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Tuesday, 26. july 2011 2 26 /07 /Juli /2011 17:10

Was geht? So heißt heut die Frage, die Jugendliche sich stellen, wenn sie sich unerwartet Jemanden treffen. Hab ich jetzt schon mehrmals beobachtet bzw. gehört oder bin eben selber so befragt worden.
 
Was geht? Hm... Neulich fragte mich ein Jugendlicher, genauer gesagt ein junger Azubi. Was geht, Frau Röschen? Hm ja... Ich verdutzt vor mich hinschauend, eigentlich sonst um keine Antwort verlegen, wußte nicht so recht, was ich darauf antworten sollte.
 
Was geht? Hm..dachte ich, was meint er wohl mit der Frage. Wie meinen? fragte ich zurück. Naja...meinte er, wie es so geht und was so geht, seine Aufklärung.
 
Aha... ich hab verstanden. Lagebericht meiner Befindlichkeiten! Privat oder beruflich, meine Frage an ihn. Och, meinte er, kann auch Beides sein und zwinkerte mir zu:-)
 
Aber was sollte ich ihm antworten. Ich meine, ich wollte eigentlich nicht wirklich dem jungen Azubi meine Befindlichkeit, privat oder beruflich, mitteilen. Antworte ich also, es geht so.
 
Es geht so..., ach, meint er, das ist doch in Ordnung. Besser es geht so, als "es geht nichts". Das war´s, freundlich aber entschieden gingen wir weiter unserere Wege.
 
Geht doch, dachte ich, wo ich sonst ja immer ein offenes Buch bin;-)
 
An unserer Stechuhr angelangt, Karte gezückt, rückt von hinten ein älterer Kollege heran und fragt doch ganz unverblümt:" Was geht, Frau Roeschen?" Vor lauter Schreck hab ich fast die Karte aus der Hand verloren. Ich drehte mich rum und sagte, wenn mich jetzt noch einer fragt "Was geht", dann geht gar nix mehr! Das sagte ich ihm auch. Und erklärte dann aber doch, warum, wieso, weshalb ich mit dem "Was geht" nicht so klar komme. Noch nicht jedenfalls.
 
Dennoch, so während der Arbeit, grübelte ich über diese Begrüßungsform nach.
 
Was geht? So geht das also heute mit der Nachfrage, ernstgemeint oder einfach nur so als Begrüßungsfloskel. Ähnlich wie man in Kölle sagt:" Und? Wie jeht et?" Der Antwortende:" Jut!" Wieder der Andere:" Und sonst so?" Der Antwortende:" Auch jood":-) Na dann...bis bald mal.
 
Ich weiß jetzt auf jeden Fall Bescheid, wenn nochmal die Frage an mich geht:" Was geht?" Dann liegt es nur noch an mir, herauszufinden, obs der Andere wirklich wissen will und wenn ja, dann kann ich loslegen, wenn ich will, natürlich;-)
 
Was geht...hm ja...´muß ich mich nun daran gewöhnen? Aber eigentlich mag ich es nicht wirklich, ich meine, das mit der Jugendsprache im fortgeschrittenen Alter,-)
 
Aber neulich, da hab ich´s mal ausprobiert mit dem "Was geht":-) Ist mir einfach so herausgerutscht, war nicht wirklich überlegt. Da sieht man mal wieder, wie man manipuliert wird,-) Kam ich an einer Baustelle vorbei, mit dem Freund meines Vertrauens. Buddelten die da herum, mitten auf dem Weg, dickes Loch im Boden. Neugierig wie ich bin, kam dann auch spontan:Was geht?":-)
 
Und was denkt man, mir ganz plötzlich bewußt werdend, hallo Roeschen, blöde Anrede, blöde Frage, völlig unangebacht, so spricht man doch nicht mit erwachsenen Leuts:-). Die verstehen das doch genauso wenig wie du.
 
Hatte ich mich aber getäuscht. Hat der sofort drauf reagiert, der Bauarbeiter. Fing sofort an, mir alles zu erklären, warum, wieso, weshalb, was da im Argen liegt und wie lange man noch bräuchte für die Reparatur.
 
Artig bedankte ich mich. Still vergnügt vor uns hinguckend wandelten wir von dannen. Siehste, sagte ich zum Freund meines Vertrauens. Geht doch, mit dem "Was geht"...Selbst im Alter...Nur ich wußte nicht Bescheid, tse,tse...
 
Was geht...soll ich mich jetzt daran gewöhnen? Oder bleib ich lieber bei meinen Leisten und beginne höflich, wenn ich jemanden treffe mit "Guten Tag (Herr oder Frau Sowieso, falls ich ihn kenne);-), und dann erst "Wie geht es Ihnen?" Aber vielleicht werd ich dann doch bald schief angesehen, weil ich nicht auf dem Laufenden bin. Auslaufmodell, auch sprachlich, tse, tse...
 
Nee...ehrlich...eigentlich geht "was geht" gar nicht;-) 6748-Sprechblase-Gru--Was-geht.jpg

von Fernweh - veröffentlicht in: momentaufnahmen - Community: Lebensalltag
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Tuesday, 19. july 2011 2 19 /07 /Juli /2011 08:56

Das Leben ist viel zu kurz um ständig Pläne zu schmieden. Pläne...das ist nicht mal das richtige Wort. Eigentlich geht es immer um Projekte.
 
