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24. April 2017 1 24 /04 /April /2017 08:23

Köln hat Flagge gezeigt. 10.000 Menschen maschierten am Samstag durch die Kölner Innenstadt um gegen den Parteitag der AfD zu demonstrieren und zeigten damit ein grosses Zeichen. Keine Macht dem rechten Gedankengut und den Nazis hier in dieser Stadt, aber auch weltweit. Ich war dabei. Nicht, dass ich mich jetzt besonders fühle, ich empfinde es als eine Pflicht im Angesicht der geschichtlichen Vergangenheit und dem aktuellen Geschehen in der Welt ein Zeichen zu setzen. Hallo, wir sind da, wir passen auf. Schon um unserer Kinder willen und für die Zukunft der Menschen. Für eine freie Welt, für Demokratie, Solidarität und Menschenfreundlichkeit.
 
Glücklich bin ich darüber, dass der gesamte Tag, abgesehen von ein paar Randerscheinungen, friedlich und entspannt verlaufen ist. Aber die finden wir ja überall, diese kleinen Grppen, die sich Ereignisse zu eigen machen und ihre Agression ausleben wollen, die ganz sicher ihren Ursprung in ihrem eigenen Leben hat. Damit muss gelebt werden.
 
Ich habe mich um 9.30 Uhr auf den Weg Richtung Heumarkt gemacht. War erstaunt, dass die Stadt, als ich aus dem Hauptbahnhof herauskam, still vor mir lag. Hohe Strasse leergefegt. Alles ruhig. Ein paar Besucher der Demonstration maschierten mit mir zusammen Richtung Heumarkt.
 
Bevor die Absperrungen am Heumarkt durchschritten werden konnten, mussten sich einige Besucher dort Taschenkontrollen unterziehen. Für mich war das in Ordnung. Ich durfte eh vorbei.
 
Angekommen, standen die Menschen versammelt vor der dort errichteten Bühne oder aber an den LKw´s, aus denen heraus die Ansprachen verschiedener Gruppen gehalten wurden oder einfach Musik nach dem Motto: Lasst es knallen, erklang. Es war eine bunte Mischung zu sehen von Jung und Alt. Selbst einige Eltern mit ihren Kindern waren dabei. Ich fand das gut. Sicher ist es ein Risiko. Man weiß nie, was geschieht. Ich denke, die Eltern wissen das sicherlich gut einzuschätzen und gut damit umgehen zu können.
 
Ich muss gestehen, in jungen Jahren war jede Demo meine, aber mit den Kindern bin ich später nicht gegangen. Das hatte aber auch viele andere Gründe. Dennoch, ich will mich nicht herausreden, ich glaube, das hätte ich mich nicht gewagt. Daher meinen Respekt vor den Eltern. Denke, dass es wichtig ist, dass die Kinder früh lernen, dass sie die Möglichkeit haben, auf diese Art und Weise ihren Widerspruch aufzuzeigen, wenn etwas geschieht seitens der Politik, was nicht im Sinne der Wohlergehens der Menschen ist.
 
Ich empfand die Stimmung schon auf dem Heumarkt als sehr entspannend und auch fröhlich.So soll es sein. Selbst die Polizei, die ich bei meiner letzten Demo in Frankfurt gegen die EZB in sehr schlechter Erinnerung hatte, zeigte sich m.E. entspannt. Es konnte sogar hie und da ein Witzchen mit ihnen gemacht werden und sie gaben freundlich Auskunft auf Fragen und verschanzten sich nicht hinter ihrer Macht. Gut, es ist mein persönliches Empfinden und Erleben gewesen. Jedenfalls sie hat ein Lob verdient, die Polizei.
 
Was mir ins Auge fiel, waren die teilweise ganz in schwarz gekleideten Jungen wie Alten. Merkwürdig dachte ich. Warum? Drückt das *schwarz* eine gewisse Hoffnungslosigkeit aus? Es war schon auffällig. Ich denke mir immer, eine Demonstration müßte von vielen bunten Kleidern tragenden Menschen gegangen werden. Die Farben, die ausdrücken, dass die Hoffnung nicht aufgegeben wird, aber auch, dass diese unsere Welt bunt ist, genauso, wie die Menschen, die in ihr leben. Schwarz war jedoch nicht überwiegend der Blickfang. Bunte Luftballons hoch in den Himmel ragend, farbige Plakate und Schilder und hie auch da einige verrückt kostümierte Menschen brachten  Leben in das Bild.  Aber gut, im Grunde ist das pillepalle. Es war nur so ein Gedanke.
 
Dann ging es los. Wir maschierten Richtung Neumarkt. Immer wieder kam es zu kleinen Zwischenstopps, es ging langsam voran. Zum einen wartete man auf Gruppen, die von anderen Seiten noch hinzustießen, zum anderen waren es wohl Vorsichtsmaßnahmen, die den Marsch etwas verlangsamen sollten, damit alles gut verläuft. Diese Pausen wurden gut genutzt, immer wieder kleine Reden, aber vor allen Dingen Musik und die Menschen tanzten teilweise sogar in den Reihen. Das gefiel mir natürlich. Dachte, genauso soll es sein. Keine agressive Stimmung. Manche Redner riefen dazu auf, dass Parolen zusammen gerufen werden. Das funktionierte auch teilwese ganz gut. Ich bin da eher still mitgezogen. Ich habs nicht so mit dem Schreien von Parolen. Auch wenn es ums Positive geht. Halte mich eher an einen sanften Widerstand. Meine Füße zeigten meines Erachtens genug.
 
Wichtig war, dass die Menschen hier in Köln ein Zeichen setzten. Und das war in der Tat so. In diesem Moment hatte ich tatsächlich auch nichts gegen ein Wir-Gefühl. Die Sorge, die hier alle Versammelten verband, war die gleiche. Merkwürdig, während ich Schritt um Schritt mitzog kamen mir die Worte in den Sinn, die mir auf den Weg mitgegeben worden sind. Paß auf dich auf. Sei vorsichtig. Einige sagten gar, was, du gehst auf die Demo. Da hätte ich zu viel Angst. Und ich dachte in dem Moment, ne Angst hab ich nicht einen Augenblick gehabt.
 
Angst hab ich mehr im Alltag oder auch besser gesagt Sorge. Vor jedweder Ausgrenzung eines Menschen, weil er herkommt, wo er herkommt oder ist wie er ist. Sprüche wie...Ohne ihn war es angenehmer. So was erschreckt mich und ich denke dann immer, warum? Die Angst, dass ihnen was genommen wird, ist wohl gross. Unsicherheit des eigenen Selbst. Es gibt viele Gründe, das ist mir klar.
 
Am Neumarkt angekommen wurden noch einmal Ansprachen gehalten und Parolen ausgerufen. Ich verliess die Demo hier an dieser Stelle und zog still Richtung Rudolfplatz, um von dort zum Grüngürtel zu gelangen, wo dann ab 14.00 Uhr die Veranstaltung initiiert von Kölner Karnevalsgesellschaften, organisiert von  Herrn Kuckelkorn, stattfinden sollte. Ein wenig hatte ich da gemischte Gefühle. Sollte das mal wieder ein  Event *Köln feiert sich selber und immer immer wieder ruft der Karneval* werden? Da ich früh dort war, hatte ich meinen Platz unmittelbar vor der Bühne eingenommen und konnte so das langsam und stetige Anwachsen der Menschenmenge beobachten.
 
Auch hier wieder Alt und Jung, Eltern mit ihren Kindern. Und mir fiel sofort ein kleines Mädchen auf, dass ein selbstgemachtes Plakat in die Höhe hielt mit der Aufschrift: Kein Kakao für Nazis! Auf meine Frage, ob ich sie fotografieren dürfe, an sie und ihre Eltern gerichtet, nickten sie sofort stolz und freuten sich. Ich habe das kleine Mädchen immer mal wieder beobachtet, wie stolz und stoisch sie ihr Plakat die ganze Zeit während der Veranstaltung vor sich hertrug. Respekt für das Engagement der Kleinen und Respekt für die Eltern, sie dürfen ganz sicher stolz auf ihr Mädchen sein. Das haben sie gut gemacht. Wie ich schon schrieb, es kann nie früh genug sein. 
 
Der Platz füllte sich und während der laufenden Veranstaltung würden 10.000 Menschen sich hier eingefunden haben um ein Zeichen zu setzen. Viele Kölner Bands unterstützten die Aktion mit ihren altbekannten Liedern, Höhner, Paveier, Kasalla, Cat Balou, Brings. Ein herrliches Treiben und Bild als die roten Funken direkt vor meiner Nase Richtung Bühne einzogen an mir vorbei und teilweise zum Stehen kamen. Da war einem löstig Schwätzchen gar nicht auszuweichen. In diesem Moment ging mir das Herz auf. Gut dasss die Karnevalisten nicht nur Hätz, sondern auch Flagge zeigten. Es ist ja bekannt, dass die Kölner Karnevalisten sehr viel Hilfe leisten in allen sozialen Bereichen, das sollte nicht vergessen werden, gerade auch von denen, die immer ein wenig schief auf das kölsche Karnevalsgeschehen- und treiben gucken. Es kann vielleicht auch Niemand verstehen, der nicht in Köln geboren und aufgewachsen ist.
 
Bettina Böttinger, die jeder ja nun vom Kölner Treff kennt hat mich ebenfalls begeistert. Sie führte mit Hätz und Verstand lässig durch den Nachmittag. Alle Teilnehmer gaben ihre Statements ab und jedes Wort stimmte nachdenklich. Nur bei den Kirchenvertretern war ein Vorbehalt meinerseits sofort zu spüren, fast eine Abneigung, denn ich weiss um die vielen Ausgrenzungen der Menschen innerhalb der Gemeinden in den Veedeln und auf anderen Ebenen im erzbischhöflichen Dienst. Sorry, aber ich kann gegen diese Widersprüchlichkeit, nach aussen große Offenheit demonstrieren, im Hinterhalt aber genau dagegen agieren, einfach nicht an. Dazu bin ich zu gebrannt!
 
Mein Eindruck aber insgesamt war, dass die Menschen, die sich hier versammelt hatten und die ja auch zum grossen Teil aus der Innenstadt von dem Marsch hierhergefunden hatten, nicht da waren, um Karneval zu feiern, sondern dass in ihren Köpfen genauso wie in meinem die Sorge um die Zukunft, die Angst vor dem Rechtsruck, vorherrschte und dass sie mit ihrer Anwesenheit ein Zeichen setzen wollten. Die Lieder, die die Bands spielten waren gut ausgewählt. In unserem Veedel, denn hier stonn wir zusammen, egal, wat auch passiert....Jeder Kölsche kennt es. Aber nur ein Kölner weiss, dass es stimmt, was hier besungen wird. Dass es in den Kölner Veedeln tatsächlich so läuft. Das hier zusammengehalten wird, dass jeder angenommen ist, der hier lebt. Ich habe in all den langen Jahren, in denen ich im Veedel Nippes lebte, nie etwas wie Ausgrenzung oder Abneigung gegen Menschen anderer Herkunft erlebt. Hier lebt alles miteinander und füreinander. Das ist auch das Besondere, dass Köln ausmacht.
 
Und daher konnte ich ganz gut rechts und links meinen Nachbarn einhaken und bei dem ein oder anderen Liedchen mitschunkeln. Es gibt tatsächlich einfach kein Wort dafür, dass sagen könnte, was ich fühle, wenn ich an Kölle denke. So ist es.
 
Köln ist zwar nicht die architektonisch schönste Stadt, aber eine Stadt die Gemüt, Herz und Verstand hat, die immer aufgestanden ist in den letzten Jahren, wenn es darum ging, gegen Rassismus, gegen Nazis und für die Menschlichkeit und Menschenrechte  einzutreten. Und das sind die Menschen, die Bürger, die hier leben. Und ich bin froh nun wieder hier zu leben und an diesem grossen Tag mit dabei sein konnte.
 
