. In den vielen schmalen Gassen, die eine heimelige Athmosphäre vermitteln, wo es kunterbunt aus allen Ecken entgegenleuchtet. Graffitis, alte Laternen, die wunderbar romantisches Licht am Abend durch die Gassen werfen, die vielen kleinen Schornsteine auf den Dächern. Die alten Häuser die einen noch aus einer Zeit anschauen, als die Welt etwas langsamer tickte und du den Eindruck hast, hier hat sich das ruhige, dahinschwebende Leben niedergelassen. Fast jeder Hauseingang ist eine Entdeckung wert. Schöne alte Holztüren, in prächtigen Farben lackiert warten auf den Eintritt der Anwohner.
 
Und natürlich nicht zu übersehen, die kleinen Restaurants, Bistros, Boulangerien, in denen du gar nicht weisst, für welche Leckerei du dich entscheiden sollst, Lebensmittelläden, klein aber fein, geführt von Menschen, die einen noch anschauen mit einem freundlichen Lächeln und hilfsbereit sind, weil du sie eigentlich gar nicht verstehst aber dennoch zu deinem gewünschten Einkauf kommst:) Selbst das Wandeln in den weitverzweigten unterirdischen Gängen der Pariser Metro ist ein Erlebnis. Hin- und wieder erklingen musikalische Impressionen aus einer Ecke, die dazu beitragen, der Zeit ein kleines Schnippchen zu schlagen und inne zu halten, um ein wenig zuzuhören. Alles ist so sauber und ordentlich und übersichtlich gestaltet, selbst für Fremde ein Leichtes, seinen Weg zu finden. Und wenn es nicht gleich so klappt, die Franzosen sind ausserordentlich hilfsbereit. Sie gehen auch schon mal ein paar Meter mit dir, um den genauen Weg aufzuzeigen und zu erklären. Da macht es nichts, dass du die Sprache eigentlich nicht verstehst, es gibt, wie ja auch überall auf der Welt eine nonverbale Kommunikation, die, wenn du offen dafür bist, gegenseitig ankommt und verstehen läßt. Und selbst die vielen Motorradfahrer, die durch die Strassen düsen, haben einen Tick Romantik.
 
Es ist die Lebensart die die Menschen in dieser Stadt verströmen, die die Liebe ausmachen. Und allen Unkenrufen zum Trotz, dass sich das in Frankreich/Paris geändert haben soll, ich habe nichts davon gespürt. In dieser Stadt ist mir dieser Lebensgenuss, das Bedächtige, Tiefere, Einfühlsamere in jeder Weise und auf vielfältige Art begegnet. Und nicht zu vergessen, das überaus weitläufige grosse Angebot an kulturellen Erlebnissen, Musseen, Kirchen, geschichtlich behafteten Bauwerken. Für mich ist Paris ein Ort, an dem ich leben könnte.
 
Aber ich beginne noch einmal mit der Überraschung der Einladung von Vedran Aldarovic und Louisa Stuwe. Vedran hatte mich und meine Freundin im August des Jahres 2009 zu einer Performance nach Oberhausen eingeladen. Titel dieser Veranstaltung war *Der Himmel geht vorüber* http://lebenslust.over-blog.de/article-34944142.html.
 
Meine Begeisterung über dieses stattgefundene Event habe ich damals in meinem kleinen Blog Ausdruck verliehen. Sie hat die Jahre über angedauert. Und nun sollte daraus etwas entstanden sein. So richtig hatte ich im Vorfeld nicht genau verstanden, was da nun eigentlich passieren sollte. Aber egal, ich dachte mir, du wirst es schon sehen, wenn du da bist. Daher habe ich zum einen, weil ich davon ausging, dass Vedran und Lousa voll eingespannt sind in ihren Vorbereitungen auch nicht ständig mit Nachfragen auf der Lauer liegen wollen. Ich bin son Typ, ich kann warten und mich überraschen lassen,-)
 
Und richtig glauben konnte ich überhaupt erst alles, als ich per sms und email die beiden Tickets für Hin- und Rückfahrt samt der Buchung einer kleinen Wohnung im Pariser Viertel *Marais* vor mir liegen hatte.
 
Und so begann mein kleines Paris Abenteuer zusammen mit meiner Freundin Zabaione, mit der ich damals im August 2009 zusammen Vedrans Performance besucht hatte am Bahnhof in Köln, an dem ich wie immer schon eine Stunde früher gestiefelt und gespornt auf den Thalis wartete. In den Ohren lagen mir noch Warnanmeldungen. Pass gut auf. Es gibt wieder Terrorverdacht in Paris, geh nicht dort und da hin, man kennt das ja. Ich versteh das ja auch. Aber ich bin son Typ, wenn ich Angst habe, dann meistens eher vor mir selber,-), z.B. dass ich den Zug verpasse und alles geht in die Hose,-) nix mit Paris und so,-) Oder einfach nur, dass ich Angst  vor der Angst habe,-) Ist doch wahr, kann schlimmer sein als alles andere.
 
Mit dem Thalis zu reisen ist schon ein Vergnügen, denn im Gegensatz zur Deutschen Bundesbahn sind die Züge gepflegt und die Sitzqualität gemütlich. Gut, ich bin jetzt auch kein Riese,-) Riesen haben schon mal etwas mehr Probleme mit den Beinen,-) aber das haben sie woanders ja auch:) An meinen Fensterplatz gelehnt geniesse ich wie immer bei Zugfahrten die vorbeiziehenden Landschaftsbilder, Aachen, Lüttich, Brüssel als Städte werden passiert und neugierig denke ich, oh, was mag dieses oder jenes wohl sein.
 
Der französische Lebensart kann man schon bei einer Fahrt im Thalis begegnen. Es macht einfach Spaß. Und so vergeht die Fahrt auch wie im Flug.
 
Pünktlich um 11.55 Uhr laufen wir im Pariser Bahnhof ein und kaum ausgestiegen ertönt schon der Ruf, Roeschen, Roeschen. Wie gut, so eine rote Kappe hats halt in sich:) Die ist kaum zu übersehen. Und da steht Louisa und wartet schon auf uns. Uns kommt eine Herzlichkeit entgegen, die sofort alle möglicherweise vorhandenen Befürchtungen vertreiben. Louisa fragt, ob wir per Bahn, Taxi oder zu Fuss in unsere Unterkunft wollen. Ich antworte meinerseits wie aus der Pistole geschossen, zu Fuss natürlich, lang genug gesessen. Im Nachhinein hab ich mich ein wenig geschämt, all die weil meine Freundin ja keinen Rollkoffer hatte und ihr Gepäck tragen musste. Manchmal ist der Mensch halt autistisch und denkt nur an sich, auch ich:) Ich hab das aber wieder gut gemacht,-) Auf dem Rückweg trug ich dann Freundins Tasche auf meinem Rollkoffer zum Bahnhof und hab mich tausendemale entschuldigt,-) Hallo Zabi:) Manchmal kommt man eben nicht auf die naheliegensten Dinge,-)
 
Auf dem Weg zur Wohnung machten wir, da die Wohungsinhaberin der uns zur Verfügung gestellt Wohnung noch nicht erreichbar war, Rast bei einem gemütlichen Cafe au lait im frühlingswarmen Pariser Sonnenschein, wunderbar. Und dort wurden wir auch schnell gewiss aus den Erzählungen Louisas worum es nun eigentlich bei dem Projekt, zu dem wir eingeladen waren, ging. Ein wenig war in mir ja schon auch der Gedanke, dass es möglicherweise eine weitere Performance im Stil der vorangegangenen im Jahre 2009 wurde. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt.

Es war ganz anders. Aus diesem damaligen Projekt, dass sich mit vielen Gesellschaftsfragen und den Themen des Lebens eines Menschen an sich beschäftigte, welche zuvor in Texten,  Bildern und Videos dargestellt wurden,  war etwas Handfestes umgesetzt worden, ein Projekt. Raus aus dem nur kritischen Hinterfragen und Denken rein in die Umsetzung des Entgegenhaltens aus dem Dilemma des Menschen, in dem sich ja fast jeder befindet, seinem Hamsterrad, in dem er sich Tag für Tag dreht, der politischen Entwicklung der Entdemokratisierung nicht nur in den USA sondern in allen Ländern weltweit, vor allen Dingen auch in Europa. Eine schleichende Angst vor Faschismus, Rassismus und Nationalsozialismus, die in denen, die die Augen noch offen haben und erkennen, entstanden ist.
 

Es ist eine Neugeburt....Entstanden ist das Projekt *

Amour Constitutionnel.