Das fängt schon in der Kindheit an. Da wird man auch nicht gefragt, ob man gerade dieses oder jenes tun möchte, wonach einem ist, wenn man aus der Schule kommt. Vielleicht ist einfach mal Erholung angesagt vom Lernstress, den kleinen und größeren Mobbingaktionen der Mitschüler und dem in die Schublade-gesteckt-werden von der Lehrerschaft. Immer diese Lehrer,-)
 
Sicher...ich weiß es jau auch, es gibt einfach Notwendigkeiten im Leben. Aber warum müssen die immer gerade dann herausgekramt werden, wenn mir nach was ganz anderem ist. Z.B. einfach diesen Moment, das JETZT, zu leben, wahrzunehmen, zu fühlen, sich einfach fallenlassen.
 
Das ganze Leben scheint bei den Meisten nur daraus zu bestehen, irgendwelche Projekte hinter sich zu bringen. Mach erstmal dein Abi, dann dein Studium, dann such dir einen Arbeitsplatz. Ist der von Projekten abhängig, die möglicherweise einen Auslandsaufenthalt mit sich bringen, dann heißt es, bring das erst mal hinter dich.
 
Hat man einen Partner, dann heißt es, erst mal müssen wir beide einen guten Job haben, eine tolle Wohnung, ein sicheres Einkommen und dann können wir über Kinderpläne sprechen.
 
Dann kommt die Zeit der Familie, Kindererziehung und schon folgen Sätze wie, wenn ich das mal hinter mich habe, mach ich das und das, oder gar, dann geht es mir besser. Und noch besser geht es mir, wenn ich das Arbeitsleben hinter mich gebracht habe und endlich Rentner bin. Ist man dann endlich Rentner, weiß man mit sich selber und seiner Zeit nix anzufangen und sehnt sich gar nach der Aufgaben- und Projekterfüllung der zurückliegenden Jahre zurück. Ein Trauerspiel, ein solches Leben mit den dauernden Projektbeendigungszielen und dem...erst dann fang ich an zu leben.
 
Neulich hatte ich eine Kundin, die war ungefähr an die 7o Jahre alt. Sie suchte nach einem Buch mit dem Titel "Besser leben." Wir hatten das entsprechende Buch nicht vorrätig. Schade, sagte sie. Ich bin ja nicht nur Buchhändlerin sondern auch ein kleines Verkaufsgenie. Denn wenn man nicht hat, was der Kunde wünscht, muß man ihm eben etwas anderes schmackhaft machen. Und was wäre zum Thema "besser leben" nicht empfehlenswerter als das tolle Buch vom ollen Tolle "JETZT?"
 
Ehrlich gesagt, ich habs nicht mal ganz gelesen,-), weil ich eh schon wußte, was gemeint war:) Nur so quergelesen, wie man so schön sagt. Und der olle Tolle hat es auf den Punkt gebracht.
 
Also lange Rede kurzer Sinn...ich hab der Frau das Buch vom ollen Tolle empfohlen. Nach den Gründen gefragt, hab ich ihr mit meinen Worten erklärt, worum es geht. Das der Mensch ständig oder meistens entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft lebt. Den Moment, das Jetzt, der Ist-Zustand, in dem ich mich befinde, wird gar nicht wahrgenommen. Man kann das Leben nicht genießen. Nicht mal nen Waldspaziergang,-) Selbst da klingelt das Handy und erinnert an die Projekte, die noch anstehen oder gibt dir einfach zu verstehen, dass du in jedem Moment deines Lebens für andere erreichbar sein mußt.
 
Nee, nee...ich sag mal was. Das ständige Verschieben des Lebens in die Zukunft ist geradezu tödlich, wie ich finde. Das fängt in der Kindheit an mit Sätzen wie: Mach erst mal deine Hausaufgaben, dann können wir weitersehen und was dein weiteres Leben betrifft, mach erst mal dein Abi, das Studium, den Job, usw.usw..- und dann sehen wir weiter. Ganz abgedreht sind Sätze wie: Werd erst mal grün hinter den Ohren, dann kannste mitreden. Was das eigentlich genau bedeuten soll? Hab ich mich imemr gefragt. Kann ich nur mitreden, wenn ich alles mitgemacht, erlebt, durchlebt und durchlitten habe? Nö! Sicher...es kann helfen, aber schon mancher hat alles das gelebt und erlebt, aber weiser ist er am Ende auch nicht geworden. Nun denn...das ist ein anderes Thema.
 
Ich jedenfalls will nicht ständig mein Jetzt-Leben, den Moment, das was ist, davon abhängig machen, wenn dieses oder jenes eingetroffen ist. Ich will das Leben in der ganzen Fülle des Moments leben und erleben. Ehrlich gesagt, mir tun die Leuts ein wenig leid, die ständig in die Zukunft orientiert sind. Ich war nie so ein Typ. Eher ein Mensch, der mehr oder weniger in alles ein wenig hineingeschlittert ist, ohne zu bereuen, was war.
 
Ich möchte eher jeden Abend mit dem Gedanken einschlafen....Es ist gut so, wie es ist, gerade jetzt, heute, in diesem Moment. Und was Morgen kommt, schaun wir mal!
 
Ich glaube, dass sich alles andere dann von selbst erledigt,-) Man tut sowieso die Dinge, die nötig und notwendig sind, aber ohne sich davon schon im Vorfeld versklaven zu lassen, in Sorge unterzugehen und dabei zu vergessen wie schön das Leben eigentlich ist.
 