So lief auch diese Veranstaltung im Grüngürtel entspannt, friedlich aber vor allen Dingen auch mit viel Fröhlichkeit ab. Was wenn nicht  die Freude, der Humor und das Frohsein immer noch das beste Mittel gegen Angst und Sorge ist.
 
Am Ende singen alle mit Kasalla...Stadt mit *K* Hier ist die Stadt mit *K*, die gezeigt hat, dass hier Menschen leben, die aufpassen, die sich wehren wollen, und zwar nicht, wenn es zu spät ist, sondern in den Anfängen, die dafür steht, dass für Nazis und rechtem Gedankengut hier in dieser Stadt kein Platz ist. Vier Stunden vergingen wie im Fluge.
 
Auf dem Weg nach Hause zog ich zufrieden still und allein Richtung Dom, um von dort aus am Rhein entlang meinen Heimweg zu Fuß anzutreten. Ich war lange unterwegs an diesem Tag. Aber es hat sich gelohnt! Ein Gedanke hat sich noch breit gemacht in mir auf dem Nachhauseweg. Warum? Warum wird insgesamt in dieser Welt, gerade auch in Deutschland, so wenig Gebrauch von einem der wichtigsten Freiheitsrechte gemacht. Das Recht zu Demonstrieren! Es wird überall so viel geschimpft und resigniert. Bei den Wahlen sieht man die Politikverdrossenheit der Menschen.

Dieser Tag hat doch einmal mehr wieder gezeigt, wir Menschen haben die Mittel nein zu sagen, aufzuzeigen, zu protestieren und den Politikern damit ein Zeichen zu geben, das wollen wir nicht. So könnt ihr mit uns nicht umgehen. Denn wir sind die Zukunft, Menschen, die ihr regiert und für das Wohl aller sorgen sollt und nicht für das Wohl einiger Wenigen. Bleibt nicht in euren Sesseln und auf den Sofas sitzen, blickt resigniert in die Schreckensmeldungen der Medien und feiert euch selbst in previlegierter Menschenbetroffenheitsmanie, die ihr dann auch noch öffentlich zur Schau stellt und schwadroniert über die Schrecken und Grausamkeiten in der Welt. Steht auf, macht was, geht hinaus, organisiert und inittiert oder übernehmt zumindestens Verantwortung im Kleinen, dort, wo ihr lebt, für die, die es schwer haben in unserer Gesellschaft, die Armen und Kleinen. Und seid nicht geizig, denn wenn es euch gut geht, warum soll es den anderen nicht auch gut gehen. Und schwadroniert nicht über Ausgrenzung und Rassismuss, wenn ihr den selben in eurem Alltag ständig lebt, ohne dass es euch bewusst ist, weil es ja so normal ist, so zu denken, wie ihr denkt, dass Perfektionismus, äussere Schönheit, Unversehrtheit und Jugendlichkeit euer Ideal ist. Und ihr selber es erst merkt, wie bekloppt das ist, wenn ihr selber betroffen seid vom Verfall und Ausgrenzung!
 
Ich habe fertig!

 
 

 
 

 
 
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9. April 2017 7 09 /04 /April /2017 09:35

Du bist
gegangen
 
still und leise
 
du bist allein
durchs Leben gegangen
 
warst so zerbrechlich
an Leib und Seele
 
Es gab kaum einen
der Dich verstand
 
das ist normal
in dieser Welt
 
ich habe dich
nicht lange gekannt
 
und doch wusste ich alles
über Dich
 
die wenigen Gespräche
haben mir alles gesagt
 
aber vor allen Dingen
Dein Wesen
 
erzählte mir
von Dir und Deinem Leben
 
Du warst auch nur ein Mensch
dem das Wichtigste gefehlt hat im Leben
 
die Liebe
 
Wenn ich jetzt an Dich denke
mir Tränen übers Gesicht rinnen
 
dann sag ich Dir nochmal
ich habe Dich sehr gemocht
 
in meinem Herzen war und ist
die Wärme für Dich geblieben
 
Du leuchtest mir wie ein Stern
entgegen
 
der niemals erlischt
 
auch wenn du jetzt fort bist
von dieser Welt
 
Das Leben geht weiter
so wird gesagt
 
laß es nicht so nah an dich heran
wird mir gesagt
 
ich verstehe das
aber wer hat mich so gemacht
 
dass ich das nicht kann
das nicht nah heranlassen
Du fehlst mir in dieser Welt
um mich herum
 
so wie ich Dir sagen konnte
ich mag dich
 
fehlt mir jetzt einer
der mir antwortet
auch ich mag dich
 
ich bin mir bewusst,
dass das egoistisch ist
 
aber auch ich brauche
gemocht zu werden
 
Wenn ich nun
auf meinem Balkon stehe
 
wie heute Morgen
 
der Himmel stahlblau
die Luft kühl
die Sonne scheint jedoch
 
da hats mich gefroren
ganz arg
 
weil du nicht mehr da bist
 
und in dem Moment
als ich es spürte und dachte
 
da rüttelte der Wind
an der Pappel
 
ganz hoch oben
wo sie immer höher in den Himmel ragt
 
schüttelte der Wind
an den Ästen
 
sie flirrten und glänzten
die Blätter der Pappel
vom hellen Sonnenlicht
 
und es schien mir
 
als wäre es ein Zeichen von Dir
von da oben herab
 
Danke, dass ich Dich kennen durfte
danke, dass Du auch jetzt an mich denkst
so wie ich an Dich
 
ich will daran glauben
dass es das gibt
 
das Dasein auch nach dem Fortgang
 

es tröstet mich.

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Published by Fernweh - in lyrik
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3. April 2017 1 03 /04 /April /2017 11:07

Warum machst Du das? Diese Frage scheint mich mein Leben lang zu begleiten. Es fing schon in der Kinder-. und Jugendzeit an. Warum machst Du das Roeschen. Z.b. wenn ich mal wieder stundenlang über einem Buch in meiner Sofaecke versunken saß. Geh doch raus in die Sonne und spiele, kam manchmal hinterher... Oder andere Empfehlungen...Tu dies oder das. Mach endlich...
 
Wie ich das gehaßt habe. Schon allein deswegen, weil, eigentlich, zumindestens was meine Lebenserfahrung in Kindheit und Jugend betraf die Antwort auf der Hand lag. Obwohl, ich muss gestehen, ich selber den wirklichen Grund auch nicht immer wusste. Also beim Lesen war eines klar, ich tauchte in andere Welten ein, vergaß die Welt, die sich mir nicht so sehr erfreulich anbot und erfuhr aber auch ein grosses Stück Hoffnung in den Geschichten anderer Menschen. Ich tat das aber unbewußt. Nicht suchend danach. Es war eine Intuition die mir einen Weg wies, wohin auch immer. Es hat ja auch genutzt, wenn ich jetzt rückblickend schaue.
 
Aber wieso machst Du das, das ging ein Leben lang weiter. Meistens hatte ich nie eine Antwort darauf. Das liegt sicherlich daran, dass die intuitive Handlunsgweise mein Leben oftmals bestimmt hat. Natürlich bin ich auch oft auf Irrwege gelangt. Ist nun mal so. Aber auch der, der weiss, was er tut, kann einen falschen Weg einschlagen. Obwohl falsch ja eigentlich gar nix im Leben ist. Aus allem, was der Mensch tut, lassen sich Erfahrungswerte finden, die wiederum wichtig sind für das weitere Vorangehen.
 
Oft hab ich Dinge getan, die von der Umwelt völlig unverständlich waren. Warum gerade jetzt und dies? Anthroposophie, Kirche, Ernährung, Gesundheit, alles Dinge, wo ich ausprobiert habe, einer plötzlichen Eingebung nach. Mach das mal Roeschen und guck, was dabei herauskommt. So denk ich immer noch. Mach das mal.
 
Manchmal ist es ein Hinweis in einem Buch, oder etwas, das ich bei anderen sehe und denke, das könntest du ja auch mal ausprobieren.
 
Oft ist es auch ein Wort, dass mich fasziniert und mich auf ein Tun lenkt.
 
Es kommt auch vor, dass sehr sehr lange etwas in mir schlummert, eine Sehnsucht, ein Wunsch, etwas zu tun und nur die Zeit nicht da oder einfach nicht reif war. Ein Mensch der eher intuitiven Handlungsweisen nachgeht, spürt das. Viele dieser Sehnsüchte und Wünsche trage ich immer noch in mir. Ich geb es zu, von vielen dieser hab ich oft Niemandem etwas erzählt. Daher ist es vielleicht nicht so überraschend, wenn dann die Frage kommt, wozu machst du das?
 
Die meisten Menschen werden ja dahin erzogen, dass all ihr Tun immer zielgerecht ist. Als Kind bekommst du beigebracht, lern schön fleissig, damit aus dir später was wird. Gut, das wird so klar und deutlich von den Eltern nicht gesagt. Es gibt dafür ja das subtile verborgene Hinleiten des Kindes auf die Bahn, die den Eltern vorschwebt. Mit mir hatten die meinigen kein Glück. Trotz allem erlittenen Unbill oder gerade deswegen blieb ich ein Verweigerer in vielen Dingen. Gut, manchmal musste ich Kompromisse machen, das ist nun mal so im Leben. Mit dem Kopf durch die Wand geht halt nicht. Das sehe auch ich ein.
 
Hast Du dann deinen Schulabschluss gemacht, dann heisst es, mach eine Ausbildung die Zukunft hat oder studiere etwas, womit Du später auch was anfangen kannst. Tue nichts, was keine Zukunft hat oder du es nicht für irgendetwas gebrauchen kannst. Das ist die Erziehungsmaxime der Eltern an ihre Kinder.
 
Ohne mich jetzt hervorheben zu wollen, das liegt mir nicht, ich sag nur einfach wie es ist. Da ich selber ein solcher Mensch nicht wahr, hab ich das auch nicht an meine Kinder weitergegeben. Sie wussten sehr lange auch nicht, wohin ihr Leben geht. Was sie lernen sollten. Ich hab ihnen immer gesagt, tut etwas, worin ihr euch wiederfindet und was euch Freude macht. Das allein genügt. Das Tun, sich Hineinfinden in etwas, das einem gemäß ist. Alles andere kommt von selbst. Hat ja auch geklappt.

Seit ein paar Jahren spiele ich Schach und zwar leidenschaftlich gern. Nicht in einem Verein. Ich bin nie ein Vereinsmeier gewesen. Das liegt mir nicht. Der ganze Hickhack und Rangordnung sind mir zuwider. Ich spiele nur im Internet. Da krieg ich es aber auch mit. Und zwar heftigst. Es geht um Ranglisten und Zahlenwerte, wie Elo, DWZ. Manoman, wie mich das anödet. Da sind Leuts depremiert wenn ihre elozahl sinkt und ihr ganzes Tun ist darauf ausgerichtet, diese Zahl zu erhöhen, damit sie einen besseren Rang bekommen. Jösses. Ich denk dann immer und ich, ich spiel da einfach so rum, weils mir Freud macht. Was interessieren mich denn die Zahlen? Naja egal, ein kleines Beispiel nur.
Es geht scheinbar immer darum, wenn du etwas tust, muß es auf ein Ziel hingerichtet sein. Dabei, denkt man an die Kinder, die fangen einfach an zu spielen, die haben nicht zuerst das Ziel im Kopf. Wenn sie anfangen einen Turm zu bauen mit Klötzchen, dann machen sie einfach. Sie schauen halt, wohin das geht. Natürlich freuen sie sich, wenn alle Steine aufgebraucht sind und der Turm tatsächlich steht. Das wäre ja auch komisch, wenn es nicht so wäre. Aber die meisten Kinder sind da nicht verbissen. Nur die Verbissenen sind am Ende verärgert, wütend gegen sich selbst und die anderen oder fallen gar in Lebensdepressionen.
 