Die Liebe zur Verfassung könnte dieser Projektbegriff übersetzt werden. Vedran, der u.a. politische Wissenschaft und Jura studiert und auch einige Jahre in den USA gelebt hat, erklärte damals wie das amerikanische Wahlrecht funktioniert. Über die Gefahren hat er gesprochen und wenn wir nun in die aktuelle Situation schauen, dann hab ich den Eindruck, dass Vedran prophetisch in seinen Aussagen war.

Aber wieso jetzt Liebe zur Verfassung. Was muss da passieren. Und genau hier wollen Vedran und Louisa, nun ansetzen in dem sie dieses Projekt ins Leben gerufen haben.

Die Beiden haben lange Jahre in Paris gut bezahlte Jobs gehabt. Auf meine Frage an Vedran, wieso er mit all seinem Blick auf die Gesellschaft und der Zerbrechlichkeit des Lebens einen Job in einer Weltbank über so lange Zeit machen konnte, war die Antwort, er wollte einfach wissen, worüber er redet und wie alles funktioniert. Und irgendwann war es genug, es an der Zeit, etwas zu tun, das eine Möglichkeit darstellt, in den Köpfen Vieler selbstkritisches Denken zu entfachen, zu hinterfragen und sich mit den vielen Themen und Problemen  des Lebens und der Gesellschaft endlich bewusst auseinanderzusetzen.  Es ist an der Zeit wach zu werden, raus aus der Bequemlichkeit, raus auf die Strasse, Mut zu haben gegen die Ungerechtigkeit und Ausbeutung der Menschen zu protestieren und das damit verbundene unausweichliche Selbstreflektieren des eigenen Lebens in Kauf zu nehmen.

Vedran und Louisa haben einen Anfang gemacht. Sie sind das Wagnis eingegangen, ihre Jobs zu kündigen. Dass diese Entscheidung sicherlich nicht einfach war, kann ich gut nach vollziehen. Denn auch ich stand einmal an dem Punkt, um einen Lebenstraum wahr werden zu lassen, das Alte und Gerwohnte, auch die Sicherheit zu verlassen. Es braucht Mut von sich selber zu erfahren: *Deswegen bin ich ein Feigling*

Für sich selber haben die Beiden erkannt, dass sie zu der Generation gehören:

We are a Generation that doesn`t want a Relationship!

LOVE IS somethin technical

All alone

A Life with regrets

I am Lost

available for everyone

From the forgotten

Tough the Masculine

En ugly Girlfriend

I´m the Volume

Love is a fight for equality

 

Das Projekt Amour Constitutionell ist eine Veranstaltung, in der sich Menschen treffen zu einer Debatte. Sie wird jeden Mittwoch im
im Cafe Beaubour.43, rue de Saint Merri, 73004 Paris, stattfinden.

Die ersten Themen sind:

22.02.2017  Offenes Ende oder Vertrag über einen festgelegten Zeitraum- Welches passt zu deiner Beziehung? -

01.03.2017 Verfassungs-Liebe? Offene Beziehung vs Monogamie - Präsidentiales vs. parlamentarisches System -

08.03.2017 Heute und Damals - Machtprobleme im Doppel (oder Paar) - das Abrutschen von Demokratien Richtung Autokratien

15.03.2017 Anarchische Liebe - eine postmoderne Befreiung? Was ist mit Selbstachtung?

22.03.2017 in die Richtung eines neuen politischen Systems? Ein neuer Weg andere zu lieben -

Vedran und Louisa haben sich im vergangenen Jahr intensiv mit vielen Themen auseinandergesetzt. Sie haben an die 250 Bücher gelesen. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden sie ebenfalls auch Fachleute hinzuziehen, die über diverse Themen ihren Beitrag zusteuern und ungeklärte Fragen beantworten können.
 
So durfte ich Zeuge sein, wie in unserer Gesellschaft eine Zelle entsteht, in der, so kann ich nur hoffen, auch neues Leben in jedem Einzelnen, der sich daran beteiligt, wächst. Neues Denken, eine andere Sichtweise auf das eigene Leben, welche dann auch zu Veränderung führt, denn Veränderung einer Gesellschaft kann nur durch Veränderung jedes Einzelnen entstehen.
 
Angekommen in unserer Wohnung, kurz verschnauft, haben wir Beide dann nach ein paar Stunden Rund- und Spaziergang durch die Strassen und Viertel am Abend die letzten Vorbereitungen der Eröffnung dieses Projektes am darauffolgenden Samstag mitverfolgen können.
 
Der Samstagvormittag dann gehörte uns Beiden und wir hatten uns ausgeguckt das Centre Georges de Pompidou nicht nur von aussen zu bewundern. Obwohl das allein schon ein imposantes Gebäude ist, das in seiner Hässlichkeit eine innewohnende Schönheit hat.-40 Jahre alt ist es in diesem Jahr geworden, entworfen von Renzo Piano, Richard Rogers und Gianfranco Franchini. Und es macht riesigen Spaß durch die Röhren rolltreppefahrend in die einzelnen Ausstellungsräume zu gelangen. Beeindruckt war ich von der Ausstellung sowjetischer Künstler und ihrer ganz besonderen Art der Ausdrucksform. Namen, die ich vorher nie gehört habe. Aber auch Kandinsky, Matisse, Malevich, Picasso, sind hier zu finden.
 
Am Nachmittag dann die Eröffnung des Projektes mit geladenen Gästen.Es folgt eine Begrüßung  der Beiden und ein sehr schönes Video, in dem Vedran und Louisa ihre ihr Projekt vorstellten, die Entwicklung, die dazu geführt hat, Ihre Intention und ihre Hoffnung. Und am Ende dann noch einmal eine Erinnerung an die damalige Veranstaltung im Jahre 2009 mit Ausschnitten aus den gezeigten Videos.
 
Erfüllt sind wir von dannen gezogen, von Vedrans und Louisas Ideenreichtum, ihrem Mut und ihrer Energie sich zu engagieren, um viele Menschen erreichen zu können, damit Bewegung in das eigene Leben aber auch in das der Gesellschaft kommt.
 
Am späten Nachmittag dann noch, da geht ja kein Weg dran vorbei, der Eifelturm. Und so beschlossen wir den Tag nach fast 10stündiger Wanderung durch Paris mit einem Besuch des Monuments, das sich in seiner ganzen Größe zeigt, sobald du auf dem Hügel des Trocadero stehst. Leider dauerte es noch eine geschlagene Stunde, bis wir möglicherweise einen leuchtenden Eifelturm hätten sehen können. Da ich sowieso den ganzen Tag nicht richtig warm geworden bin, verweigerte ich mich an dieser Stelle, noch eine weitere Stunden stehend dort zu verbringen. Und ich glaube es war nicht nur Liebe zu mir seitens meiner  Freundin, sondern auch ein wenig Eigennutz, haha:)
 
Dann endlich, nach dem langen Tag, zuhause angekommen, machten wir es uns gemütlich. Es neigte sich unser Aufenthalt dem Ende zu. Es war gut, noch ruhige Stunden zu verbringen, um alles Revue passieren zu lassen. Unser Spaziergänge, ich war voll von Eindrücken und brauche Zeit, um zu verarbeiten, unsere kleinen Erlebnisse, die uns manchmal vor lustige Situationen gestellt haben. Z.B. als wir nicht ins Haus kamen, weil ich den Code auf dem Schlüssel nicht richtig entziffert hatte. Ist halt manchmal so, dass die Schrift eines anderen nicht richtig gelesen wird und so konnnte ich Buchstabe von Zahl nicht unterscheiden. Die erste Eingangstür konnte noch überwunden werden, da zufällig ein Mitbewohner des Hauses herauskam und wir durchschlüpfen konnten. An der zweiten Tür dann versagte ich. Und das alles nun im Augenschein einer Concierge, die uns nicht nur mit Argusaugen beobachtete und auf uns einredete, ich aber auch auf sie, wir aber beide nunmal nix verstanden, da half auch keine nonverbale, Ihr wisst schon. Was der Mensch nicht begreifen will, will er nun mal nicht. Ist so:)
 
Sie war und blieb misstrauisch uns gegenüber, wollte einfach nicht einsehen, dass wir hierher gehörten, wenn auch nur für zwei Tage. Dachte wohl, wir wollten uns im Haus am Eigentum anderer Leute vergreifen. Haha. Ich bin da stur und weiche nicht so schnell von der Stelle. Aufgeben? Niemals,-) Als das Wörtchen Gendamerie an meinem Ohr erklang, wurde mir jedoch etwas flau im Magen. Habe mich nur beruhigt, in dem ich dachte, na und...mir doch egal,-) sitzen wir Zwei halt mal ein in einem französischen Gefängnis, wär auf jeden Fall lustig gewesen. Aber Ende gut, alles gut, zwischenzeitlich hatten wir Louisa per app erreicht, manchmal ist so ein smarth ja auch ein Segen. So bekamen wir den richtigen Code mitgeteilt und konnten endlich zur Haustüre hinein. Dritter Stock. Nicht, dass es jetzt ein Ende mit der Concierge hatte. Nene, die fuhr mit dem Aufzug nach oben und lauerte schon an der Eingangstür der Wohnung auf uns. Beäugte uns weiter mit ihrem ganzen Misstrauen, ob wir auch wirklich den Schlüssel zur Wohnung hatten. Ich hab sie dann einfach nicht mehr beachtet. Manchmal muss das sein. Man muss einen Punkt setzen Sollen sie doch weiter doof gucken oder herumlamentieren. Da geh ich dann einfach nicht weiter drauf ein.
 