Vielleicht denken oder sagen jetzt manche, eine Träumerin, eine Spinnerin, unmöglich so zu leben. Mir gelingt es jedenfalls ganz gut...meistens jedenfalls. Dafür bin ich dankbar.
 
Das Leben kann ganz schnell vorbei sein. Was sollen dann all die Projekte und Pläne in meinem Kopf? Die muss ich dann mit ins Grab nehmen:-) Vielleicht ist das ja auch die letzte Planung im Leben. Wie sterb ich richtig,-) Weiß man´s:-), was den Pläne- und Projektschmiedern so alles durch den Kopf geht:-)
 
Carpe diem...genießt den Augenblick. Tu ich jetzt auch, auch wenn ich arbeiten gehen muß:-)
 
Übrigens...es war ein nettes Gespräch mit der alten Dame:-) Richtig hat sie gesagt, ich will mein Leben jetzt genießen und nicht dran denken, dass ich noch gebrechlicher werde und dieses oder jenes nicht mehr tun kann. Das wird sich dann schon zeigen, wie ich damit umgehe. Recht hat sie:-) Einsamkeit.jpg

von Fernweh - veröffentlicht in: momentaufnahmen - Community: Lebensalltag
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Monday, 11. july 2011 1 11 /07 /Juli /2011 10:15

Tja...das wird man doch wohl noch sagen dürfen, oder? Ich meine, ich war grundsätzlich immer ehrlich. Will sagen, wenn mich ein Kunde persönlich danach gefragt hat, ob mir ein Buch gefallen hat, dann hab ich auch gesagt, was ich davon halte. Also Klartext. Was nicht immer dazu geführt hat, dass der Kunde das Buch dann am Ende nicht gekauft hat. Nö...schließlich wollte er sich selbst ein Bild machen. Und das war und ist auch gut so. Also ne, ich hab niemals irgendwas von supi oder klasse Buch geschwätzt, wenn ich es selber nicht gern gelesen habe. Warum auch?
 
Und ich will mal was sagen, das haben die Kunden auch immer geschätzt. So!
 
Und nun muß ich ja auch Zeitungen verkaufen. Ihr wißt schon, auch die mit den vier Buchstaben. Seufz. Ehrlich, wenn man morgens um 5.oo Uhr, selber noch halb im Koma liegend, den Hype auf die Zeitung mit den vier Buchstaben mitbekommt, dann kann einem schon der Hals anschwellen. Ich meine, nicht, dass ich mir das anmerken lasse, meistens nicht. Sicher...vielleicht bin ich nicht ganz so euphorisch,-) oder freundlich wie bei einem Kunden, der ein gutes, oder wenigstens ein nettes Buch kauft. Ich kann mich schließlich nicht verbiegen., Und Klammern um die Mundwinkeln für das ewige Lächeln, ich bin ja schließlich nicht Monalisa,-), hab ich auch noch nicht erfunden.
 
Jedenfalls...was wollte ich sagen bzw. schreiben? Also, ich möchte anmerken, ich enthalte mich meistens mit meinen Urteilen oder Beurteilungen hinsichtlich der Zeitung mit den vier Buchstaben. Nach der tausendunddrölfsten Nachfrage, wo sie denn liege, dieselbe, nicke ich hin- und wieder schon mal gelangweilt nach links und sage um die Ecke bei Tisch zwei. Sicher, wenn der-oder diejenige dann immer noch nicht sieht, wo sie denn liegt, verdreh ich heimlich auch schon mal das eine oder andere Auge, und manchmal, ganz manchmal muß ich doch die Tränen zurückhalten, wenn ich dat Ding dann abkassieren muß.
 
Vor allen Dingen dann, wenn ich auch nur hin- und wieder mal so nebenbei bemerke, ach ja, da haben wir sie ja, die herrliche Bildungszeitung und dann zur Antwort bekomme, och, ich les die sonst nie....oder ehrlich, ich soll die nur mitbringen. Ja, wer´s glaubt, wird selig. Wirklich, das sagen sie alle...Ich kanns net mehr hören:)
 
Man... ich meine, warum stehen die Leutchen dann nicht wenigstens zu ihrem Verlangen. Tse, tse...
 
Neulich jedenfalls, also nochmals angemerkt, ich enthalte mich doch sehr meiner persönlichen Meinung, da stand mal wieder so ein Spezie vor mir und verlangte nach der, Ihr wißt schon, der Zeitung mit den vier Buchstaben, auch Bildungszeitung genannt,-) oder Revolverblättchen:)
 
Also, nicht nur nicht verlangte er danach, er fragte mich auch wörtlich danach, ob ich denn diese und jene Seite und diesen und jenen Artikel auf Seite soundsoviel gelesen habe und dabei grinste, ja er grinste, und ich muß sagen, grinsende Leute find ich einfach persönlich uninteressant;-), nein, nicht nur uninteressant, ich mag sie nicht. Punkt! Aus!:-)
 
Ergo, er fragte mich das also und ich antwortete ihm, nö, ich les diese Zeitung nicht. Daraufhin entstand ne rege Diskussion. Worauf ich dann am Ende freundlich und höflich, aber doch bestimmt meinte, ich bleib dabei, wenn ich sie nicht verkaufen müßte, dann würd ich dat Ding nicht mit der Kneifzange anpacken. So iset. Dazu steh ich. Jawohl!
 