Wie hat Georg Danzer mal gesungen: Tu was, dann bist was und bist was, dann hast was...Ich hab dieses Lied immer sehr gemocht, wie den ganzen Danzer und viele seiner Lieder. Er hat mit anderen Augen in die Welt geblickt.Leider ist er viel zu früh verloren gegangen.
 
Ich hab mich früher dann schon immer gefragt, was hast du davon vom *haben* und bist was* Ich jedenfalls weiss, was und wer ich bin. Das braucht mir kein anderer zu sagen. Natürlich will ich es nicht leugnen, wenn es denn dann mal einen Menschen im Leben gibt, der mich erkennt so wie ich ihn, das ist schon schön. Aber darauf hinarbeiten, etwas sein zu wollen, etwas zu haben, nö, nicht mein Ding. Ich hab eh alles was ich brauche zum Leben. Vor allen Dingen gerade in dieser Lebensphase Zeit. Was kann sich der Mensch mehr wünschen als Zeit zu haben. Ich kenne nix, was dagegen aufzuwiegen wäre.
 
Und da ich Zeit habe, tue ich jetzt gerade in diesem Moment wieder etwas, was die Leuts um mich herum nachdenklich blicken läßt und mir die Frage stellen: Wozu tust du das Roeschen? Was willst du damit anfangen? Wozu brauchst du das?
 
Ich gucke dann immer still vor mich hin und sage schmunzelnd wie das kleine Bübchen in Michael Endes Kinderbuch: Das kleine Lumpenkasperle...zum Spaß haben einfach.
 
Genau, das ist es, vielleicht ersetze ich das Wort *Spaß* eher durch *Freud* Ich mache etwas, was mir gerade Freude macht. Ich lerne eine Sprache. Die sicherlich zu nix Offensichtlichem gebraucht werden kann. Was macht der Mensch schon mit Hebräisch?
 
Mein Sohnemann hatte Humor. Der sagte sogleich, haha Mutti, dann kannste die Bibel im Orignal lesen. Immerhin. Diesen Hinweis bekam ich dann sogar noch einmal.
 
Also, ich weiss auch mal wieder nicht so ganz genau, warum ich das tue. Es war ein total sponter Entschluss. In Berührung gekommen bin ich im Laufe meines Lebens schon immer mal wieder mit dem Hebräischen. Aus tatsächlichem Studium der Bibel, aber auch aus der Beschäftigung mit dem Judentum. Ich fand schon immer, dass es eine schöne Sprache ist.
 
Ich mach das jetzt einfach mal, so dachte ich. Und so sitze ich oft jetzt an den Tagen in meiner kleinen Höhle und übe seitenlang die Schriftzeichen des Hebräischen. In ihr findet sich eine Lese- und eine Schreibschrift. Während die Leseschrift eher zackig, kantig, eckig, versehen mit Pünktchen und Linien zu erkennen ist, ist die Schreibschrift eine blumig tanzende auf dem Papier. Und so empfinde ich es auch beim Schreiben, dass ich mit dem Stift über das Papier tanze. Es schmeckt mir einfach, da so still in meinem Kämmerlein zu sitzen und mich in etwas hinein zu vertiefen, was scheinbar überhaupt nichts zu bedeuten hat für mein weiteres Leben.  Aber weiss ich´s? Eines weiss ich ganz sicher aus meiner Rückschau, alles, was ich getan habe, hat mich immer etwas gelehrt oder eben auch auf einen neuen Weg geführt, eine neue Erkenntnis, Vertiefung, Berührendes, Interessantes.
 
Vielleicht es es ja auch mal wieder so eine kleine innere unbewußte Roeschenrevolte gegen das Mainstreamgehabe oder einfach von der Gesellschaft geforderte...gehorche, konsumiere, ordne dich unter, mach was von dir verlangt wird, sei was, hab was...ich weiss es nicht.
 
Jedenfalls, ich mag Menschen, die etwas um des Tun willens tun und nicht, weil sie schon im Auge haben, was dabei herausspringt für sie. Daher mag ich mich auch, ist ja klar,-)
 


למה אתה עושה את זה (Warum machst du das)

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3. April 2017 1 03 /04 /April /2017 09:21

Für Filmegucker, die Action, Crahs und spektakuläre Szenen im Streifen suchen, ist Aki Kaurismäki sicher keine Empfehlung. Wer Kaurismäki mag, liebt mit ihm das Gemütvolle, Altbackene. Kein anderer wie er beherrscht die Kunst so sehr, Details in den Vordergrund zu rücken. Manchmal sind es kleine Dinge, wie z.B. einen Wecker und man denkt vielleicht, was soll das? Wieso wird eine Szene mit einem Wecker so ewig lange gezeigt. Ich verstehe das wohl. Ist doch der Wecker für die meisten ein lebenslang begleitendes und beherrschendes Utensil. Ob ich jetzt mal wieder merkwürdig denke? Nö. Ich seh und empfinde das so. Zudem ist es auch die Ästhetik der Dinge, die Aki zeigt.
 
Oder er zeigt eine Musikbox, altbacken, kennt der eine oder andere noch. Ich erinnere mich genau daran. War noch fast ein Kind. Sonntags immer den Onkel vom Frühshoppen aus der Kneipe holen müssen. Bevor der sich aber endlich mal aufraffte, spendierte er mir immer ein paar Münzen für a) den Erdnussautomaten und b) die Musikbox. Die war immer zuerst mein Ziel. Plattegedrückt meine Nase am Fensterchen und an der Liste der vorhandenen Titel gehangen, durfte ich mir eine Scheibe nach Wahl aussuchen, die dann nur für mich, so dachte ich jedenfalls damals, spielte. Dass die anderen auch hörten, war mir aufgrund des Staunens und Versunkensein im Abspiel- und Hörvorgang absolut aus dem Gedächtnis verbannt.
 
Und so zieht sich ein roter Faden von unendlich langen Kameraeinstellungen durch Akis Filme, die Dinge, die sich in Räumen befinden und die eingefangene Athmosphäre durch die Handlung. Vor allen Dingen aber auch beherrscht er die Kunst Ungesagtes so klar und deutlich aufzuzeigen, wie kein anderer, vielleicht noch Jim Jarmusch. Akis Filme sind nicht dialoglastig. Das gefällt mir gerade in dieser Zeit des müllbeladenen Wortgefechtes überall wo du nur hinschaust. Früher hiess es ja man amüsiert sich zu Tode. Heute könnte vervollständig werden: Man quasselt und amüsiert sich zu Tode. Empfinde ich so.
 
Vor ein paar Tagen hab ich noch eine Doku über die Entstehung des Films *Le Havre*, Akis Film über die Flüchtlingsproblematik aus dem Jahre 2011 gesehen. Ich habe ihn, wie auch andere Filme von ihm, schon mehrmals gesehen. Es war für meine Begriffe der erste Film, wo Aki ein ganz klein wenig abwich von seiner Art des Filmemachens. Der Film erschien bunter, ereignisreicher. Ich hatte mich gewundert. Aber nur ein ganz klein wenig. Es fiel halt auf, wenn die anderen Filme von ihm gekannt wurden.
 
Nun, in seinem neusten Film *Die ander Seite der Hoffnung* kehrt er wieder gänzlich zurück zu seinen Ursprüngen. Auch in diesem Film geht es um die Flüchtlingsproblematik. In der Doku, die ich über Aki sah, war sehr schnell zu erfassen, dass ihm das auf der Seele brennt. Aber was sag ich, Aki brennt alles auf der Seele was an Unmenschlichkeit, Zerstörendes und Erkaltetes in der Welt herrscht. Nicht umsonst lebt er sehr zurückgezogen und macht sein eigenes Ding, hat sich niemals vom Hollywoodmainstream und Glanz und Glimmer verführen und beherrschen lassen. Aber nicht nur deswegen lagen immer einige Jahre zwischen seinen Filmen. Es sit einfach seine Art und entspricht seinem Wesen, etwas langsam zu entwickeln, den Dingen Zeit zu geben, wie man eben auch in seinen Filmen erkennen kann. Es ist ihm sogar wurscht, ob der Film Geld einbringt oder nicht, er will aufzeigen was er sieht in der Welt, was ihn berührt, bewegt, verstört. Selbst die Preise, die er manchmal einheimst, wie jetzt auch für seinen neusten Film für die beste Regie, sind ihm schnuppe. Was sind schon Preise so sagt er in der Doku. Das ganze Etablishment geht ihm am ....vorbei, Ihr wißt schon. Und wenn er tatsächlich mal zu einer Verleihung kommt, dann läßt er sich nicht lumpen und bringt sein ganzes Gefolge mit, alle die, die an dem Film mitgewirkt haben, ob Kameramann, Schauspieler oder Putzfrauen., Sie sind alle dabei. Herrlich. Er macht einfach ein Häufchen auf den ganzen Anerkennungskram.
 
Und wer nur einmal nur einen einzigen Gedanken dergestalt hatte, dass seiner Ansicht nach Das Fremde zuviel wird, der solllte sich den neusten Film von Aki anschauen. Er würde diesen Gedanken vielleicht verwerfen. Sicher, es ist ein märchenhaft anmutender FIlm. Dennoch, Märchen können wahr werden, wenn nur ein einziger Mensch sein Denken und Handeln verändert. Im Alltag. Es geht so einfach, wenn das Herz noch nicht erkaltet ist.
 
Es spielen sich mehrere Dramen ab in seinem Film. Die Reise eines Flüchtlings, der auf Um- und Abwegen in Helsinki landet. Und dessen Geschichte man erfährt, als er im Einwanderungsbüro die Erlebnisse und die Gründe seiner Flucht aus Syrien zu schildern angehalten wird. Die Starrheit der Bürokratie, das Unbwegliche, kalte ohne viel Worte gezeigt. Gesten zeigen oft mehr als Worte. Die Angst eines Menschen, die Suche und die Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit. Warum erkennen die, die sich dagegen verwehren das Fremde aufzunehmen, so sehr dagegen? Haben sie niemals erlebt, was es bedeutet in Unsicherheit sich zu befinden? Und bei den Radikalen zeigt sich der Haß in ihnen, der sich gegen das Fremde richtet. Und es nicht abwegig zu denken, dass der Hass nur daher zeugt, dass sie selber keine Liebe in ihrem Leben erfahren haben. Und wie absurd dem syrischen Flüchtling die Einreise verwehrt wird mit dem Argument, nach eingehender Prüfung sei der Asylgrund nicht genug begründet. Die Realität sei doch nicht so schlimm, dass sie nicht ausgehalten werden kann. Und das Absurde sich gerade in diesem Moment zeigt, als der selbe im Einwanderungsübergangsheim im Fernseh die Bilder des Krieges aus Syrien sieht, die Gesichter stumm und schreckenserfahren der anderen Zuschauer im Blickfeld sind.
 
Eigentlich geht es im ganzen Film um die Liebesfähigkeit des Menschen, die sich m.E. ganz richtig von Aki aufgezeigt, nur im Handeln zeigt, nicht im Quaseln von Mitleids- und Mitgefühlsbezeugungen.
 
Aki hat jedoch auch keine Angst oder Sorge deutlich zu machen, dass es oft möglich ist, auf der einen Seite diese Liebesfähigkeit zu besitzen, auf der anderen Seite jedoch wiederum fehlt sie. So in der Geschichte des Vertreters für Herrenhemden, der eines Morgens bevor er zu seiner Arbeit aufbricht, seinen Ehering seiner Frau auf den Tisch legt, die wiederum keine Anstalten macht, sich gross dagegen aufzulehnen, sondern ihn nach Verschwinden des Ehemannes ganz einfach in den Aschenbecher wirft und ihn fast verächtlich mit einer Zigarette ausdrückt. So ist das eben manchmal. Es kann sein, dass es manchmal leichter ist zu lieben in der Distanz zu einem Menschen als im täglichen Umgang mit dem Partner, Freund, Kind, wie auch immer. Denn der selbe Mann, der sich da von seiner Frau trennt, seinen Beruf an den Nagel hängt, mit dem erwirtschafteten Geld schnell noch per Pokerblick gekonnt in einem Kasino die finanziellen Mittel verdoppelt und sich ein etwas heruntergekommenes Restaurant kauft, mit dem er fortan seinen Lebensunterhalt verdienen will, zeigt genau diese Menschlichkeit und Liebesfähigkeit in dem Moment, als ihm der syrische Flüchtling eines Tages begegnet und er sofort erkennt und handelt, was ihm not tut. Nämlich Arbeit, Essen und Unterkunft. Schön dieses Märchen, von dem man hoffen will, ich jedenfalls, dass es tagtäglich immer mal wieder wahr werden kann. Manchmal sind die größten Werke der Liebe ja auch die allerschwersten.
 