Und so gab es dann einige kleinere oder größerer Missgeschicke und Unwägbarkeiten, die uns jedoch nie aus der Fassung brachten, mich jedenfalls nicht, sondern dafür sorgten, dass wir tüchtig was zu lachen hatten. Gut, haben wir Beide uns in unserem Domizil und in den drei Tagen zurechtgefunden, es passte alles, auch das Miteinander.
 
Schön war es. Schön, dass wir dieses Geschenk hatten. Nochmals meinen Dank an Vedran und Louisa. Schön war es, mit dabei sein zu dürfen. Schön war es, Paris zu sehen und zu schmecken, schön war die Zeit mit der Freundin. Es wird nicht vergessen werden.
 
Und natürlich kann ja auch alles auf der webseite der Beiden mitverfolgt werden, wie es so weitergeht mit Armour Constitutionell.
 

https://amoursonstitutionell.com/ Die Webseite wird in den nächsten Tagen fertiggestellt werden. Dort kann sich dann auch an den Diskussionen beteiligt und Anregungen und Gedanken eingebracht werden.

 

 

Repost 0
16. Februar 2017 4 16 /02 /Februar /2017 11:00


Hm...wahrscheinlich war das gestrige Ereigniss mein Anlaß mal wieder drüber nachzudenken, was es eigentlich mit den Lebensplänen auf sicht hat. Ich hörte im Laufe meines Lebens immer von Menschen, wie sie Pläne machten für ihren weiteren Lebensweg. Studium, Ausbildung, Partner kennenlernen, Familie gründen, Häusle bauen, Urlaubsreisen usw.usw... Oft hab ich gesehen, dass die Pläne nicht wunschgerecht verliefen.

Und ich? Hm...mir ist im Nachsinnen über mein Leben die Erkenntnis gekommen. Einen Plan gab es eigentlich nie für das Leben, mein Leben. Ich habe tatsächlich nichts geplant. Das meiste was geschehen ist, kam auf mich zu oder war im höchsten Falle eine Entscheidung des Momentes.

Klar, manchmal gab es kleine Pläne. So für einen Tag. Wie ich ihn möglicherweise gestalten will. So wie gestern. Es standen einge Sachen an, die ich erledigen wollte, bevor ich meine Reise nach Paris am kommenden Freitag antreten wollte.

Munterer Dinge, beladen mit meinem Wäschesack maschierte ich in die erste Kellerebene in unserem Haus. Ich hatte noch die Schluffen an, ist ja auch nicht schlimm, dachte ich. Sollen mich die Leuits halt mal in Schluffen sehen:) In Schluffen herumlaufen hat doch schon ein ganz eigenes Geschmäckle, vor allen Dingen, wenn es an einem ganz normalen Arbeitstag geschieht. Alle sind in ihren Aktionen und nur das Roeschen läuft noch in Schluffen rum. Das gefällt mir dann. Ich lass es trotz Tagespläne doch immer eher gemütlich angehen. Bloss keine Hektik. Mit Hektik wird auch nicht mehr erreicht.

Jedenfalls, ich schluffte also in die Kellerebene, das Licht war noch nicht an, als ich merke, oha, Roeschen, du haste nasse Föss (so sagen wir Kölner ):) Shit happens mein Gedanke, Licht an und da sah ich die Bescherung. Die ganze Ebene stand unter Wasser. Huch, nix mit Waschen erstmal. Handwerker waren auch schon da. Was geht? war meine Frage an sie. Wissen wir noch nicht, die Antwort. Später erfuhr ich dann, die Stadt ist schuld. Die Bauarbeiter haben ein Rohr zum Platzen gebracht. Die Doofen, dachte ich,-). Die haben mir alles vermaselt. Meinen ganzen Tag. Und nu?

Die zweite Ebene, in der sich auch mein Kellerraum befindet, war bis dato noch trocken. Also, hab ich mich auch nicht mehr drum gekümmert. Am Nachmittag dann maschierte ich wieder in die erste Kellerebene, es war noch feucht, aber das Wasser war soweit abgepumpt, die Waschmaschiene frei, also weiter konnte es gehen. Um die Eck kam ein Handwerker. Oha, sagte ich wieder, was geht? Ja, hier haben wir nun den Schaden behoben, leider ist nun doch auch in der zweiten Ebene das Wasser durchgesickert. Oh nein, antwortete ich ihm. Alles unter Wasser??? Leider ja. Ich die Wäsche rein, wieder nach oben, meinen Kellerschlüssel geholt, endlich die Schluffen ausgezogen, ich hatte sie dann gar nicht ausgezogen, weil eh alles aufs Warten ausgerichtet war, maschierte ich mit Stifelken in den Keller und sah sofort die Bescherung. Das Wasser stand ca. 10 cm hoch im Gang und alles, was sich in meinem Keller befand, stand ebenfalls unter Wasser.Das darf nicht wahr sein. EIch war geschockt. Wenn du geschockt bist, kannste erst mal nix mehr sagen, denken auch nicht. geht einfach nicht.  Denn in meinem Keller befand sich mein Lebenswerk. Meine Malereien. Und die Hälfte meiner Leinwände waren durchfeuchtet, weil sich bekanntlich die Feuchtigkeit in Leinwänden nicht auf eine Fläche beschränkt, sondern sie sich einfach ausweitet.

Die sind nu hinne. Die meisten jedenfalls. Roeschen, schockschwerenot, du kannst nix mehr machen, nur noch loslassen. Wollte ich auch, ging auch irgendwie, dann später, obwohl ein gewisses Gefühl von Ohnmacht und Leere in mir blieb. Wird wohl auch nicht so schnell vorübergehen, das Vermissen, egal ob es an liebe Menschen oder an Dinge gebunden ist, bleibt ja ein Leben lang, das weiss ich ja. Damit musste halt leben. So ists halt.

Was ich nur wieder einmal mit aller Macht festgestellt habe ist, mach Pläne, erwarte aber nicht, dass sie erfüllt werden. Aber am besten, mach keine Pläne, zumindestens nicht für das große ganze Leben. Lebe den Tag, so heisst ja ein Sprüchlein. Ich weiss, manchmal kommen solche Sprüche echt doof. Es ist jedoch oft die Wahrheit. Denn es geht eh nix anderes, als tatsächlich den Tag, den Moment zu leben, alles andere ist Vorstellung, Illusion und Träumerei.

Ich erinnerte mich, es ist jetzt fast 30 Jahre her, da befand ich mich, wie immer in meinem Leben, auf der Suche nach Antworten auf Fragen. Damals war es die Frage...Was ist der Sinn des Lebens...Nicht, dass ich die vorher nicht auch schon einmal gestellt hatte. Ich stellte sie mir immer wieder mal in vergangenen Zeiten. Mittlerweile hab ich die Einfachheit der Antwort dieser Frage erkannt: Sie lautet eben ganz einfach: Lebe!

Aber damals suchte ich einfach nach komplizierteren Antworten! Ich bin son Typ, manchmal. Da mach ich mir das Leben schwerer, als dass es sowieso schon ist. Jedenfalls, eine Frage, eine Tat. Ich maschierte los, durch meine Stadt und sprach einfach irgendwelche Leute an, auf Rolltreppen, auf Bürgersteigen, in Ubahnschächten die Wartenden. Ich sagte, darf ich sie mal was fragen. Erstaunt guckten die Leuts mich immer an, die meisten waren aber gewillt, meine Frage an sie zuzulassen. Was ist der Sinn des Lebens für Sie?  Damit hatten sie natürlich nicht gerechnet. Eher wahrscheinlich, wo befindet sich diese oder jene Strasse und wie komme ich dahin. Aber ich bin son Typ, gelegentlich stelle ich Fragen, mit denen nicht gerechnet wird. Dennoch  bekam ich immer Antworten, wenn auch eine kurze Zeit nachgedacht wurde.