Jedenfalls, dat hat den ganz schön gepiekst, muß es wohl, denn nach einer geschlagenen halben Stunde stand der wieder vor mir und war völlig aufgebracht und meinte mir einen Vortrag über Demokratie und ´Meinungsfreiheit zu halten. Eben...hab ich ihm gesagt. Wir leben in einer Demokratie und damit hab ich das Recht, mich ganz persönlich, wenn ich schon danach gefragt werde, dazu äußern zu können, welche Vorlieben ich beim Lesen habe.
 
Schließlich hab ich ne Menge anzubieten in meiner schönen Buchhandlung, auch im Zeitungswesen;-) Aber selbstverständlich bekommt er von mir auch die Bildungszeitung. Schließlich ist der Kunde König. Und der König darf machen, was er will. Selbst der König, Ihr wißt schon, der aus Schweden, liest manchmal Revolverblättchen ganz anderer Art. Hab ich neulich doch hier im Blog erfahren:)
 
Nichtsdestotrotz...der war genervt...und zwar von mir und wegen meiner Äußerung. Puhhhh...erst fragt er, dann will er die Antwort nicht gelten lassen.
 
Hat er sich beschwert, der Trottel...Jetzt frag ich mich...nö, ich frag mich nicht, ich sags einfach: Ich muß nicht alles gut finden, was ich verkaufe, oder? Und dabei bleib ich. So! Oder muß ich gute Mine zum bösen Spiel machen und lächelnd den letzten Dreck verkaufen. Und wenn ich ganz unbeabsichtigt mit meiner Auswahl an Lesbarem oder Nichtlesbarem jemanden ungewollt ins Gewissen geredet habe oder ihm sein Selbstwertgefühl angekratzt habe, ist das nicht mein Problem. Schließlich muß ich nicht jedermanns Problem zu meinem machen, oder;-)
 
Ach herjeh...jetzt wollt ich doch grad den Beitrag noch unter Kultur abschicken, tse, tse,-))) Zeitung-Kopie-1.jpg

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Saturday, 9. july 2011 6 09 /07 /Juli /2011 06:37

Schon mal den Rheinsteig gewandert? Ne, nicht rein in den Rhein, sondern rauf auf die Höhen der Weinberge, abwechselnd durch Lichtungen, Wälder und Täler, den Blick auf den Rhein oder aber auf die stillen Dörfchen und Landschaften genießen.
 
Also, dann wird es aber Zeit. Deutschland ist auch schön! Der Freund meines Vertrauens sagt ja immer..."Röschen, Röschen, warum willst Du immer in den Himalaja, wo Du nicht mal den Odenwald erkundet hast."
 
Trittsicherheit ist auf dem Rheinsteigs unumgänglich
 
Naja...und den Taunus ja auch noch nicht in seiner ganzen Schönheit. Ich sag dann immer, sicher, sicher, mach ich doch auch immer, das Erkunden meiner Umgebung. Meine Neugier, was mich umgibt, ist schon immer groß gewesen:)
 
Und überhaupt, tse, tse, tse...bis an die Ränder des Taunus hat sich mein Taunustroll schließlich auch noch nicht gewagt! So!
 
Aber gestern haben wir uns aufgemacht, der Taunustroll und ich:), ganz spontan. Ich liebe Spontanität, die auch nicht vor einer Anfahrt von ca. 8o km zurückschreckt.
 
Nach einem späten, aber reichhaltigen, dekadenten Frühstück, mit sage und schreibe echtem Hildegard-Brot aus lichthohem Roggen gebacken, sind wir mit Proviant aus demselben in Lorch angekommen.
 
Herrlich, die Welt aus der Distanz zu betrachten
 
Von dort begann unsere ca. 2o km lange Wanderung auf dem Rheinsteig, die der Wanderführer mit der Überschrift Von Lorch über den Rheinsteig zur Sauerburg empfohlen hatte.
 
Lorch, ein stilles, kleines Weindörfchen durchlaufen wir flott, um über die Alte Brücke die Wisper zu überqueren, damit wir auf die Route des Rheinsteigs gelangen.
 
Der Vorteil einer späten Wanderung ist, fast alle kommen zurück und so haben wir die Natur für uns:) Klasse!
 
Schnell erreichen wir die Weinberge über altem Schiefergeröll hinweg, der darauf hindeutet, dass hier an einigen Plätzen der Wein besonders gedeiht. Der Schiefer speichert die Wärme der Sonne und das bekommt dem Wachstum der Reben. Dennoch sind einige Weinberge verwildert. Warum? Keine Ahnung! Vielleicht weil im Wispertal die kalten Luftströme, für die es bekannt ist, dem Wachstum schaden. Aber das ist nur meine unmaßgebliche Vermutung.
 
"Freistaat Flaschenhals"
 
Trittsicherheit ist auf den ersten Wegen des Rheinsteigs unumgänglich. Für ganz Ängstliche sorgen die Halterungen einiger Stahlseile für Sicherheit. Eine ältere Dame fragt uns auf der Höhe nach der Gefährlichkeit des Abstiegs. Naja, was für den einen gefährlich ist, ist für den anderen Peanuts. Aber wir machen ihr Mut. Für uns jedenfalls war es kein Problem.
 
Also, ich steig ja lieber hinauf, als ab:-) Wer will schon absteigen:-), so wie Frankfurt letzte Woche.
 