Ich weiss nicht, wie es einem potentiellen Besucher des Films gehen wird, ich jedenfalls habe an einigen Stellen mit den Tränen kämpfen müssen, jedoch auch genauso tüchtig schmunzeln, gar lachen müssen. Denn das hat er bei allen Dramen des Lebens drauf, der Aki, niemals darf der Humor vergessen werden, der so viel zu ertragendes Schwere lkeichter nehmen und fallen läßt.
 
Es ist einfach zu köstlich, wie die Angestellten nebst Chef überlegen, wie sie den schlechten Lauf des Restaurants aufbessern können, etwas anbieten können, dass die Umsätze erhöht, so daß das Leben für alle gesichert ist. Wie der Besitzer nach Beratschlagen hingeht, sich die gesamte Auslage in einem Buchladen über die Herstellung von sushi geben läßt und nun alle ihr kulinarisches Angebot, das sich bisher auf Fleischbällchen und Sardinen beschränkte, aufstocken. Zu köstlich wie sie da alle mit der Sushi-Herstellung beschäftigt sind, alle Protagonisten plötzlich in Kimonos durch das Restaurant wuseln, plötzlich jedoch feststellen müssen, dass der Fisch aus ist. Was tun blicken sich alle ratlos an. Und wie herrlich dieser Humor Akis, der sich daran zeigt, was kann einem Gast zugemutet werden. Aber auch hier wieder der unverwüstliche Hinweis auf die Hoffnung, die doch in allen Geschehnissen zu finden ist. Es läßt sich immer ein Weg finden, dem Untergang eines Lebensereignisses entgegenzutreten und wenn er auch noch so absurd und schräg ist. Genau das lieb ich so an Akis Filmen.
 
Und wieder die Musik, die ebenfalls Akis Filme immer behrrscht. Auffällig tatsächlich dieses Mal für mich, dass er sie nicht, wie in gewohnter Weise in ganzer Länge spielen lässt. Dennjoch immer ein gutes Stück mit den Untertiteln der Übersetzung, Dieses mal hat er sich wieder auf alte finnische Weisen besonnen, deren Texte von Kummer, Leid, Liebe aber eben auch Hoffnung erzählen. Ich mag das:) Man kann diese alten finnischen Schlager nicht vergleichen mit atemlos durch die Nacht rennen. Niemals nie:)
 
Und natürlich ist Kati Outinnen, seine Lieblingsdarstellerin, wie in allen Filmen von Aki, wieder mit dabei. Ich mag sie. Sie ist einfach so herrlich authentisch. In der Doku über Aki erzählte sie, wie die finnische Filmindustrie vor Jahren Aki einmal angeraten hat, sich doch eine andere Schauspielerin zu suchen, es gäbe doch nun auch wirklich schönere finnische Frauen. Wunderbar wie sie lächelt bei dieser Erzählung. Sie und Aki sind einfach ein eingeschworenes Team. Und ich fand sie immer schön, in allen Filmen, als sie jünger war oder auch jetzt im Älterwerden. Dieser ganze Perfektionswahn der äusseren Erscheinung geht mir eh auf den Senkel. Nein, das wäre jetzt sogar lapidar ausgedrückt. Ich lehne es ab. Es zeigt sich darin eine Art faschistisches und rassistisches Ausgrenzungsmerkmal. Wer bestimmt, was schön und gut ist und welche Bedeutung haben die noch, die aus diesem Raster fallen. Es ist m.E. ein ganz kleiner sich zeigender Rassismus und die Menschen, die so denken, sind sich dessen gar nicht mal bewusst. Aki zeigt Menschen, keine Plastikmenschen. So ist es!
 
Also, was soll ich noch weiter erzählen. Seht den Film und seht das Leben.  Erkennt, dass Märchen manchmal wahr werden können, dass es niemals ohne Hoffnung gelebt werden darf und dass in allem, was geschieht, die Sichtweise des Humors nie verloren gehen darf.
 
Ich mag ihn, den Aki, als Filmemacher und auch als Mensch. Natürlich bin ich ihm nie persönlich begegnet. Einmal hätte es fast geklappt in Frankfurt im Filmmuseum. Aber leider hat er, wie das schon mal seine Art ist, dann doch kurzfrisitg abgesagt. So ist er eben. Auch ein wenig unberechenbar. Was soll ich sagen, ein Mensch, der immer berechenbar ist, ist doch langweilig, oder? Ich war schon auch ein wenig enttäuscht damals, dennoch auch hier ein Schmunzeln über ihn. 
 
Aki Kaurismäki

Die andere Seite der Hoffnung

 

P.S. Die Doku üpber Aki Kaurismäki ist noch zu finden in der arte-mediathek

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Published by Fernweh - in filmkritiken
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24. März 2017 5 24 /03 /März /2017 11:22

Das kleine Balkonglück
 
Endlich sitzen
 
auf dem Balkon
 
die Musik
 
spielt leise
 
erzählt von Liebe
 
und Freundschaft
 
das Grün
 
an den Bäumen
 
keimt und sprießt
 
bald ist da
 
ein Blätterwald
 
undurchsichtig
 
leben in einer
 
undurchsichtigen Welt
 
was soll der Haß
 
wer haßt
 
ist nur ungeliebt
 
Menschen glauben manchmal
 
was erzählt wird
 
vergessen
 
das es so viel
 
Wahrheiten gibt
 
nicht nur die eine
 
die erzählt wird
 
schau auf den
 
Blätterwald
 
erkenne
 
dahinter verbirgt sich
 
eine große vielschichtige Welt
 
Gedanken gehen
 
hier und dort hin
 
zu den Menschen
 
die gekannt werden
 
oder von denen ein wenig
 
gewusst wird
 
die es schwer haben
 
gerade in diesem Moment
 
ihres Lebens
 
Hände wollen beten
 
für alle
 
die in Not sind
 
das ist wichtiger
 
als der Haß
 
das kleine Balkonglück ist
 
Freude und Trauer zugleich
 
 
 
 
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Published by Fernweh - in lyrik
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17. März 2017 5 17 /03 /März /2017 13:33

Wenn das Jeder...
 
man weiss ja, wie ein solcher Satz weitergeht, oder? Also, für die, die ihn noch nie gehört haben,  das geht so: Wenn das Jeder machen würde....
 
Ich glaube, dass ist des Deutschen Lieblingssatz. Doch...ganz bestimmt. Ich weiss nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe im Laufe meines Lebens. Nicht nur ich bekam ihn schon oft zu hören, weil ich mal wieder nonkonform irgendwelche Regeln auf den Kopf gestellt habe. Regeln und Gesetze, das weiss ja jeder, sind des Deutschen zweite Leidenschaft, also die Einhaltung der selben. Ich meine, es ist ja auch klar, dass es sie geben muss. Die Zeit meiner anarchistischen Ideen ist nun ja wirklich vorbei. Ich habe begriffen. Jedoch, also, ich meine, es sind einfach zu viele Gesetze. Für jedes Kleinvieh ein Gesetz und für das Gesetz wieder ein Gesetz. So hangelt man sich durch den Gesetzeswald. Ufbasse. Das Leben ist gefährlich. Es kann alles zu deinen Ungunsten ausgelegt werden, man muss nur wissen, welches Gesetz dafür zuständig ist.
 
Ich will nun nicht abweichen und mal bleiben bei dem....*Wenn das Jeder machen würde...*
 
Hach, das Leben kann so grausam sein. Gerade eben noch war die Welt kunterbunt und herrlich trotz des wieder eingesetzten Regens am Vormittag. Du denkst, du könntest die ganze Welt umarmen. Hast den Zahnarzt mal wieder problemlos überstanden. Und da du ein Lebenskünstler bist, denkst du dir, warum denn gleich nach Hause fahren, da kennt dich doch jeder, setzt du dich in dein Lieblingscafe und läßt den lieben Gott nen guten Mann sein und denkst drüber nach was Heidegger wohl meinte mit dem Unterschied...Seiender oder Sein...Gut, ich geb zu, ich habs noch nicht kapiert. Gut Ding will ja nun auch Weil haben. Jedenfalls den lieben Gott nen guten Mann sein lassen kann ich wie nix. Da bin ich grossartig drin. Sitzen und gucken und nachdenken.
 
Und wie ich da so saß und saß, auch mal mit rechts und links in ein kurzes Gespräch verfiel, wusste ich es wieder...Das Leben ist einfach so herrlich. Es kann im Himmel nicht schöner sein.
 
Und so beschwingt zahlte ich irgendwann meinen Kaffee. Der Cafehausbesitzer hatte Fürsorge, fragte mich noch, ob ich nen Schirm habe. Nö, antwortete ich ihm, ich bin kein Schirmtyp. Ich geh und steh auch gern mal im Regen. Wass soll schon passieren. So schnell geht die Welt nicht unter. Mit einem herzlichen Lachen verabschiedeten wir uns bis zum nächsten Mal.
 
Beschwingt zog ich meiner Wege und nahm die Stufen hoch aus dem U-bahntunnel gleich zweifach. Ich bin son Typ. Denke immer, solang das noch geht, machste das.
 
Oben angekommen, ich sag das jetzt etwas verschämt, tänzelte ich ein wenig auf dem Bürgersteig. Ich meine, ich sag das verschämt wegen dem ...Wenn das Jeder machen würde....Wie dann wohl die Welt aussehen würde... Diese Vorstellung überlasse ich meinem geneigten Leser.
 
Ich tänzelte da also so vor mich hin, ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm und vorwärts, rückwärts, seitwärts ran. Ganz allein. War ja keiner da, der es hätte mit mir tun können. So was ist mir ja egal. Ich kann das auch allein, aber so was von. Ich sprang und hüpfte und da kam mir ein wirklich altes Mütterchen entgegen. Sie ging am Stock, klein und hutzelig, aber ich sah schon von weitem, sie war drollig. So was seh ich immer sofort.
 
Ich schwebte also schnurstracksgeradeaus auf sie zu und sie auf mich. Wir schauten uns dabei an. Wie zwei Revolverhelden, die darauf warteten, wer zuerst die Hand am Colt hätte. Wir wollten uns natürlich weder er- noch abschiessen. Es ging nur darum, wer fand zuerst den Weg, dem anderen auszuweichen. Und bei all dem Überlegen und Suchen nach dem richtigen Weg tänzelten wir plötzlich miteinander. Hach...war das lustig. Und so standen wir dann irgendwann da, hatten es geschafft, ohne Blessuren aneinander vorbeizukommen und lachten aus vollem Herzen. Ne, war das schön. Man muss auch mal Späskes machen, sagte die kleine, hutzelige alte Dame. Genau, antwortete ich ihr, Miesepeter gibt es schliesslich genug. Verabschiedeten uns, wünschten uns einen feinen Tag und jeder ging seines Weges.
 
Sagte ich es schon, das Leben kann so herrlich sein. Manchmal ist es ja so, du bist gerade total besinnungslos glücklich und schwups kriegste einen auf den Deckel. Ist so. Ich will ja nicht unken, aber manchmal hab ich regelrecht ein klein wenig Angst schon allein vor dem Gedanken, sei nicht so glücklich Roeschen, da kommt sicherlich irgendetwas nach. Schon als Kind sagte meine Mutter immer, Mädchen die pfeiffen und Hähne die krähen, den sollte man beizeiten die Hälse abdrehen...So was sitzt. Das glaubt man nicht. Schon der Gedanke hat mich als Kind erschauern lassen.
 