An ein Gespräch werde ich mich immer erinnern. Es war ein älterer Herr, damals für mich jedenfalls, heute bin ich ja im selben Alter, er war 58 Jahre alt. Auf meine Frage hin schaute er mich zuerst verständnislos an und erklärte mir dann, dass es zwar merkwürdig sei, alles, dass ich ihn jetzt hier anspreche, fremd wie ich bin, eine so persönliche Frage, dass sie aber genau passte. Dass ich ihn im richtigen Moment erwischt habe. Er kam gerade von einem Arztbesuch und hatte eine furchtbare Diagnose. Krebs! Und er stehe ein wenig neben sich und müsse jetzt erstmal selber damit klar kommen, zum anderen überlegen, wie er das jetzt seiner Familie beibringen sollte. Er redete weiter und erzählte mir, sein ganzes Leben habe er geplant, so, wie ich es anfangs beschrieb. Jetzt hätte er fast alles erreicht, Beruf, Haus, Frau, Kinder, sogar Enkelkinder schon und eigentlich war jetzt der Plan noch bis zur Rente durchzuhalten und sich dann um das kümmern zu können und wollen, was ihm schon immer am Herzen lag und wofür er nie Zeit gehabt hatte. Und nun ist plötzlich von einem auf den anderen Moment alles anders. Eine Diagnose, die alle seine weiteren Pläne zu nichte machen sollte. Jedenfalls dachte er so in diesem Moment. Und nun wisse er nicht, wie es weitergeht mit ihm, seinem Leben und seiner Familie.

Ich muss sagen, auch ich war geschockt in diesem Moment. Zumindestens hatte es jetzt ein Ende mit seinem Pläneschmieden, so sagte er. Das Leben, so erfahre er nun, sei unberechenbar und der Schock, weil es eben sehr lange in seinem Leben so gut gelaufen ist, sei groß, aber er würde begreifen und letzten Endes dankbar sein, dass es ja immerhin eine so lange Zeit gut gegangen ist. Und wahrscheinlich, das war dann seine letzte Antwort auf meine Frage, besteht der Sinn des Lebens einfach nur darin zu leben, egal was passiert

Das hab ich mitgenommen. Es war ein Geschenk, so empfand ich es. Wir haben uns herzlich verabschiedet, damals, der Mann und ich. Haben uns umarmt und ich hab ihm alles erdenklich Gute gewünscht und dass er die Hoffnung niemals aufgeben solle.

Also, ich weiss jetzt wieder Bescheid, bin dran erinnert worden. Mach keine Pläne für dein Leben Roeschen. Nimm es, wie es kommt und handle. Ja handeln, wie ich gerade in einem Brieflein von einem Freund las, ist sicherlich der weitaus bessere Weg als kämpfen. Kämpfen hat in der Tat immer das Geschmäckle von Sieg oder Niederlage. Und ich will weder das eine noch das andere, ich will einfach handeln, möglichst das tun, was nötig ist und leben, einfach nur leben. Und wenn ich tatsächlich mal einen klitzekleinen Plan habe, so nur für einen einzigen Tag, was solls, wenn er sich nicht erfüllt, es sind dann eben ganz viele andere Dinge passiert, im Äußerlichen und im Inneren, wie gestern eben, das Nachdenken, Nachsinnen und aufs Leben schauen.

Pläne machen hat einfach keinen Sinn! Der Vogel hat sicher auch keinen grossen Plan, ausser, dass er, wenn er Hunger hat, seinen Bauch füllen will,-)

Das Leben ist und bleibt ein Drahtseilakt!

 

Repost 0
13. Februar 2017 1 13 /02 /Februar /2017 15:06

Ich

Ich

Ich vertraue

Ich vertraue nicht

Ich vertraue nicht weil

Ich vertraue nicht weil es

Ich vertraue nicht weil es ein Gestern

Ich vertraue nicht weil es ein Gestern gab.

 

Ich
 
Ich glaube
 
Ich glaube nur
 
Ich glaube nur noch
 
Ich glaube nur noch an
 
Ich glaube nur noch an das
 
Ich glaube nur noch an das was
 
Ich glaube nur noch an das was ich sehe.
 
Ich
Repost 0
Published by Fernweh - in lyrik
Kommentiere diesen Post
13. Februar 2017 1 13 /02 /Februar /2017 09:35


Vor ein paar Tagen hab ich mich empört! Ja, manchmal kann ich nicht anders. Es gibt Zeiten, da schau ich mir an, was so passiert, gesagt und geschrieben wird und denke mir meinen Teil. Ich bin son Typ. Urteile oder Verurteilen kommt mir nicht in den Sinn. Warum auch, das bringt ja nix.

Aber manchmal platzt mir einfach die Hutschnur. Wenn eine Hutschnur platzt, dann ist erst mal Ende im Gelände. Dann sitzt der Hut nämlich nicht mehr. Er fällt auseinander. Die Hutschnur sorgt nämlich dafür, dass der Hut gut auf dem Kopf sitzt und er nicht auseinanderfällt. Und so geht es mir manchmal eben auch, da fühle ich mich wie ein Hut. Da muss ich aufpassen, ob des Gesagten nicht etwas in mir entzwei bricht, weil es so unerhört ist, dass meine Seele rebelliert und ich muss sehen, dass sie im Gleichgewicht und stabil bleibt. Und mit einem kaputten Hut herum zu laufen, ist nicht unbedingt leicht, weil man ständig aufpassen muss, dass er nicht vom Kopf fällt.

Jedenfalls, mir ist sie geplatzt, die Hutschnur. Weil...es ging in einem Gespräch um das alt sein oder älter werden. Da sagte plötzlich einer *Alter Sack* zu einem anderen. Das hat mir einfach nicht gefallen. Ich konnte das nicht so stehen lassen. Das ging gar nicht. Ich sagte dann auch, ich finde diese Ausdrucksweise unschön. Genau, unschön!

*Alter Sack* ist fast wie Altersrassismus, finde ich jedenfalls. Warum sagt ein Mensch so was zu einem anderen, manche gar zu sich selber. Vielleicht ist das ja auch eine Portion Zynismus ob des eigenen Prozesses des Älterwerdens, ich weiss es nicht.

Für mich ist es eine Form der Respektlosigkeit des Menschen am Anderen oder eben auch an sich selber. Als wenn er das älter werden nicht respektiert, nicht einsehen oder verstehen will, dass es nun mal der Lauf der Dinge ist, dass ein Mensch älter wird. Beim *Alten Sack* sind ja immer Männer gemeint. Es kann ja wohl auch nur auf den Mann angewendet werdne, all die weil Frauen nun mal keine Säcke haben, also Hodensäcke,-) Also echt, wie unschön so was überhaupt zu denken, geschweige denn noch auszusprechen. Bei Frauen ist das ja anders. Die werden dann einfach mal *Alte Schachtel* genannt. Bedeutet nun auch nix anderes, als dass sie wohl nicht mehr zu gebrauchen sind.
 

Es gab eine Zeit, da war das anders in der Gesellschaft. Und es soll auch noch Gemeinschaften geben, irgendwo in fernen Landen, bei anderen Völkern, da ist das Älterwerden eine hohe Kunst und  die Älteren werden hoch angesehen und gewertschätzt. Ihre Lebenserfahrung, ihre Weisheit wird benötigt, sie werden um Rat und Ansichten gefragt. Sie haben einen ganz besonderen Platz in der Mitte ihrer Gemeinschaft.
 
Und, da sag ich ja nun nichts Neues für alle die, die noch richtig sehen und erkennen können. Das läuft mittlerweile anders in unserer Gesellschaft. Da ist für Alte oder das alt werden kein Platz mehr vorhanden. Ausquartiert aus dem System der Herrlichkeit und des Jugendkults. Ist doch so. Ob das im Berufsleben ist oder ganz einfach im normalen Alltagsgeschehen. Wenn du nicht mehr so schnell bist irgendwo an der Kasse im Supermarkt oder beim Überqueren der Strasse, kannst du recht schnell hin- oder her geschubst werden, im übertragenen Sinne.
 
Und ein Blick in die Altenpflegeheime sagt ebenfalls alles. Ausquartierte Menschenleben, die man mit möglichst hoher Effiziens und niedrigen Kosten irgendwie am Leben hält, bis es zu Ende ist. Ich kenne solche Pflegeheime aus meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten sehr genau und ich habe mich einfach nicht an diesen Alltag gewöhnen können, schon gar nicht an den Anblick des Dahindämmerns so mancher dieser Menschen. Das zerbricht mir immer noch das Herz. Ich möchte dann am liebsten...ihr wisst schon...aber das geht ja nun nicht. Kein Mensch kann der Retter für alle sein, das muss auch ich einsehen und beschränke mich dann eben auf einen dieser Menschen.
 