Unsere erste Würdigung ist schnell erreicht. Die Burg Nollig . Von dort erwartet uns eine sagenhafte Aussicht auf Lorch und das vor uns liegende Rheintal.
 
Herrlich die Welt aus der Distanz zu betrachten. Das müßte einem im Leben auch immer gelingen, dass einem die Verrücktheiten und Verdrehtheiten nicht all zu sehr auf die Pelle rücken.
 
Lorch war im übrigen eine wichtiger Punkt für den Schiffsverkehr in alten zeiten. Hier wurden die schweren Güter der Frachtschiffe abgeladen und auf kleinere Lastkähne oder auf Fuhrwerke umtransportiert. Die an diesem Punkt des Rheins vorhandenen Untiefen und Stromschnellen, gerade auch um das Binger Loch, sind heute ebenso wie damals noch gefährlich. Ich meine mich erinnern zu können, dass vor einiger Zeit an dieser Stelle ein größeres Schiffsunglück geschehen ist.
 
An einem Haus in Lorch hab ich eine Plakette erspät, die den Aufdruck "Freistaat Flaschenhals" hatte. Ich dachte, das sei ein Spaß, wegen des Weins;-) Aber nix da. Lorch war tatsächlich einmal die Hauptstadt des Freistaates Flaschenhals und dies wiederum war das Ergebnis des Versailer Vertrages.
 
Fantastisch sind die Ausblicke auf den Höhen
 
Übrigens...eine zu bestaundene Sehenswürdigkeit in Lorch ist der Schnitzaltar in der Dorfkirche. Enstanden im Jahre 1483. Er soll der größte und best erhaltenste Altar in ganz Deutschland sein. Wir haben diese Sehenswürdigkeit aber links liegengelassen.
 
So doll bin ich nicht im Sehenswürdigkeitengucken:-), schli8eßlich habe ich auch den Taj Mahall in Delhi nicht bestaunt. Im Grunde geh ich lieber dahin, wo andere nicht hingehen:-)
 
Hatte ich schon geschrieben, wie fantastisch die Ausblicke auf den Höhen sind? Ich kann es nur wiederholen. Immer wieder ein anderer Ausblick, eine andere Perspektive und das bei dem herrlichsten Maisonnenwetter.
 
Auch das müßte man im Alltag immer können, die Dinge aus einer anderen Perspektive betrachten, das würde helfen. Wanderungen sind für mich immer bestückt mit Bildern, die übertragbar sind auf das Leben...Höhen und Tiefen, Auf- und Abstieg, Gehen und Innehalten.
 
Das bietet der Rheinsteig und macht ihn besonders reizvoll.
 
Wir haben jetzt die Höhe von Bacherach erreicht, den Blick auf die Burg Stahlbeck hinter uns gelassen und treffen in Lorchhausen auf den Rieslingspfad. Vom Aussichtspunkit Wirbellay wieder ein herrlicher Blick auf den ollen Vater Rhein.
 
Man kann sich gut vorstellen, warum dieser olle Vater Rhein so oft besungen wurde und selbst der Ami kennt das Lied vom ollen Vater Rhein in seinem Bette:-) Und ehrlich, wenn ich auf meine Fahrten nach Kölle das erste Mal wieder den Rhein erblicke, geht auch mir das Herz über. Da kann halt der Main nicht mithalten, auch wenn das Mainufer einfach schöner angelegt ist, als unser Rheinufer.
 
Wirbellay übrigens wegen der starken Rheinstromwirbel an dieser Stelle.
 
Wir halten immer mal wieder an und genießen die Ausblicke, Hunger überfällt uns weniger. Wahrscheinlich wegen des Hildegard-Brotes:) Oder waren wir eifnach von der Schönheit der Natur satt?
 
Aber der Durst! Da waren wir getränkemäßig nicht so gut bestückt. Und leider waren wir auch zu ängstlich aus den immer mal wieder auftauchenden Quellen zu trinken, obwohl nicht direkt davor gewarnt wurde, aber eben auch nicht erlaubt. So herrlich frisch, kühl, klar und rein das Wasser. Wieso hat der Mensch vergessen, dass Wasser unser wichtigstes lebenselexier ist? Wie ist es nur zu der Sorglosigkeit und Mißachtung im Umgang damit gekommen?
 
Wir sind daher ganz froh, als wir Kaub hinter uns gelassen haben und uns der Grenze Hessen/Rheinland-Pfalz nähern. Denn...obwohl der Wanderführer darauf hingewiesen hatte, dass keine Einkehrmöglichkeit besteht, finden wir dennoch eine kleine Gastronomie, behelfsmäßig in einem Wald, bevor es zu einem weiteren Aufstieg kommt.
 
Ein bißchen wie im Märchenwald
 
Dieses Mal aber kein Wasser, sondern eisgekühlte Coca-Cola. Herrlich...obwohl ich kein wirklicher Cola-Trinker bin, überzeugt mich in diesem Moment das kühle Naß und ich stimme in die Lobrede meines Taunustrolls über den Erfinder John Pemperton, der sich das Getränk 1887 patentieren hat lassen, ein.
 