Gut, es war jetzt nich so furchtbar, ich schwöre, es hat mich nicht sonderlich umgehauen. Aber doof fand ich es schon. Dieser Unbill, der mit da entgegenkam, unvorhergesehen. Ich lass mir mein Wohlbefinden nicht so schnell klauen. Ich sitz da drauf wie die Henne auf dem Küken.

Passiert ist nun Folgendes. Vor ein paar Tagen habe ich meinen Balkon frühlings- und sommerfest gemacht. Ich bin schon voller Vorfreude endlich meine gemütlichen Lesestündchen in warmen Sonnenlicht geniessen zu können. Stell mir vor, wie ich da sitze in schwüler Sommernacht und den Mücken, Fledermäusen und was sonst noch so kreucht und fleucht in milder Nacht, zuschaue und zufrieden meines Lebens bin. Ich hab mir auch sogleich am ersten frühlingswarmen Tag ein Gartenset bestellt. Zwei Stühle und einen Tisch. Aus Holz, ist ja mal klar. Blumenkästen sind nun auch vorhanden. Jetzt fehlen noch Kräuter und ein paar Blumen. Viel will ich nicht, ich mag nie ein *zuviel* drinnen und draussen nicht. Es soll gemütlich sein, das ist alles. Nu stand da aber mein Bäumchen. Nicht irgendein Bäumchen. Nein, mein Weihnachtsbäumchen, an dem ich ja nun immer noch hänge. Manchmal ist es jedoch so, selbst wenn du an etwas hängst, musst du es loslassen, damit Platz für Neues entstehen kann. Ich redete also meinem Weihnachtsbäumchen gut zu und versprach ihm, ihn nicht ganz aus den Augen zu lassen. Ich würde auf ihn warten bis zum Ende des Jahres. Ich würde mich nach einem geeigneten Plätzchen umschauen, an dem er sein Dasein solange fristen kann, ohne dass er mir und ich ihm verloren ginge. Er würde mir hier auf meinem kleinen, aber feinen Balkon nun einfach zu viel Platz wegnehmen.
 
Gesagt, getan. Da unten im Hinterhof meines Hauses, in dem ich lebe, ist ein riesengroßer Platz. Viel Platz, unglaublich viel. Man könnte Federball, Handball, Basketball, Tischtennis, Badminton und was weis ich nicht alles spielen. Ob das hier einer tut im Sommer weiss ich nu nicht. Ich bin ja noch nicht so lange da. Aber man könnte. Manchmal ist der Gedanke ja schon schön...man könnte....
 
Dort unten stehen drei Riesentöpfe mit Sträuchern, welche weiss ich nicht, sie blühen ja noch nicht. An den Blättern kann ichs nicht richtig erkennen. Ich werds ja dann schon sehen. Sonst ist da nix. Alles frei. Erst hinter unserem hofeingränzenden Mäuerchen, auf dem immer lustig des morgens schon die Eichhörnchen herumtänzeln, stehen die vielen Bäume des Nachbargrundstücks. Und wie ich da so gucke und gucke, kommt mir die Idee, da würde es meinem Bäumchen ganz sicher gefallen. Auch weil es mich und ich es sehen könnte, von meinem Balkon herunter. Genau, dachte ich, ich stell das da nach unten. Nicht genau in die Mitte, wo die anderen drei runden Blumenkästen stehen, sondern ein ganz klein wenig in die Ecke, so dass Niemand Anstoss dran nehmen kann. Ich meine, so ein ganz klein wenig hatte ich nämlich den Gedanken, oh, wenn da aber nu einer Anstoss nehmen könnte. An meinem Weihnachtsbäumchen. Ist eigentlich unvorstellbar, aber weiss mans... Wer sollte schon...Ich meine, ein Baum ist ein Baum, grün und schön. Und in einer Stadt kann man gar nicht genug Bäume haben, egal, ob gross oder klein.
 
So beschwichtigte ich meine kleine Sorge .... es könnte ja Jemand.... und schleppte mein Bäumchen nach unten in den Hof. Vor ein paar Tagen. Ich wars zufrieden. Ich schaute jeden Tag nach unten und zwinkerte ihm zu. Das Leben ging weiter. Ab und an kam mir der Gedanke, vielleicht hättest du doch Jemand um Erlaubnis fragen sollen. Ehrlich, der Gedanke war da. Isch schwöre. Es entsponn sich dann immer ein kleiner Dialog in mir. Wen fragen, wie fragen, soll, muss ich überhaupt oder nicht. Meistens setzte ich mir einen Punkt in dem ich mir vorsagte, ok, ich frag einfach, wenn mal einer unten auf dem Hof ist, ob er stört, mein kleines Weihnachtsbäumchen. Dann werd ich es ja schon sehen.
 
Und nun war dieser Moment gekommen. Immer noch in glückseliger Stimmung schloss ich die Haustüre auf und hörte schon das Brausen und Brummen eines Laubbläsers. Die kommen jetzt immer zum Einsatz. Nicht nur im Herbst. Egal, ich muss nicht sagen, dass ich die Dinger nicht leiden kann oder?

Da ist also einer. Gehste mal direkt hin, Roeschen, so sagte ich mir und machst, was du dir vorgenommen hast. Stellte meine Einkaufstüte in den Flur und ging heiter und frohgestimmt, immer noch auf den Herrn des Laubbläsers zu. Ich kannte den noch nicht, den Nachbarn. Alle kenn ich einfach noch nicht. Begrüßte ihn fröhlich, worauf er auch die Bläsermaschine abstellte und darauf wartete, was ich wohl von ihm wollte. Meinst, der hätte mal zurück tach oder moin oder sonstwas gesagt. Nö. Huch, so was ist schon wie ein kleiner Stich. Bei mir jedenfalls. Ich bin son Typ. Ich spür das gleich. Ich dachte sofort, das verheisst nix Gutes. Er guckte auch so, wie ein grimmiger hungriger Wolf, der alles frisst, was ihm in die Quere kommt. Jösses, dachte ich noch, was fürn Gesicht der macht. Muss ja schrecklich sein das Leben diesem nach zu urteilen. Egal, ich wollte nicht in weitere Phantasiererei über sein Leben verfallen und sprach an, was mir auf dem Herzen lag.

Haben sie mein Bäumchen gesehen, dort hinten, ganz still und leise in der Ecke, mein kleines Weihnachtsbäumchen. Ich hoffe doch nicht, dass er stört, oder? Ich hätte vielleicht vorher fragen sollen, doch dachte ich, was tut son kleines Bäumchen schon...steht doch nur da und macht nix. Im Wege jedenfalls steht es nicht. Erklärte ihm, dass ich es auch selbst begiesse, wenn nötig. Und falls er dort nicht gedeihen sollte, würde ich ihn selbstverständlich wegschaffen.
 
Der war nicht redselig, der Mann, nicht mal Hausmeister ist der, aber tuen tut der so. Naja, mir egal, wenns ihn glücklich macht. Mich störts nicht.
 
Wie auch immer...Seine Antwort kam und zwar kurz und bündig, wie ein kläffender Hund daher...Doch, sagt er, der stört, das geht gar nicht. Wenn das Jeder machen würde.... Und guckte mich dabei an mit seinem aufgeplusterten Gesicht als wenn es jetzt soweit wäre, das letzte Stündchen, meines natürlich.

Da haben wir den Salat, ähm, ich meine den Satz!  Mein kleiner Versuch von wegen, es macht ja nicht jeder, sonst ständen da ja noch andere wischte er weg wie nix. Kommt nicht in Frage. Der Baum muss weg. Wenn ich es nicht tue, würde er ihn entsorgen. Entsorgen!!! Empört muss ich ihn angeschaut haben. Sonst noch was, meinte er...Jösses! Ja sind sie hier der Hausmeister oder was, der das einfach so bestimmen kann? Ne wär er nicht, aber er sorge schon seit 15 Jahren für Ordnung in Haus und Flur, das hat sich so ergeben. Und Regeln müssen nun mal eingehalten werden.
 
Na dann...ich bin ja son Typ. Ich reg mich da nicht uff. Ich denk mir mein Teil. Ich weiss genau, sich mit solchen Typern anzulegen bringt gar nix. Es darf ruhig gewusst werden, was ich so denke dann... manchmal, wie in diesem Fall, wenns um mein liebgewordenes Tannenbäumchen geht ...Depp, Volldepp, Blödmann, erbärmlicher Kleingeist, Spiesser, arme Socke, ich kanns gar nicht alles aufzählen.
 
Dieses mal dachte ich einfach nur *Volldepp* geh mir aus den Augen, sagte ihm, ne, lassen se mal, ich hol das Bäumchen dann wieder hoch. Drehte mich um und dachte jedoch gleichzeitig, nö..mir fällt schon was ein. Hausverwaltung anrufen vielleicht? Hm...ne, verworfen.
 
Lieber nicht sofort nach Möglichkeiten suchen. Erst mal abwarten. Ich bin son Typ. Ich kann schon auch impulsiv sein. Wenns jedoch um was geht, kann ich das aussitzen und warten...einfach nur warten, bis etwas geschieht, dass eine Tür öffnet.
 
Und so kam es auch...Ungefähr ne Stunde später, zwischenzeitlich hatte der Kläffer mein Bäumchen schon von seinem Platz geholt, wohl darauf wartend, dass ich käme und es wegnahm, ging ich auf meinen Balkon, steckte mir ein Zigarettchen an und schaute wieder meditativ so in die kleine Welt meines Hinterhofes. Da hörte ich es plötzlich wieder rascheln. Oha, da kehrt einer. Ich guckte runter. Es war ein anderer Nachbar. Den hatte ich schon mal gesehen. Wir grüßten uns immer freundlich. Ich hatte mich auch vorgestellt.
 
Ich sah ihm eine Weile über meine Balkonbrüstung zu und rief dann hallo, hallo, ich grüsse sie. Na, auch alles frühlingsfertig machen, rief ich und winkte ihm fröhlich zu. Er nickte rauf und grüßte ebenfalls. Geht doch, dachte ich, sind ja nicht alle so. Hör mal, rief ich weiter, da steht mein Bäumchen, mein Weihnachtsbäumchen. Stört sie das? Nö, kam zurück. Der andere da, den störts, der sagt, der muss weg. Erstaunen seinerseits. Na, dann muss es wohl, meinte er. Och mönsch, wie doof, so ein Bäumchen kann doch nicht einfach weggeschmissen werden. Ich erklärte ihm, ich würds schon wieder raufholen, aber ich hätte dann so wenig Platz auf meinem kleinen Balkon.
 
Eine Weile herrschte Stille, er sagte nix mehr, von mir kam nix mehr, ich guckte nur, er kehrte weiter. Dann jedoch geschah etwas, von mir nicht ganz unerwartet erhofft, er bot mir an, mein Bäumchen auf seine Terrasse zu stellen. Es war nur ein kleiner Satz, aber sofort strahlte ich wieder. Wie schön, sagte ich auch. Ich liebe sie. Er lachte und schwubsdibubs lief ich runter, wir suchten eine Stelle aus, an dem das Bäumchen stehen durfte und ich versprach ihm, an nächsten Weihnachten, wenn ich mein Bäumchen, so es bis dahin gedeiht, hol ich es wieder hoch. Und zum Dank bekäme er eine ganze Tüte Weihnachtsbäckereien aus Roeschens Heim. Hach, das Leben kann so herrlich sein.
 
Ich bin ja nicht schadenfroh. Das liegt mir nicht. Ich konnte mich aber des Gedankens nicht erwehren, dem Kläffer ein Schnippchen geschlagen zu haben.
 