Und zu all dem Verhalten gegenüber alten Menschen oder älter Werdenden trägt eine solche Ausdrucksweise anderer oder sich selber gegenüber bei, finde ich jedenfalls. Es zeugt für mich von Respektlosigkeit und Geringschätzung. Und ich habe was gegen Geringschätzung einem Menschen gegenüber. Jeder Mensch egal, ob jung oder alt, hat seinen eigenen Wert. Niemand ist perfekt, alle haben Macken, Ecken und Kanten. Wenn das eingesehen würde, wäre die Welt zumindestens im eigenen Umfeld ein wenig friedvoller.
 
Vor zwei Tagen ist unser Oppa 90 Jahre alt geworden. Wenn ich ihn anschaue, da geht mir das Herz auf. Seine Zerbrechlichkeit, ich kenne ihn ja nun schon fast 40 Jahre, habe gesehen, was der Prozess des Älterwerdens mit ihm gemacht hat. Wie sein Körper gebrechlicher, runzeliger und anfälliger wurde. Jedoch sein Geist stärker wurde und natürlich er das Glück hat, selbst jetzt, in diesem hohen Alter gerade geistig noch unglaublich aktiv ist und man mit ihm über alle Themen reden kann. Er sagte einmal zu mir, Roeschen, im Grunde ist es so, der Körper altert, aber der Geist bleibt jung. Der Kopf will immer noch zwei Stufen auf einmal nehmen, beim Treppensteigen und schnell sein, aber der Körper will nicht mehr. Daran muss sich gewöhnt, letzten Endes damit abgefunden werden. Es geht beim Älterwerden um nichts anderes als loszulassen, was nicht mehr geht und anzunehmen was ist. Das hat mir eingeleuchtet, verstehen tue ich es erst jetzt, wo ich selber älter werde und genau diese Dinge an mir erfahre.
 
Ich käme nie auf die Idee unseren Oppa als *Alten Sack* zu bezeichnen.
 
Fast zwei Jahre hab ich eine alte Dame von 94 Jahren betreut, jeden Tag vier Stunden lang. Sie konnte kaum noch laufen. Eine grosse stattliche Frau war sie aber immer noch. Meistens lag sie in ihrem Bett. Wenn ich das Essen zubereitet hatte am Mittag kam sie mit ihrem Treppenlift heruntergefahren an den Mittagstisch. Ich half ihr beim Waschen und Anziehen, sorgte für ein angenehmes Umfeld, ging einkaufen, hielt ihren Haushalt in einem guten Zustand. Es war nicht immer leicht, denn auch sie hatte schlechte Tage, wo ihr das alt sein schwer fiel, weil es nicht mehr so ging, wie es eben immer gegangen ist. Das hab ich dann zu spüren bekommen. Manchmal hat es mir Mühe gemacht, auszuhalten, was dann gesagt wurde es gab auch Momente wo ich ihr dann kontra gegeben habe. Letzten Endes darf der Respekt vor dem Älterwerden sich nicht darin zeigen, dass alles geschluckt wird, was kommt. Ich hab ihr dann manchmal auch gesagt, dass sie undankbar sei. Und nach solchen Tagen hab ich dann aber doch meistens gespürt, dass es ihr dann leid tat. Manchmal kann der Mensch eben nicht aus seiner Missmutshaut heraus und da fallen eben Worte, die lieber nicht gefallen wären, sie aber nun auch nicht zurückgenommen werden können. Und da kommt es dann darauf an, das alles nicht so wichtig zu nehmen und weiter zu machen.
 
Also, ich bin froh, dass ich älter werden kann und darf. Das ist ja schliesslich auch nicht selbstverständlich. Im Laufe meines Lebens bin ich dem Tod schon das eine oder andere Mal von der Schippe gesprungen. Aus verschiedenen Gründen. Daher ist in mir eine grosse Dankbarkeit für mein Leben. Und weil ich weiss, was das Leben mit Menschen so anrichten kann von Kindheit an, habe ich jedenfalls auch einen anderen Blick auf das Älterwerden. Und meine Abneigung richtet sich gegen jede Art von Diskriminierung alter Menschen in unserer Gesellschaft, seien es Männer oder Frauen. Diese ganze Herabwürdigung ab einem bestimmten Alter, was ja bei Frauen noch mehr zutrifft, als beim Mann, ist so würdelos und unanständig. Als wenn das Leben nichts mehr bedeutet, wenn der Mensch nicht mehr auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten und des Aktionismusses mithalten kann. Als wenn Leben nur Sinn macht, wenn der Körper jugendlich, glatt und dem Bild von Schönheit entspricht, das uns die Gesellschaft gerade vorgibt. Pfui deibel, das alles ist schon schlimm genug, und dann noch selber daherkommen und sich selber respektlos herabzusetzen, wie dumm ist das denn...
 
Ein altes Gesicht, ein Körper, auch die geistige Gebrochenheit hat viel mehr Zärtlichkeit, Wohlwollen und Achtung verdient. Oder denken die noch Jungen, ein ater Mensch braucht das nicht mehr. Und es ist überhaupt nicht schrecklich, eine runzlige faltenreiche Haut zu streicheln, sie zu liebkosen und sie zu pflegen. Mir jedenfalls hat das nie etwas ausgemacht, im Gegenteil. Weil in jeder Berührung war in mir ein tiefes Spüren, eine Empfindung für das Leben desjenigen Menschen. Als wenn ich das ganze Leben in diesem Augenblick in den Händen halte.
 
Älter werden, alt sein ist eine hohe Kunst und anstatt diesen Prozess, egal in welcher Weise, ob mit Worten oder Taten, herabzuwürdigen, wäre es,  gerade weil unsere Gesellschaft so ist wie sie ist, wichtig dass jeder Einzelne ein Gegengewicht schafft, sich einmal bewusst macht, dass alt werden zum Leben gehört, und das alte Menschen ihren Platz in unserer Gesellschaft haben.
 
Und kommt mir keiner mit: Es war nur ein Scherz! Ich glaube das nicht.

Ich habe fertig!
 
Repost 0
Published by Fernweh - in gedanken
Kommentiere diesen Post
10. Februar 2017 5 10 /02 /Februar /2017 17:53


 
Es zwitschert hier
 
es zwitschert da
 
den lieben langen Tag
 
das Vögelein auf einem Ast
 
das kann ja auch nicht anders
 
es zwitschert Dir
so mancher auch

von Liebe
was ins Ohr
 
doch am Ende
war es eine Lüge
 
das Vögelein

ist unschuldig

Repost 0
Published by Fernweh - in lyrik
Kommentiere diesen Post
9. Februar 2017 4 09 /02 /Februar /2017 16:31

Am Rhein
 
Spazieren
 
die Sonne scheint warm mir in den Rücken
 
alles sieht so friedlich aus
um mich herum
 
Die Anderen
die mir entgegenkommen
allein oder zu Zweit
 
auch sie so friedlich miteinander im Gespräch

oder einfach inniglich verbunden

die alte Frau
mit ihrem Rollwägelchen
auch sie hat sich aufgemacht
 
immer wieder Zärtlichkeit
in mir
ob der Gebrechlichkeit des Menschen
 
das Leben ist nicht perfekt
jeder für sich allein beherrscht nicht die Perfektion
 
das ist mir recht und sympathisch
ich mag das Verwundbare
 
ich laufe weiter und weiter
geniesse diese Momente
 
und ja, ich habe den Frühling gerochen
trotz der kalten Luft
 
und während meine Sinne alles aufnehmen
ist da der Gedanke unvorstellbar und doch da
 
das genau in diesem Moment meines Glücklichseins
irgendwo an Orten auf dieser Welt so Schreckliches geschieht
 
dann schliesse ich für ein paar Sekunden
meine Augen
um sie nicht anzuschauen, diese Gedanken
 
ich habe den Frühling gerochen
trotz der kalten Luft
 
und denke auch an deine Worte, damals
als die Zeit nicht mehr lang war,
dass du gehen musstest
 
wir saßen zusammen auf deinem Sofa
schauten heraus in die Kälte des Winters
 
da sagtest Du...einmal noch den Frühling erleben...
 