Und auf gehts und weiter! Eine Steigung, die es nochmal in sich hat, sich in Serpentinen windet, führt uns in einen herrlichen Eichenwald, der ein bißchen wie ein Märchenwald anmutet. Der Wanderführer spricht zwar von "mediterranem Charakter"...Naja... kann man auch assoziieren. Und, ich sags doch....Warum in die Ferne schweifen:-)
 
Den Wald hinter uns lassend gelangen wir auf eine Hochfläche. Man kann es gar nicht richtig glauben. Plötzlich hört der Wald einfach auf. Wie kommt das. Hat das die Natur eingerichtet, von allein oder hat der Mensch hier seine Hand im Spiel? Vielleicht wegen der Jagdt? Hat der Jäher von seinem Hochsitz eine bessere Möglichkeit, dem äsenden Wild auf der Höchfläche zu begegnen und es zu erlegen. Vielleicht!
 
Und wieder und wieder mal der herrliche Aus- und Rundblick! Auf einer Straße müssen wir dann kurz weiter in Richtung Sauerburg. Im Mittelalter zockelten hier die Fuhrwerke mit ihren Waren und Reisenden. Ach, wenn man da an den Autoverkehr von heute denkt. Manches war eben früher doch besser:)
 
Vor der Sauerburg noch der Hof Sauerburg. 6oo Jahre soll der alt sein und zu damaligen zeiten die Burg mit allem, was gebraucht wurde, beliefert haben. Durch die Bäume hindurch schimmert schon der Burgfried, oder war es eine Fata Morgana? Nö...er war es, gespalten liegt er vor uns. Gespalten deswegen, weil die Franzosen im Jahre 1689 versucht hatten, ihn zu sprengen. Habens aber net geschafft, die Franzosen:-) Warum auch immer.
 
Die Erben der Sauerburg waren später die Freiherren von Sickingen, deren letzter Nachkomme trotz Burg und Hof völlig verarmt ist. Eine Anstellung, die er angeboten bekommen hatte, lehnte er mit den Worten:"Ein Sickingen dient nicht, ein Sickingen läßt dienen"
 
Tse, tse, tse...solche Sickinger:-) gibts heute auch zu Genüge. Dabei steht für den Christen das Dienen an erster Stelle. Dem Leben dienen. Das gefällt mir schon und sich selber dabei nicht vergessen. Eine Kunst eben!
 
Es ist spät geworden....Wir wollen jetzt doch zum Ende gelangen mit unserer Wanderung. 21.oo Uhr hatten wir einkalkuliert. Wir begnügen uns noch schnell mit unserer Wesper (Hildegard-Brot:-)) und kommen auf unserem weiteren Weg hinab ins Sauertal. Ein bißerl unheimlich mutet das Dörfchen oder besser eine Ansiedlung von Wöhnhäusern, die zwar alle wunderhübsch und individuell gestaltet sind, an. Dennoch möchte ich nicht in einem solchen Tal wohnen. Nä, dat wär nix für mich in so einem Kessel zu leben, ohne Blick auf den Himmel und das umliegende Land.
 
Erholung an Leib und Seele
 
Noch einmal können wir die schönen, gewaltigen Schiefergalerien bewundern, die rechts am Wegesrand aufgetürmt sind und aus denen viele der alten Gebäude errichtet sind, so auch die Burg Waldeck, die nur noch eine Ruine ist und früher der Sitz der Raubritter gewesen sein soll.
 
Übrigens haben wir auf dem kleinen Abstecher zur Ruine Waldeck wieder fürs Leben gelernt;-) Nicht alles, was gefährlich oder unüberwindbar erscheint, ist es auch. Ein umgeschlagener Baum lag quer über dem Weg und von oben herab sah der Weg unbegehbar aus. Also suchten wir uns einen eigenen Weg, der sich im Nachhinein als gefährlicher und unbequemer herausstellte, als der Weg, der dann von unten sichtbar hätte ganz leicht begangenw erden können. So iset halt manchmal im Leben:-)
 
Es ist so still geworden, um uns herum, schön war diese Abendstille in der anbrechenden Dämmerung. Wir gehen gemütlich, aber zielstrebig unseres Weges als ich plötzlich vor mir direkt auf dem Weg ein großes schwarzes Tier mit lauter kleinem Gewusel erblicke. Da ich etwas fernblind geworden bin, dachte ich zuerst an eine Kuh. Aber nach genauem Hinschauen entdecken wir eine Bache mit ihren Frischlingen. Auweia...das ist oder kann gefährlich sein, schießt es mir in den Kopf.
 
Wir bleiben eine Weile stehen, die Bache verschwindet, mit ihr die Kleinen. Ob wir weitergehen können. Ein wenig hab ich doch Schiss:-)...Und da tauchen auch noch zwei weitere Kleine auf dem Weg auf und laufen auf die andere Seite zu ihrer Mutter. Jetzt erst gehen wir zielstrebig weiter. Die mögliche Gefahr ist gebannt. Aber der Anblick war wunderschön. Ist schließlich nicht jedem vergönnt.
 
Es war einer der Höhepunkte unserer Wanderung. Wir haben es geschafft.
 
Erholung an Leib und Seele. Müde, aber selig finden wir unser Auto und fahren auf der autofreien Straße zurück in Richtung Frankfurt.
 
Es muß noch eingekauft werden. Aber zur Not darf´s nach mal Ravioli aus der Dose sein. Immerhin hatten wir Hildegard-Brot:)
Man schläft so schön nach einer solchen traumhaften Wanderung. Und am nächsten Tag ist man schön bracke:-) Und das ist gut so.
 