Hahaha, du kannst mich mal mit Deinem ...Wenn das Jeder machen würde....Und ich mach doch das, was ich will, nur ein wenig verändert. Es findet sich immer ein Weg. Und nu erstick an deiner Haltung und deinem Satz und werd glücklich damit.
 
Ich sag nur Freiheit für die Weihnachtsbäumchen! Genau das sag ich ihm, wenn ich ihn das nächste Mal irgendwo im Hausflur treffe und werd ihn schelmisch dabei anlächeln und ihm freundlich einen guten Tag wünschen, ihm, diesem Möchte-gern-Hausmeister und Regel-Aufsteller.
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11. März 2017 6 11 /03 /März /2017 17:41

Seit zwei Tagen war ich voller Erwartung. Musik gabs den tag über fast nur noch von ihm. Zur Einstimmung. Einer meiner vielgeliebten Gitarrenheros der legendären Dr. Feelgoods. Ich hüpfte, sprang und tanzte den ganzen Tag herum. Es war ja nicht selbstverständlich, dass ich auf dem letzten Drücker noch eine Karte bekommen habe. Alles war schon ausverkauft, vier Tage nach der Eröffnung des Vorverkaufs. Ich hatte es abgehackt. Manchmal ist das Gesichterbuch ja doch für was gut. Da hab ich nämlich gesucht und schwupsdibubs auch eine Anregung bekommen, der ich nachging und so kam ich zu meiner heissersehnten Eintrittskarte für die Veranstaltung.

Am Freitag, dem 10.03.2017 war es nun so weit. Den ganzen Tag über war ich schon ein wenig aufgeregt. Endlich mal den ollen Wilko hautnah erleben. Aber wie immer war ich zuerst wieder mal ein wenig verpeilt. Ich hatte die falsche Bahn genommen. Mit dem Rad wollte ich dann doch nicht fahren, wegen Regen in der Nacht ist jetzt nicht so doll, dachte ich mir.

Nach einigen Stationen bemerkte ich plötzlich, dass die Bahn gar nicht an der von mir vorgesehenen Haltestelle hielt. Oha, das verkündete ich auch lauthals und maschierte zum Ausgang. Dort standen schon zwei junge Männer. Hehe, so richtige *hey alder, was geht-Typen* , mit halbrasiertem Kopf und gelglänzendem Hahnenkamm obenauf. Ich hab da keine Berührungsängste, gar nicht. Ich fragte sie, wohin die Bahn eigentlich fährt. Sie waren auch richtig nett und haben es mir erklärt. Danach führten sie ihr gemeinsames Gespräch fort während ich neben ihnen stand und auf meine Ausstiegsstation wartete. Das Gespräch der Beiden zu belauschen, war schon recht amüsant. Ein guter Einstieg für den Abend.

Ich meine, was so *hey-alder-Typen* sich so erzählen, ist schon herrlich. Erzählte der eine von einem Mädchen, welches wohl seinen Freund nach langem Bemühen und Avancen machen doch nicht genommen hat, obwohl er schon nahe dran war. Hätte die ganze Nacht neben ihr auf dem Bett gelegen, aber es wäre nix passiert^^ Dabei machte er eine einschlägige Handbewegung. Ich musste aufpassen, dass ich nicht losprustete. Ich habs ein wenig unterdrückt. Die Beiden guckten mich dann überrascht an, waren dann wohl doch etwas verschämt. Ich hab ihnen aber den Wind aus den Segeln genommen und meinte, kein Problem, ich bin schon gross. Da mussten sie lachen. Und setzten das Gespräch dann mit mir fort. Erklärten mir, nene, die jungen Frauen heutzutage, die wüßten einfach nicht mehr was sie wollten. Oha, sagte ich, und was ist mit den Männern. Ach, es war lustig mit den beiden *hey-alder-Typen*

Und so kam ich vergnügt am Bootsanlegesteg des Rheinschiffes, auf dem die Veranstaltung mit Wilko stattfinden sollte, an. Natürlich, wie immer, fast eineinhalb Stunden zu früh. Ich hatte jedoch Sorge, dass ich sie nicht fand, die Frau, die nette, welche mir die Karte, Ihr wisst schon.

Ich stand da also so rum und guckte vor mich hin und kam mit so diesen und jenen Leuten ins Gespräch. Ich bin son Typ, wenn ich was wissen will, ich quatsche einfach jeden an. Dabei kommt dann immer was Lustiges raus. Also, ich will mal was sagen, alle, mit denen ich im Vorfeld gesprochen hatte, wussten eigentlich gar nicht, wer der legendäre Wilko Johnson war. Hatten im Veranstaltungskalender der lit. cologne nur die Ankündigung gesehen und dass Herr Köster mit dabei war. Die kamen eigentlich wegen dem Köster, Oha, dachte ich. Gut, sie meinten, das Thema des Buches von Wilko würden sich auch recht interessant anhören. Bauchspeicheldrüsenkrebs. Keine gute Prognose. Vielleicht noch 10 Monate Lebensdauer und dann doch irgendwie überlebt. Also das und Köster, das hat wohl schon gereicht für sie, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und erzählte erst mal allen die Lebensgeschichte von Wilko. Die hatte ich natürlich im Vorfeld gelesen und auch dabei, wegen der persönlichen Signatur, die ich mir selbstverständlich von ihm im Anschluss an der Veranstaltung habe geben lassen. Da geht gar nix. Jetzt wussten alle mehr als wie vorher.
 

Ich war geschlagene acht Jahre nicht mehr bei einer Veranstaltung der lit. cologne, weil ich in Frankfurt lebte. Daher war es mir neu, dass sich einiges wohl geändert hatte. Z.b. die Sitzplatzverteilung. Das fand ich schon recht erfrischend. Kein Gedränge und Gerangel mehr um die besten Plätze. Es waren Sitzplatzkarten, so dass die Besucher sich Zeit lassen konnten. Selber hatte ich einen recht guten Platz in der 4. Sitzreihe bekommen, ganz aussen, so dass ich einen guten Überblick auf die Bühne hatte. Ich machte es mir bequem, hörte den im Vorfeld eingespielten Songs der Feelgoods/Johnson-Songs zu, wippte mit dem Fuss, trommelte den Takt auf meinem Buch und beobachtete das bunte Treiben der nach mir ankommenden Besucher.
 
Die Leuts sind so, dachte ich, die sitzen das aus, die hangeln sich durch, von Veranstaltung zu Veranstaltung, dabei sein ist alles. Ehrlich, ich bin mir sicher, dass ich mich nicht täuschte, denn schon im Vorfeld hatte ich ja erfahren, dass die Wenigsten wohl wussten, wer Wilko eigentlich war. Merkwürdig. Naja, egal, dachte ich, dann erfahren sie es halt heute. Die Leuts befestigten ihre Plätze mit Mantel, Jacken und sicherten ihn. Man kennt das ja, so Handtuch legen, das ist mein-Platz-Mentalität,-) Danach liessen sie sich sehen, holten sich ihre Getränke und smaltalkten so mit diesem und jenem, den sie mit grossem Hallo trafen. Ich kann das Zuschauen solcher Begebenheiten recht gut geniessen und bin immer froh, dass ich jetzt nix sagen muss.
 
Dann war es endlich soweit. Wilko Johnson, Gerd Köster und Philipp Schwenke betraten die Bühne. Den Schwenke kannte ich bislang nicht. Der einführende Sprecher der Veranstaltung erklärte, dass er schon an einigen Veranstaltungen der lit. in den Jahren zuvor als Moderator tätig war. Er sei Journalist u.a. auch beim Magazin Neon. Meine häusliche Recherche im Nachhinein ergab, dass er wohl auch als Kolumnist in der *Zeit* tätig war. Nun denn, soweit die Information zu Herrn Schwenk. Er sollte also an diesem Abend das Gespräch leiten. Köster las Teile aus der Biografie Wilko´s in deutscher Sprache. Ein wenig erstaunt war ich, dass, wie sonst so üblich, nicht auch der Autor selber in seiner Muttersprache las. Aber gut, das war jetzt kein Ding und voll in Ordnung. Es hätte wohl auch den Rahmen gesprengt.
 
Was mich aber richtig gestört hat war, dass Herr Schwenk wenig von dem übersetzte, was Wilko zu den ihm gestellten Fragen antwortete. Für mein Befinden gingen Witz und Humor der Antworten, aber auch der tiefere Ernst dabei verloren. Gott sei Dank konnte ich zumindestens 3/4 seiner Antworten verstehen, so dass es mir sogleich auffiel. Ich bin nicht so geübt im englisch sprechen, woher auch. Im Laufe meines Lebens bin ich kaum in Situationen gekommen, wo ich es hätte müssen. Und daheim kann sich ja Zeit gelassen werden beim Zuhören oder Lesen. Jedenfalls, ich war froh, Wilko recht gut verstehen zu können und nicht auf die Antworten von Herrn Schwenk angewiesen zu sein. Ich dachte nur, dass ist schade für die, die eben nicht so firm waren im englischen und davon gab es immerhin einige, wie ich so rundum bemerkte.
 
Das war das eine, was mir nicht gefiel. Auch empfand ich Herrn Schwenk recht spröde. Ich hatte den Eindruck der reisst das herunter, war wenig ergriffen weder von Wilko noch von dem, was er erzählte. Ich meine, klar, muss ja nicht jeder ergriffen sein, aber ich dachte, warum nehmen sie bei einer solchen Veranstaltung einen Moderator dem Musik und Autor nicht nur vertraut ist, sondern der selber auch eine gewise Leidenschaft für Beides empfindet. So hatte der Abend, geleitet von Herrn Schwenk, für mich das Geschmäckle eines Abhackens. Das fand ich schade. Da konnte auch Gerd Köster nix dran ändern, der andererseits auch ein wenig überfordert war, als ihm die Frage gestellt wurde, ob die Musik der Feelgoods ihn beeinflusst habe in früheren Jahren. Er eierte ein wenig bei seiner Antwort herum. Aber gut, das seh ich ihm nach, weil ich Köster einfach auch mag, das ist mal klar. Andererseits, wäre er nicht dabei gewesen, hätte nicht in seiner unnachahmlichen Weise den Text des Buches gelesen und dabei eine Gemüt hervorgebracht, wäre das ganze noch trauriger gewesen.
 
Wilko jedenfalls, der hat versprochen, was ich mir versprochen hatte. Kaum zu glauben, dass dieser nun 70jährige Mann von einer inneren Energie geleitet wird, die einfach nur grossartig ist. Er versprühte pure Lebenslust. Dagegen wirkte Herr Schwenk, er möge es mir verzeihen, geradezu blutleer. Und dass nach all dem, was sein Leben mit ihm gemacht hat. Die nicht einfachen Jahre der Kindheit im Elternhaus, aufgewachsen in Canvey Island, Essex neben düsteren Oelraffinerien. Für seine Herkunft hat er sich so manches mal in seinem Leben geschämt, obwohl er sich gleichzeitig auch seiner Heimat verbunden fühlte und sie liebte.
 
Die heftigen Jahre zu Beginn seiner Musikerkarriere. Eigentlich wollte er ja Dichter und Maler werden. Irgendwann jedoch musste er sich eingestehen, dass seine Dichtung allenfalls mittelmässig ist und eben auch die Leidenschaft zur Gitarre und Musik größer war als alles andere. Dann seine wohl auch abenteuerlichen Erfahrungen auf seiner Reise durch Indien und Nepal. Sein Lebenswandel war in jungen Jahren nicht gerade gesund. Alkohol war nicht sein Ding, aber viel Amphitamine und Drogen. Damit pumpte er sich voll und war ständig gehypt. Hyperaktiv sagen wir heute. Manchmal schlief er drei Tage am Stück nicht, gerade wenn er dabei war einen neuen Song zu komponieren. Das ginge nun heute nicht mehr, erzählte er lachend.
 