Ich habe den Frühlung gerochen, heute

auch für Dich mit

Repost 0
Published by Fernweh
Kommentiere diesen Post
7. Februar 2017 2 07 /02 /Februar /2017 17:11

Einen 863 Seiten langen Roman in die Hand zu nehmen, dazu gehört schon fast Mut, dachte ich jedenfalls, als ich auf Nathan Hill und seinen Roman *Geister* stieß. Ich ermutigte mich und sagte mir ok, wenns langweilig wird, kannste ja quer lesen und paar Seiten überschlagen,-)
 
Meine Befürchtungen jedoch lösten sich schon beim Lesen der ersten 30 Seiten auf. Ich traf auf eine unfassbar grossartige Erzählkunst, die mich sofort in die Geschehnisse bzw. die Leben der Protagonisten hineinzog.
 
Es ist ein Roman der über das Scheitern des Lebens erzählt. Es sind die Geister der Vergangenheit, die, wenn sie nicht bezwungen und zurückverwiesen werden an den Ort, wo sie hingehören, das Leben und die Bewegungsfähigkeit behindern können. Das geht so lange, bis an einen Punkt gekommen wird, wo man gezwungen wird, sich diesen Geistern zu stellen, sie aufzuspüren um ihnen endlich den  Garaus zu machen. So jedenfalls habe ich es empfunden am Ende des Buches.
 
Und sicher kann Niemand aus seinem eigenen Leben nicht auf irgendwelche Geister der Vergangenheit zurückgreifen, die ihm heute hin- und wieder immer noch das Leben schwer machen. Ich jedenfalls nicht.
 
Die Geschichte beginnt mit einem recht harmlosen Attentatversuch auf einen rechtspopulistischen Gouverneur aus Wyoming. Unfassbar beim Lesen dieses Ereignisses und den folgenden, wie prophetisch Hill gewesen ist, als hätte er schon vorab vom Wahlsieg Trumps gewusst.  Eine ältere Frau wirft diesem Gouverneur namens Packer, eine Handvoll Kieselsteine während einer Wahlveranstaltung ins Gesicht.
 
Diese Frau ist die Mutter Samuels, einem Englischlehrer und gescheiterten Schriftsteller, die ihn als 11jährigen Jungen aus heiterem Himmel verlassen hat. Er hatte nie wieder Kontakt zu ihr. Nun erfährt er, dass diese Attentäterin des Gouverneurs seine Mutter ist. Aufgefordert von ihrem Anwalt, er solle einen Brief an den Richter schreiben, der zugunsten ihrerseits ausfallen soll, damit das Strafmaß gemildert wird, besucht er sie nach langer Zeit. Im Grunde steht für ihn aber fest, einen Brief will er nicht schreiben und schon gar keinen positiven. Er hat es nie verwunden, das Alleingelassen worden sein von seiner Mutter. Ja, Rache ist sein Motiv. Endlich will er ihr es heimzahlen, für den Schaden, den sie in ihm und somit seinem Leben zugefügt hat.
 
Aber es kommt ganz ganz anders. Samuel beginnt die Vergangenheit seiner Mutter zu entdecken, ihre Lebensgeschichte. Es treten weitere Figuren auf, die im Leben seiner Mutter, aber auch in seinem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Und Kapitel für Kapitel webt sich alles zusammen. Ich will da nicht so viel verraten. Aber jede Geschichte der einzelnen Figuren ist so phantasiereich erzählt, dass aus jeder Figur und ihrem Leben ein Anteil am eigenen Leben entdeckt werden kann. Riesige Spannungsbögen, fast wie ein Krimi, so hab ich es empfunden, hat Hill meisterlich geschaffen.
 
Hills Roman ist zugleich ein Erzählen amerikanischer Geschichte, ihrer Politik, der Hippiebewegung in den 60ern und den Protesten am damaligen Vietnamkrieg sowie dem gesellschaftlichen Mief in den Kleinstädten und die Weiterentwicklung der amerikanischen Gesellschaft.

Hill zu jedem Themenbereich sehr gut recherchiert und es kann viel wissenswertes mitgenommen werden. So z.B. was mit Menschen passiert, die einer Spielsucht verfallen sind.  Samuel selber verbringt in seiner aussichtslosen Lebenslage mehrere Stunden pro Tag mit einem Videospiel zu, dass er zwar selber als völlig blödsinnig erkennt, dennoch nicht herausfindet. Er selber ist nicht so stark von den Auswirkungen betroffen, da er ja noch im Berufsleben steht, aber eine Nebenfigur, von der Hill erzählt, geht an dieser Sucht fast zugrunde. Dazu bedient Hill sich geradezu eines umfangreichen Fachwissens, das er sich wohl während des Schreibens des Romans angeeignet hat.
 
Ein wunderbarer Roman, der nun zu meinen Lieblingsbüchern zählt!
 
Nathan Hill
Geister
Piper Verlag
 
ISBN: 978-3-492-05737-0

25,00 Euro

Repost 0
6. Februar 2017 1 06 /02 /Februar /2017 20:00

Es ist schon lustig. Bevor ich vor 8 Jahren nach Frankfurt ging hatte ich mir damals das Tourenbuch Kölnpfad zugelegt. Es war noch eine letzte Unternehmung, die ich vor meinem Umzug nach Frankfurt, in Köln unbedingt machen wollte. Der Wanderweg erstreckt sich über eine Länge von ca. 170 km, ein Rundwanderweg um Köln herum. Aber wies so geht in meinem Leben. Oft ist von einem auf den anderen Tag alles anders. Ich bin son Typ. Ich kann auch einfach alles auf den Haufen werfen wenn plötzlich etwas im Raum steht, dass mir wichtiger ist. Damals war es Birmingham. Die Arbeit. Dann kam die Zusage aus Frankfurt für den Job ab dem nächsten Jahr und schon war ich anders verplant. Und so wanderte der Kölnpfadwanderführer in Folie verpackt in meinen Umzugskarton mit nach Frankfurt, wo er sein einsames Dasein in meinem Bücherregal fristete,-)

Und so, wie ich ihn gekauft habe, packte ich ihn auch wieder in die Kiste, als das Heimweh mich wieder zurück nach Köln trieb und ich den Rückzug startete. Ich bin da nicht verlegen, wenn es ein Scheitern gibt, auch wieder von vorne an zu fangen. Das Leben ist ja ein ständiges Fallen und Aufstehen, jedenfalls bei mir war das immer so.

Und vor ein paar Tagen nahm ich ihn mir zur Hand, gerade in dem Moment, wo mir der Winter langsam begann auf die Nerven zu gehen und ich dachte, schiet wat, jetzt machste das einfach.

Und heute Morgen ist es also losgegangen. Eigentlich ist es ja ein Fusswanderweg. Und ich hatte auch wirklich vor, ihn per pedes zu laufen. Aber auf mich ist einfach kein Verlaß,-) Als ich drüber nachdachte, erst mal ewig lange einen Anfahrtsweg mit der Strassenbahn zu starten und ich die Sonne blitzen sah, kam mir das Vorhaben abhanden,-) Vor der Tür lachte mich mein Rad an und kurzer Hand änderte ich meinen Plan und dachte, och geht sicher auch mit dem Rad. Warum auch nicht. Und so startete ich von meiner Behausung Richtung Heinrich-Lübke-Ufer in Köln-Bayenthal, von dort aus begann der Weg.

Es war herrlich wieder den Fahrtwind um die Ohren geblasen zu bekommen. Meine Fahrt ging über die Mülheimer Brücke ans Rheinufer. Ach der gute alte Vater Rhein. Er ist einfach die Lebensader von Köln. Heinrich Böll soll einmal gesagt haben, für ihn war er Quelle der Inspiration und Erkenntnis. Vor allen Dingen aber ist er ein Ruhepool mitten in der Stadt. Ich  kann bis zum Heinrich-Lübke-Ufer am Rhein entlang radeln. Und wie immer sind meine Wege, ob zu Fuss oder per Rad immer mit vielen Erinnerungen verbunden. Das Rheinufer auf dieser Seite war lange lange Zeit mein täglicher Spazierweg mit meinen Hunden. Viele schöne Stunden hab ich dort mit ihnen verbracht. In den Wiesen herumgetollt, Stöckchen geworfen, zugeschaut, wenn sie sich übermütig in den Rhein schmissen und ich vor lauter Angst am Ufer stehend bibberte, weil ich Sorge hatte, dass die Strömung sie mir fortriss.

Natürlich auch nicht so schöne Erinnerungen. Dazu gehört das jetzige Axa-Hochhaus in Köln, früher Colonia-Hochhaus. Fahre ich dort vorbei ist immer wieder der Schrecken der Vergangenheit präsent. Damals, die Freundin mit ihren beiden Kindern. Ging einfach fort. Von dort oben. Niemals werde ich das verarbeiten und vergessen können. Die Kinder wären heute so alt wie meine. Dann braucht es immer eine Zeit, bis sich meine Gedanken und die Erinnerung wieder beruhigt haben. Meistens umgehe ich auch dieses kleine Stück Teilstrecke.