Herrlich, warum in die Ferne schweifen....Und! Fitßneßstudios bräuchte es auch keine:-) Wandern_Deutschland_Taunus_Pfaelzer_Wald_bild0_bg1.png

von Fernweh - veröffentlicht in: Ausflugsziele! - Community: Gesundheit und Lebensfreude
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Friday, 18. march 2011 5 18 /03 /März /2011 13:57
Ehrlich gesagt, ich könnte kotzen, doch, wirklich. Nein...nicht weil ich an einem Infekt oder dergleichen leide. Nein... es ist eher so ein Gefühl in mir, ob der Betroffenheit oder Nichtbetroffenheit über das Geschehen, wie wir es im Moment in Japan erleben.
 
Die Schreckensmeldungen aus Japan nehmen kein Ende. Tausende Tote, noch mehr Vermißte und das Schreckensszenario scheint kein Ende zu nehmen. Im wahrsten Sinne des Wortes, zur Zeit ist die Hölle los. Wie wird sich das entwickeln, was wird noch passieren. Und wie gehen die wirklich Betroffenen damit um?
 
In den Nachrichten liest man hier und da, die Japaner selber sind sehr gefaßt und ruhig. Die Übermittlung der Nachrichten über die aktuellen Geschehnisse sind sachlich und nüchtern. Man will an der Wahrheit bleiben. Nichts aufschaukeln, was die Menschen noch mehr verunsichern würde. Denn... es herrscht Verunsicherung... hier und dort. Schon immer...Aber zuerst kommt die Verunsicherung, dann das Weitermachen wie immer. Aber was wäre angebrachter, als Betroffenheit oder wenigstens als Folge ehrlicher Betroffenheit?
 
Doch nichts anderes, wie endlich die Augen aufzumachen, aus der Lethargie und der Gleichgültigkeit herauszutreten, sich zu bewegen und endlich zu begreifen, das, was jetzt in Japan passiert ist, kann uns hier und überall dort, wo die Verantwortlichen einfach so weitermachen, vertuschen und versuchen zu bagatallisieren, passieren. Tschernobyl ist lange her. Was war das für ein Aufruhr, eine Angst, damals...
 
Aber was ist danach geschehen, hier und überall auf dieser Welt? Nichts... Der Mensch hat sich wieder beruhigt, sich zurückgelehnt, und sein Leben weiter so gelebt, als sei Tschernobyl nichtb passiert.
 
Die wenigen Atomkraftgegner haben keine Macht gehabt. Die Dinger wurden weiter entwickelt, weiter gebaut und installiert und man mußte sich damit abfinden. Es gab keine Macht, abzuwenden. Die Macht der Wirtschafts- und Konsumgesellschaft ist größer.
 
Wahrscheinlich, wenn man am Ende noch vom Glück im Unglück sprechen kann, wird es nach Japan genauso weitergehen, oder? Oder kann es vielleicht sein, dass der Mensch jetzt endlich erwacht?
 
Und damit meine ich nicht nur die Verantwortlichen, die an den Strippen ziehen. Damit meine ich uns alle.
 
Wollen wir wirklich unser Leben ändern? Denn, begreifen es immer noch nicht alle. Das, was gerade in Japan geschieht, ist auch das Ergebnis der Abgestumpftheit, der Gleichgültigkeit, des Egoismusses, der Habsucht, der Selbstgefälligkeit, der Eigensucht, nach einem kleinem, sicheren und guten Leben. Und dieses gute Leben sieht doch so aus, der Mensch will nicht verzichten. Er will sich tagtäglich in einer gleichgeschalteten Masse all die Dinge unser Konsumgesellschaft aneignen. Will sein Auto vor der Tür stehen haben, mit dem er ständig von A nach B rasen kann, sein Haus, sein Boot, sein Garten...was weiß ich... Mehr, mehr und immer mehr.
 
Und dann, wenn es geschehen ist, kommt der Aufschrei. Ach...was weiß ich...Aufschrei...nein...man kann es auch anders nennen. Die hervorgeholte Betroffenheitsmanie.
 
Dann sieht man sie wieder hier und da...in Foren, Communitys, Chats, auf den Straßen im Gespräch mit anderen....Da kullern dann auch schon mal ein paar Betroffenheitstränchen. Ach... man leidet ja so mit den Menschen, da hinten, woanders, weit weg, die das jetzt alles erleben, aushalten und erfahren müssen. Ekelig, finde ich.
 
Ich mag diese Betroffenheitsmanie genauso wenig wie die gespielte Empörungsmanie nicht. Es ist wie bei einer Beerdigung. Da heulen sie auch alle rum, aber doch meistens wegen sich selber und nicht, weil sie mit dem Toten so verbunden waren, er ihnen jetzt fehlt. Hier und da vieleicht. Aber im Grunde heult man über sein eigenes, kleines beschis....Leben. Das es mal ein Ende hat, man weiß nur nicht wann.
 
So ist es doch. Und daher mag ich dieses Betroffenheitsgetue nicht, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Es erscheint mir so, wie, ach, schaut mal, wir sind uns doch alle so einig, das hätte nicht passieren dürfen, die armen Menschen, was machen wir jetzt. Ach ist das alles traurig. Ekelig.
 
M.E. wäre ein Stillwerden, demütig werden, aber was sag ich denn, wer weiß denn heute überhaupt noch, was Demut heißt, eher angebracht.
 