Das Touren, die Zerwürfnisse mit Feelgoods, die zur Auflösung der Band führten. Das erneute Suchen und Finden eines eigenen Weges. Dann kam der Verlust seiner Frau Irene, die an Krebs verstarb. Seine grosse Liebe, seine Stütze, seine Heimat in all den Wirrungen eines Musikerlebens. Die Familie daheim, seine Frau, seine Kinder, das waren sein Halt. Ist ja schon recht ungewöhnlich. Einerseits das wilde Leben eines Rock´n Roll-Stars, andererseits die Liebe zur Häuslichkeit und Sicherheit. Das macht ihn auch so sympathisch. Den Tod seiner geliebten Frau hat er bis heute nicht verwunden.
 
Dann kam seine eigene Diagnose, Bauchspeicheldrüsenkrebs, inoperabel. Der Umgang mit dem Wissen, du stirbst, war für ihn ein Schock. Er hatt keine Zeit mehr. Der Tod hatte ihn umarmt, so hab ich seine Aussage jedenfalls verstanden in dem Gespräch mit Schwenk.  Er sei dankbar dafür, sagte er auf eine Frage dahin. Nach dem ersten Schock habe er nach der Diagnose eine grosse Gelassenheit und Zufriedenheit in sich verspürt.
 
Dieses Gefühl, das Wilko beschrieb kannte ich nur zu gut aus meiner eigenen Erkrankung vor einigen Jahren. Das Wort Krebs ist ein Schlag ins Gesicht und du begreifst im ersten Moment gar nichts. Eine tiefe Leere erfasst Dich. Erst nach einiger Zeit verstehst du. Du hast vielleicht noch einen Funken Hoffnung, denkst, vielleicht ist er gutartig. Warte ab. Aber dann kommt der nächste Schlag, höchster Differenzierungsgrad, bösartig, sehr sogar. Dann, so war es bei mir jedenfalls, findest du dich ab. Ok, sagst du dir, dann ist es eben so. Du kannst es nicht ändern. Auflehnen bringt nichts. Von da an wirst du still und stiller und deine Umwelt kapiert nicht, wieso du nicht anders reagierst. Aber es würde dich zu viele Energien kosten, wenn du verzweifelt wärst. Freunde bieten sich an, sie sagen, du kannst jederzeit kommen, reden. Aber was wilslt du sagen. Du hast keine Worte mehr für das, was in und mit dir geschieht. Du weisst einfach, da musst du jetzt alleine durch. Und genau das war auch die Erfahrung von Wilko Johnson.
 
Wilko beschreibt, dass es die Nächte waren, die schwarzen Nächte, die ihm dieses Gefühl der Furcht einflössten und ihm zu schaffen machten. Da war er allein sich selber ausgeliefert, ohne Ablenkung. Dennoch hat er sich nicht behandeln lassen. Sein Weg war ein anderer. Er machte Reisen an Orte, die er immer schon besuchen wollte und er plante und begann eine Abschiedstour mit seiner Band. Es war eine irre Erfahrung für ihn. Alle wussten bescheid. Die Menschen zeigten ihr Mitgefühl, wünschten ihm Kraft und manche verabschiedeten sich gar von ihm, weil sie dachten, ein letztes Mal mit Wilko. Dann geschah etwas Unvorhersehbares. Er hatte seinen letzten Gig und er stand mit diesem mittlerweile 3 kg schweren Tumor im Bauch auf der Bühne. Es war der Moment der Unfassbarkeit, dass es das jetzt gewesen sein sollte. Zu Ende. Die Musik, sein Leben. Er, der nichts anderes im Leben als die Musik, seine Musik spielen, liebte, vorbei. Da sprach ihn ein Fotograf namens Chan an der, wie sich herausstellte Krebsspezialist war. Dieser zeigte Verwunderung darüber dass Wilko, obwohl man ihm nur noch höchstens 10 Monate Lebensdauer vorausgesagt hatte, nach über einem Jahr immer noch lebte, nicht nur vor sich hin lebte, sondern Konzerte gab und insgesamt mobil und vital erschien.
 
Und irgendwann stand Chan dann bei ihm im Wohnzimmer und wollte, dass er mit ihm in eine Klinik fahre, in dem ein Freund von ihm Chirurg war. Dort untersuchte man ihn und es stellte sich heraus, dass der Arzt meinte, man könne den Tumor operieren. Es sei eine besondere Art des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Nun ja, so geschah es, der Tumor wurde operiert und bis zum heutigen Tag ist Wilko krebsfrei. Unfassbar. Die Frage, was diese Fehldiagnose in ihm ausgelöst habe, ob er Ärger verspüre, gar hatte man ihm ja angeraten, die Ärzte, die ihm damals diese Prognose stellten, zu verklagen, beantwortete er mit einem absoluten *nein*...Erstens sei er kein Typ des Verklagens, was ich total nachvollziehen kann, zweitens wäre es trotz aller Bedrängnisse und Ängste eine gute Zeit für ihn gewesen, in der er viel gelernt habe. Und er sei glücklich es geschafft zu haben und jetzt hier heute Abend zu sitzen und mit den Menschen über sein Buch und sein Leben zu reden. Was ihm anfangs auch ein wenig Unbehagen gemacht hat. Er war es gewohnt, als Musiker auf der Bühne zu stehen, aber nichts als Gesprächspartner, der Fragen beantworten und über sein Leben erzählen soll. Es hätte sich jedoch schnell gelegt.
 
Es wurden natürlich auch noch andere Teile aus Kapiteln des Buches gelesen, die ich hier gar nicht alle wiedergeben kann. Ihr sollt ja auch seine Biografie selber lesen,-). Es macht viel Freude. Wilko hat einen einen einfachen Erzählstil. Er schreibt wie er spricht, das macht es leicht, das Buch in ein paar Tagen durchzulesen, ohne dass es oberflächlich erscheint. Es bleibt alles.
 
Das Leben geht weiter, so seine Erfahrung nach der Operation und so auch sein Lebensmotto Tag für Tag...Das Leben geht weiter, bis es eben nicht mehr weiter geht. Und in dieser Zeit heisst es einfach zu tun, was einem wichtig ist.
 
Und um zum Ende zu kommen, Wilko war klasse. Für mich ein besonderes Ereignis ihn einmal live zu erleben und mich davon zu überzeugen, dass er tatsächlich der Mensch mit dieser Wahnsinnsenergie ist, die er auf der Bühne mit seiner Musik immer verkörpert hat in seiner einfachen unnahmahmlichen Art und Weise die Gitarre zu spielen, aber auch in seiner Performance.
 
Die Veranstaltung insgesamt hat in mir einen etwas schalen Geschmack hinterlassen. Mir war sie einfach zu busy, will sagen, Herrn Schwenk fehlte einfach die innere Begeisterung und Leidenschaft, das sich selber damit verbunden fühlen, mit dem man es gerade zu tun hat. Er hat nach meinem Gefühl da seinen Dienst verrichtet, was schon daran erkennbar war, dass er ständig auf die Uhr schaute. Gut, vielleicht tu ich ihm da Unrecht, sicher gibt es diesen Zeitrahmen. Das ist mir jedoch so in dieser offensichtlichen Art und Weise, wie er es zeigte, nie aufgefallen bei Veranstaltungen der lit cologne. Ich meine, ich will jetzt ja auch nicht böse Herrn Schwenk kritisieren.
 
Mir hat sich nur der Eindruck vermittelt an diesem Abend, dass die lit cologne mittlerweile zu einem Hype geworden ist, der zwar immer mehr und mehr verspricht, jedoch in seiner Substanz leerer wird. Autoren mit ihren Büchern sollten m.E. an einem solchen Abend von Menschen vorgestellt, gelesen und moderiert werden, die mit dem Herzen bei der Sache sind, sonst geht etwas verloren. Mir ist bewusst, dass die Masse das möglicherweise nicht so empfindet, weil die Masse eben auch genau so handelt. Hingehen, mit Dabeisein ist alles, sich zeigen und schwups zum Nächsten übergehen. Das ist jetzt böse, ich weiss, aber es ist doch so. Das hat sich im Vorfeld in meinen Gesprächen gezeigt. Auch die vor Wilkos Johnsons Veranstaltung stattgefundene Lesung wurde so besucht. Das erzählten mir einige Leute, als ich sie fragte, was war denn da jetzt. Ach, wie hiess die noch mal die Autorin schauten sich die drei Damen an bei meiner Frage an. Lachten dabei, sahen in ihr Programm und suchten nach dem Namen. Sie wären eigentlich nur wegen Sabine Postelt gekommen. Tse, tse...Das ist für mich alles fragwürdig.
 
Immerhin hab ich jetzt in meinem Buch die Unterschrift von Wilko. Ich weiss, dass das Blödsinn ist, aber ein wenig macht mich das auch stolz. Übrigens hat er mir auch ein wenig leid getan der Wilko. Er schien ein wenig irritiert und nicht wissend, wo und wie das Signieren seiner Bücher stattfinden sollte. Irgendein Typ lief ihm voraus und zeigte ihm rasch und oberflächlich seinen Platz und evrschwand sofort wieder. Wo waren die anderen Beiden. Ich weiss nicht, ich fand das ein wenig lieblos. Es passte zu dem Gesamtbild der Veranstaltung, schnell, kurz, knapp und abhacken. Doof!
 
Wilko Johnson
Das Leben geht weiter
Heyne Verlag
ISBN: 978-3453-27081-7
19,99 Euro
 
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10. März 2017 5 10 /03 /März /2017 12:13

Ich bin verpeilt. Sagte ich das schon. Oft jedenfalls. Ich meine, es gab einen Moment, wo ich mich fragte, was bedeutet es eigentlich verpeilt zu sein. Ich hab natürlich gegoogelt, wie immer. Irgendwie bin ich da reingewachsen in die Googlegeneration. Nicht, dass ich google,  wikipedia alles glaube. Mit dem Glauben sollte allgemein sehr vorsichtig umgegangen werden. Es ist ja bekannt dass, hast du geglaubt, du tüchtig auf den Hintern fallen kannst.
 
Jedenfalls, das Wörtchen *peilen* ist wohl herkömmlich gebräuchlich in der Schifffahrt. Kurs aufnehmen, eine bestimmte Richtung im Auge haben, oder gar Höhen und Tiefen messen. Es wird auch oft gesagt, Jemanden anpeilen. Ich habe ein Objekt ganz besonders ins Auge gefasst.
 
Nun ja, das ist ja alles langweilig, diese ganze Theorie. Ich finde es viel lustiger einfach selber verpeilt zu sein.
 
Ich bin so herrlich gerne verpeilt. Ein einfach umwerfendes Lebensgefühl. Wenn ich es mal wieder merke, dass ich es war, spring ich hoch und hüpfe, springe, tanze und lach mir eins ins Fäustchen. Gut, gut, ich gebe ja zu, manchmal kommt das auch doof. Immer dann, wenn es wirklich was Wichtiges war, was ich mal wieder verpeilt habe. Dann entfleucht mir schon mal ein *Oh ganz verpeilt, entschuldige*.  Gott sei Dank leben wir ja in einer Welt, in der fast alles wieder gut zu machen ist. Jedenfalls überwiegend ist das meine Erfahrung. Dafür bin ich recht dankbar. Das macht das Leben doch ersichtlich angenehmer und erträglicher.
 
Was ich z.B. gerne *verpeile* ist, wo ist das Handy? Also, an welchem Ort hab ich es wohl zuletzt gebraucht und danach wie üblich, wie es so meine Art ist, einfach genau dort liegengelassen, wo ich es zuletzt benutzte.
 
Das Handy und Ich, so könnte ein Buchtitel heissen, wenn ich jemals ein Buch schreiben würde, was ich natürlich nicht vorhabe. Son Kwatsch, wen interessieren schon meine geistigen Ergüsse.
 