Das Rheinufer ist leer und liegt still vor mir. Die Schiffsanlegestellen sind unbehaust. Wer will schon im Winter mit dem Böötchen fahren,-) So gesehen könnte es immer Winter sein, dann ist Köln, wie in den Sommerferien, einfach schöner, weil leerer und gemütlicher. Ich geniesse die Fahrt vorbei am von der Sonne glitzernden Wasser, meinen Atem spürend, auf meinen Körper achtend. Ich bin einfach ein Langstreckenradler. Ich könnte immer weiter und weiter fahren:) 12 km hab ich auf dem Tacho, als ich an meinem eigentlichen Zielbeginn des Kölnpfades ankomme. Der Weg selber umfasst eine Strecke von ca. 22 km, so steht es in meinem Büchlein. Gesehen hab ich den heiligen Maternus, Fürsprecher und Helfer in Wassernöten. Eine grosse Statue, ca. 1913 von Nikolaus Steinbach erschaffen. Maternus war der erste geschichtlich erwähnte Bischhof von Köln. Die Rodenkirchener standen besonders unter seinem Schutz.

Und weiter gehts. Ich fahre Richtung Rodenkirchen weiter am Rhein entlang, vorbei am Hausboot *Alte Liebe*, in der ich ebenfalls schon so viele gemütliche Sitzungen im Sommer abgehalten habe allein oder mit Freunden. Jetzt liegt es ebenfalls verlassen und still am Steg. Auch die beiden Lokale *Zum Treppchen* und *Fährhaus`* warten noch auf Gäste. Das alte Fachwerk ist hübsch anzusehen und sie erinnern an die Zeit, als Rodenkirchen noch von der Treidelwirtschaft lebte in der Zeit des frühen 18 und 19.Jahrhunderts.  Es ist ja noch früh. Hier wird es auf jeden Fall immer voll, egal zu welcher Jahreszeit. Aber zu beiden Lokalitäten fühlte ich mich nie hingezogen. Ich saß dann lieber auf irgendeiner Bank und vergnügte mich mit Butterbrot und Thermoskanne oder Wasser,-)

Dann kommt der Rodenkirchener Campingplatz und die Minigolfanlage. Und obwohl ich recht gern Minigolf spiele, hab ich ihr noch nie einen Besuch abgestattet. Es gibt einfach zu wenig Menschen in meinem Leben, die meine kleinen und großen Freuden teilen. Alle sind immer so beschäftigt. Aber ich lieb sie trotzdem,-) Beim Campingplatz muss ich immer schmunzeln. Ich wollte doch tatsächlich mal in einen Wohnwagen ziehen. Vor einigen Jahren, als ich vom Jakobsweg zurückkam. Den Geschmack darauf hatte mir ein Pilgerbruder gemacht, den ich auf dem Weg kennenlernte und der tatsächlich dort lebte und dass schon seit einiger Zeit und sich pudelwohl fühlte. Ich habe ihn damals auch mal besucht. Fands auch lustig, aber merkte dann doch, dass das nichts für mich ist.
 

Nun geht der Weg etwas weg vom Rhein durch die kleinen Rodenkirchener Rheinwaldgebiete. Ich fahre die sehr gern, weil auch hier selbst im Sommer einem kaum ein Mensch begegnet. Die Strecke ist sozusagen meine Hausstrecke, all die weil man von dort an die Fähranlegestelle kommt, bei der man dann mit dem Böötchen rüber auf die andere Rheinseite kann. Sie liegt natürlich nun auch verlassen und einsam dort.
 
Auf der Fahrt dorthin hab ich eine nette Begegnung. Ich sah sie schon von weitem. Die Frau mit sage und schreibe acht Hunden an der Leine. Gut, ich geb zu, von weitem hab ich die nun noch nicht alle auf dem Schirm gehabt. Als ich dann bei ihr ankam blieb ich stehen und sagte erstmal: Wahnsinn, dat darf net wahr sein und lachte sie herzlich an, bis dann natürlich auch mein Guten Tag kam: Sie haben aber viele Hunde und alle an der Leine:) Sieht lustig aus. Ich zählte sie dann ab. Es waren 8. Unfassbar. Was macht ein Mensch mit 8 Hunden fragte ich sie. Es waren West Highland White Terrier. Sie sahen einfach allemale so putzig aus. Ich konnt mich gar nicht einkriegen. Die kamen natürlich auch alle auf mich zu, sprangen an mir rum, beschnupperten mich. Tja, sie gehörten tatsächlich alle ihr. Sie sagte, mit zweien sei sie angefangen. Hätte sie damals gerettet vor dem Tierheim. Gewusst hätte sie nicht, dass die Hündin schwanger war. Und so kamen dann die anderen mehr oder weniger hinzu, bis auf zwei, die sie ebenfalls vom Tod rettete, wie sie erzählte. Sie lebe allein, ihr Mann sei schon vor Jahren verstorben. Sie wäre Allgemeinmedizinerin und das funktionierte gut mit den Hunden. Sie ginge morgens mit ihnen raus, am Mittag dann und zur Abendstunde. Ansonsten blieben die allein, würden aber nix anstellen und sauber sein. Also, ich kann mir das nicht vorstellen, so viele Hunde um mich herum zu haben, obwohl ich schon ein Hundefreund bin. Aber einer täte mir genügen,-) Sie erzählte auch, dass sie die Hunde manchmal Menschen zur Begleitung überlasse, vor allen Dingen depressiven Menschen und man staune, wie sehr diese Menschen nach ein, zwei Tage im Zusammensein mit den Hunden verändert wären. Naja, ob das so einfach ist. Aber ich glaub schon, so ein treuer Hundefreund kann das Leben sehr bereichern. Ich fand die Frau wirklich drollig da mit ihren 8 Junden an der Leine, auch weil sie zum Schluss sagte, die acht Hunde wären ihr lieber wie ein Mann. Der käme ihr nicht mehr ins Haus, hahaha:) Ich liebe solche unverhofften schrulligen Begegnungen mit Menschen. Das ist immer ein Sahnetüpfelchen auf meinen Wegen:)
 
Also ich radelte mal weiter und von der Fähranlegestelle ging es dann quer durch die weiten Felder und Wiesen von Rodenkirchen-Weiß. Schöne Wege an Pferdekoppeln vorbei. Es roch nach Dung und Heu. Da geht mir das Herz auf:) Idylle pur. Pferde stehen tatsächlich auch schon draussen und hie und da begegnet mir ein Reitersmann oder frau:) Also das ging gut mit dem Rad. Bisserl heftig war es in den kleinen Wäldchen, die immer mal wieder zwischen den Feldern plötzlich auftauchten, Buchen und Birkenwäldchen. Die Wege voller Matschepampe und es wäre hier gut angebracht gewesen, eher mit einem Bike zu fahren. Aber ich liebe ja solche Herausforderungen und kann mich, solange ich nicht vom Rad falle, daran vergnügen:), wenn es hü und hott geht, oder rumpelt und pumpelt. Gut, genau in einem Matschloch klingelte mein Telefon. Ich hab echt mit mir gerungen, soll ich nu ran oder nich. Aber man weiss ja nie, vielleicht ist es wichtig,-) Also abgestiegen, ein Fuss auf dem Pedal gelassen, das andere fussspitzenderweise  auf dem Boden fragte ich wer da? Ach, welch Überraschung, ein netter Mensch wollte sich einfach nach meinem Wohlbefinden erkunden. Ich steh gerad in der Pampa erzählte ich ihm, im Wald und auf der Heide,-) Und sprechen geht nu wirklich nicht lang, weil vom Fahren ist mir heiss, aber die Kälte holt schnell ein und ich mag nicht frieren, weil ich ja noch ein gutes Stück vor mir hatte,-) Also verabschiedete ich mich und versprach in besseren Zeiten zurückzurufen:)
 
Jetzt muss ich ein wenig zwischen Rodenkirchen und Weiß hin- und herradeln, denn so verläuft der Weg weiter durch Strassen und Gassen. Vorbei an Villenvierteln in denen ich nicht leben möchte. Das ganze Gebiet hier ist teilweise auch stadterweiternd in den Jahren 1888 erstmals und später dann im Jahre 1975 aufgrund der damals rasanten wirtschaftlichen Entwicklung entstanden. Ich komme am alten Lennarthof vorbei, der urkundlich erstmals 1171 erwähnt ist und der letzte von ehemals zehn Höfen, die das frühere Dorf Rodenkirchen prägten. Wie sicher überall stattgefunden, sind diese alten Gutshöfe mittlerweile in Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Auch einige Firmen haben hier Einzug gehalten, ich seh es an den Schildern. Schade, dass diese doofen Schilder den schönen Gesamteindruck des spätbarocken Herrenhauses verunglimpfen.
 