Letztendlich ist Demut nichts anderes, als nicht die Augen abzuwenden, hinzuschauen und endlich zu erkennen, dass wir, jeder Einzelne mit dazu beiträgt, dass es soweit kommen kann und muß, wie es jetzt in Japan gekommen ist.
 
Aber anstatt sich zurückzunehmen, endlich aufzuwachen, mit den wenigen, die seit Tschernobyl auf die Straßen gegangen sind, gegen Atomenergie, gegen die Castortransporte, nicht im stillen Kämmerchen zu sympathisieren, sondern mit einzugreifen, anzugreifen, zu ergreifen, das eigene Leben, sich zu drehen, umzudrehen, sein Leben umzukrempeln, mit daran zu arbeiten, dass es auch anders gehen kann, werden jetzt Betroffenheitstränen- und worte gezeigt, und die Zeit nicht genutzt, wirklich was zu tun, was wichtig ist.
 
Was nutzen der Menschheit die vergossenen Tränen weniger Menschen, irgendwo, weit weg vom Geschehen des Schreckens jetzt und in der Vergangengenheit, wenn danach nichts passiert. Wenn...wenn vielleicht doch noch mal alles gut ausgeht, das eigene Leben weiter so geführt wird, wie bisher. Schnell kommt das Vergessen.
 
Daher...ich bin nicht mal groß erschrocken... Ich empfinde meine Gefühle eher so, als dass ich still in mir werde, schaue, analysiere, ein sicher auch allumfassendes Mitgefühl mit dem Schrecklichen, Traurigen, dass Menschen erleiden müssen, tagtäglich, in mir verspüre. Aber dieses Gefühl ist ja immer da, wenn ich vor den Tatsachen des Grausamen, Abscheulichen, Unfaßbaren, entweder durch Menschenhand oder Naturereignissen, dass in dieser Welt geschieht, stehe.
 
Sind wir doch mal ehrlich...es nutzt doch kein Geheule, kein Gejammer..., was bloß ein Gejammer über das eigene Elend ist.
 
Was wirklich ankommt, ist die Radikalität des eigenen Verhaltens in die Richtung, das eigene Leben im Alltag hier und jetzt, zu ändern. Und wer meint, er habe Zeit, er kann wirklich jetzt helfen, in dem Sinne, dass er in das aktuelle Geschehen eingreifen will, der soll das tun. Es gibt sicher genug Helfer, die benötigt werden, dort auf der anderen Seite der Welt. Aber soweit geht es dann doch nicht.
 
Man will weder sein Leben ändern, noch will man sich wirklich bewegen. Um helfen zu wollen und zu können, muß man nicht mal auf ein Unglück warten. Es gibt so viele Unglücke, Erschwernisse, Erschütterungen, die tagtäglich in unserem Alltag um uns herum passieren, die nicht wahrgenommen werden, wo man eingreifen, zugreifen könnte.
 
Stattdessen sitzt man lieber in seinem Sesselchen, vor den Bildschirmen unserer Medien, Fernsehen, Internet und macht groß auf Betroffenheit. Ne...ich hasse das...ich finde es abstoßend, dieses kollektive Betroffenheitsgetue.
 
Und wenn ich dann so im Alltag daher komme und erzähle, ich will das alles nicht...ich will einfach leben, mich zurücknehmen, nicht konsumgierig und spaßberieselt durch diese Welt gehen, ich hab keinen Fernseher, ich will kein Auto, ich will mich nicht aus voyeuristisch aus Glanz- und Boulevardblättchen ernähren, werd ich belächelt. Pah...es ist ja so viel einfacher, wenn das Unglück über die Menschheit herreinbricht, ein paar Betroffenheitstränchen zu weinen und so viel bequemer, als endlich aufzustehen, sich über das eigene, kleine Leiden, das man mit sich herumschleppt, hinwegzusetzen, es nicht in den Mittelpunkt zu stellen und wirklich was tun.
 
Schon meine Mutter sagte immer, Kind, Kind, es nutzt nix, zu heulen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
 
Man muß endlich kapieren, dass das, was jetzt in Japan passiert ist, eine Warnung an uns alle ist. Es heißt...nicht wieder einzuschlafen, so weitermachen, wie bisher, wenn es vorbei, überstanden ist. Es muß ein sich verändern wollen, ein Streben nach geistigem Leben entstehen, auch ein politischer Wille wachwerden.
 
Wir müssen uns alle zurücknehmen und uns nicht von der Sorge und den Ängsten der Panikmacher drücken lassen, die uns ständig vorgauckeln wollen, wenn wir nicht mehr konsumieren und mitmachen wie eine gleichgeschaltete Herde dummer Schafe, geht die Welt unter. Die Welt geht gerade dann unter, wenn wir so weitermachen.
 
So...jetzt könnt ihr mich mit Steinen bewerfen. Ich bin wütent, ob der Dummheit der Menschen.
 
Was die Welt jetzt und schon immer braucht, ist Demut und den Willen wirklich etwas dazu beizutragen, dass es in eine andere Richtung geht, auch wenn wir das selber nicht mehr erleben dürfen. Dann eben unsere Kinder. Demut ist auch nichts anderes, als das, dass wir annehmen, was ist und dennoch nicht aufhören, zu tun, was nötig ist.
von Fernweh - veröffentlicht in: momentaufnahmen - Community: Alltagswahnsinn
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