Neulich mal wieder, hatte ich eine Verabredung und naja, bei Verabredungen ist es ja schon recht hilfreich, das Immerzurhandhabendekommunikationsmittel bei sich zu tragen. Die meisten tun das ja auch. Kannste gucken, wo du willst, die gucken nicht nach vorn, nach oben, nach link oder rechts. Die gucken stur nach unten, nicht mal auf den Boden, nur auf das Immerzurhandhabendekommunikationsmittel namens Handy. Und ne Uhr hatt ich auch nicht dabei, das war schon blöd. Ich wusste nicht mal was die Uhr geschlagen hatte. So kanns gehen im Leben.
 
Früher wurden ja Geschichten erzählt, wie Hans-Guck-.in-die Luft. Das waren noch Zeiten, als der Mensch sich vom Anblick des Himmels und den dahinziehenden Wolkenprachten verzaubern ließ. Heute liegt der Zauber und die Magie in einem kleinen quadratischen Gerät. So kanns gehen mit und in der Welt. Ich glaub, ich falle da raus, wie immer. Son Mist aber auch.
 
Vielleicht liegt es ja auch daran, also meine Verpeilung bezüglich dieses kleinen vielversprechenden Glücksgerätes, dass ich nun gar nicht immer darauf warte, dass einer was von mir will. Was meine Wenigkeit anbelangt, ich will ja auch sehr selten mal was von einem. Wenn ich was will, also hören, wies geht, was so läuft, um zu hören, dass es läuft, sind es nicht so überaus viele Menschen. Und wenn ich weiss, dass es allen gut geht, dann muss ich nicht ständig, Ihr wisst schon.
 
Wenn ich mir mal nen Zeh breche, dann meld ich mich schon, sag ich immer zu denen, die immer ganz erstaunt gucken, wenn ich mich mal tagelang nicht gemeldet habe. Ich bin son Typ.
 
Vielleicht schimpfen mich die Leuts ja *selbstzufrieden* Was ich natürlich dann auch gern annehme. Was gibts denn Schöneres, als mit sich selbst zufrieden zu sein. In meiner Selbstzufriedenheit liegt ja auch immer eine Riesenportion Reflexion, das gehört dazu, will ich nur mal anmerken, nicht dass falsch von mir gedacht weird. Das will ich natürlich auf keinen Fall. Die Leuts sollen schliesslich nur Gutes über mich denken, hihi.
 
Jedenfalls lange Rede kurzer Sinn, wie immer von meiner Seite aus, Ihr wisst schon, beim Schreiben kann ich mich einfach nicht zurückhalten.
 
Also, nochmal, jedenfalls heute Morgen hab ich nen Anschiss bekommen, hehe... Weil es klingelte mal wieder, das Ding, Phone, mich- immer-wieder-in-anruf-bereitschaftsetzende Immerzurhandhabendekommunikationsmittel. Ich war gerade dabei meinen Frühjarsputz zu absolvieren, wobei ich zur Hilfe immer meine Luftgitarre habe und natürlich nen Fetzen Rock´n Roll-Musik. Manchmal ist die Gitarre auch die Pfanne oder der Besen, ist ja auch egal, Jedenfalls ich kann so was von meine eigene Rock´n Roll-Party veranstalten, ich brauch da keinen zu, da bin ich weg, aber so was von.
 
Also, ich fetze durch die Wohnung und es bimmelt wie blöd. Aufgescheucht in meinem völligen Weggetretensein von und in der Musik sprang ich panisch durch die Wohnung und suchte es. Das Ding! Alle Orte, die ich bisher eingeplant hatte, wo es liegen köntne, nix. Es klingelte weiter wie doof.
 
Normalerweise hört es ja auf. Aber dieses Mal nicht. Das musste etwas Wichtiges sein! Also suchte ich weiter...Schon völlig verzweifelt ob des Gedankens, jetzt entgeht mir etwas total Sensationelles, natürlich nur verbunden mit dem Wunsch, es sei etwas Positives.
 
Irgendwann kam ich mal auf die Idee unter den Kissen meines Schlafgemachs zu schauen. Alle Kissen herumgewirbelt und siehe da, da klingelte es vor sich hin. Erleichterung pur! Voll nervös, zittrig an der Handyhand nahm ich das Ding, macht wusch, wusch, wusch. Nix ging. Die Tücke des Objekts, sag ich nur. Vielleicht waren meine Finger auch nicht haftungsfest. Ich weiss es nicht.
 
Immerhin hatte ich es irgendwann geschafft, in die Leitung zu kommen. Und was soll ich sagen!!! Isch schwöre, wenn der Anrufer mir gegenüber gestanden hätte, ich wäre bereit gewesen, meine sämtlichen pazifistischen Ambitionen links liegen zu lassen und ihm gehörig eine, Ihr wisst schon. Zumindestens wäre der Impuls da gewesen, ihm das ganze Ding irgendwohin zu schmeissen, wär mir jetzt auch egal, wohin, hauptsache es hätte getroffen. So! Genugtung wäre da.
 
Ich will nun gar nicht erzählen, worum es dem Anrufer ging. Es gibt ja schliesslich eine Intimsphäre. Ich muss ja nicht alles erzählen. Nur so viel, es war nicht so wichtig, aber auch nicht ganz unwichtig. Das ist eigentlich auch wurscht. Ich habs dann ja alles gut regeln können, wie immer. Es war nur der Anschiss, den ich bekommen habe, mal wieder. Jajajajaja, zerknirscht vor mich hingucke. 
 
Ich sags ja immer. Die Leuts verstehen mich einfach nicht! Die gönnen mir einfach nicht meine kleine Verpeiltheit! Und ich will mal was sagen. Die wirklichen wichtigen Dinge hab ich noch immer geschafft. Es ist so herrlich nicht wie ein hungriges Hündchen auf alles anzuspringen.  Ehrlich! Probiert es mal aus. Und so lange ich nicht aus lauter Verpeiltheit meine Brille irgendwo, Ihr wisst schon, ist ja alles im grünen Bereich. Denn ganz blind möcht ich nu nicht durch die Welt maschieren.
 

Also, Mut zur Verpeiltheit. Steh dazu!
 

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9. März 2017 4 09 /03 /März /2017 18:43

Die Krähe
 
Da kommt die Krähe
dahergeflogen
 
setzt sich an eine Pfütze
und still ihren Durst
 
dann hpüft sie hier hin
und mal dorthin
 
macht Rast auf einem Spielhäuschen
und schaut so um sich
 
nach einer Weile
fliegt sie auf einen Ast
 
und schaut von da herunter
 
hat sie vielleicht Hunger
oder ist sie satt
was macht sie da den
ganzen Tag
 
von einer Stelle zur anderen
hüpft und fliegt sie
mal hierhin
und mal dorthin
 
und guckt und guckt
zwischendurch
wird sich geputzt
 
ob sie sich was dabei
wohl denkt
 
vielleicht ist sie
nur neugierig
 
etwas zu entdecken
was sie noch nie gesehen
 
den lieben langen Tag
vom Morgen bis zum Abend
 
sie hat immer was zu tun
langweilig scheint es ihr nie zu sein
 
manchmal sieht sie sich gestört
in ihrem Tun
 
da hackt sie kampfeslustig
auf eine andere ein
 
ist sie stark
hat sie gewonnen
 
wenn sie verliert
hüpft sie nur von dannen
 
und hat sie dann
ihr Tageswerk vollbracht
 
genug gegessen und getrunken
und reichlich auch  gesehen
 
dann ruht sie friedlich
irgendwo
auf einem Baum
 
schläft und schläft
bis ein neuer Tag anbricht
 
Ich möcht so gern
wie die Krähe sein
 
Ach nein,
ich bin es ja
 

stell ich nun gerade fest

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Published by Fernweh - in lyrik
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8. März 2017 3 08 /03 /März /2017 10:58

Heute Morgen!
 
Sagte ich schon, dass meine Kinder mein größter Schatz sind? Aber nicht nur meine Kinder! Kinder sind die Hoffnung der Zukunft.
 
Kinder sind ein Segen! Glücklich der Mensch, der sich eigener Kinder rühmen darf.
 
Noch glücklicher der Mensch, der sieht, wie glücklich die eigenen Kinder sind.
 
Glücklich aber auch der Mensch, der Kindern einfach nur zuschauen kann und erfährt, wie sie ihm zeigen, wie mit dem Leben umgegangen werden soll, kann, muss oder darf.
 
Heute Morgen!
 
Heute Morgen stand ich auf meinem Balkon. Der Himmel hatte sich wieder zugezogen. Alles grau in grau. Ich hatte meine Runde Laufen absolviert, die Einkäufe für die alte Dame erledigt.
 
Nun war wieder meine kleine gemütliche, häusliche Ruhe und Stille eingekehrt.
 
Ich rauche, wenn auch nicht viel, aber gerne mal eine. Dazu gehe ich auf meinen Balkon. Es ist sogleich eine kleine Meditation für mich. Ich weiss, das geht auch ohne Rauchen. Aber ich rauche nun mal gern ab und zu eine Zigarette. Ist halt so!
 
Ich stehe also auf meinem Balkon. Der Himmel grau in grau, der Regen fällt in geradlinigen Strichen vom Himmel herunter. Zuerst ganz leise und ruhig, dann prasselnd und klimpernd.
 
Da unten, kaum zu glauben, dem Wetter getrotzt, da spielen die Kinder. Gut angezogen, mit regenabweisenden Gummihosen, Mützen auf, Anoraks und scheren sich keinen Deut darum, was vom Himmel oben auf sie herabfällt. So, als gäbe es das nicht.
 
Vertieft sitzen sie beieinander mit ihren Förmchen und Schaufeln und buddeln in der Erde. Irgendetwas wollen sie bauen. Einige stehen manchmal auf, laufen aufgeregt hin- und her, um irgendein brauchbares Material für ihr noch zu erschaffendes Bauwerk zu suchen und zu finden und kehren eilig zu den anderen am Boden sitzenden zurück, um das beizusteuern, was hilfreich ist.
 
Ich beobachte sie eine lange Weile. Stehe da ruhig auf meinem Balkon und blicke zu ihnen hinunter. Fühle mich ergriffen von der Intensität ihres Spiels da unten.
 
Sie ignorieren einfach den Regen. So, als gäbe es ihn gar nicht. Er scheint ihnen nichts an zu haben. Sie machen einfach ihr Ding. Ungeachtet dessen, was auf sie herabströmt.
 
Und während ich sie beobachte kommt mir einfach der Gedanke, dass ich in ihrem Tun etwas für das Leben, für mein Leben entdecke.
 
Es ist diese Form des Ignorierens der Gegebenheiten. Du stehst im Regen, so sag ich mir manchmal. Oder vielleicht besser, man hat mich im Regen stehenlassen. Was nichts anderes bedeutet, ich bin ausgeliefert. Entweder dem Alleingelassen werden von anderen Menschen. Oder einfach von einer Situation, die mir gerade eine schwierige Lebensphase beschert.
 
Und anstatt zu flüchten, fieberhaft nach Fluchtwegen und Lösungen zu suchen, machen die Kinder mir es in ihrer einfachen und natürlichen Lebensweise plötzlich klar.
 
Wenn du  im Regen stehst, mach einfach weiter mit dem, was du gerade vorhattest zu tun. Ungeachtet dessen, was da gerade auf dich hereinströmt von aussen. Eine Bedrohung, eine Not, ein Beschimpfen, ein dich denunzieren, ein demontieren. Mach einfach weiter, beachte es nicht. Es wird, wie der Regen von selber aufhören. Es regelt sich so Vieles von alleine. Die Dinge gehen ihren Weg. Das einzige, was du tun kanst, bleib du selber, mach weiter mit dem, mit dem du dabei warst, es zu tun. Laß dich niemals beirren! Und während all deines Weitermachens entstehen so oft dann die Lösungen, nach denen du vielleicht gesucht hast.
 
So einfach ist das, so dachte ich in diesem schönen Moment des Beobachtens der spielenden Kinder da unten im Regen.
 

Wir können so viel lernen von Kindern. Kinder sind ein Segen. Jedenfalls für mich.

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