So langsam nähere ich mich dem Friedenswald und dem direkt daneben liegenden Forstbotanischen Garten der 1964 hier entstanden ist.  Beides zusammen sind sie ein Pendant zur Flora in der nördlichen Innenstadt Kölns. Auch hier hab ich viele schöne Erinnerungen an die Zeit, als die Kinder noch klein waren. Denn oft sind wir an den Nachmittagen dort hinaus, es gab einen schönen naturbelassenen Spielplatz mit viel Strandsand und Bäumen, auf denen geklettert und balanciert werden konnte. Und im Herbst konnten die Drachen hier wegen der Weite besonders gut steigen. Schöne Zeiten auch hier. Ein richtig kleines Ferienparadies in der Stadt wie ich fand. Ich mochte den Friedenswald immer besonders. Er ist in Köln ein Bild für die diplomatischen Beziehungen Deutschlands und man kann allerhand verschiedene Bäume aus aller Herren Länder bestaunen. An den Bäumen findet man die Landesflaggen für die einzelnen Staaten zu denen die BRD Anfang der 80er Jahre diplomatische Beziehungen unterhielt. Tja, was wäre das wirklich für ein Paradies auf Eden, wenn endlich einmal Frieden herrschen würde überall auf der Welt. Eigentlich gehört der Forstbotanische Garten nicht direkt zum Kölnpfadwanderweg, dennoch mache ich einen Abstecher und radele ein wenig durch die kleinen Wege. Leider blüht nun nichts, aber im Frühling und Sommer können hier an die 3000 verschiedenen Arten von Gewächsen bestaunt werden und natürliche die Pfaue, die überall herumstolzieren in ihrer Pracht.
 
Leider muss ich jetzt ein wenig Autobahnlärm ertragen, denn der weiterführende Weg führt auch an der Autobahnbrücke der A 555 vorbei und durch. Was ich nicht wusste, dass die A 555 tatsächlich Deutschlands erste Autobahn war. Damals, also beim Bau der selben in den Jahren 1929 bis 1932 hiess das aber noch nicht *Autobahn* sondern Kraftwagenfahrstrasse,-) die von Köln nach Bonn lief. Und der olle Adenauer soll damals bei der Einweihung gesagt haben, seht ihr Leute, so sehen die Strassen der Zukunft aus. Auweia, wenn die Menschen damals gerwusst hätten, was auf sie zukommt. Heute durchzieht ein Autobahnnetz von an die 12.000 km Deutschland und die Tendenz ist noch steigend.

Mein Weg führt weiter  über die A 4 mit dem südlichen Autobahnkreuz vor Augen und durch das Wasserwerkswäldchen. Hier beginnt auch sozusagen die *Grüne Lunge* Kölns, die mittlerweile wie ich las bedroht ist. Der Grüne Ring Kölns, der sich aussen und innen durch Köln zieht ist noch ein Erbe vom alten Adenauer, der ihn damals zusammen mit dem Hamburger Städteplaner Fritz Schumacher entworfen hatte. Adenauer muss damals gesagt haben, dass er sich jetzt entscheiden müsse, ob Köln eine grosse Steinwüste wird oder aber eine Stadt, in der ein menschenwürdiges Dasein durchaus möglich ist. Daher setzte sich er sich für die Anlage dieser grossen Parkanlagen damals ein. Im Grunde kann von Nord nach Süd linksrheinisch durch diese Parkanlagen gefahren werden, ohne dass man viel in den Verkehr, ausser beim Überqueren der einzelnen Strassen, hineingezogen wird.  Früher habe ich diesen Weg immer von Nippes aus zu meiner Arbeitsstätte in Köln Zollstock zurückgelegt, einfacher Weg 8 km. Im Sommer sind diese Parks im Grüngürtel Oasen für die Menschen, die hier leben und bieten eine Möglichkeit zur vielfältiger Freizeitgestaltung. Aber auch stundenlang im Gras herumliegen und das abwechslungsreiche Schauspiel von Wolken, Wind und Sonnenschein kann man stundenlang beobachten und in den Tag hineinträumen:)
 
Und so langsam nähere ich mich dem Ende meines Weges von doch 25 km, wie ich auf meinem Tacho sehen kann und komme im Klettenbergpark an, der in einer 10 Meter tiefen ehemaligen Kiesgrube angelegt wurde. Früher hab ich mich immer gewundert, ich bin dort oft gesessen, wenn ich die Kinder in den Waldorfkindergarten gebracht habe und nach meinen sonstigen Erledigungen nicht mehr nach Hause in den Norden fahren wollte, wie wenig Menschen sich hier befanden. Wohl weil er doch ein etwas versteckt liegt und manchmal, wenn ich von ihm erzählte, wie wenig ihn eigentlich doch selbst alte Kölner kannten. Ich war lange nicht mehr dort. Er ist immer noch ein hübscher Ort, der heute auch von Paten versorgt und gepflegt wird. Vor allen Dingen um den Rosengarten kümmern sich die Paten, weil die Stadt es wohl nicht mehr gewährleisten kann. Da die Sonne scheint, immer noch, setze ich mich hier auf ein Bänkchen, trinke meinen Tee aus der Thermoskanne, futtere mein Butterbrot und rauche ein Zigarettchen und lass es mir gut gehen.
 
Dann breche ich auf, ich hab ja noch den Rückweg vor mir. Fahre querfeldein durch die Stadt wieder Richtung Rhein und von dort am Uferweg bis zur Mülheimer Brücke und schwups rüber. Ich bin ganz schön feddisch muss ich sagen. Zuhause sehe ich auf meinen Tacho und er zeigt genau 48,5 km an. Puh...Eigentlich ja nicht so eine grosse Strecke. Dennoch scheint es mir so, als wenn das Radeln über weitere Strecken bei Kälte doch mehr Energien abzieht als in der Leichtigkeit des Sommers.
 
Es waren schöne Impressionen, vielschichtig und auch ein wenig erkenntnisreich, denn so einiges hab ich nicht gewusst. Wie es immer so ist, am wenigstens weiss der Mensch oft über den eigenen Ort, an dem er lebt. Ich hoffe, ich kann auch alles behalten. Mein grosses Problem, die Vergesslichkeit der Dinge,-) Aber nun hab ich ja diesen kleinen Blog geschrieben und da kann ich ja ab und an immer reinspinxen, wenn ich mich nochmal erinnern will,-)
 
Zuhause, ich hab mir ein leckeres Stück Schokoladenkuchen aus dem Bioladen meines Vertrauens gegönnt und es gibt nun einen Kaffee und Musik. Und eigentlich bin ich gar nicht mehr müde, nur ein wenig schachmatt,-) Ich freue mich schon auf die noch anstehenden Touren. Es sind insgesasmt 11 Touren. Also noch genug zum Freuen. Und wärmer solls ja auch werden. Da kann ich mich dann doch noch länger unterwegs aufhalten:)

 
Repost 0
6. Februar 2017 1 06 /02 /Februar /2017 10:35

Der Vogel
 
Du musst jeden Morgen der Welt
wie sie dir begegnet
 
den Stinkefinger zeigen
anders geht es nicht
 
niemals aufgeben
 
Vielleicht ist es ja richtig
was ich neulich las
 
Dem Freund die Hand, dem Feind die Stirn...
 
sich niemals unterkriegen lassen
 
lass die Leute reden, was sie wollen
vertrau auf die, die dir nahe stehn
 
vertrau vor allen Dingen dir selber
 
der Vogel läßt auch nicht
den Kopf hängen
 
mit einem hängenden Kopf
kannst du nicht singen
 
und dein Leben
soll singen und tanzen sein
 
egal, was geschieht
 
der Betrug erledigt sich von allein
der Betrüger wird niemals glücklich sein
 
die Gehetzten
werden immer die Gejagten sein
 
mit kurzen Beinen
kommt der Lügner nicht weit
 
die Blinden
niemals das Licht sehen
 
die Stummen
niemals das richtige Wort finden
 
die Tauben
nicht hören, was wichtig ist
 
mach ein Häufchen
auf die Verdrehtheiten der Welt
 
der Vogel

läßt auch nicht den Kopf hängen



 

Repost 0
Published by Fernweh - in lyrik
Kommentiere diesen Post

Über Diesen Blog

  • : Blog von Roeschen
  • Blog von Roeschen
  • : Ich schreibe einfach gern:)
  • Kontakt

Pages

Links